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<journal-title>Genealogy+Critique</journal-title>
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<article-title>Illusio der Autonomie: Carolin Amlingers Studie &#252;ber literarische Arbeit</article-title>
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<email>rafael.jakob@univie.ac.at</email>
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<aff id="aff-1"><label>1</label>Institut f&#252;r Germanistik, Universit&#228;t Wien, Austria</aff>
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<license-p>This is an open-access article distributed under the terms of the Creative Commons Attribution 4.0 International License (CC-BY 4.0), which permits unrestricted use, distribution, and reproduction in any medium, provided the original author and source are credited. See <uri xlink:href="http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/">http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/</uri>.</license-p>
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<p>Carolin Amlinger&#39;s <italic>Schreiben. Eine Soziologie literarischer Arbeit</italic> is a large-scale, but still coherent analysis of contemporary literary production in Germany. Inspired by Pierre Bourdieu&#39;s field theory, trained in critical theory, and based on interviews with authors she interpreted using qualitative methods, Amlinger combines three approaches: a history of the (West) German literary market and the development of the literary public sphere from 1871 to the recent present, an account of institutions in the present-day German literary scene, and an analysis of the habitus of contemporary authors. Amlinger shows how literary work today is characterized by a blurring of the boundaries between market and public. According to her observation, this development goes hand in hand with an essentialization of authorship &#8211; understanding that justifies precarious work with the promise of creative self-realization. As the review argues, this results in an analytical balancing act: on the one hand, to show how literary writing and the notion of it are reshaped, and at the same time to remain sensitive to the resistance of literary practices and to concepts of authorship that oppose a neoliberal notion of labor. Amlinger&#39;s refraining from complementing authors&#39; self-conceptions with observations of actual practices and the products of literary labor make it difficult for the study to consistently pursue both perspectives.</p>
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<title>1. &#034;Arbeit und mehr als Arbeit&#034;</title>
<p>&#034;Ich wei&#223; nicht, was sich die Leute unter einem Schriftsteller vorstellen. Aber jede Vorstellung ist sicher falsch, was mich betrifft, bin ich kein Schriftsteller, ich bin jemand, der schreibt.&#034;<xref ref-type="fn" rid="n1">1</xref> In Thomas Bernhards Unbehagen gegen&#252;ber dem Begriff des Schriftstellers dr&#252;ckt sich eine Eigenheit des modernen Verst&#228;ndnisses von Autorschaft aus: Konnte f&#252;r das 18. Jahrhundert noch gelten, dass Autor:innen diejenigen sind, die im &#034;Druck erscheinen&#034;,<xref ref-type="fn" rid="n2">2</xref> und musste man also drucktechnisch und verlegerisch allererst zur Autorin gemacht werden, hat dieser Begriff eine eigenartig existenzielle Wendung erfahren. Roland Barthes hat das auf die Formel gebracht, ein Schriftsteller sei in der Moderne weniger einer, &#034;der <italic>etwas</italic> schreibt, sondern jemand, der schlechterdings schreibt&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n3">3</xref> &#39;Schreiben&#39; avanciert zum intransitiven Verb.</p>
<p>Welche Produktionsbedingungen, welche Marktgegebenheiten und welche Institutionen machen einen Begriff von literarischer Arbeit m&#246;glich, der ein solches Verst&#228;ndnis vom Schreiben einschlie&#223;t? Und welche Verhei&#223;ungen verbinden sich mit einer T&#228;tigkeit, von der, mit Bernhard gesprochen, &#034;jede Vorstellung [&#8230;] sicher falsch&#034; ist? Carolin Amlinger geht in ihrer Studie <italic>Schreiben: Eine Soziologie literarischer Arbeit</italic> auf mehr als 700 Seiten diesen Fragen nach. Sie stellt ihre Studie unter zwei Vorzeichen: Notorisch prek&#228;re literarische Arbeit ist heute auf eine besondere Weise bedroht. In Deutschland werden immer weniger B&#252;cher gekauft und es wird immer weniger gelesen. Zugleich hat die Soziologie einen langen <italic>Prozess gesellschaftlicher &#196;sthetisierung</italic><xref ref-type="fn" rid="n4">4</xref> ausgemacht, im Zuge dessen k&#252;nstlerische Arbeit zu einem Idol neoliberal organisierter kapitalistischer Arbeitszusammenh&#228;nge geworden ist. Prekarit&#228;t wird hier mit dem Versprechen auf kreative Selbstverwirklichung gerechtfertigt. Diese Entwicklung profitiert von einem phantasmatischen Bild k&#252;nstlerischer und damit auch literarischer Praxis: &#034;Literarisches Arbeiten&#034;, schreibt Amlinger, &#034;stellt sich dar als ein Gegenentwurf zur entzauberten und entfremdeten Lohnarbeit, als das Versprechen einer sinnhaften T&#228;tigkeit, die um ihrer selbst willen ausge&#252;bt wird. Schreiben [&#8230;] ist Arbeit und mehr als Arbeit.&#034;<xref ref-type="fn" rid="n5">5</xref></p>
<p>Wenn, wie j&#252;ngst Christoph Menke argumentiert hat, der Neoliberalismus mit einem spezifischen Versprechen auf &#034;Befreiung&#034; und unternehmerisch zu verwirklichende Selbstst&#228;ndigkeit einhergeht, dann sind zentrale &#228;sthetische Kategorien &#8211; Urheberschaft, Autonomie, Freiheit, kreatives Verm&#246;gen &#8211; einem ideologischen Sog ausgesetzt.<xref ref-type="fn" rid="n6">6</xref> Amlingers Studie wandelt daher auf einem schmalen Grat: einerseits &#228;sthetisch-&#246;konomische Verquickungen im gegenw&#228;rtigen Begriff literarischer Arbeit nachzuweisen, zugleich aber analytisch sensibel zu bleiben f&#252;r die Widerst&#228;ndigkeit literarischer Arbeit gegen ihre ideologische Vereinnahmung und gegen ihre tats&#228;chliche (neoliberale) Umgestaltung.</p>
<p>In einer Konstellation, in der kreative Arbeit gleichzeitig bedroht und auf verzerrte Weise verallt&#228;glicht wird, scheint das Schreiben auf neue Weise faszinierend zu sein &#8211; gerade als der selbstst&#228;ndige und asketisch anmutende Akt, als den der Titel von Amlingers Buch es vorstellt. Das gro&#223;e Interesse, das nicht zuletzt das deutsche Feuilleton Amlingers Dissertationsschrift entgegengebracht hat, zeigt jedenfalls, dass ihre Arbeit einen Nerv trifft. Vor wenigen Jahren hat der Soziologe Clayton Childress eine mit <italic>Schreiben</italic> in vieler Hinsicht vergleichbare und ebenfalls breit und intensiv rezipierte Studie &#252;ber den amerikanischen Literaturbetrieb und die <italic>Creation, Production and Reception of a Novel</italic><xref ref-type="fn" rid="n7">7</xref> publiziert. Wie Childress orientiert sich auch Amlinger an Pierre Bourdieus Feldtheorie. Anders als bei Bourdieu und anders als bei Childress fehlt bei Amlinger allerdings der Blick zwischen die Buchdeckel und auf den konkreten &#8211; entstehenden oder vermarkteten &#8211; literarischen Text. Eine Begr&#252;ndung daf&#252;r gibt sie nicht.<xref ref-type="fn" rid="n8">8</xref> Indem sie darauf verzichtet, Schreiben auch unter Ber&#252;cksichtigung der Literatur verstehen zu wollen, die es hervorbringt, tendiert ihre Studie dazu, es statt in seiner Besonderheit als literarische Arbeit in seiner allgemeinen Form zu analysieren, kreative Arbeit zu sein.</p>
<p>Hierzu schon an dieser Stelle ein Beispiel: Mit Begriffen Hartmut Rosas versteht Amlinger das literarische Schreiben als einen Prozess, der von einer &#034;gegl&#252;ckte[n] Resonanzbeziehung&#034; zwischen Autor:in und Welt ausgeht, &#034;affektive Reaktion[en] in der Autorin aus[l&#246;st]&#034;, zu Erfahrungen von &#034;Selbstwirksamkeit&#034; f&#252;hrt und zuweilen einen von einer &#034;gesteigerten Affektmobilisierung&#034; begleiteten &#034;Schreibrausch&#034; bewirkt (487ff.). Schreiben auf diese Weise als einen k&#246;rperlichen Akt und als ein gl&#252;ckliches Affektgeschehen vorzustellen, f&#252;hrt auf ein Vokabular, das ein wenig unscharf gegen dasjenige einer Ideologie kreativer Arbeit als Verwirklichung von Freiheit qua spezifischer Produktionsweise abgegrenzt ist. Fragen literarischer Formgebung blendet Amlingers Studie &#8211; die unter literarischem Schreiben haupts&#228;chlich die Produktion von Fiktionen (481), ein &#034;Geschichtenschreiben&#034; (483) und das Schreiben von B&#252;chern versteht &#8211; zwar nicht aus. Sie stellt sie aber zur&#252;ck und bespricht sie abstrakt statt in Auseinandersetzung mit konkreten Texten. So tut sich just da eine analytische Leerstelle auf, wo sich, folgt man Adornos <italic>&#196;sthetischer Theorie</italic>, auf die sich Amlinger wiederholt bezieht, entscheiden w&#252;rde, in welches Verh&#228;ltnis zur Gesellschaft sich das jeweilige literarische Arbeiten tats&#228;chlich setzt.<xref ref-type="fn" rid="n9">9</xref></p>
<p>Statt literarischer Texte, in denen sich das Schreiben materialisiert, sprechen bei Amlinger Autor:innen: Sie st&#252;tzt ihre Analyse auf 18 qualitativ ausgewertete Interviews, die sie mit anonym zitierten und in einem Anhang fall-f&#246;rmig vorgestellten, ganz unterschiedlich erfolgreichen Autor:innen verschiedener Generationen &#8211; alle zumindest auch Autor:innen von Romanen &#8211; gef&#252;hrt hat. Im so dem Autorensubjekt methodisch einger&#228;umten Privileg tritt ihre Studie in ein interessantes (und nicht unproblematisches) Verh&#228;ltnis zur Ideologie des literarischen Felds, die literarische Produktion zum schriftstellerischen Sch&#246;pfungsakt verkl&#228;rt.<xref ref-type="fn" rid="n10">10</xref> Ertragreich ist ihre Methode deshalb besonders da, wo sie sich mit den im literarischen Feld waltenden Phantasmen oder, in Bourdieus Terminologie, mit der <italic>illusio</italic> dieses Felds auseinandersetzt: mit der Ideologie, die Akteur:innen dazu bringt, sich auf die K&#228;mpfe des literarischen Felds einzulassen.</p>
<p>Drei gro&#223;e Kapitel umfasst Amlingers Arbeit. Zusammengenommen stellen sie dar, wie sich der Markt entwickelt hat, auf dem literarische Texte als Waren mit vergleichbarem Tauschwert gehandelt werden, wie die Institutionen beschaffen sind, die Literatur ihren symbolischen Wert und den (vermarktbaren) Glanz ihrer Einzigartigkeit verleihen, und welchen Habitus sich verschiedene Akteur:innen in diesem Kr&#228;ftefeld aus Markt und Literaturbetrieb angeeignet haben.</p>
<p>Das erste Kapitel erz&#228;hlt die Geschichte des von Amlinger so bezeichneten &#034;&#228;sthetischen Wirtschaftens&#034; in (West-)Deutschland: Es behandelt die Zeit zwischen 1871 und 1918, in der sich im Zusammenspiel mit einem nun kapitalistischen Buchmarkt ein autonomes literarisches Feld im Bourdieu&#39;schen Sinne herausbildet; dann die Epoche einer emergierenden Kulturindustrie von 1948 bis 1990 und die Eigenheiten literarischer Arbeit in einem von zunehmender Konkurrenz, der Dominanz gro&#223;er Medienkonzerne und der staatlichen Vereinnahmung von &#39;Kultur&#39; gepr&#228;gten Feld; schlie&#223;lich die Zeit von 1990 bis in die Gegenwart der Corona-Pandemie und die &#034;disruptiven&#034; (289) Auswirkungen der Digital&#246;konomie auf den Buchmarkt. Ihre Periodisierung begr&#252;ndet Amlinger damit, dass f&#252;r sie &#034;von Interesse [&#8230;] jene Zeiten [sind], in denen alles in Bewegung ist, in denen, um mit Marx und Engels zu sprechen, &#39;alle festen eingerosteten Verh&#228;ltnisse [&#8230;] aufgel&#246;st&#39; [werden] und die wirtschaftliche Dynamik &#228;sthetischer &#214;konomien klar zutage tritt&#034; (52). Dass der gesamte Zeitraum zwischen 1871 und der Gegenwart unter diesem Gesichtspunkt interessant und just die Zeit zwischen 1918 und 1945 zu vernachl&#228;ssigen ist, erscheint etwas willk&#252;rlich.</p>
<p>Im zweiten Kapitel analysiert Amlinger die &#034;gesellschaftliche Einbettung&#034; literarischer Arbeit in Institutionen des gegenw&#228;rtigen Literaturbetriebs &#8211; die &#034;Voraussetzung der Vereinzelung&#034; literarischen Schreibens (516). Hier setzt sie sich ausgehend von Ergebnissen der Schreibprozessforschung und von Theorien des Schreibens mit dem tats&#228;chlichen Schreibakt und mit dem Produktionsprozess auseinander, in dessen Verlauf aus einem Manuskript ein ver&#246;ffentlichtes Werk und eine vermarktbare Ware wird. Das dritte Kapitel besch&#228;ftigt sich mit dem &#034;normativen Selbstentwurf&#034;, als den Amlinger Autorschaft begreift (559), und mit der Frage, &#034;in welcher Weise Autor:innen ihren Beruf als autonom deuten und ob sie bestimmte Praktiken generieren, die diese arbeitsbezogene Autonomie kultivieren oder vielleicht auch (ob gewollt oder ungewollt) unterminieren&#034; (616).</p>
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<title>2. Schriftstellerberuf, Literaturbetrieb und der &#034;Doppelcharakter der Marktdynamik</title>
<p>Schriftsteller:innen, so stellt der franz&#246;sische Soziologe Bernhard Lahire fest, f&#252;hren ein eigenartiges Doppelleben &#034;zwischen Beruf und Berufung&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n11">11</xref> Trotz &#034;zunehmende[r] Verberuflichung&#034; (348) durch Schreibschulen und das von ihnen vergebene Diplom gibt es auch heute keine geregelten Zugangsbedingungen zur Profession. Arbeit und Leben flie&#223;en im Schriftstellerberuf ineinander. Alle von ihr interviewten Autor:innen, h&#228;lt Amlinger fest, f&#252;hren ihr Leben so, dass es das Schreiben erm&#246;glicht: &#034;[D]as ordnende Prinzip ihrer Lebensf&#252;hrung [ist] die literarische T&#228;tigkeit&#034; (339).</p>
<p>Seit der Entstehung eines autonomen literarischen Felds in der Kaiserzeit und bis in die Gegenwart hinein lebt die Mehrheit der Schriftsteller:innen prek&#228;r, muss die mit der literarischen Arbeit einhergehenden Risiken abfedern lernen und kann sich nicht durch literarisches Schreiben allein finanzieren &#8211; w&#228;hrend zugleich die traditionellen Berufe zur Kompensation schriftstellerischer Risiken in den letzten Jahrzehnten zunehmend unsicher und unprofitabel werden (vgl. 627ff.). Einen Befund der Arbeitswissenschaften aufgreifend bemerkt Amlinger, dass &#034;diese prek&#228;re Dimension der Arbeit das Selbstverst&#228;ndnis von K&#252;nstler:innen und Kreativen nur partiell pr&#228;gt&#034;. Einen Grund sieht sie im &#034;Freiheitsversprechen&#034; der Kunst (344).</p>
<p>Gegen welche Zw&#228;nge setzt sich dieses Versprechen ab und welche sozialen Strukturen geben ihm Form? Als Autor:innen zu re&#252;ssieren hei&#223;t f&#252;r Schriftsteller:innen, sich in einem &#034;nur wenig formalisiert[en]&#034; sozialen Feld zurechtfinden zu m&#252;ssen (396). Wie dieses Feld geregelt ist und welche Dynamik es ausbildet, die &#034;Regulationsweisen literarischer Arbeit&#034; (360) und die Institutionen der literarischen &#214;ffentlichkeit, lassen sich &#8211; dies eine Grundthese von Amlingers Studie &#8211; nicht unabh&#228;ngig von den Entwicklungen des Buch- und Literaturmarkts begreifen. So gestaltet sich das literarische Feld zwischen 1871 und 1918 ihrer Analyse zufolge als Effekt des &#034;Doppelcharakter der Marktdynamik&#034; (82): <italic>Einerseits</italic> setzt die Emergenz des modernen, kapitalistischen Buchmarkts das literarische Feld als autonomes soziales Feld frei. Verlage, die jetzt auch drucken und binden d&#252;rfen und so die ganze Buchproduktion in die Hand nehmen, differenzieren sich aus: Lektorat, Herstellung, Werbung, Vertrieb und Verlagsvertretung werden zu eigenst&#228;ndigen Bereichen (76). Neben Gro&#223;verlagen, die als Kapitalgesellschaften auftreten, pr&#228;gen Individual- oder Kulturverleger wie Fischer, Ullstein oder Insel das Feld. Sie publizieren insbesondere zeitgen&#246;ssische Autor:innen und etablieren das Modell der lebenslangen Bindung von Autor:innen an Verlage. <italic>Andererseits</italic> gef&#228;hrdet der kapitalistische Markt, auf dem das Buch zum in Schaufenstern ausgelegten, in Periodika beworbenen und in Bahnhofsbuchhandlungen, Warenh&#228;usern und im mobilen Buchhandel vertriebenen Massenmedium und zum Medium einer &#034;zweiten Leserevolution&#034; wird (69ff.) wird, das &#228;sthetische Wirtschaften und die Akteur:innen dieses Wirtschaftens. Als Folge treten den Markt begrenzende Institutionen und Regulierungen auf den Plan, etwa die Ladenpreisbindung f&#252;r B&#252;cher, eine moderne Fassung des Urheberrechts und eine Reihe von Schriftsteller-Verb&#228;nden.</p>
<p>Auch f&#252;r die Zeit zwischen 1948 und 1990 zeigt Amlinger, dass sich das literarische Feld nicht unabh&#228;ngig vom Buchmarkt, dass sich die Formen, die schriftstellerische Arbeit und ihre Regulierungen annehmen, nicht unabh&#228;ngig von &#246;konomischen Dynamiken verstehen lassen. Der Buchmarkt verzeichnet in dieser Zeit eine rasante Umsatzentwicklung: von 0,6 Milliarden DM 1951 zu 7,8 Milliarden DM Anfang der 1980er. Dem Umsatzvolumen nach ist er so mit dem Schiffsbau, mit der Eisen- oder Stahlproduktion vergleichbar. Zugleich beginnt die Unterscheidung zwischen Gro&#223;- und Kulturverlagen zu erodieren. Der Markt ist jetzt gepr&#228;gt von gro&#223;en Medienunternehmen wie Bertelsmann, Springer und Holtzbrinck, die inhabergef&#252;hrte Kulturverlage (wie Fischer, Ullstein, Goldmann, Piper) aufkaufen und in deren Portfolio die Belletristik nur ein Produkt unter anderen ist. Nach amerikanischem Vorbild ist der kulturindustrielle Buchmarkt dieser Zeit am Wettbewerb um Bestseller ausgerichtet, die f&#252;r Publikumsverlage zum existenziellen Faktor werden. &#034;Signum einer der entscheidendsten Verschiebungen innerhalb des literarischen Verlagsprogramms&#034; ist das erstmalige Erscheinen der <italic>Spiegel</italic>-Bestsellerliste 1962 (179). Das Spekulieren auf den Bestseller bringt Auktionen um Manuskripte, gro&#223;e Lesetourneen, Vorabvertr&#228;ge mit Auslandsverlagen, Film, Fernsehen und Rundfunk mit sich. Das Lektorat verliert an Bedeutung, die der Marketingabteilungen steigt ebenso wie die von Literaturagent:innen. Eine &#034;Standardisierung der Buchwaren durch literarische Trends&#034; ist die Folge (245), &#246;konomisch wenig vielversprechende Buchprojekte m&#252;ssen durch ertragreiche Titel querfinanziert werden.</p>
<p>Dass Autor:innen zunehmend von gro&#223;en Medienkonzernen vermarktet werden, l&#228;sst sie zu &#034;Medienautoren&#034; (408) avancieren, die sich immer weniger &#252;ber <italic>ein</italic> bestimmtes Medium definieren k&#246;nnen. Dieser Umstand ist, wie Amlinger argumentiert, reflektiert in der Neufassung des Urheberrechts von 1965. Es macht &#034;die k&#252;nstlerisch-kreative Leistung zu einem einklagbaren Recht&#034; (197). Zugleich wird mit der Gr&#252;ndung der VG-Wort, der Einf&#252;hrung des K&#252;nstlersozialversicherungsgesetzes, der Einrichtung der K&#252;nstlersozialkasse und der Bestimmung eines verminderten Mehrwertsteuersatzes f&#252;r B&#252;cher Schriftsteller:innen und ihrer Arbeit ein besonderer sozialer Status einger&#228;umt. Das bedeutet aber zugleich &#8211; ein weiteres Ph&#228;nomen mit doppeltem Charakter also &#8211; &#034;die soziale Inklusion der Akteure, mithin auch die Integration ihrer Kritik am kapitalistischen Warentausch [und die] Ausweitung des Marktprinzips auf nahezu alle Bereiche des literarischen Feldes&#034; (198).</p>
<p>Wie seine Vorgeschichte erz&#228;hlt Amlinger auch die Entwicklung des Literaturmarkts der letzten Jahrzehnte im ersten Gro&#223;kapitel und weitgehend in einem (sehr eigenst&#228;ndigen) re-read der Forschung. Wie zuvor hat man es auch weiterhin mit einem Markt zu tun, auf dem auf Bestseller spekuliert wird und auf dem ein Zwang zu &#034;permanente[r] Innovation&#034; herrscht, der &#034;eine verh&#228;ngnisvolle Einheit mit dem k&#252;nstlerischen Ideal des Neuen eingeht&#034; (144). Internationalisierung und Marktkonzentration nehmen weiter zu, seit der Jahrtausendwende ger&#228;t der Buchmarkt aber zunehmend in die Krise. Amlinger macht das an verst&#228;rkter Titelproduktion bei sinkenden Ums&#228;tzen, dem R&#252;ckgang der t&#228;glichen Lesedauer und den vielen Fusionierungen und &#220;bernahmen fest. Der gegenw&#228;rtige Buchmarkt steht im Zeichen der sich in Literaturproduktion, Buchhandel, Leseverhalten und Kritik niederschlagenden Digitalisierung und im Zeichen des neoliberalen Programms, die Gesellschaft mit der Logik &#246;konomischen Wettbewerbs zu durchdringen. So werden beispielsweise die Verlage des Holtzbrinck-Konzerns im Jahr 2000 von McKinsey &#034;restrukturiert&#034;, um den Wettbewerb innerhalb des Unternehmens zu forcieren (313). Die solcherart beabsichtigte &#034;managementgesteuerte Marktzentrierung der Verlage&#034; erreicht jedoch Grenzen. Wegen der Unabsehbarkeit von Bucherfolgen und der besonderen Regulierung des Buchmarkts erweist es sich als unprofitabel, &#034;[d]as Buch wie eine ordin&#228;re Ware zu behandeln&#034; (331). Man hat daher, wie Amlinger konstatiert, im letzten Jahrzehnt erkannt, dass der &#246;konomische Erfolg von Verlagen von verlegerischem Geschick und Eigenverantwortung abh&#228;ngt.</p>
<p>Amlingers Auseinandersetzung mit dem Literaturbetrieb, dem Schriftstellerberuf und dem Schreiben der Gegenwart folgt im zweiten Kapitel und ist methodisch eigenst&#228;ndiger, weil von den Ergebnissen der von ihr gef&#252;hrten Interviews gest&#252;tzt. Dass sie die Darstellung des gegenw&#228;rtigen literarischen Felds nicht direkt auf die Eigenheiten des literarischen Markts bezieht, verwundert, besonders angesichts der neoliberal organisierten &#220;bersetzung sozialer in &#246;konomische Beziehungen.</p>
<p>Im zweiten, in knappe Abschnitte unterteilten und dadurch etwas kurzatmigen Kapitel arbeitet Amlinger zweierlei heraus: <italic>Erstens</italic> wie sich an Diskussionen und Anfechtungen der &#034;Regulationsweisen literarischer Arbeit&#034; &#8211; dem Urheberrecht, der VG-Wort, der K&#252;nstlersozialkasse und dem Deutschen Literaturfonds &#8211; andeutet, dass der erhabene Status von Schriftsteller:innen br&#252;chig geworden ist. Eine Begr&#252;ndung gibt Amlinger in Bezug auf den Urheberrechtsdiskurs und mit einem Verweis auf eine Arbeit von Pierre-Michel Menger:<xref ref-type="fn" rid="n12">12</xref> &#034;[D]as normative Fundament, der Schriftstellerberuf sei eine Erwerbst&#228;tigkeit besonderer Art, [erodiert] mit einem erwerbsstrukturellen Wandel, der k&#252;nstlerisch-kreative Praktiken <italic>in</italic> der Arbeitsgesellschaft implementiert&#034; (376). <italic>Zweitens</italic> stellt sie ausgehend von einem Durkheim&#39;schen Begriff sozialer Institutionen dar, welche Konsequenzen Marktgegebenheiten auf Institutionen des Literaturbetriebs haben. In der zum Literaturbetrieb transformierten literarischen &#214;ffentlichkeit kann ein symbolisch-&#228;sthetisches Kapital erworben werden, das sich zunehmend umstandslos in &#246;konomisches Kapital umsetzen l&#228;sst.</p>
<p>Amlingers Methode, die &#034;Regulationsweisen literarischer Arbeit&#034; und den Literaturbetrieb durch die &#034;subjektiven Deutungen&#034; (393) der interviewten Autor:innen oder anderer Stimmen aus dem literarischen Feld gebrochen darzustellen, f&#252;hrt besonders dann zu erhellenden Einsichten, wenn sie es schafft, Fluchtlinien des literarischen Felds nachzuzeichnen. So wenn sie darstellt, wie die interviewten Autor:innen von &#034;digitale[n] Vertriebsstrukturen und Handelsmonopole[n]&#034; (363) das Urheberrecht unterminiert sehen. Oder wenn sie auf den Entwurf f&#252;r eine Novellierung des Urheberrechts von 2015 eingeht, wonach Autor:innen die M&#246;glichkeit einger&#228;umt worden w&#228;re, einem Verlag gew&#228;hrte Nutzungsrechte nach f&#252;nf Jahren zur&#252;ckzunehmen. Einige Autor:innen sehen damit die Macht erfolgreicher Autor:innen gest&#228;rkt; Verlage sehen ihre Kalkulationssicherheit gef&#228;hrdet; man sieht ambitionierte und &#246;konomisch riskante oder wenig vielversprechende Projekte bedroht. Manche Autor:innen und manche Verlage gehen in der Debatte eine strategische Allianz ein. Hierarchien und Bruchstellen innerhalb des literarischen Felds werden sichtbar.</p>
<p>Auf eine &#228;hnliche Dynamik weist Amlinger hin, wenn sie auf eine 2016 um eine Neuregulierung der VG-Wort gef&#252;hrte Debatte im literarischen Feld eingeht: Nach der Klage eines Wissenschaftsautors schr&#228;nkt eine (2021 zur&#252;ckgenommene) Novellierung die Rechte von Verlagen ein, a priori an den Aussch&#252;ttungen der VG-Wort beteiligt zu werden. Hier wird, wie Amlinger zeigen kann, die &#034;institutionalisierte Arbeitsbeziehung&#034; zwischen Autor:innen und Verlagen in Frage gestellt, werden K&#228;mpfe und Verwerfungen innerhalb des literarischen Felds deutlich. Dass sie in der Besprechung dieses Falls &#246;ffentliche Einlassungen (Artikel von Wiebke Porombka und Karen K&#246;hler, ver&#246;ffentlicht jeweils in der <italic>ZEIT</italic>) auf dieselbe Weise diskutiert, wie sie ansonsten die anonymen Autor:innengespr&#228;che behandelt, irritiert allerdings. Und die handfesten Hinweise Karen K&#246;hlers zur Aufgabenverteilung zwischen Autor:innen und Verlagen bei schwer vermarktbaren Texten &#8211; zum Unterschied zwischen gro&#223;en Wissenschafts- und kleinen Literaturverlagen und zur Sorge, das Urteil k&#246;nne dazu f&#252;hren, dass Verlagsaufgaben wie Marketing und Lektorat k&#252;nftig an die Autor:innen fallen &#8211; blendet Amlinger zugunsten der recht vagen Aussage ab, die Autorin w&#252;rde derjenigen &#034;illusio&#034; anh&#228;ngen, wonach Verlage &#034;die sakrale Macht&#034; besitzen, aus Texten Werke zu machen (369).</p>
<p>Gerade wenn Amlinger feststellt, dass die unterschiedlichen Debattenbeitr&#228;ge jeweils eine Wahrheit &#252;ber das literarische Feld aussprechen, wie sie einer bestimmten Position im und einer bestimmten Perspektive auf das literarische Feld zuzurechnen ist, vermisst man &#220;berlegungen zur Aufteilung dieses Felds; &#220;berlegungen, wie sie etwa Heribert Tommek in seiner ebenfalls feldtheoretischen Studie &#252;ber den <italic>Langen Weg in die Gegenwartsliteratur</italic> angestellt hat, auf die Amlinger nur sporadisch verweist.<xref ref-type="fn" rid="n13">13</xref> Hinweise, die sie im Zuge ihrer Auseinandersetzung mit dem Literaturmarkt zur Entwicklung des Diskurses um das Urheberrecht gibt, werden hier nicht mehr erw&#228;hnt, geschweige denn von den interviewten Autor:innen diskutiert. Die Vermutung, dass sich das deutsche, im Sinne einer &#034;Werkherrschaft&#034;<xref ref-type="fn" rid="n14">14</xref> an die Person der Autor:innen gekn&#252;pfte Urheberrecht in Richtung eines Copyrights nach angels&#228;chsischem Vorbild entwickelt, weil Verlage sich zunehmend als &#034;Content Provider&#034; sehen (vgl. 296), greift Amlinger nicht mehr auf. So bleibt die Auseinandersetzung mit dem Schriftstellerberuf und seinen Regulierungen nur lose an die im ersten Teil der Studie vorgenommenen Analysen des Literaturmarkts angeschlossen. Das verwundert bei einer Arbeit, die doch gerade als ihren Anspruch formuliert, die &#034;Verzahnungen von &#228;sthetischen Praktiken mit &#246;konomischen Handlungslogiken zu rekonstruieren&#034; (28) &#8211; wobei zu fragen ist, ob die Metapher der &#034;Verzahnung&#034; nicht schon auf die fragw&#252;rdige Bestimmung festlegt, dass &#246;konomische Logiken &#228;sthetischen Praktiken notwendigerweise &#228;u&#223;erlich sind.</p>
</sec>
<sec>
<title>3. (<italic>Illusio</italic> der) Autonomie</title>
<p>Der Grad der Autonomie des literarischen Felds l&#228;sst sich Bourdieu zufolge an der St&#228;rke des &#034;Brechungseffekt[s]&#034; messen, &#034;den seine spezifische Logik externen Einfl&#252;ssen oder Anforderungen zuf&#252;gt&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n15">15</xref> Das vorausgesetzt zeigen viele von Amlingers Befunden, dass dieses Feld immer heteronomer wird und dass sich, wie schon von Bourdieu festgestellt, die &#034;Welt der Kunst und [die] des Geldes&#034;<xref ref-type="fn" rid="n16">16</xref> zunehmend durchdringen: Stipendien und Literaturpreise funktionieren &#034;verst&#228;rkt nach &#246;konomischen Steuerungsmechanismen&#034; (436). Innerhalb des literarischen Felds setzen sie den &#228;sthetischen Wettbewerb oft aus, weil Bepreisungen weitere Bepreisungen wahrscheinlich machen. An Lesungen l&#228;sst sich eine Eventisierung im Zeichen der Aufmerksamkeits&#246;konomie eines an Neuerscheinungen ausgerichteten Markts feststellen. In der Literaturkritik dominieren mit Kurzkritiken und Autorenportr&#228;ts Formen, die immer weniger an einem literarischen Eigensinn interessiert sind. Zudem bedeuten (meist einem &#034;identifikatorischen Lesen&#034; verpflichtete) Online- und insbesondere K&#228;ufer:innen-Rezensionen zwar eine &#034;Demokratisierung der Kritik&#034; (mit dem Begriff der Demokratisierung ist Amlinger in der ganzen Studie recht freigiebig). Als Bewertungsinstrumente auf Verkaufsplattformen sind sie aber auch Zeichen einer zunehmenden Kommerzialisierung (476f.).</p>
<p>Neben der Frage nach der tats&#228;chlichen Autonomie des literarischen Felds interessiert Amlinger, welche Bedeutung Autonomie-Versprechen f&#252;r das Funktionieren dieses Felds haben. So kommt im dritten Teil ihrer Studie, der im Titel eine Auseinandersetzung mit &#034;&#228;sthetischen Positionierungen&#034; ank&#252;ndigt, die von Amlinger gew&#228;hlte Methode des qualitativen Interviews zu sich. Ihr Fokus liegt dabei auf der Ideologie, die sich in Autorschaftsverst&#228;ndnissen und in manifesten Autonomieversprechen &#228;u&#223;ert; auf der <italic>illusio</italic>, die ein soziales Feld kennzeichnende Praktiken aller erst zu einem funktionierenden Gef&#252;ge zusammenschlie&#223;t und die Akteur:innen dazu bringt, ein Investment innerhalb dieses sozialen Felds zu betreiben und sich auf die Wettk&#228;mpfe einzulassen, die es strukturieren. Entsprechend versteht Amlinger Autorschaft als einen &#034;normativen Selbstentwurf&#034;; allerdings als einen normativen Selbstentwurf, der &#034;durch literarische Arbeitspraktiken gestiftet wird und im literarischen Werk zu Materialit&#228;t gerinnt&#034; (559).</p>
<p>Sie wird diese Definition an sp&#228;teren Stellen noch variieren (und ihr dadurch etwas an Sch&#228;rfe nehmen).<xref ref-type="fn" rid="n17">17</xref> Was allerdings schon mit Blick auf diese Variante irritiert: Wenn das Selbst von Autor:innen in praktischen Vollz&#252;gen entworfen wird, und wenn es &#034;Materialit&#228;t&#034; &#034;im literarischen Werk&#034; gewinnt, w&#252;rde das nicht fordern, die Selbstaussagen der Autor:innen mit ihren tats&#228;chlichen Arbeitspraktiken und insbesondere mit den literarischen Texten, die sie produzieren, abzugleichen? Mit Bourdieu gesprochen: M&#252;ssten nicht die &#034;Positionierungen&#034; der Autor:innen auf ihre literarischen &#034;Positionen&#034; bezogen werden, nicht zuletzt um Dynamiken des literarischen Felds erfassen zu k&#246;nnen, die sich aus Spannungen zwischen Positionen und Positionierungen ergeben?<xref ref-type="fn" rid="n18">18</xref></p>
<p>Autor:innen, so ein Ergebnis von Amlingers Studie, <italic>identifizieren</italic> sich mit ihrer T&#228;tigkeit. Noch da, wo sie das Schreiben als eine Technik zur Selbst&#252;berschreitung verstehen, w&#252;rden sie eine Disposition zum Schreiben, einen Willen oder Zwang zum Schreiben zum Ausdruck ihrer selbst &#034;essentialisieren&#034; &#8211; ein essentialistisches Verst&#228;ndnis von Autorschaft, das sich auch in den Aufnahmekriterien von Schreibschulen ausdr&#252;cke. Autor:innen streben noch da nach &#39;Selbstverwirklichung&#39; (617), wo sie mit ihrem Schreiben Selbst&#252;berschreitung beabsichtigen. Sp&#228;ter ist dann auch von &#034;Selbstentfaltung&#034;, &#034;Selbsterfahrung&#034;, &#034;Selbstkontrolle&#034; und &#034;Selbststeuerung&#034; als normativen Ideen die Rede, die mit dem Schriftstellerberuf verbunden seien, ohne dass diese Begriffe gekl&#228;rt, zueinander in Bezug gesetzt oder systematisch in den zitierten Interviews vorkommen w&#252;rden. Mit einer Wendung, die Amlinger h&#228;ufig gebraucht, um moderne Transformationen literarischer Arbeit zu beschreiben: In der Selbstdeutung der Autor:innen wird Autorschaft &#034;essentialistisch <italic>in das Subjekt verlagert</italic>&#034; (562). Ebenso wie von einem Drang zum Schreiben w&#252;rden die meisten der interviewten Autor:innen auch von einer &#034;Disposition zu einer selbstbestimmten Lebensgestaltung&#034; und einem &#034;Imperativ der Freiheit&#034; als wesentlichen pers&#246;nlichen Eigenschaften sprechen (621f.). Weil diese Befunde auf die Frage antworten k&#246;nnten, inwiefern ein gegenw&#228;rtiger Begriff literarischer Arbeit in die neoliberalen Begriffe von &#034;Selbstverwirklichung&#034; und &#034;Selbstst&#228;ndigkeit&#034; &#252;bergeht,<xref ref-type="fn" rid="n19">19</xref> h&#228;tte man sich bei ihrer Darstellung eine klare Reflexion der analytischen Begriffe und des neoliberalen Arbeitsbegriffs gew&#252;nscht. Wie genau verh&#228;lt sich das Freiheitsversprechen der Kunst zum Freiheitsverst&#228;ndnis einer Ideologie, f&#252;r die die &#034;&#246;konomische T&#228;tigkeit [&#8230;] die paradigmatisch freie T&#228;tigkeit&#034; ist?<xref ref-type="fn" rid="n20">20</xref> Und wo sperren sich die Aussagen der Autor:innen gegen diese Ideologie?</p>
<p>Amlinger entscheidet sich daf&#252;r, vordergr&#252;ndig nicht Widerspr&#252;che oder Differenzen, sondern recht konsequent &#196;hnlichkeiten (oder wie es an einer Stelle hei&#223;t: &#034;Muster und Regelm&#228;&#223;igkeiten&#034;, 616) zwischen den Aussagen der Autor:innen herauszuarbeiten. Das entspricht der Tendenz der ganzen Studie, das literarische Feld nicht von seinen R&#228;ndern und in seiner Streuung verstehen zu wollen, sondern es &#252;ber kleinste gemeinsame Nenner zu erfassen. Nicht nur geht damit die Aufmerksamkeit auf (auch sprachliche) Besonderheiten der zusammengetragenen Aussagen verloren. Zuweilen entsteht so auch der Eindruck, der im geltenden deutschen Urheberrecht festgehaltene b&#252;rgerliche Begriff von Werk und Autorschaft habe allzu sehr als Muster daf&#252;r gedient, die Aussagen der Autor:innen zu erfassen; dies, um dann der These zuarbeiten zu k&#246;nnen, die Tendenz zur Verallt&#228;glichung des Arbeitsverst&#228;ndnisses der Kreativindustrie bef&#246;rdere gerade die Affirmation eines traditionellen Autorschaftsverst&#228;ndnisses.</p>
<p>Amlinger zufolge essentialisieren Schriftsteller:innen Autorschaft nicht lediglich. Auf radikale Weise machen sie ihre Selbstbeschreibung als Autor:innen auch von der <italic>Anerkennung</italic> abh&#228;ngig, die sie im literarischen Feld erfahren: &#034;Die Grenzen des literarischen Feldes sind die Grenzen der eigenen Identit&#228;t&#034; (571). Wie dieser Zusammenfall von Identit&#228;t und feldspezifischer Anerkennung mit der Diagnose eines essentialistischen Autorschaftsbegriffs vereinbar ist, ist nicht ganz klar. Zugleich wirft der aphoristische Satz aber eine grunds&#228;tzliche R&#252;ckfrage auf: Wie Amlinger die Begrenzung des literarischen Felds eigentlich verstanden wissen will, bleibt die ganze Studie &#252;ber unbestimmt. Dabei ist die Studie durchaus sensibel f&#252;r entfremdete, heteronome literarische Schreibarbeit. Eine der interviewten Autor:innen berichtet &#252;ber einen Arbeitsalltag:</p>
<disp-quote>
<p>Ich hab jetzt sehr lange keine Telenovela mehr geschrieben, aber als ich das gemacht hab, war ich echt von diesem &#034;Ich leg einen vergammelten Apfel in die Schublade, mach &#39;ne Kerze an und trink ein Glas Rotwein&#034;-Ding so hundert Mal weg, weil du einfach in so einen Container gegangen bist, mit f&#252;nf, sechs anderen, und dann hast du irgendwie zehn Stunden am Tag und vier Tage lang geplottet. Und dann wurde dir am vierten Tag alles wieder zerschossen von den alten Herren. Und am f&#252;nften Tag musstest du dann sehen, dass du den Plot nochmal ordentlich hingeschrieben hast (580).</p>
</disp-quote>
<p>Erhellend, sich vorzustellen, was passiert w&#228;re, h&#228;tte Amlinger eine Aussage dieser Art auch zu einem Ausgangspunkt ihrer Analyse gemacht. Stattdessen eine programmatische Tendenz zur Entdramatisierung (d.h. zur Verallgemeinerung und zum Verzicht, Standpunkte und Sprecher:innenpositionen anzugeben): &#034;Gegenstand ist durchaus die <italic>illusio</italic> der Kunst, der Glaube an die Kunst als anti&#246;konomisches Universum. Im Folgenden soll aber ebenso sichtbar gemacht werden, was die Kunst leugnet, worauf sie aber gleichzeitig beruht: die wirtschaftlichen Prozeduren des Marktes&#034; (28).</p>
<p>Der zitierte Bericht aus einem &#246;konomisch streng geregelten Schreibraum zeugt vom Bewusstsein der Realit&#228;t eines Ineinander von Schreibarbeit und &#246;konomischer Logik, die sich nicht mit der von Amlinger gebrauchten Metapher der &#034;Verzahnung&#034; fassen l&#228;sst. Die Aussage der Autorin bezeugt au&#223;erdem einen reflektierten, um nicht zu sagen zynischen Blick auf Autorschaftsklischees und den &#034;normative[n] &#220;berschuss&#034; professioneller Autorschaft, der in der Analyse nicht konsequent ber&#252;cksichtigt zu sein scheint. War Bourdieu noch davon ausgegangen, dass Akteur:innen des literarischen Felds der illusion&#228;re Charakter des Spiels, das sie auf diesem Feld spielen, nur in Krisenzeiten bewusst wird,<xref ref-type="fn" rid="n21">21</xref> machen Amlingers (durch reflexive Institutionen wie Schreibschulen gepr&#228;gte) Gespr&#228;chspartner:innen oft den Eindruck, schon selbst einen quasi soziologischen Blickpunkt einnehmen zu k&#246;nnen, von dem aus das soziale Spiel sich <italic>al</italic>s Spiel entpuppt und die Fetische des literarischen Produktionsfelds <italic>als</italic> Fetische erscheinen.</p>
<p>Das gilt auch f&#252;r die Auseinandersetzung mit dem Status von Autonomie als einem Versprechen, das Autor:innen mit ihrer Arbeit verbinden k&#246;nnen. Auch hier wieder das Zitat eines interviewten Autors:</p>
<disp-quote>
<p>Und [eins der] Klischees, die einen so durchs Leben tragen, ist ja, dass man selber der Entwerfer des eigenen Lebens ist und [&#8230;] sich alles selbst ausgedacht hat &#8211; das ist halt nicht so. Das h&#228;ngt alles an tausend F&#228;den. Vielleicht ist Freiheit, ach, das wird jetzt wieder aphoristisch, vielleicht ist Selbstbestimmtheit, dass man so weit ist, nicht mehr zu sehen, wie fremdbestimmt man ist. Na ja. [Lacht] Ungef&#228;hr so (624).</p>
</disp-quote>
<p>Amlinger kommentiert: &#034;Er leugnet also nicht, dass der Glaube an das autonome sch&#246;pferische Subjekt in seiner Alltagspraxis handlungsleitend sei, aber in der Reflexion &#252;ber die sozialen Praktiken, welche die Grundlage dieser <italic>illusio</italic> bilden, wird er sich bewusst, dass diese an &#39;tausend F&#228;den&#39; h&#228;ngt.&#034; (ebd.) W&#228;re nicht, wie es auch der Titel des Unterkapitels ank&#252;ndigt &#8211; &#034;Autonomie ist ein bewusstes Verkennen ihrer M&#246;glichkeitsbedingungen&#034; &#8211; zu bedenken, inwiefern das paradoxe Zugleich von Verkennen und Bewusstsein der Heteronomie f&#252;r eine gegenw&#228;rtige <italic>illusio</italic> wesentlich ist, die dann eben nicht mehr der reine und nur nachtr&#228;glich reflektierte &#034;Glaube an das autonome sch&#246;pferische Subjekt&#034; w&#228;re? W&#228;re also nicht das <italic>ausgestellte</italic> Bewusstsein zu reflektieren, dass es sich bei diesem Glauben um ein Klischee handelt, und zu fragen, warum es trotz oder in dieser Enttarnung oder Entstellung dennoch nicht aufh&#246;rt, praktisch zu funktionieren?</p>
<p>Vielleicht gilt auch f&#252;r einige Akteur:innen des literarischen Felds, was Slavoj &#381;i&#382;ek f&#252;r ein Merkmal gegenw&#228;rtiger Ideologie h&#228;lt: &#034;They are fetishists in practice, not in theory.&#034;<xref ref-type="fn" rid="n22">22</xref> Ein solcher Verdacht w&#252;rde daf&#252;r sprechen, sich gr&#246;&#223;ere methodische Umst&#228;nde in der Analyse des Verh&#228;ltnisses von Selbstreflexion und Praxis zu machen, als es Amlinger tut. Dann w&#228;re auch (&#034;ach, das wird jetzt wieder aphoristisch&#034;) die spezifische Sprechsituation der Interviews und die darin manifeste Rhetorik genauer zu analysieren. Und dann w&#228;re &#8211; bezogen auf die oben zitierte Aussage &#8211; sehr viel st&#228;rker der Status des Autors zu bedenken (Amlinger stellt ihn als einen arrivierten, erfolgreichen Schriftsteller vor). Sie generalisiert stattdessen:</p>
<disp-quote>
<p>Auf der Ebene der symbolischen Produktion ist [die Idee der Autonomie] essenzieller Bestandteil der beruflichen Selbstdeutung und arbeitsbezogenen Anspr&#252;che. Anders formuliert: Der autonome Status von Autor:innen und mithin der von Literatur wird durch erm&#246;glichende soziale Kontexte <italic>und</italic> das gleichzeitige Verbergen dieser Kontexte hervorgebracht. (624)</p>
</disp-quote>
<p>Es sind Verallgemeinerungen wie diese, die &#8211; bei aller Gr&#252;ndlichkeit, theoretischen Pr&#228;zision und historischen Genauigkeit &#8211; stellenweise etwas unklar machen, wie man die Thesen der Studie nun lesen soll. Nimmt man Amlingers Vorschlag auf, &#034;[e]ntgegen der Vorstellung vom Spezialisten f&#252;r das geschriebene Wort [&#8230;] Autorschaft [&#8230;] mehr als ein praktisches Verm&#246;gen [zu] verstehen, die Einheit der Gegens&#228;tze von Literatur und Markt aktiv zu gestalten&#034; (672), l&#228;sst sich <italic>Schreiben</italic> jedenfalls mit gro&#223;em Gewinn als Unterscheidung zwischen zwei Formen der <italic>illusio</italic> von Autonomie lesen: einer Autonomievorstellung, die begr&#252;ndet aus einem vermeintlich ureigenen subjektiven Verm&#246;gen Effekt einer Entdifferenzierung von Literatur und Markt ist und ein ausbeutbares Phantasma &#39;kreativer Arbeit&#39; n&#228;hrt; und einer Vorstellung von Autonomie, die eher regulative Idee einer (auch kollektiven) Autor:innenschaft ist, die sich in der literarischen Gestaltung des Verh&#228;ltnisses eines literarischen Texts zur &#214;konomie der Gesellschaft beweist, deren Produkt er ist.</p>
</sec>
</body>
<back>
<fn-group>
<fn id="n1"><p>Im &#034;Bernhard Haus&#034; in Ohlsdorf werden Postkarten mit diesem Zitat verkauft.</p></fn>
<fn id="n2"><p>Tobias Fuchs, <italic>Die Kunst des B&#252;chermachens. Autorschaft und Materialit&#228;t der Literatur zwischen 1765 und 1815</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B8">Bielefeld: transcript, 2021</xref>), 85.</p></fn>
<fn id="n3"><p>Roland Barthes, &#034;Schreiben, ein intransitives Verb?&#034;, in <italic>Das Rauschen der Sprache</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B4">Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 2005</xref>), 25.</p></fn>
<fn id="n4"><p>Andreas Reckwitz, <italic>Die Erfindung der Kreativit&#228;t. Zum Prozess gesellschaftlicher &#196;sthetisierung</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B12">Berlin: Suhrkamp, 2021</xref>).</p></fn>
<fn id="n5"><p>Carolin Amlinger, <italic>Schreiben. Eine Soziologie literarischer Arbeit</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B2">Berlin: Suhrkamp, 2022</xref>), 19. Im Folgenden zitiere ich hieraus unter Angabe der Seitenzahl im Text.</p></fn>
<fn id="n6"><p>Christoph Menke, <italic>Theorie der Befreiung</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B11">Berlin: Suhrkamp, 2022</xref>), 243ff.</p></fn>
<fn id="n7"><p>Clayton Childress, <italic>Under the Cover. The Creation, Production and Reception of a Novel</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B7">Princeton: Princeton University Press, 2017</xref>). Ebenso wie Amlinger arbeitet Childress mit qualitativ ausgewerteten Interviews, zitiert aber nicht nur Autor:innen, sondern versucht m&#246;glichst viele, die Produktion und Rezeption eines Buches bestimmende Akteur:innen zu Wort kommen zu lassen.</p></fn>
<fn id="n8"><p>Ihre literatursoziologische Position stellt Amlinger vor in &#034;Wozu Literatursoziologie?&#034;, <italic>Merkur. Deutsche Zeitschrift f&#252;r europ&#228;isches Denken</italic> 868 (<xref ref-type="bibr" rid="B3">2021</xref>): 85&#8211;93.</p></fn>
<fn id="n9"><p>Vgl. Theodor W. Adorno, <italic>&#196;sthetische Theorie</italic>, hg. v. Gretel Adorno und Rolf Tiedemann (<xref ref-type="bibr" rid="B1">Berlin: Suhrkamp, 2019</xref>), 334ff.</p></fn>
<fn id="n10"><p>Vgl. Pierre Bourdieu, <italic>Die Regeln der Kunst</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B6">Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 1999</xref>), 271.</p></fn>
<fn id="n11"><p>Vgl. Bernard Lahire, <italic>Doppelleben. Schriftsteller zwischen Beruf und Berufung</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B9">Berlin: Avinus, 2011</xref>); eine Studie, auf die Amlinger sich h&#228;ufig bezieht.</p></fn>
<fn id="n12"><p>Vgl. Pierre-Michel Menger, <italic>Kunst und Brot. Die Metamorphosen des Arbeitnehmers</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B10">Konstanz: UVK, 2006</xref>).</p></fn>
<fn id="n13"><p>Heribert Tommek, <italic>Der lange Weg in die Gegenwartsliteratur. Studien zur Geschichte des literarischen Feldes in Deutschland von 1960 bis 2000</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B13">Berlin: de Gruyter, 2015</xref>).</p></fn>
<fn id="n14"><p>Heinrich Bosse, <italic>Autorschaft ist Werkherrschaft. &#220;ber die Entstehung des Urheberrechts aus dem Geist der Goethezeit</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B5">Paderborn u. a.: Wilhelm Fink, 2014</xref>).</p></fn>
<fn id="n15"><p>Bourdieu, <italic>Die Regeln der Kunst</italic>, 349.</p></fn>
<fn id="n16"><p>Bourdieu, <italic>Die Regeln der Kunst</italic>, 530.</p></fn>
<fn id="n17"><p>Eine sp&#228;tere Definition lautet dann: &#034;Autorschaft, dies kann man vorab festhalten, ist eine praktische Subjektkonstruktion, die in einer hybriden Rekonfiguration unterschiedlicher kultureller Muster herausgebildet wird&#034; (561); und wieder einige Seiten sp&#228;ter: &#034;Autorschaft manifestiert sich zusammengefasst also in den regelgeleiteten sozialen Praktiken der Lebensf&#252;hrung; sie ist das einheitsstiftende Ganze, unter dem Autor:innen ihr Handeln beurteilen und gegebenenfalls modifizieren&#034; (569).</p></fn>
<fn id="n18"><p>Vgl. Bourdieu, <italic>Die Regeln der Kunst</italic>, 365ff.</p></fn>
<fn id="n19"><p>Zum neoliberalen Verst&#228;ndnis dieser Begriffe siehe Menke, <italic>Theorie der Befreiung</italic>, 289ff.</p></fn>
<fn id="n20"><p>Menke, <italic>Theorie der Befreiung</italic>, 272.</p></fn>
<fn id="n21"><p>Bourdieu, <italic>Die Regeln der Kunst</italic>, 361f.</p></fn>
<fn id="n22"><p>Slavoj &#381;i&#382;ek, &#034;How did Marx invent the Symptom&#034;, in <italic>The Sublime Object of Ideology</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B14">London: Verso, 2008</xref>), 28.</p></fn>
</fn-group>
<ref-list>
<title>Bibliografie</title>
<ref id="B1"><label>1</label><mixed-citation publication-type="book"><string-name><surname>Adorno</surname>, <given-names>Theodor W.</given-names></string-name> <source>&#196;sthetische Theorie</source>, hg. v. <string-name><given-names>Gretel</given-names> <surname>Adorno</surname></string-name> und <string-name><given-names>Rolf</given-names> <surname>Tiedemann</surname></string-name>. <publisher-loc>Berlin</publisher-loc>: <publisher-name>Suhrkamp</publisher-name>, <year>2019</year>.</mixed-citation></ref>
<ref id="B2"><label>2</label><mixed-citation publication-type="book"><string-name><surname>Amlinger</surname>, <given-names>Carolin</given-names></string-name>. <source>Schreiben. Eine Soziologie literarischer Arbeit</source>. <publisher-loc>Berlin</publisher-loc>: <publisher-name>Suhrkamp</publisher-name>, <year>2022</year>.</mixed-citation></ref>
<ref id="B3"><label>3</label><mixed-citation publication-type="journal"><string-name><surname>Amlinger</surname>, <given-names>Carolin</given-names></string-name>. <article-title>&#34;Wozu Literatursoziologie?&#34;</article-title>. <source>Merkur. Deutsche Zeitschrift f&#252;r europ&#228;isches Denken</source> <volume>868</volume> (<issue>2021</issue>): <fpage>85</fpage>&#8211;<lpage>93</lpage>.</mixed-citation></ref>
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