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<journal-title>Genealogy+Critique</journal-title>
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<subject>Research</subject>
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<article-title>&#034;Ethico-Onto-Epistemologie&#034; und/als queer-posthumanistische Leseweise(n) von Barbara Frischmuths Roman <italic>Die Mystifikationen der Sophie Silber</italic></article-title>
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<email>anna.babka@univie.ac.at</email>
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<aff id="aff-1"><label>1</label>Institut f&#252;r Germanistik, Universit&#228;t Wien, Austria</aff>
<pub-date publication-format="electronic" date-type="pub" iso-8601-date="2022-12-27">
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<license-p>This is an open-access article distributed under the terms of the Creative Commons Attribution 4.0 International License (CC-BY 4.0), which permits unrestricted use, distribution, and reproduction in any medium, provided the original author and source are credited. See <uri xlink:href="http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/">http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/</uri>.</license-p>
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<p>Based on a posthumanist theory framework and laid out as a queer-posthumanist reading this article explores Barbara Frischmuth&#39;s novel <italic>Die Mystifikationen der Sophie Silber</italic> along various figures of thought and concepts by Karen Barad* and other posthumanist theoreticians whose decisive approaches lay in the questioning of anthropocentric humanist categories and dichotomous, hierarchically structured models of world order. Frischmuth&#39;s novel provides multiple points of application for a posthumanist reading strategy since non-human beings, such as fairies and mythical creatures, occupy privileged positions, hierarchies and ontologies are flattened or turned upside down, anthropocentric orders of thought are overcome, and alternative world designs are tested, thus subverting the supposed superiority of human cognitive power and morality.</p>
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<title>1. Prolog</title>
<p>&#034;Und wir k&#246;nnen mit dem Finger L&#246;cher in die [&#8230;] Mauer[] bohren, L&#246;cher, die zumindest den Blick freigeben, den Blick auf die anderen, und somit auch den Blick auf uns&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n1">1</xref> So beschreibt Barbara Frischmuth bildhaft ein leitendes ethisch-politisches Prinzip in Hinblick auf kulturelle Aushandlungsprozesse und Anerkennungspolitiken, die auf integrative, gerechte Verh&#228;ltnisse, auf F&#252;rsorge, Teilhabe und Zugeh&#246;rigkeit abzielen. Zugleich steht das Sprachbild f&#252;r die ewige Anstrengung, Marginalisierungen, Alterisierungen, Ausgrenzungen oder Gewalt- und Kriegshandlungen jeglicher Art entgegenzuwirken.<xref ref-type="fn" rid="n2">2</xref> Mit solch einer Haltung, die zugleich auf einem Bekenntnis zu gr&#246;&#223;tm&#246;glicher Vielfalt von Identit&#228;t aufbaut, sind Faktoren und Betrachtungsweisen markiert, die in vielgestaltiger und differenzierter Form Frischmuths gesamtem &#338;uvre eingeschrieben sind. Sie geben auch den Grundprinzipien des Kritischen Posthumanismus, dessen entscheidender Zug in der Hinterfragung anthropozentrisch-humanistischer Kategorien und dichotomer, hierarchisch strukturierter Weltordnungsmodelle liegt, als &#034;Ethico-Onto-Epistemologie&#034;<xref ref-type="fn" rid="n3">3</xref> Kontur. Ausgehend von der Annahme einer grundlegend queeren Verfasstheit alles Existierenden als &#034;Nature&#39;s queer performativity&#034;,<xref ref-type="fn" rid="n4">4</xref> die nicht nur Identit&#228;t, sondern fundamental auch &#034;Kausalit&#228;t, Materie, Raum und Zeit&#034;<xref ref-type="fn" rid="n5">5</xref> betrifft, pr&#228;gt Karen Barad diesen Begriff im Rahmen eines Agentiellen Realismus.<xref ref-type="fn" rid="n6">6</xref> Damit zielt sie auf die Untrennbarkeit von Ethik, Ontologie und Epistemologie bei der Besch&#228;ftigung mit (wissenschaftlicher) Wissensproduktion, mit wissenschaftlichen Praktiken und mit der Welt selbst und ihren Bewohner*innen &#8211; menschlichen und nicht-menschlichen Akteur*innen, die die Welt intraaktiv mitkonstituieren bzw. iterativ materialisieren &#8211; ab:<xref ref-type="fn" rid="n7">7</xref></p>
<disp-quote>
<p>[W]hat we need is something like an <italic>ethico-onto-epistemology</italic> &#8211; an appreciation of the intertwining of ethics, knowing, and being &#8211; since each intra-action matters, since the possibilities for what the world may become call out in the pause that precedes each breath before a moment comes into being and the world is remade again, because the becoming of the world is a deeply ethical matter.<xref ref-type="fn" rid="n8">8</xref></p>
</disp-quote>
<p>In diesem Sinne pl&#228;diert Barad zugleich, wie Eva Georg hervorhebt, f&#252;r die &#034;Untrennbarkeit von Sein, Wissen und Ethik und stellt damit die abendl&#228;ndische, humanistisch gepr&#228;gte Unterscheidung von Erkenntnistheorie (Epistemologie), der Lehre vom Sein (Ontologie) und dem &#39;richtigen&#39; Handeln (Ethik) grundlegend in Frage&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n9">9</xref></p>
<p>Frischmuths Roman <italic>Die Mystifikationen der Sophie Silber</italic> (1976)<xref ref-type="fn" rid="n10">10</xref> ist der erste Band der sogenannten &#034;Sternwieser Trilogie&#034;,<xref ref-type="fn" rid="n11">11</xref> ein phantastisch-mystisch-mythologischer Erz&#228;hlkosmos aus den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts, in dem nach Ingo Berensmeyer an &#034;einer als &#39;mystisch&#39; begriffenen &#220;berwindung abendl&#228;ndischer Dualismen (Leib/Seele, Mensch/Gott, endlich/unendlich)&#034;<xref ref-type="fn" rid="n12">12</xref> gearbeitet wird. <italic>Die Mystifikationen der Sophie Silber</italic> lotet die Bedingungen des Mensch-Seins und Gestaltungsm&#246;glichkeiten des Lebens im Allgemeinen, in seiner weiblichen* Form im Besonderen, literarisch aus und liefert vielf&#228;ltige Einsatzpunkte<xref ref-type="fn" rid="n13">13</xref> f&#252;r Strategien und Denkfiguren des Kritischen Posthumanismus. Nicht-menschliche Wesen, wie Feen und Fabelwesen, nehmen im Roman, oft m&#252;ndlichen Traditionen folgend, privilegierte Positionen ein, alternative Formen von Verwandtschaft werden literarisch durchmessen, Hierarchien und Ontologien werden verflacht oder auf den Kopf gestellt, Dichotomien durchkreuzt, anthropozentrische Denkordnungen &#252;berwunden und alternative, pazifistische Weltentw&#252;rfe erprobt und damit die vermeintliche Superiorit&#228;t der menschlichen Erkenntniskraft und Moralit&#228;t subvertiert. Neben dem textinh&#228;renten subversiven Potential, das durch die Brille des posthumanistischen Theoriepools entlang verschiedener Begrifflichkeiten und Denkfiguren <italic>gelesen</italic> werden kann, ist mit Blick auf Frischmuths Text die kreativ-subversive Performativit&#228;t der Literatur selbst bedeutsam, also die wesentliche Verfasstheit von Literatur als textuelle Praxis, die nicht nur die Welt beschreibt, sondern vor allem etwas tut. Literarische &#196;u&#223;erungen veranschaulichen in performativit&#228;tstheoretischer Perspektive nicht einfach vorg&#228;ngige Umst&#228;nde und Gegebenheiten, sondern konstituieren jene diskursiven Tatsachen, auf die sie sich beziehen. Dies bedeutet zugleich, dass der literarische Text den Ort der Hervorbringung von Diskursen markiert bzw. selbst dieser Ort ist. In diesem Sinne sowohl &#034;an der Darstellung [wie auch] an der Produktion von Bewusstseinskonzepten&#034;,<xref ref-type="fn" rid="n14">14</xref> von Ideen und Begriffen beteiligt bzw. diese allererst etablierend, hat der Text Anteil an der Konstituierung und auch der Ver&#228;nderung der Welt.<xref ref-type="fn" rid="n15">15</xref> Eine posthumanistisch angelegte Lekt&#252;re kann in diesem Sinne spezifische Facetten und Potentiale des literarischen Textes freilegen, freilich immer, wie Christoph Bode argumentiert, im &#034;Bewusstsein der Kontingenz der eigenen Praxis&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n16">16</xref> Das hei&#223;t, dass theoriegeleitetes Lesen <italic>an sich</italic> das Bewusstsein der Kontingenz des eigenen Tuns voraussetzt und dass &#39;andere&#39; Lekt&#252;ren Teil eines neuen Schreibens, einer neuen &#233;c<italic>riture</italic><xref ref-type="fn" rid="n17">17</xref> darstellen, einander erg&#228;nzend, &#252;berlagernd, widersprechend.</p>
<p>In den Lekt&#252;ren der bisherigen akademischen Rezeption von Frischmuths Roman wird zum einen das Momentum des M&#228;rchenhaften als &#034;vorrationale[r] Welt&#034;, als &#034;Au&#223;ersymbolische[m]&#034; hervorgehoben, damit zugleich der R&#252;ckgriff des Frischmuth&#39;schen Textes auf &#034;das Inventar von M&#228;rchen, Sage und Mythos&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n18">18</xref> Zum anderen tritt ein kritisch-feministischer Zug des Textes, &#034;Entmachtung des oft m&#228;nnlichen Prinzips&#034;<xref ref-type="fn" rid="n19">19</xref> oder die &#034;Suche nach weiblicher Identit&#228;t&#034;, in den Vordergrund, der zugleich als &#034;Beitrag zu einer weiblichen &#196;sthetik&#034; gelesen wird &#8211; mit dem Ziel &#034;weibliche Sprachlosigkeit zu &#252;berwinden&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n20">20</xref> Neben weiteren ethisch-politischen Interpretationsweisen, etwa als &#034;zeitgeschichtliche[] Vergangenheitsbew&#228;ltigung&#034;,<xref ref-type="fn" rid="n21">21</xref> zielt keine der Autor*innen in Richtung einer posthumanistisch angelegten Leseweise, einer posthumanistischen &#233;criture,<xref ref-type="fn" rid="n22">22</xref> wie sie im Folgenden erprobt wird.</p>
</sec>
<sec>
<title>2. Theoretische Rahmung</title>
<p>Kritischer Posthumanismus bezieht sich auf poststrukturalistische, feministische, queere, tierethische, technik- oder &#246;kophilosophische Theoriebest&#228;nde und hinterfragt den Menschen als zentralen Ausgangspunkt von Denken und Handeln.<xref ref-type="fn" rid="n23">23</xref> Als Wegbereiter*innen gelten etwa Gilles Deleuze und F&#233;lix Guattari mit ihrer Denkfigur der &#034;Wunschmaschine&#034;<xref ref-type="fn" rid="n24">24</xref> oder Donna Haraway mit Figurationen wie der* <italic>Cyborg</italic> oder der* <italic>Companion</italic>,<xref ref-type="fn" rid="n25">25</xref> mit denen eine Ontologie der Verwobenheit und des Verbunden-Seins, des Miteinander-Werdens auf der Basis von Mensch-Maschine oder Tier-Mensch-Relationen etabliert wird. Ethisch-politische Theoretisierungen des Mit-Seins erfolgen etwa auch bei Jean-Luc Nancy, der eine genuine Pluralit&#228;t alles Seienden annimmt, die er zugleich als urspr&#252;ngliche Alterit&#228;t fasst:</p>
<disp-quote>
<p>Unser Mit-sein, als Zu-mehreren-sein, ist keineswegs zuf&#228;llig, es ist keineswegs die sekund&#228;re und aleatorische Zerstreuung eines prim&#228;ren Wesens: Es bildet vielmehr den Status und die Konsistenz der urspr&#252;nglichen Alterit&#228;t als solcher, die dieser eigent&#252;mlich ist und notwendig zukommt. Die Pluralit&#228;t des Seienden steht am Grund des Seins.<xref ref-type="fn" rid="n26">26</xref></p>
</disp-quote>
<p>Mit-Sein als Vielheit wird damit bei Nancy als genuiner und notwendiger Zug von Sein ausgelegt: &#034;Was auch immer existiert: Weil es existiert, ko-existiert es. [&#8230;] Es koexistiert zumindest mehr als ein &#39;ich&#39;.&#034;<xref ref-type="fn" rid="n27">27</xref> Vielf&#228;ltige Formen der Koexistenz, des Mit-Seins, verbildlicht und theoretisiert Donna Haraway &#252;ber ein weiteres alternatives und spezies&#252;berschreitendes Konzept der Verwandtschaftsbildung, das der <italic>string figures</italic>, das menschliche und nicht-menschliche Gef&#228;hrt*innen zusammenf&#252;hrt.<xref ref-type="fn" rid="n28">28</xref> <italic>String figures</italic><xref ref-type="fn" rid="n29">29</xref> stehen auch f&#252;r das gemeinsame Erz&#228;hlen und Reflektieren, f&#252;r die Verwobenheit von Geben und Empfangen, f&#252;r Teilnahme und das gegenseitige Nachsp&#252;ren oder das Einander-Folgen.<xref ref-type="fn" rid="n30">30</xref> Arten&#252;berschreitendes Zusammensein, Hybridisierung von Mensch und Maschine, Gemeinsam-Werden (<italic>becoming-with</italic>), Sich-verwandt-Machen sind Versuche der Theoretisierung von Existenz als posthumanistische Koexistenz, die Haraway auch als Sympoiesis<xref ref-type="fn" rid="n31">31</xref> konzipiert. Mit dem Begriff fasst sie das gegenseitige Konstitutionsprinzip von Menschen-Tiere-Pflanzen-Technik als onto-ethisches Prinzip des Mit-Werdens, als Inter- und Intraaktion. In Bezug auf Haraways Denkfigur der <italic>companion species</italic><xref ref-type="fn" rid="n32">32</xref> entwickelt Rosi Braidotti, selbst eine der ma&#223;geblichen Theoretikerinnen des Kritischen Posthumanismus, ihr Konzept des vitalistischen Materialismus<xref ref-type="fn" rid="n33">33</xref> bzw. &#034;einer vitalistische[n] Ethik wechselseitiger arten&#252;bergreifender Abh&#228;ngigkeit&#034;,<xref ref-type="fn" rid="n34">34</xref> denen eine egalit&#228;re Vorstellung von Subjektivit&#228;t und Handlungsmacht eingeschrieben ist und die nicht-menschliche Akteure* (Tiere, Maschinen, &#214;kosysteme etc.) miteinschlie&#223;en. Dieser Einschluss f&#252;hrt mit Karen Barad zur &#220;berwindung sowohl der Trennung zwischen vermeintlichen Entit&#228;ten als auch der &#034;Auszeichnung, die den Menschen absondert&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n35">35</xref></p>
<p>Im weiteren oder engeren Kontext der dargelegten Theorieimpulse und Einsichten entwickelt Barad in Bezugnahme auf die Quantentheorie Niels Bohrs ihr Theorem des agentiellen oder, wie manche &#220;bersetzungen vorschlagen, agentischen Realismus,<xref ref-type="fn" rid="n36">36</xref> das sowohl eine neue Form des Realismus im Hinblick auf eine St&#228;rkung sozialkonstruktivistischer Ans&#228;tze in den Naturwissenschaften impliziert als auch als &#034;Rahmen f&#252;r die Besch&#228;ftigung mit breiten epistemologischen und ontologischen Fragen&#034;<xref ref-type="fn" rid="n37">37</xref> angelegt ist. Barad strebt damit &#034;eine umfassende kritische &#220;berpr&#252;fung der Grundannahmen der westlichen Epistemologie und Ontologie&#034;<xref ref-type="fn" rid="n38">38</xref> an, die in ihrer onto-ethischen Lesart Natur-Kultur- und Objekt-Subjekt-Dualismen &#8211; zentrale Ankerpunkte poststrukturalistisch-dekonstruktiver Kritik, auf die sie sich kritisch bezieht &#8211;<xref ref-type="fn" rid="n39">39</xref> als konstruierte Schnitte ausweist, welche im Rahmen des agentiellen Realismus destabilisiert und in ein &#034;Zwischen&#034; verwiesen werden.<xref ref-type="fn" rid="n40">40</xref> Entlang der Denkfigur des <italic>agential cut</italic>, des agentiellen Schnitts,<xref ref-type="fn" rid="n41">41</xref> verweist Barad damit auf &#034;Praktiken der Grenzziehung, die in jedem Prozess der Bedeutungsbildung vollzogen werden. Subjekte und Objekte erzeugen sich w&#228;hrend der Beobachtung in gegenseitiger performativer Verflechtung&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n42">42</xref></p>
<p>Damit ist auch Barads Weiterentwicklung des Performativit&#228;tsbegriffs angesprochen, dem die Wirkungsmacht des Materiellen konstitutiv eingeschrieben ist: &#034;Eine agentiell-realistische Ausarbeitung von Performativit&#228;t r&#228;umt der Materie auf entscheidende Weise ihren Anteil als aktive Teilhabe am Werden der Welt, an ihrer fortlaufenden Intraaktivit&#228;t ein.&#034;<xref ref-type="fn" rid="n43">43</xref> &#034;Intraaktion&#034; bedeutet, &#034;dass die Relata einer Beziehung, beispielsweise &#39;Subjekt&#39; und &#39;Objekt&#39;, erst in und durch diese konstituiert werden &#8211; und ihr nicht vorausgehen&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n44">44</xref> Die Intraaktion verschiedener Entit&#228;ten in Zeit und Raum erzeugt eben diese Zeit und diesen Raum (<italic>space-time-mattering</italic>)<xref ref-type="fn" rid="n45">45</xref> und somit erweisen sich jedwede Ph&#228;nomene als &#034;ein dynamisches und wechselndes Geflecht von Beziehungen&#034;<xref ref-type="fn" rid="n46">46</xref> oder als &#034;Intraaktionen von Wissen und Sein, Wort und Welt, Kultur und Natur&#034; bzw. als &#034;materiell-kulturelle Da-Seins&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n47">47</xref> Auf diese Weise konzipiert Barad &#034;[d]as Materielle [&#8230;] nicht [als] fixiert und vorg&#228;ngig zu diskursiver Bedeutungsgebung, sondern [als] in ihr&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n48">48</xref></p>
<p>Barads methodische Vorgehensweise ist charakterisierbar sowohl als &#034;reading through&#034; im Unterschied zu einem &#034;reading against (some fixed target/mirror)&#034;<xref ref-type="fn" rid="n49">49</xref> sowie, signifikant, als eines verflochtenen oder, wie es entlang ihrer Theoretisierungen wiederum in Bezugnahme auf Haraway<xref ref-type="fn" rid="n50">50</xref> formulierbar wird, diffraktiven Lesens, das ihr neue Zugangsweisen und Einsichten erm&#246;glicht. Das Spannungsmoment dieses Zusammenlesens liegt in der wechselseitigen transdisziplin&#228;ren Relekt&#252;re naturwissenschaftlicher und poststrukturalistischer Theoriemodelle, die sie mit diskursiven Praktiken und materiellen Ph&#228;nomenen konfrontiert und damit &#034;anstelle einer subjektzentrierten Performativit&#228;t eine post-humane Intra-Aktivit&#228;t als unaufl&#246;sbare Verschr&#228;nkung von Diskurs und Materie [konzipiert]&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n51">51</xref> Materie ist in dieser Sichtweise weder passiv noch endg&#252;ltig bestimmt, vielmehr ist sie &#034;Substanz in ihrem intraaktiven Werden &#8211; kein Ding, sondern eine T&#228;tigkeit, geronnenes T&#228;tigsein&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n52">52</xref> Damit einher geht, wie im Poststrukturalismus grunds&#228;tzlich verankert, eine spezifische Fassung des Differenzbegriffs. Der intraaktive Prozess setzt per se schon keine in sich abgeschlossenen Entit&#228;ten voraus, sondern geht von deren prozesshafter und diffraktiver Hervorbringung aus: &#034;<italic>Diffraction is not merely about differences, and certainly not differences in any absolute sense, but about entangled nature of differences that matter</italic>. This is the deep significance of a diffraction pattern.&#034;<xref ref-type="fn" rid="n53">53</xref></p>
<p>Als bedeutsam erweist sich in diesem Zusammenhang Barads queere Fassung von Identit&#228;t, die sie als &#034;in sich multipel&#034; konzipiert bzw. als &#034;durch sich selbst diffraktiert&#034;, um dann pointiert zu behaupten: &#034;Identit&#228;t ist Diffraktion / Diff&#233;rance / differieren / verschieben / differenzieren.&#034;<xref ref-type="fn" rid="n54">54</xref> Damit denkt auch sie Differenz nicht <italic>zwischen</italic> verschiedenen Kategorien, sondern <italic>innerhalb</italic> dieser, wie es Gayatri Spivak in <italic>Feminism and Deconstruction</italic><xref ref-type="fn" rid="n55">55</xref> schon in den fr&#252;hen 1990er Jahren formuliert: &#034;innerhalb und nicht dazwischen findet sich die radikale Alterit&#228;t&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n56">56</xref> &#39;Differenz in sich selbst&#39; kann mit Barad ethisch-ontologisch im Rahmen einer Ontologie des Werdens, eines &#39;Werdens im Tun&#39; im Sinne eines intraaktiven <italic>space-time-mattering</italic><xref ref-type="fn" rid="n57">57</xref> gedacht werden, in dem eben diese Differenz in sich selbst zum Vorschein kommt. Was im Werden entlang von Prozessen des Differenzierens/Diffraktierens/Verschiebens geschieht, wird bei Barad zur Verpflichtung, einen Unterschied zu machen und so diesen Prozess f&#252;r &#034;eine Ethik zu &#246;ffnen, die dem Aufbrechen der Gleichg&#252;ltigkeit verpflichtet ist&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n58">58</xref></p>
</sec>
<sec>
<title>3. Lekt&#252;re/<italic>&#233;criture</italic></title>
<p>In einem solchen Spiel des prozesshaften Werdens, mit all seinen ethisch-onto-epistemologischen Implikationen situiert sich Frischmuths heterodiegetisch erz&#228;hlter Roman, in dem er die Konditionen, Antriebe und Beschr&#228;nkungen des Mensch-Seins verhandelt und so, in meiner Lesart nach Berensmeyer, eine &#034;Verbindung von Diagnostik und &#220;berwindung der Gegenwart durch k&#252;nstlerische Wirklichkeitsgestaltung&#034;<xref ref-type="fn" rid="n59">59</xref> liefert. Als <italic>queer-posthumanistisch</italic> l&#228;sst sich der Roman insofern beschreiben, als er die Originalit&#228;t des (menschlichen) K&#246;rpers, die Eindeutigkeit seiner Lesbarkeit und Einordenbarkeit immer schon unterwandert, produktiv Ordnungen und Grenzziehungen im Hinblick auf Raum- und Zeitordnungen oder Mensch/Nicht-Mensch-Dichotomien destabilisiert, zugleich vielf&#228;ltige Formen der Intraaktion im Sinne einer Ethico-Onto-Epistemologie performiert und so auch die Geschichte des Menschlichen und seiner &#39;Anderen&#39; &#39;anders&#39; erz&#228;hlt.<xref ref-type="fn" rid="n60">60</xref></p>
<p>Besonders durch die Figuren der Lang-Existierenden, jenen zur Metamorphose f&#228;higen und vor nicht genau bestimmbarer Zeit, jedenfalls vor den beiden Weltkriegen, in &#034;altruistischer Mission&#034;<xref ref-type="fn" rid="n61">61</xref> in ein kleines alpines Dorf im Ausseerland eingewanderten Protagonist*innen des Romans, werden &#8211; ganz im Sinne der als &#39;f&#252;rsorglich-gro&#223;z&#252;gig, undogmatisch-affirmativ charakterisierten kritisch-posthumanistischen Strategien als Neuschreibungen des Menschlichen&#39;<xref ref-type="fn" rid="n62">62</xref> &#8211; anthropozentrische Grundannahmen konterkariert und alternative Wirklichkeiten erprobt. Die Lang-Existierenden, die signifikant &#228;lter werden als Menschen, ja vielleicht sogar unsterblich sind, sind mit den Menschen, im Roman die Enterischen<xref ref-type="fn" rid="n63">63</xref> genannt, hinsichtlich ihres Schicksals &#034;aufs engste verbunden&#034; (MdSS 312). In ihrer hybriden Form, meist nahezu menschlich im Aussehen, verschieden jedoch aufgrund ihrer besonderen Kr&#228;fte als Feenwesen oder sonstige Gestalten &#8211; sie bewohnen luftige H&#246;hen, wie Herr Drachenstein, oder tiefe Wasser, wie Herr von Wasserthal &#8211;, konstituieren sie ganz im Sinne der Barad&#39;schen Ethico-Onto-Epistemologie die Welt intra-aktiv mit. Sie begleiten die Menschen, wachen &#252;ber sie, bewahren den &#220;berblick &#252;ber das Weltgeschehen und gestalten mit, oft unsichtbar oder unbemerkt, oft auch leibhaftig, wenn sie in menschlicher Form auftreten. Die Enterischen und die Lang-Existierenden stehen, so wird folgend gezeigt, in einer unerh&#246;rten Beziehung zueinander, f&#252;r die, auch im Theorieverst&#228;ndnis nach Barad, neue Formen von Subjektivit&#228;t, Kausalit&#228;t und Handlungsf&#228;higkeit konstitutiv sind.<xref ref-type="fn" rid="n64">64</xref></p>
<p>Signifikant f&#252;r die Handlung des Romans und wesentlicher Ausgangspunkt f&#252;r die Bestrebungen der Lang-Existierenden ist jener Moment, in dem das elbische Volk sich das menschliche Fehlverhalten und die zunehmende Zerst&#246;rung, &#034;die nicht nur die traf, die sie, befangen in einem Teufelskreis, begonnen hatten, sondern alle Lebewesen &#252;berhaupt&#034; (89), vor Augen halten. Amaryllis Sternwieser, die &#034;Fee des Todes, des Schlafs, der Trance und der Erinnerung&#034;<xref ref-type="fn" rid="n65">65</xref> und zentrale Figur des Romans, konstatiert diesbez&#252;glich gegen&#252;ber ihren Mitstreiter*innen Alpinox, Herr Drachenstein, Herr von Wasserthal, den Feen Isabel und Rosabel, der Saligen<xref ref-type="fn" rid="n66">66</xref> sowie anderen Feen- und Fabelwesen: &#034;Obwohl wir &#228;lter sind als sie, sind wir von Gestalt zu Gestalt ihrem Einfluss unterlegen. Obwohl unsere Kraft l&#228;nger vorh&#228;lt und unser Leben l&#228;nger dauert, sind auch uns Grenzen gesetzt.&#034; (MdSS 312) Sollten die Lang-Existierenden obsolet geworden sein, keinen Einfluss mehr auf die Enterischen haben und so selbst gef&#228;hrdet sein, m&#252;ssten Schritte gesetzt werden. Dies geschieht im Roman im Zuge eines Kongresses irgendwo in einem entlegenen Hotel im steirischen Salzkammergut, bei dem die Lang-Existierenden den Kontakt mit genau einem Menschen suchen: Sophie Silber, einer jungen Schauspielerin mit Wurzeln in eben jenem Ort, an dem der Kongress stattfindet.</p>
<p>Der angestrebte Dialog mit Sophie Silber, deren fr&#252;he Vorfahrin selbst &#034;aus Feengeschlecht stammte, besser gesagt die Tochter einer Fee [&#8230;] und eines Enterischen gewesen war&#034; (MdSS 72), erfolgt mit dem Ziel, &#034;die heutigen Menschen etwas besser kennenzulernen&#034; (MdSS 99), damit das zeitgen&#246;ssische Wirken und Treiben der Menschen besser zu verstehen, lohnender einordnen zu k&#246;nnen und so produktive, friedvolle Zukunftsszenarien f&#252;r diese und mit diesen zu entwerfen im Stande zu sein.<xref ref-type="fn" rid="n67">67</xref> Die Art und Weise der Zusammenkunft erfolgt, formulierbar &#252;ber Haraways Entfaltung dessen, was <italic>string figures</italic>/Fadenspiele umfassen k&#246;nnen, als Austausch von Geschichten: &#034;arten&#252;bergreifende Geschichten, in denen es um die R&#252;ckgewinnung als Teil einer komplexen Geschichte geht, Geschichte(n) voller Sterben und Leben, voller Enden, sogar Genozide, und Anf&#228;nge&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n68">68</xref> Hauptakteurin dieser arten&#252;bergreifenden Zusammenkunft im Hotel ist, neben anderen Lang-Existierenden, Amaryllis Sternwieser, jene Fee in Frauengestalt, die die Frauen in Sophies Familie schon seit Jahrhunderten begleitet und besch&#252;tzt.</p>
<p>Schutz und Geleit aber auch Intervention scheinen notwendig, um den Lang-Existierenden neue Perspektiven zu er&#246;ffnen und zugleich die Existenz der Menschen, der Enterischen, zum Besseren zu wenden &#8211; denn es l&#228;uft nicht gut f&#252;r diese, wie es im Buch seitens der Lang-Existierenden immer wieder einpr&#228;gsam formuliert wird:</p>
<disp-quote>
<p>Ihre Herrschsucht ist ohne Grenzen, wie ihr Neid und ihre Gier. Immer durchsichtiger werden die Verkleidungen f&#252;r ihr Streben nach Macht, aber sie glauben an die Verkleidung.</p>
<p>Sie haben den Krieg erfunden und ihn in ihre eigenen H&#228;user getragen. Sie haben einander unterdr&#252;ckt, und ein jeder bebt vor der Rache des anderen. Je weniger sie einander verstehen, desto &#228;hnlicher werden sie sich. Sie haben ganze St&#228;mme und V&#246;lker ausgerottet, die gl&#252;cklicher waren in der Wahl ihrer Lebensform.</p>
<p>Sie haben ihre Intelligenz f&#252;r die Erfindung von Waffen vergeudet, als Gesellschaft sind sie dumm geblieben.</p>
<p>Die einfachsten Dinge sind ihnen so schwer geworden, dass jedes Tier sie an Anstand &#252;bertrifft. Sie sind verloren&#8230; (MdSS 312)</p>
</disp-quote>
<p>Damit nicht alles verloren ist, die Lang-Existierenden auch nicht mitverloren gehen, planen diese &#8211; die Erkenntnisse aus der Zusammenkunft mit Sophie Silber zugrunde legend &#8211; sich einzumischen, teilzuhaben am Werden der Welt, zu intraagieren.<xref ref-type="fn" rid="n69">69</xref> Dabei kommt der Metamorphose als k&#246;rperlicher und geistiger Umformung, die wiederum selbst eine machtvolle politische Dimension aufweist,<xref ref-type="fn" rid="n70">70</xref> eine bedeutende Rolle zu: &#034;Wir haben die R&#252;ckkehr in die Dinge erwogen und den Wandel der Gestalt. [&#8230;] Wir k&#246;nnen aber auch die Gestalt ihrer Frauen und Kinder annehmen und die Macht neu verteilen&#034; (MdSS 313). Solche und andere Formen der Intraaktion werden am Ende des Romans der Existenz der Lang-Existierenden eine andere, eine neue Richtung geben.</p>
<p>Doch auch das Ende der Geschichte, <italic>kein</italic> Ende, wird im Kosmos der Lang-Existierenden in linear-teleologisch-menschlichen Ma&#223;en zu messen sein. Vielmehr sind die Grenzen von Zeit und Raum, wie ich zeigen werde, im Roman dehnbar, gegenl&#228;ufig, oft abstrakt und durchl&#228;ssig, wenn auch die Zeit dr&#228;ngt im Hinblick darauf, welche Lebensform, oder besser &#220;berlebensform, gew&#228;hlt werden muss: &#034;Es ist alles eine Frage der Zeit. Des lang genug Existierens. Den Ausgleich abwarten k&#246;nnen, das Wiedereinpendeln in die richtigen Verh&#228;ltnisse.&#034; (MdSS 217) Ein solches Wiedereinpendeln ist Teil von Zeitabl&#228;ufen, in welche die Lang-Existierenden eingreifen, in welchen sie intraagierend sowohl Zeit und Raum als auch Ph&#228;nomene herstellen. Die Verankerung der Figuren in der Zeit hinsichtlich deren Intraagierens mit der Umwelt, der Natur, den Menschen wird immer wieder thematisiert und so mahnt Alpinox gegen&#252;ber Amaryllis, wenn es um die Planung des Kongresses geht, ein:</p>
<disp-quote>
<p>Vergessen Sie nicht, meine Liebe, wir haben da noch das Problem der Zeit. Wie Sie wissen, verfahren wir oft recht beliebig damit. Denken Sie an Prinz Ahmed, dem viele Ihrer Feenjahre wie ein Tag vorgekommen sein m&#246;gen. Viele von uns werden innerhalb eines Jahres nicht erreichbar sein, weil sie ihren Zeitablauf anders eingestellt haben. (MdSS 18)</p>
</disp-quote>
<p>Nicht so Amaryllis, denn Amaryllis&#39; Zeitrechnung kennt keinen Anfang: &#034;Es muss in einem siebenten Jahr gewesen sein. Oder in einem siebzigsten. Oder in einem siebenhundertsten&#034; (MdSS 115). Seit Jahrtausenden bereits &#034;in irgendeiner Form&#034; (MdSS 128) existent, lebt sie &#034;nun schon viele Jahre im steirischen Salzkammergut&#034; (MdSS 184), hat</p>
<disp-quote>
<p>einige Generationen kommen und wieder gehen sehen [&#8230;] Der erste Weltkrieg hatte seinen Tribut gefordert. Amaryllis Sternwieser hatte der Versuchung widerstanden, ihren Zeitablauf anders einzustellen, wie das die meisten der Feen getan hatten, und war in abwartender Haltung, offenen Auges und wachen Sinnes anwesend geblieben. (MdSS 184&#8211;185)</p>
</disp-quote>
<p>Zeitlosigkeit bestimmt auch Sophie Silbers Verbindung mit den Lang-Existierenden, verliert doch in ihrer Gegenwart Zeit ihr lineares Gef&#252;ge beispielsweise dann, wenn es um Fragen der Erinnerung geht. Das Zusammensein mit den Lang-Existierenden erzeugt in ihr stets Erinnerungsl&#252;cken, etwa hinsichtlich der gemeinsamen Abende, der Gespr&#228;che, der Geschehnisse insgesamt: &#034;Von da an fehlte ihr jede zusammenh&#228;ngende Erinnerung, und sie sah nur noch einzelne Bilder, einzelne der Anwesenden in halb ausgef&#252;hrter Bewegung, als h&#228;tte jemand Standfotos von einigen Szenen gemacht und sie ihrem Bewusstsein unterschoben.&#034; (MdSS 113) Sophies Erinnerungen an ihre eigene Vergangenheit wiederum flechten sich analeptisch in die Erz&#228;hlgegenwart ein, erkl&#228;ren ihre Herkunft und ihr Leben, verflie&#223;en mit dem Geschehen an jenem unbestimmten Ort im Ausseerland, das selbst keinen klaren Anfang zu kennen scheint. So verhei&#223;t der erste Satz im Roman auch nur, dass etwas ins Rollen kommt, n&#228;mlich &#8211; metaphorisch wie w&#246;rtlich &#8211; der Stein an &#034;einem warmen Vorsaison-Abend des letzten Saturn-Jahres&#034; (MdSS 5), wenn Amaryllis Sternwieser &#252;ber denselben stolpert.</p>
<p>Auch in Barads Denken disseminiert die Vorstellung von Zeit. Anf&#228;nge sind, wie sie poetisch formuliert,</p>
<disp-quote>
<p>immer schon durchwirkt mit der Erwartung, wo es hinf&#252;hrt [&#8230;] und von einer Vergangenheit, die erst noch kommen muss. Es ist nicht blo&#223;, dass Zukunft und Vergangenheit nicht &#034;da&#034; sind und nie stillsitzen, sondern dass die Gegenwart nicht einfach jetzt-hier ist. Alles multipel heterogene Iterationen: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft stehen nicht in einer Beziehung linearer Entfaltung, sind in einer nichtlinearen Einfaltung von Raumzeitmaterialisierung [<italic>space-time-mattering</italic>] durcheinander hindurch gewirkt; eine Topologie, die sich aller Vorschl&#228;ge einer glatten, kontinuierlichen Mannigfaltigkeit erwehrt. Zeit ist aus den Fugen. Zerstreut. Interferiert. Zeit interferiert mit sich selbst.<xref ref-type="fn" rid="n71">71</xref></p>
</disp-quote>
<p>Zeit erweist sich im Roman in vielf&#228;ltiger Hinsicht als diffraktiv, also als diskontinuierlich und verschoben oder als nicht einfach &#39;da&#39; und, wie etwa im Zuge von Amaryllis&#39; Reise ins Reich von Herrn von Wasserthal, als gleichsam erstarrt: &#034;[V]on fern h&#246;rte sie den ersten Glockenschlag, der die Mittagszeit ank&#252;ndigte, aber selbst dieser schien ohne Nachfolger zu verhallen, so als w&#228;re auch die bewegliche Zeit unbeweglich geworden&#034;(MdSS 80).</p>
<p>Auch am Beispiel der auf eigent&#252;mliche Weise &#39;wiederholten&#39; Leben der Hunde von Amaryllis, der vielen Max Ferdinands, die sie vom Beginn ihrer Zeit im Ausseerland begleiten, wird Zeit als different-verschr&#228;nkte &#034;Wiederholung des Ungleichen&#034; erkennbar. Die Hunde verk&#246;rpern diese spezifische Form der Wiederholung gleichsam metaphorisch und ihnen ist &#034;die Differenz [&#8230;] im Unterschied zur leeren Wiederholung des Identischen [eingeschrieben]&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n72">72</xref> Die Existenz des Hundes/der Hunde erweist sich nicht als Reproduktion oder einfache Wiederholung. Wiederholt wird zwar der Name des Hundes, indem der jeweilige Nachfolger den gleichen Namen wie seine Vorg&#228;nger tr&#228;gt, dem gleichen &#39;Geschlecht&#39; entstammt, nicht aber der gleiche ist &#8211; oder eben doch aufgrund Amaryllis&#39; <italic>queer-kausaler</italic>,<xref ref-type="fn" rid="n73">73</xref> un-verbundener, dis-kontinuierlicher Wahrnehmung von Zeit.<xref ref-type="fn" rid="n74">74</xref> Was mit der Ankunft Amaryllis Sternwiesers im Ausseerland seinen Anfang nahm, eine nach Haraway sympoetische Verwobenheit von Feenexistenz und Hundeleben, deren genuine Disparatheit aufgrund fundamental unterschiedlicher Lebenszyklen durch den namensgleichen Ersatz des Hundes ausgeglichen wird, iteriert sich &#252;ber Generationen, fortw&#228;hrend und notwendig. Als dann &#034;[e]iner ihrer Max Ferdinande (der VI., wie sie sich erinnerte) [&#8230;] in der Nacht zum dreiundzwanzigsten September gestorben [war]. Nicht an Altersschw&#228;che, sondern an einer r&#228;tselhaften Krankheit, gegen die all ihre Feenkraft nichts auszurichten vermochte&#034; (MdSS 115), ist dies so ungew&#246;hnlich wie beunruhigend. Dass &#252;berdies zu diesem Zeitpunkt aus dem Hause Weitersleben kein geeigneter Hundenachwuchs verf&#252;gbar ist und Amaryllis eine geraume Zeit warten muss, bis sie einen neuen Welpen &#252;bernehmen kann (vgl. MdSS 118), tut, neben dem seltsamen Verhalten der anderen Lang-Existierenden sein &#220;briges, um Amaryllis ma&#223;geblich zu irritieren.</p>
<p>Amaryllis&#39; und Max Ferdinands Verbindung, die scheinbar unentbehrliche und &#252;ber Generationen hinweg kontinuierlich-unterbrochen-iterierte Beziehung, wird mit Haraways <italic>Manifest f&#252;r Gef&#228;hrten</italic> lesbar, in dem sie &#034;das Erbe der Koevolution, der gemeinsamen Gewordenheit&#034; in der &#034;Naturkultur&#034; reflektiert.<xref ref-type="fn" rid="n75">75</xref> Hunde erz&#228;hlen, wie sie eindringlich und zugespitzt formuliert, &#034;die unausweichliche, widerspr&#252;chliche Geschichte von Beziehungen &#8211; ko-konstitutiven Beziehungen, in denen keine der Partner*innen vor dem Verh&#228;ltnis oder der Bezugnahme existiert; und das Bezugnehmen ist nie ein f&#252;r alle Mal abgeschlossen&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n76">76</xref> Eine solche Beziehung durchzieht auch jene signifikante Episode der Existenz der Fee Amaryllis, die sie im Ausseerland durchlebt, und deren spezifische Zeitlichkeit &#252;ber die Anzahl der Hundeleben, die diese Existenz intraaktiv durchziehen, grob nachvollziehbar wird. Amaryllis&#39; Abschied aus dieser eigenen Ort-Zeitlichkeit des Ausseerlands geht dann auch mit dem Tod des letzten Max Ferdinands einher, der, obwohl &#034;ihm noch ein Jahr zugestanden&#034; (MdSS 245) wird, vorzeitig am unerlaubten oder auch versehentlichen Genuss des elbischen Pharmakons<xref ref-type="fn" rid="n77">77</xref> Amaryllium stirbt, eines besonderen pflanzlichen Elixiers, erzeugt von Amaryllis Sternwieser, beruhigend, heilsam und toxisch zugleich.</p>
<p>Als weitere Form von Zeitlichkeit, die mit Barad gleichsam &#034;als imagin&#228;re Reise&#034; erfahrbar wird, l&#228;sst sich das sogenannte &#034;Fest der Erinnerung&#034; (MSS 131f.) lesen, in welchem die Lang-Existierenden ihre andere(n) &#39;Seins-Form(en)&#39; &#39;erneuern&#39;. Die Schilderung l&#228;sst sich mit Barad als &#034;des/orientierende Erfahrung der Un/Verbundenheit von Zeit und Raum&#034;, als &#034;Verschr&#228;nkung[] von hier und dort, jetzt und dann&#034;, als &#034;geisterhafter Sinn von Dis/Kontinuit&#228;t&#034;<xref ref-type="fn" rid="n78">78</xref> verstehen oder auch als &#034;Quanten/dis/kontinuit&#228;t, die weder v&#246;llig diskontinuierlich mit Kontinuit&#228;t ist noch in ihrer Diskontinuit&#228;t v&#246;llig kontinuierlich und auf jeden Fall nicht eins mit sich selbst&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n79">79</xref> Schon auf Amaryllis&#39; Weg zum Fest, &#034;leichtf&#252;&#223;ig [&#8230;] durch das Schneetreiben&#034; (MSS 129) und begleitet von einem ihrer Hunde, werden Formen von zeitlicher Dis/Kontinuit&#228;t erkennbar. Die Vergangenheit der schon gestorbenen Hunde erweist sich als nicht vor&#252;ber und die Zukunft nicht als das, &#034;<italic>was sich entfalten wird</italic>&#034;, sondern als das, was die Welt &#034;<italic>als Erinnerung ihrer iterativen Rekonfigurationen [enth&#228;lt]</italic>&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n80">80</xref> All diese Umgestaltungen, einschlie&#223;lich &#034;gewaltsamer Br&#252;che und Risse im Stoff des Seins &#8211; der Raumzeitmaterialisierung &#8211; k&#246;nnen&#034;, wie Barad ausf&#252;hrt, &#034;nicht getilgt werden&#034;,<xref ref-type="fn" rid="n81">81</xref> und so war es Max Ferdinand dann auch nicht mehr allein,</p>
<disp-quote>
<p>der vor ihr herschn&#252;rte, einem Fuchse gleich, sondern eine ganze Anzahl von Hunden, einander &#228;hnlich und doch als ganz bestimmte erkennbar, wie sie so eine Meute bildeten und immer hochbeiniger wirkten und dennoch den Eindruck machten, als w&#228;ren es alle Max Ferdinande, die Amaryllis Sternwieser je besessen hatte. (MSS 129).</p>
</disp-quote>
<p>Und so &#034;fegt&#034; (MSS 129) Amaryllis gleichsam &#252;ber die leichte Schneedecke hin zum Fest der Erinnerung &#8211; im Zeitverst&#228;ndnis der Enterischen &#8211;, zeitlich grob verortbar um die Tage des Heiligen-, M&#228;rtyrer- und Totengedenkens im Jahr, an welchen, weltweit ganz unterschiedlich praktiziert, mit den Seelen und Geistern der Verstorbenen interagiert wird. In der Nacht auf Allerheiligen also treffen sich, unabgesprochen und wie von einer unsichtbaren Macht gelenkt, die Lang-Existierenden im Stollen eines nahen Berges. Den dort gebrauten zauberhaften Trank f&#252;r alle sichtbar emporhebend spricht Amaryllis die beschw&#246;rende Formel:</p>
<disp-quote>
<p>Auf da&#223; wir uns erinnern m&#246;gen [&#8230;] und aller unserer Gestalten eingedenk sind, durch die Jahre und Zeiten, die uns verwandelt haben. Denn diese Nacht gilt dem Ursprung und allem daraus Entsprungenen, dem Gewesenen und der Ver&#228;nderung, der Vielfalt der Formen und ihrer Einheit, in der wir uns als Wesen im Ablauf aller heiligen Zeiten wieder sammeln, auf da&#223; wir von neuem auseinandergehen k&#246;nnen, um, gl&#252;cklich vor Vergessen, die vielen Leben zu leben, die der Wandel der Dinge und Gestalten mit sich bringt. (MdSS 131)</p>
</disp-quote>
<p>Aufgrund der Wirkung des Tranks f&#252;llt sich der Stollen alsbald mit all den Verstorbenen, die Amaryllis &#8211; in ihrer Funktion als Fee des Todes &#8211; begleitet hatte, mit denen sie Eins geworden war auf dem Weg &#034;von einem Leben ins andere&#034;, die sie durch den Tod getragen hatte. &#034;Der Tod aber war nichts als jenes erstorbene Land, dem sie mit all ihrer Qual diese einzige Tr&#228;ne erpre&#223;te, die all das Leben neu erweckte, in das sie die Sterbenden wiedergeb&#228;ren konnte&#034; (MdSS 133). Auch hier wird eine Dichotomie unterlaufen, werden Leben und Tod und Wiedergeburt zu &#034;heterogenen Iterationen&#034; in nicht linearer Entfaltung, bei denen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft &#034;durcheinander hindurch gewirkt&#034;<xref ref-type="fn" rid="n82">82</xref> erscheinen. Und sich weiter im Akt des Erinnerns befindend h&#246;rt Amaryllis auf,</p>
<disp-quote>
<p>Gesichter zu sehen, nur mehr Leiber und K&#246;pfe waren es, ferne, verwischte Gestalten, die aus ihr kamen und von ihr gingen. Und sie verlor sich noch weiter zur&#252;ck, aber da konnte ihr Bewu&#223;tsein keinen Unterschied mehr machen zwischen sich und anderen [&#8230;], und sie sp&#252;rte Tierisches und Pflanzliches, das keinen Namen mehr hatte und keinen Unterschied machte zwischen den einzelnen. Nichts war mehr abzugrenzen [&#8230;]. (MdSS 134)</p>
</disp-quote>
<p>Amaryllis wandlungsf&#228;hige Form, eingebunden in eine non-lineare Historizit&#228;t, erweist sich als hybride Form, verbunden mit dem/den &#39;Anderen&#39;, <italic>entangled/</italic>verflochten als, mit Barad, <italic>queere</italic> Entit&#228;t in einer radikal dekonstruktiven Seinsweise, in der bin&#228;re Oppositionen mannigfaltig durchkreuzt werden, sich die Materialit&#228;t des K&#246;rpers als <italic>entanglement</italic> begreifen l&#228;sst: &#034;The very nature of materiality is an entanglement. Matter itself is always already open to, or rather entangled with, the &#39;Other.&#39;&#034;<xref ref-type="fn" rid="n83">83</xref> Und diese Verschr&#228;nkungen k&#246;nnen als &#034;Beziehungen der Verpflichtung&#034; angesehen werden &#8211; &#034;dem Anderen verbunden sein / an das Andere gebunden sein / Verbindlichkeit &#8211; eingefaltete Spuren des Otherings&#034;<xref ref-type="fn" rid="n84">84</xref> &#8211;, im Roman verk&#246;rpert durch die Lang-Existierenden in ihrer komplexen Relation mit den Menschen, in ihrem Mit-Sein (Nancy) mit der Umwelt, den Pflanzen und den Tieren in aller &#034;Vielheit&#034;<xref ref-type="fn" rid="n85">85</xref> sowie deren Schutz als ewiger &#034;Verpflichtung gegen&#252;ber dem &#39;Anderen&#39;, die irreduzibel und materiell and das &#39;Selbst&#39; gebunden ist und es durchwirkt.&#034;<xref ref-type="fn" rid="n86">86</xref></p>
<p>Eine weitere Form eines intrinsischen Mit-Seins bzw. Gebunden-Seins an das Andere realisiert sich im Text in der titelgebenden Figur der Sophie Silber. Sie ist Mensch und doch auch Zwischenwesen als Nachfahrin einer Verbindung von Enterischen und Lang-Existierenden und erf&#228;hrt Unerh&#246;rtes und Verst&#246;rendes im Zuge einer der erstaunlichen Zusammenk&#252;nfte im Rahmen des Kongresses, der ja &#8211; mit Sophie als zentraler Akteurin &#8211; zur Rettung der Menschen einberufen wurde. Im Zuge einer ihrer Mystifikationen f&#228;llt Sophie in einen trance&#228;hnlichen Zustand in Form einer Erinnerung an eine Zeit, &#034;in der mit einem mal eine gro&#223;e Lamentation losgebrochen war, in der die Menschheit als solche apostrophiert wurde, in all ihrer Geh&#228;ssigkeit und mit all ihren T&#252;cken&#034; (MdSS 111). Sophies &#39;dunkle&#39; Erinnerung erweist sich als &#034;Einsicht in all die kaum wiedergutzumachenden Fehler, ja geradezu Verbrechen, die wider besseres Wissen &#252;berall und allenthalben ver&#252;bt wurden&#034;, und wird sodann zur be&#228;ngstigenden Vision &#034;zuk&#252;nftiger Folgen [&#8230;] menschlichen Fehlverhaltens&#034; (MdSS 111):</p>
<disp-quote>
<p>Von allen guten und Schutzgeistern verlassen, f&#252;hlte sie sich und die ganze Menschheit einer Apokalypse preisgegeben, einer Zerst&#246;rung, die nicht nur die traf, die sie [&#8230;] begonnen hatten, sondern alle Lebewesen &#252;berhaupt. Es gab niemanden, der den nun selbstt&#228;tigen Mechanismus wieder h&#228;tte abstellen k&#246;nnen. (MdSS 111)</p>
</disp-quote>
<p>Was in Sophie Silbers Vision oder auch Mystifikation als Ende von allem erscheint, ist eine Erde, zugewuchert von wilder, dichter und unwirtlicher Vegetation, &#034;in der kein anderes Wesen [&#8230;] h&#228;tte existieren k&#246;nnen&#034; (MdSS 111). Was vom Grund des devastierten Bodens durch das Dickicht nach oben durchscheint, ist</p>
<disp-quote>
<p>eine ganze Schicht toter Leiber [&#8230;], aus deren verwesenden S&#228;ften die Wurzeln der Pflanzen mit gurgelnden Lauten ihre Nahrung zogen, die sie in gro&#223;e fleischige Bl&#228;tter und in krankhaft grellen Farben leuchtende Bl&#252;ten umsetzten, bis nur mehr ihr seltsamer Duft an ihren Urstoff erinnerte, an die Umkehr des Stoffwechsels. (MdSS 111)<xref ref-type="fn" rid="n87">87</xref></p>
</disp-quote>
<p>Am Ende der Welt steht in dieser apokalyptischen Vision die Intraaktivit&#228;t von toten Leibern und Pflanzen, die zum Urstoff gerinnen &#8211; Effekt eines radikalen <italic>space-time-mattering</italic> als zerst&#246;rerischem Geflecht von Beziehungen, in denen Menschen und Tieren kein Platz mehr zukommt, in denen deren Existenz aufgeht in einer endg&#252;ltigen Metamorphose hin zur Pflanze, die die Welt fortan dominiert.</p>
<p>Gleichsam <italic>au contraire</italic> erf&#228;hrt die Fee Amaryllis Sternwieser andere, in die Zukunft gerichtete Re-Materialisierungen als <italic>entanglements</italic> und als Metamorphose im Gefolge einer Entortung, die die Lang-Existierenden mit dem Verlassen des Alpendorfs vollziehen und so, den beginnenden Krieg fliehend und sich der bef&#252;rchteten Apokalypse entziehend, ihrer Wege gehen, auf Reisen gehen in die Wasser der Ozeane, die L&#252;fte anderer Kontinente oder auch, gleichfalls als Fluchtbewegung zu verstehen, die R&#252;ckkehr in andere Seinsformen erw&#228;gen, wie etwa die Salige, die &#034;mit dem Gedanken&#034; spielt, &#034;dem Baumhaften in ihr den Vorzug zu geben&#034; (MdSS 239). Amaryllis Sternwieser legt den Weg auf die Feeninsel Avalon, Sehnsuchtsort und von eminenter Bedeutung f&#252;r alle Feenwesen, in einer kristallenen Barke zur&#252;ck, die &#034;schnell wie ein Gedanke&#034; bis zu dem magischen Ort fliegt, der sie mit Musik &#034;geradewegs aus Bl&#252;ten&#034; (MdSS 267) erklingend empf&#228;ngt. &#034;Und wie sie so Fu&#223; vor Fu&#223; setzte, schien ihr, als entst&#252;nde der Pfad vor ihren F&#252;&#223;en und sei nur f&#252;r sie&#034; (MdSS 267). Verstanden entlang der Theoretisierungen Barads, geschieht auch hier etwas, was wiederum als intraaktives <italic>space-time-mattering</italic> im Zusammenspiel der Akteurin und der Umwelt gleichsam im Gehen erzeugt wird, ein Ph&#228;nomen, das Barad auch als queere Kausalit&#228;t bezeichnet. Und es geht weiter, Amaryllis trinkt und trinkt, bei einem Bach angekommen, &#034;als k&#246;nne sie nie genug von diesem herrlichen, s&#252;&#223;en Wasser bekommen&#034; (MdSS 268) und schon sp&#252;rt sie die Ver&#228;nderung, f&#252;hlt das Wasser in sich emporsteigen, &#034;langsam und von den Wurzeln her&#034; (MdSS 268).</p>
<disp-quote>
<p>Sie f&#252;hlte, wie es in all ihre Zellen drang, bis sie satt waren und gezwungen, sich zu dehnen, zu wachsen. Sie sp&#252;rte, wie ihr leichter Leib sich aufrichtete und der Sonne entgegenstrebte. Wie ihr Kopf sich zu sternf&#246;rmigen Bl&#228;ttern entfaltete, und ihre eigene Kraft lie&#223; sie erschaudern. [&#8230;] Sie war eins mit sich selbst, ungeteilt in Herz und Verstand, ungeteilt in Gef&#252;hle und Gedanken, ungeteilt in Geist und Fleisch. (MdSS 268&#8211;269)</p>
</disp-quote>
<p>Auch w&#228;hrend dieses Prozesses, der Metamorphose als kontinuierlicher Hybridisierung vom Feenleib hin zur Blume und wieder zur&#252;ck &#8211; mit Barad auch als Prozess des Diffraktierens/Verschiebens denkbar &#8211;, werden Natur/Kultur-Dichotomien dekonstruiert, werden im flie&#223;enden &#220;bergang von K&#246;rper und Pflanze Vorannahmen und &#034;Grenzen des Anthropozentrismus aufgebrochen&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n88">88</xref> Amaryllis&#39; prozesshafte, hybride Seinsform liegt jenseits jedweder (Gender-)Dichotomie, jedweder klassischer Vorstellung von Zeit und Raum und wird so mit Barad und entlang ihrer Auffaltung des Begriffs als ultimativ queer lesbar, n&#228;mlich als &#034;ein lebendig mutierende[r] Organismus&#034;, als &#034;eine begehrende radikale Offenheit, eine kantige, proteische, differenzielle Vielheit, eine agentische Dis/Kontinuit&#228;t, eine eingefaltete, reiterativ materialisierende, promiskuitiv einfallsreiche Raumzeitlichkeit.&#034;<xref ref-type="fn" rid="n89">89</xref> Nicht zuletzt im Sinne dieser Queerness als Begehrensformation erweist sich Amaryllis&#39; Verfasstheit im Prozess der Metamorphose als Moment &#228;u&#223;erster Lusterfahrung: &#034;[U]nd ihr Innerstes w&#246;lbte sich immer mehr nach au&#223;en, in einem Vorgef&#252;hl der Lust, wie sie es r&#252;ckhaltloser und ausgesetzter seit Urzeiten nicht mehr gekannt hatte.&#034; (MdSS 268)</p>
</sec>
<sec>
<title>4. Coda</title>
<p>Was hier mit Barads Wendungen des Begriffs queer umrissen ist, kann mit Jack* Halberstam, der sich schon fr&#252;h mit posthumanen K&#246;rperfigurationen auseinandergesetzt<xref ref-type="fn" rid="n90">90</xref> und die Koh&#228;renz des menschlichen K&#246;rpers grundlegend hinterfragt und, wie auch Barad, Queer(ness) von sexueller Identit&#228;t gel&#246;st hat, &#034;als Ergebnis seltsamer Zeitlichkeiten&#034;<xref ref-type="fn" rid="n91">91</xref> (<italic>queer temporalities</italic>) einerseits oder transgender&#228;sthetischer Figurationen (<italic>sublime mutations</italic>)<xref ref-type="fn" rid="n92">92</xref> andererseits transtheoretisch weitergedacht werden. Dabei werden, wie Babka und Brucher entlang Halberstams Fassungen von Trans* argumentieren, &#034;identit&#228;tsbezogene[] Festlegungen, Kategorisierungen, Namen und Normen, wie sie nicht nur in der geschlechtlichen Binarit&#228;t heteronormativer Gesellschaften zum Ausdruck kommen, sondern mitunter auch in &#39;klassischen Politiken der Anerkennung und der Achtung&#39; bzw. der &#39;konventionellen Praxis allzu einfacher Klassifizierung&#39;&#034;,<xref ref-type="fn" rid="n93">93</xref> grundlegend subvertiert. Trans* ist, wie auch die Metamorphose der Amaryllis Sternwieser, als Prozess kontinuierlicher Hybridisierung, &#034;weder als ein Seinszustand noch als ein zielgerichteter &#220;bergang zu verstehen, sondern als genuine Unabgeschlossenheit ungewisser Seinsweisen, als welche aus einer queer-dekonstruktiven Perspektive in letzter Konsequenz alle Identit&#228;ten betrachtet werden m&#252;ssen&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n94">94</xref> Amaryllis&#39; Seinszustand ist prozesshaft, ist einer im Wachsen und Werden, ausgerichtet auf Bewegung und Ber&#252;hrung, jenseits rationaler Raum-Zeitlichkeiten:</p>
<disp-quote>
<p>Auch sie begann leise hin und her zu schwingen, und wieder sp&#252;rte sie, wie sie wuchs und sich streckte, wie sie sich dehnte und emporreckte, und auf einmal schien alles in ihr einer ganz bestimmten Ber&#252;hrung entgegenzuwachsen, einer Ber&#252;hrung, die sie wie nichts anderes ersehnte. [&#8230;] Und was sie wollte, wollte sie ohne R&#252;ckhalt und ohne Bedingung, ohne Vorher und Nachher, ohne Erw&#228;gung und Rechtfertigung. Sie war eins und insgesamt und ihr ganzes Sein stimmte in den gro&#223;en Lockgesang ein, der aus Duft, Ton und Bewegung bestand. (MdSS 268&#8211;269)</p>
</disp-quote>
<p>Im Zuge dieser Trans*bewegung als Metamorphose, als &#034;ein sich stetig entziehender identit&#228;rer &#220;berschuss&#034;,<xref ref-type="fn" rid="n95">95</xref> geht es auch darum, hier wieder mit Barad, &#034;(ein bisschen) vom Gewicht der eingekrusteten Schichten nichtmenschlicher Unm&#246;glichkeiten zu entfernen (oder zumindest ein Loch hineinzubohren und ein wenig Luft zirkulieren zu lassen)&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n96">96</xref> Im Rahmen ihrer Ethico-Onto-Epistemologie bohrt Barad kleine L&#246;cher in unser Wissen gleich wie Frischmuths Text L&#246;cher in Mauern zu bohren versteht. Diese geben, ganz im Sinne des programmatischen Eingangszitats, den Blick auf die anderen und somit auf uns selbst frei<xref ref-type="fn" rid="n97">97</xref> und so werden &#8211; entsprechend der damit proklamierten Untrennbarkeit oder intrinsischen Verwobenheit des Ichs mit dem/den Anderen &#8211; im Roman vielf&#228;ltige Auspr&#228;gungen des posthumanistischen Theoriegeb&#228;udes gleichsam <italic>avant le nom</italic> nicht nur angezeigt, sondern immer schon verhandelt.</p>
</sec>
</body>
<back>
<fn-group>
<fn id="n1"><p>Barbara Frischmuth, &#034;L&#246;cher in die Mauern bohren. Rede zur Er&#246;ffnung des Symposiums &#39;Wir und die anderen&#39; in Wien. M&#228;rz 1998&#034;, in <italic>Das Heimliche und das Unheimliche. Drei Reden</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B23">Berlin: Aufbau, 1999</xref>), 76.</p></fn>
<fn id="n2"><p>&#196;hnlich argumentiert Barad in Hinblick auf die Motivation ihres Schaffens: &#034;Fragen der unterschiedlichen Verteilung von Privilegien und Benachteiligung, wer lebt/wer stirbt [&#8230;], welche Leben werden als wertvoll anerkannt, welche &#252;berfl&#252;ssig &#8211; mit anderen Worten, wer z&#228;hlt, wer ist von Bedeutung, wer hat Gewicht? Das ist meine lebenslange Leidenschaft.&#034; Karen Barad, <italic>Verschr&#228;nkungen</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B7">Berlin: Merve, 2015</xref>), 174.</p></fn>
<fn id="n3"><p>Karen Barad, <italic>Meeting the Universe Halfway. Quantum Physics and the Entanglement of Matter and Meaning</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B11">Durham: Duke University Press, 2007</xref>), 185 [meine &#220;bersetzung]. Wie Evelyne Geerts und Delphi Carstens ausf&#252;hren, insistieren kontinentalphilosophisch ausgerichtete Denkerinnen wie Rosi Braidotti oder Elizabeth Grosz, in enger Bezugnahme auf Gilles Deleuze und F&#233;lix Guattari, auf eine posthumanistische &#034;ethics of joy that confounds mutually exclusive/exhaustive binarizations (such as mind/body, human/animal, reason/passion, ideal/material, white/black, and male/female)&#034;. Es geht hier also um eine Konzeption von Ethik, die jenseits von moralisierenden Gesetzen oder ethischen Obligationen konfiguriert wird &#8211; dabei wird zugleich jegliche Normativit&#228;t zur&#252;ckgewiesen: &#034;[It] refuses the normative and familiar, resisting being conflated with standards and universal principles of thought and action&#034;. Evelien Geerts und Delphi Carstens, &#034;Ethico-onto-epistemology&#034;, <italic>Philosophy today</italic> 63, 4 (<xref ref-type="bibr" rid="B24">2019</xref>): 915, DOI: <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://doi.org/10.5840/philtoday202019301">10.5840/philtoday202019301</ext-link>).</p></fn>
<fn id="n4"><p>Karen Barad, <italic>Verschr&#228;nkungen</italic>, 115&#8211;72.</p></fn>
<fn id="n5"><p>Karen Barad, <italic>Verschr&#228;nkungen</italic>, 124.</p></fn>
<fn id="n6"><p>Karen Barad, <italic>Agentieller Realismus</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B8">Berlin: Suhrkamp, 2012</xref>).</p></fn>
<fn id="n7"><p>Vgl. Karen Barad, <italic>Meeting the Universe Halfway</italic>, 90&#8211;91. Dabei geht es ihr weder darum, &#034;trans oder queer zu universellen Eigenschaften zu machen und ihre subversiven Potentiale zu verw&#228;ssern&#034;, noch sollen trans oder queer, wie sie formuliert, &#034;als Abstraktion&#034; gesetzt &#034;und zugunsten neuester Theorietrends deren leiblich gelebte Realit&#228;t&#034; verleugnet werden; &#034;[v]ielmehr geht es [ihr] darum, das Dekonstruieren [undoing] von Universalit&#228;t und daher die Wichtigkeit der radikalen Spezifit&#228;t in ihrer iterativen Materialisierung deutlich zu machen.&#034; Karen Barad, <italic>Verschr&#228;nkungen</italic>, 191.</p></fn>
<fn id="n8"><p>Karen Barad, <italic>Meeting the Universe Halfway</italic>, 185.</p></fn>
<fn id="n9"><p>Eva Georg, <italic>Das therapeutisierte Subjekt. Arbeiten am Selbst in Psychotherapie, Beratung und Coaching</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B25">Bielefeld: Transcript, 2020</xref>), 114.</p></fn>
<fn id="n10"><p>Barbara Frischmuth, <italic>Die Mystifikationen der Sophie Silber. Roman</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B22">Berlin: Aufbau, 2013</xref>). Im Folgenden wird der Roman mit dem K&#252;rzel MdSS und der Seitenzahl im Text zitiert.</p></fn>
<fn id="n11"><p>Gemeinsam mit <italic>Amy oder die Metamorphose</italic> (1978) und <italic>Kai und die Liebe zu den Modellen</italic> (1979). Vgl. dazu etwa Christa G&#252;rtler, &#034;Feentr&#228;ume. Zur Sternwieser Trilogie&#034;, in <italic>Barbara Frischmuth. Fremdg&#228;nge. Ein illustrierter Streifzug durch einen literarischen Kosmos</italic>, hrsg. von Daniela Bartens und Ingrid Sp&#246;rk (<xref ref-type="bibr" rid="B28">Salzburg, Wien: Residenz, 2001</xref>); Silvana Cimenti, &#034;Das Ich in mir. oder: Der Reiz der unvollendeten Metamorphose&#034;, in <italic>&#39;Im Liegen ist der Horizont immer so weit weg&#39;. Grenz&#252;berschreitungen bei Barbara Frischmuth</italic>, hrsg. von Anna Babka und Peter Clar, unter Mitarbeit von Flora Petrik (<xref ref-type="bibr" rid="B16">Wien: Sonderzahl, 2016</xref>).</p></fn>
<fn id="n12"><p>Berensmeyer, Ingo, &#034;Aufbr&#252;che nach Anderswo. Zum Verh&#228;ltnis von Rationalit&#228;t und Mystik in der Literatur der Moderne&#034;, in <italic>Jenseits der verzauberten Welt: Naturwissenschaft und Mystik in der Moderne</italic>, hrsg. von Klaus Vondung and Ludwig Pfeiffer (<xref ref-type="bibr" rid="B12">Paderborn, M&#252;nchen: Fink, 2006</xref>), 141.</p></fn>
<fn id="n13"><p>Dieser Einsatz erfolgt im Rahmen der hier vorgenommen Lekt&#252;re bzw. des hier entstehenden diegetischen Prozesses, in dem der diegetische Raum des Textes und des Figurenpersonals, das ihn ausformt, entlang verschiedener Denkfiguren und Konzepte von Karen Barad* und anderen posthumanistischen Theoretiker*innen im gleichen Ma&#223;e generiert wie durchdrungen wird.</p></fn>
<fn id="n14"><p>Vgl. Encarnac&#237;on Guit&#233;rrez Rodr&#237;guez, &#034;Frau ist nicht gleich Frau, nicht gleich Frau, nicht gleich Frau&#8230;&#220;ber die Notwendigkeit einer kritischen Dekonstruktion in der feministischen Forschung&#034; in <italic>Kategorie: Geschlecht. Empirische Analysen und feministische Theorien</italic>, hrsg. von Ute Luise Fischer und Marit Kampshoff (<xref ref-type="bibr" rid="B27">Wien: Opladen, Leske + Budrich, 1996</xref>), 171, hier mit Gayatri Chakravorty Spivak, <italic>The Post-Colonial Critic: Interviews, Strategies, Dialogues</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B49">New York: Routledge, 1990</xref>), 52f.</p></fn>
<fn id="n15"><p>Vgl. Jonathan Culler, <italic>Literaturtheorie. Eine kurze Einf&#252;hrung</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B18">Stuttgart: Reclam, 2002</xref>), 140&#8211;55 sowie Anna Babka, <italic>Postcolonial-Queer. Erkundungen in Theorie und Literatur</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B3">Wien: Turia &amp; Kant, 2017</xref>), 98.</p></fn>
<fn id="n16"><p>Christoph Bode, &#034;Singing the Canon&#034;, in <italic>Kanon und Theorie</italic>, hrsg. von Maria Moog-Gr&#252;newald (<xref ref-type="bibr" rid="B13">Heidelberg: Winter, 1997</xref>), 70.</p></fn>
<fn id="n17"><p>Vgl. dazu Christoph Bode, der im Hinblick auf die Re-Kreation als &#233;criture darlegt, dass &#034;jeder [theoretische] Ansatz einen ihm ad&#228;quaten Text [entwirft]&#034; bzw. &#034;nach seinem eigenen Bilde schafft&#034;. Bode, &#034;Singing the Canon&#034;, 66.</p></fn>
<fn id="n18"><p>Sp&#246;rk, Ingrid, &#034;Vom Imagin&#228;ren zum Realen. &#220;ber M&#228;rchen und Mythen bei Barbara Frischmuth&#034;, in <italic>Barbara Frischmuth</italic>, hrsg. von Kurt Bartsch (<xref ref-type="bibr" rid="B50">Graz: Droschl, 1992</xref>), 42.</p></fn>
<fn id="n19"><p>Cimenti, &#034;Das Ich in mir&#034;, 163.</p></fn>
<fn id="n20"><p>Horv&#225;th, Andrea, <italic>&#39;Wir sind anders&#39;. Gender und Ethnizit&#228;t in Barbara Frischmuths Romanen</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B40">W&#252;rzburg: K&#246;nigshausen &amp; Neumann, 2007</xref>), 59&#8211;60.</p></fn>
<fn id="n21"><p>Aue, Maximilian &#034;Bew&#228;ltigung und Einbindung? Zum eigenartigen Schicksal des Saul Silber in Barbara Frischmuths &#39;Mystifikationen der Sophie Silber&#39;&#034;, <italic>Modern Austrian literature</italic> 27 (<xref ref-type="bibr" rid="B1">1994</xref>), 96.</p></fn>
<fn id="n22"><p>Texte sind in einem solchen poststrukturalistisch grundierten Textverst&#228;ndnis, &#034;niemals [&#8230;] ein festes, vorzeigbares und referierbares Objekt&#034;, sondern entstehen gleichsam im Moment einer T&#228;tigkeit, &#034;n&#228;mlich im Vollzug des kommentierenden, differenzierenden, modifizierenden oder abschweifenden Weiterschreibens eines vorhandenen Textes&#034; im Rahmen einer spezifischen Lekt&#252;re. Die aktive und kreative Lekt&#252;re m&#252;ndet also immer in ein neues Schreiben, in eine neue <italic>&#233;criture</italic>. Vgl. Doris Kolesch, &#034;&#39;Plaisir du texte&#39; &#8211; &#39;plaisier du canon&#39;?&#034;, in <italic>Kanon und Theorie</italic>, hrsg. von Maria Moog-Gr&#252;newald (<xref ref-type="bibr" rid="B41">Heidelberg: Winter, 1997</xref>), 83. Ebenso wird auch Frischmuths Text durch die kreative Re-Lekt&#252;re, durch die besondere Art zu fragen, als Untersuchungsgegenstand erneut hervorgebracht.</p></fn>
<fn id="n23"><p>Vgl. Janina Loh, <italic>Trans- und Posthumanismus zur Einf&#252;hrung</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B43">Hamburg: Junius, 2018</xref>), 12; Stefan Herbrechter, <italic>Posthumanismus eine kritische Einf&#252;hrung</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B37">Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2009</xref>), 7.</p></fn>
<fn id="n24"><p>Gilles Deleuze und F&#233;lix Guattari, <italic>Anti-&#214;dipus. Kapitalismus und Schizophrenie I</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B19">Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1981</xref>).</p></fn>
<fn id="n25"><p>Vgl. Donna Haraway, <italic>The companion species manifesto dogs, people, and significant otherness</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B34">Chicago, Ill.: Prickly Paradigm Press, 2005</xref>).</p></fn>
<fn id="n26"><p>Jean-Luc Nancy, <italic>Singul&#228;r plural sein</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B44">Berlin: Diaphanes, 2004</xref>), 34. Vgl. dazu auch Jacques Derridas Reflexion auf die Relationen von und die gesetzten Grenzen zwischen Menschen und Tieren in <italic>Das Tier, das ich also bin</italic>, in dem er dezidiert einer Pluralit&#228;t des Begriffs Tier das Wort redet &#8211; &#034;Das Tier, was f&#252;r ein Wort!&#034; (47) &#8211; und zugespitzt formuliert, dass von diesem nur im Singular zu sprechen, &#034;eine der gr&#246;&#223;ten &#8211; und systematischsten &#8211; Dummheiten derer [sei], die sich Menschen nennen&#034; (70). Jacques Derrida, <italic>Das Tier, das ich also bin</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B20">Wien: Passagen, 2010</xref>).</p></fn>
<fn id="n27"><p>Nancy, <italic>Singul&#228;r plural sein</italic>, 58.</p></fn>
<fn id="n28"><p>Donna Haraway, <italic>Unruhig bleiben. Die Verwandtschaft der Arten im Chthuluz&#228;n</italic>, (<xref ref-type="bibr" rid="B32">Frankfurt a. M.: Campus, 2018</xref>), 19&#8211;46.</p></fn>
<fn id="n29"><p>Vgl. ebd.</p></fn>
<fn id="n30"><p>Vgl. ebd.</p></fn>
<fn id="n31"><p>Vgl. ebd. 85&#8211;136.</p></fn>
<fn id="n32"><p>Donna Haraway, <italic>Das Manifest f&#252;r Gef&#228;hrten: Wenn Spezies sich begegnen &#8211; Hunde, Menschen und signifikante Andersartigkeit</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B33">Berlin: Merve, 2016</xref>).</p></fn>
<fn id="n33"><p>Rosi Braidotti, <italic>Posthumanismus: Leben jenseits des Menschen</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B14">Frankfurt a. M., New York: Campus, 2014</xref>), 61.</p></fn>
<fn id="n34"><p>Ebd., 97.</p></fn>
<fn id="n35"><p>Karen Barad, <italic>Agentieller Realismus. &#220;ber die Bedeutung materiell-diskursiver Praktiken</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B9">Berlin: Suhrkamp, 2012</xref>), 13.</p></fn>
<fn id="n36"><p>Karen Barad, <italic>Verschr&#228;nkungen</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B7">Berlin: Merve, 2015</xref>).</p></fn>
<fn id="n37"><p>Ebd., 43.</p></fn>
<fn id="n38"><p>Katharina Hoppe und Thomas Lemke, <italic>Neue Materialismen zur Einf&#252;hrung</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B39">Hamburg: Junius, 2021</xref>), 11.</p></fn>
<fn id="n39"><p>Thomas Lemke beschreibt Barads Abgrenzung zu Judith Butlers Performativit&#228;tskonzept folgenderma&#223;en, dabei Barads Ansatz bekr&#228;ftigend: &#034;Im Unterschied zu Butler konzipiert Barad Performativit&#228;t nicht als iterative, sondern als intraaktive Relation. Der analytische Vorzug einer solchen intraaktiven Wende liegt Barad zufolge darin, dass Transformationsprozesse nicht allein von Irritationen in der Zitation von Normen abh&#228;ngen. Handlungsmacht beschr&#228;nkt sich somit nicht auf Resignifikationspraktiken.&#034; Lemke, <italic>Neue Materialismen</italic>, 13. Ich selbst stimme diesem Argument nicht zu, brauche es an dieser Stelle aber nicht f&#252;r meine Argumentation. Vgl. zu den verschiedenen Ans&#228;tzen auch: Judith Butler, <italic>K&#246;rper von Gewicht. Die diskursiven Grenzen des Geschlechts</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B15">Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1997</xref>), 39 sowie Barad, <italic>Agentieller Realismus</italic>, 98 und Anna Babka, &#034;Materialit&#228;t (Glossareintrag). Glossar zur Dekonstruktion&#034;, <italic>produktive differenzen. forum f&#252;r differenz- und genderforschung</italic>, zuletzt aktualisiert am <xref ref-type="bibr" rid="B2">26.7.2022</xref>, <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://differenzen.univie.ac.at/glossar.php?sp=29">https://differenzen.univie.ac.at/glossar.php?sp=29</ext-link>.</p></fn>
<fn id="n40"><p>Barad, <italic>Verschr&#228;nkungen</italic>, 60.</p></fn>
<fn id="n41"><p>Vgl. Barad, <italic>Verschr&#228;nkungen</italic>, 54f. Vgl. auch Kristina Hofer, &#034;Repr&#228;sentation als agentieller Schnitt? Provokationen und Potentiale im Verh&#228;ltnis von New Materialism und (feministischer) Filmwissenschaft&#034;, <italic>Open Gender Journal</italic> 1 (<xref ref-type="bibr" rid="B38">2017</xref>): 5; Barad, <italic>Meeting the Universe Halfway</italic>, 139.</p></fn>
<fn id="n42"><p>Hofer, &#034;Repr&#228;sentation als agentieller Schnitt?&#034;, 4.</p></fn>
<fn id="n43"><p>Barad, <italic>Agentieller Realismus</italic>, 13.</p></fn>
<fn id="n44"><p>Thomas Lemke, &#034;Einf&#252;hrung zu &#39;Neue Materialismen&#39;&#034;, in <italic>Science and Technology Studies. Klassische Positionen und aktuelle Perspektiven</italic>, hrsg. von Susanne Bauer, Thorsten Voigt und Thomas Lemke (<xref ref-type="bibr" rid="B42">Berlin: Suhrkamp, 2017</xref>), 562.</p></fn>
<fn id="n45"><p>Vgl. Barad, <italic>Verschr&#228;nkungen</italic>, 76.</p></fn>
<fn id="n46"><p>Barad, <italic>Meeting the Universe Halfway</italic>, 224 [meine &#220;bersetzung].</p></fn>
<fn id="n47"><p>Barad, <italic>Verschr&#228;nkungen</italic>, 61.</p></fn>
<fn id="n48"><p>Barad, <italic>Verschr&#228;nkungen</italic>, 61. Im Versuch, sich von zeichentheoretischen Positionen wie jener Judith Butlers abzugrenzen, kritisiert sie Butlers Zentriertheit auf den menschlicher K&#246;rper und auf menschliche und gesellschaftliche Praktiken, da diese in Barads Lesart die Dichotomie zwischen Natur und Kultur, die sie eigentlich bek&#228;mpft, reetabliert. Vgl. dazu: Lars Gertenbach, &#034;Von performativen &#196;u&#223;erungen zum Performative Turn. Performativit&#228;tstheorien zwischen Sprach- und Medienparadigma&#034;, <italic>Berliner Journal f&#252;r Soziologie</italic> 30, 2 (<xref ref-type="bibr" rid="B26">2020</xref>).</p></fn>
<fn id="n49"><p>Barad, <italic>Meeting the Universe Halfway</italic>, 90. Vgl. auch Fleur Weibel, &#034;Diffraktion. Ein Ph&#228;nomen, eine Praktik und ein Potenzial feministischer Kritik&#034;, <italic>FEMINA POLITICA</italic> 1 (<xref ref-type="bibr" rid="B53">2013</xref>): 112.</p></fn>
<fn id="n50"><p>&#034;&#39;Diffraction&#39; is Donna Haraway&#39;s term for a reading method that is neither negatively critical (dismissive) nor reflexive (identity political)&#034;. Iris van der Tuin, &#034;Diffraction. Posthuman Glossary&#034;, in <italic>Posthuman Glossary</italic>, hrsg. von Rosi Braidotti (<xref ref-type="bibr" rid="B52">London, New York: Bloomsbury, 2018</xref>), 99.</p></fn>
<fn id="n51"><p>Weibel, &#034;Diffraktion&#034;, 111.</p></fn>
<fn id="n52"><p>Karen Barad, <italic>Agentieller Realismus. &#220;ber die Bedeutung materiell-diskursiver Praktiken</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B8">Berlin: Suhrkamp 2012</xref>), 19.</p></fn>
<fn id="n53"><p>Barad, <italic>Meeting the Universe Halfway</italic>, 381 [Herv.i.O.].</p></fn>
<fn id="n54"><p>Barad, <italic>Verschr&#228;nkungen</italic>, 131.</p></fn>
<fn id="n55"><p>Gayatri Chakravorty Spivak, &#034;Feminism and Deconstruction, Again: Negotiations&#034;, in <italic>Outside in the Teaching Machine</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B48">London, New York: Routledge, 1993</xref>), 132.</p></fn>
<fn id="n56"><p>Ebd. 136.</p></fn>
<fn id="n57"><p>Vgl. Barad, <italic>Verschr&#228;nkungen</italic>, 76.</p></fn>
<fn id="n58"><p>Karen Barad, &#034;On <italic>Touching</italic> &#8211; the Inhuman That Therefore I Am&#034;, differences 23, 3 (<xref ref-type="bibr" rid="B10">1 December 2012</xref>): 216 [&#034;rupture of indifference&#034; meine &#220;bersetzung]. Vgl. auch Kathrin Thiele, &#034;Quantum Physics and/as Philosophy: Immanence, Diffraction, and the Ethics of Mattering&#034;, <italic>Rhizomes: Cultural Studies in Emerging Knowledge</italic>. 30 (<xref ref-type="bibr" rid="B51">2016</xref>).</p></fn>
<fn id="n59"><p>Berensmeyer, &#034;Aufbr&#252;che nach Anderswo&#034;, 145.</p></fn>
<fn id="n60"><p>Vgl. Stefan Herbrechter, &#034;Genealogy (Glossareintrag). Genealogy of the Posthuman&#034;, <italic>Critical Posthumanismus Net</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B35">2020</xref>), zuletzt eingesehen am 27.11.2022, <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://criticalposthumanism.net/genealogy-entry/">https://criticalposthumanism.net/genealogy-entry/</ext-link>.</p></fn>
<fn id="n61"><p>Vgl. Susan Cocalis, &#034;Rezension von Die Mystifikationen der Sophie Silber von Barbara Frischmuth&#034;, <italic>World Literature Today</italic> 51 (<xref ref-type="bibr" rid="B17">1977</xref>): 269 [meine &#220;bersetzung].</p></fn>
<fn id="n62"><p>Vgl. Stefan Herbrechter, &#034;Critical Posthumanism (Glossareintrag). Genealogy of the Posthuman&#034;, <italic>Critical Posthumanismus Net</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B36">2017</xref>), zuletzt eingesehen am 27.11.2022, <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://criticalposthumanism.net/genealogy-entry/">https://criticalposthumanism.net/genealogy-entry/</ext-link> [meine &#220;bersetzung].</p></fn>
<fn id="n63"><p>Der Begriff <italic>enterisch</italic>, ein nur in Bayern, &#214;sterreich und Schlesien fortlebendes Wort, bezeichnet das Monstr&#246;se oder Unheimliche oder auch, zur&#252;ckgehend auf das ahd. <italic>antrisc, entrisc antiquus</italic>, das Veraltete, Ungew&#246;hnliche oder Seltsame. Vgl. <italic>DWB. Deutsches W&#246;rterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm</italic>, &#034;Enterisch&#034;, eingesehen am <xref ref-type="bibr" rid="B21">26.7.2002</xref>, <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.dwds.de/wb/dwb/enterisch">https://www.dwds.de/wb/dwb/enterisch</ext-link>. Warum die Autorin diesen Begriff als Gegenpol zu den Lang-Existierenden gew&#228;hlt hat, ist, obwohl ein spannender Aspekt, hier nicht Teil der Fragestellung. Dass gerade die Menschen, die Sterblichen, als unheimlich und monstr&#246;s konnotiert sind, deutet wohl nicht zuletzt auf deren zerst&#246;rerisches Potential hin, das die Lang-Existierenden zu konterkarieren trachten.</p></fn>
<fn id="n64"><p>Vgl. dazu Lemkes Einsch&#228;tzungen zu Barad in Lemke, &#034;Einf&#252;hrung zu &#39;Neue Materialismen&#39;&#034;, 562.</p></fn>
<fn id="n65"><p>Vgl. Cocalis, &#034;Die Mystifikationen der Sophie Silber&#034;, 269 [meine &#220;bersetzung].</p></fn>
<fn id="n66"><p>Die Saligen sind Figuren der alpinen Mythologie. Vgl. Hans Haid, <italic>Mythen der Alpen: Von Saligen, Wei&#223;en Frauen und Heiligen Bergen</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B29">Wien: B&#246;hlau, 2006</xref>).</p></fn>
<fn id="n67"><p>Der Anspielungen und Referenzen finden sich viele im Text, hier kann auf Erich K&#228;stners Roman <italic>Die Konferenz der Tiere</italic> (1949) verwiesen werden, bei der, motiviert durch das politische Scheitern der Menschen, Vertreter*innen aller Tierarten der Erde mit dem Ziel zusammenkommen, den Weltfrieden zu erreichen (mit Dank f&#252;r den Hinweis an Hildegard Kernmayer).</p></fn>
<fn id="n68"><p>Haraway, <italic>Unruhig bleiben</italic>, 20.</p></fn>
<fn id="n69"><p>Wie Julia Scholz mit Karen Barad hervorhebt, birgt das Konzept der Intraaktion nicht einfach Handlungsmacht, die man hat, &#034;vielmehr entwirft sie [Barad] ein Verst&#228;ndnis, das sich um die M&#246;glichkeit der Ver&#228;nderung dreht&#034;. Julia Scholz, <italic>Agential Realism als Basis queer(end)er Experimentalpsychologie</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B47">Wiesbaden: Springer, 2018</xref>), 146. Dabei haben Individuen, in der Welt des Romans die Enterischen und die Lang-Existierenden, einen m&#246;glichen, wenn auch geringen Einfluss darauf, welche Formen &#034;weitere Materialisierungen der Welt annehmen k&#246;nnen. [&#8230;] Sie sind damit ein Teil der gr&#246;&#223;eren Konfiguration der Welt, in der agential cuts geschehen&#034; (146). Solche Schnitte k&#246;nnen in manchen F&#228;llen durch das, was als Individuum gilt, hervorgerufen werden. Oder, wie Barad formuliert: &#034;Intra-actions reconfigure the possibilities for change. In fact, intra-actions not only reconfigure spacetimematter but reconfigure what is possible.&#034; Barad, <italic>Meeting the Universe Halfway</italic>, 182.</p></fn>
<fn id="n70"><p>Vgl. dazu etwa: Cimenti, &#034;Das Ich in mir. oder: Der Reiz der unvollendeten Metamorphose&#034;.</p></fn>
<fn id="n71"><p>Vgl. Barad, <italic>Verschr&#228;nkungen</italic>, 76.</p></fn>
<fn id="n72"><p>Kurt R&#246;ttgers, &#034;Gilles Deleuze&#034;, in: <italic>Die franz&#246;sische Philosophie im 20. Jahrhundert: ein Autorenhandbuch</italic>, hrsg. von Thomas Bedorf (<xref ref-type="bibr" rid="B46">Darmstadt: WBG, 2009</xref>), 109.</p></fn>
<fn id="n73"><p>Vgl. Barad, <italic>Verschr&#228;nkungen</italic>, 76.</p></fn>
<fn id="n74"><p>Vgl. Barad, <italic>Verschr&#228;nkungen</italic>, 77.</p></fn>
<fn id="n75"><p>Vgl. dazu Haraway, <italic>Das Manifest f&#252;r Gef&#228;hrten</italic>, 18.</p></fn>
<fn id="n76"><p>Vgl. ebd.</p></fn>
<fn id="n77"><p>Vgl. dazu die begriffliche Neufassung von <italic>pharmakon</italic> durch Jacques Derrida: &#034;Derrida fokussiert in seinen dekonstruktiven Lekt&#252;ren auf die hierarchischen Strukturen philosophischer Texte und Systeme, wobei er zugleich mit Begriffen arbeitet, die sich der bin&#228;ren Logik entziehen und diese desorganisieren. Zu diesen Begriffen geh&#246;rt u. a. das &#39;Pharmakon&#39;, dessen Bedeutung unentscheidbar zwischen &#39;Heilmittel&#39; und &#39;Gift&#39; oszilliert, oder das &#39;Hymen&#39;, das zugleich &#39;Vereinigung&#39;, &#39;Trennung&#39;, &#39;Vollzug&#39; und &#39;Unber&#252;hrtheit&#39; bedeuten kann.&#034; <xref ref-type="bibr" rid="B6">Anna Babka und Matthias Schmidt</xref>, &#034;Binarit&#228;t&#034;, in <italic>Gender und Dekonstruktion: Begriffe und kommentierte Grundlagentexte der Gender- und Queer-Theorie</italic>, hrsg. von Anna Babka und Gerald Posselt (<xref ref-type="bibr" rid="B45">Wien: Facultas, 2016</xref>), 45&#8211;46.</p></fn>
<fn id="n78"><p>Barad, <italic>Verschr&#228;nkungen</italic>, 77.</p></fn>
<fn id="n79"><p>Barad, <italic>Verschr&#228;nkungen</italic>, 77f.</p></fn>
<fn id="n80"><p>Barad, <italic>Verschr&#228;nkungen</italic>, 211, Herv. i. Orig.</p></fn>
<fn id="n81"><p>Barad, <italic>Verschr&#228;nkungen</italic>, 211.</p></fn>
<fn id="n82"><p>Barad, <italic>Verschr&#228;nkungen</italic>, 76.</p></fn>
<fn id="n83"><p>Barad, <italic>Meeting the Universe Halfway</italic>, 393.</p></fn>
<fn id="n84"><p>Barad, <italic>Verschr&#228;nkungen</italic>, 162.</p></fn>
<fn id="n85"><p>Nancy, <italic>Singul&#228;r plural sein</italic>, 58.</p></fn>
<fn id="n86"><p>Barad, <italic>Verschr&#228;nkungen</italic>, 162.</p></fn>
<fn id="n87"><p>&#196;hnliche Bilder werden, mehr als zwanzig Jahre nach Frischmuths Roman, signifikant in Elfriede Jelineks <italic>Kinder der Toten</italic> (1995).</p></fn>
<fn id="n88"><p>Barad, <italic>Verschr&#228;nkungen</italic>, 76.</p></fn>
<fn id="n89"><p>Barad, <italic>Verschr&#228;nkungen</italic>, 124.</p></fn>
<fn id="n90"><p>Vgl. Judith Halberstam und Ira Livingston, <italic>Posthuman bodies</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B31">Bloomington: Indiana University Press, 1995</xref>).</p></fn>
<fn id="n91"><p>Jack Halberstam, <italic>In a queer time and place: Transgender bodies, subcultural lives</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B30">New York, London: New York University Press, 2005</xref>), 1 [meine &#220;bersetzung].</p></fn>
<fn id="n92"><p>Halberstam, <italic>In a queer time and place</italic>, 114.</p></fn>
<fn id="n93"><p>Anna Babka und Rosemarie Brucher, &#034;Vorwort&#034;, in Jack Halberstam. <italic>Trans*Positionen zu Geschlecht und Architektur</italic>, hrsg. von Anna Babka und Rosemarie Brucher (<xref ref-type="bibr" rid="B5">Wien, Berlin: Turia &amp; Kant, 2021</xref>), 10&#8211;11.</p></fn>
<fn id="n94"><p>Babka und Brucher, &#034;Vorwort&#034;, 10&#8211;11.</p></fn>
<fn id="n95"><p>Babka und Brucher, &#034;Vorwort&#034;, 11.</p></fn>
<fn id="n96"><p>Barad, <italic>Verschr&#228;nkungen</italic>, 120f.</p></fn>
<fn id="n97"><p>Vgl. Frischmuth, &#034;L&#246;cher in die Mauern bohren&#034;, 76.</p></fn>
</fn-group>
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