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<journal-title>Genealogy+Critique</journal-title>
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<subject>Research</subject>
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<article-title>Back to Sex als &#034;beyond binary&#034;. Kulturwissenschaftliche &#220;berlegungen zur Relevanz des Biologischen</article-title>
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<email>birgit.stammberger@uni-luebeck.de</email>
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<aff id="aff-1"><label>1</label>Universit&#228;t zu L&#252;beck, Zentrum f&#252;r Kulturwissenschaftliche Forschung L&#252;beck (ZKFL), DE</aff>
<pub-date publication-format="electronic" date-type="pub" iso-8601-date="2022-12-14">
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<license-p>This is an open-access article distributed under the terms of the Creative Commons Attribution 4.0 International License (CC-BY 4.0), which permits unrestricted use, distribution, and reproduction in any medium, provided the original author and source are credited. See <uri xlink:href="http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/">http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/</uri>.</license-p>
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<abstract>
<p>Current biological research shows that sex is by no means as unambiguous and binary as previously assumed. Against the backdrop of contemporary debates in biological sciences about a gender difference &#034;beyond binary&#034; and in light of deconstructivist and posthumanist materialist concepts, this article unfolds a renewed perspective on feminist epistemologies of gender, nature, and the body. The focus is on whether and how biology can be a site from which to think difference beyond binarity. The paper is intended as a plea for increased consideration of biological theories of bodily difference in cultural studies. Given existing attempts to cement the two-gender order in public discourse, it seems all even more urgent to make empirical-revised research in the biological sciences visible and to challenge binary thinking not against but with biology.</p>
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<body>
<p>Biologische Aussagen zu Geschlecht und geschlechtlicher Differenz sind und waren schon immer Schauplatz politischer Auseinandersetzungen. In den letzten Jahrzehnten wurde durch die mediale und popul&#228;rwissenschaftliche Aufarbeitung kognitionswissenschaftlicher, genetischer und evolutionsbiologischer Forschungsergebnisse eine Sichtweise auf die Biologie bef&#246;rdert, der entsprechend diese naturwissenschaftliche Geschlechterkonzeptionen mit einer scheinbar unhintergehbaren dualistisch verfassten Geschlechterordnung und einem biologischen Determinismus gleichsetzt. Bin&#228;re Deutungsmuster geschlechtlicher Differenz haben auf diese Weise in der &#214;ffentlichkeit eine enorme Wirkungskraft entfaltet. Man muss nicht erst die vielbeschworenen Stereotype vom Einparken- und Zuh&#246;ren-K&#246;nnen bem&#252;hen, um zu verdeutlichen, dass sich solch fragw&#252;rdige Auffassungen klarer und eindeutiger Geschlechtergrenzen gesellschaftspolitischen Aneignungen verdanken. Dabei wurde und wird die Biologie immer wieder zur Festschreibung geschlechtlicher Stereotypisierungen herangezogen. Wenn experimentell-empirisches Wissen im &#246;ffentlichen Raum artikuliert wird, geht es also um gesellschaftspolitische Transformationen von Wissen, die durch Aneignung ver&#228;ndert oder verfestigt werden. Dabei bestimmen stereotype Vorstellungen von Geschlecht die disziplin&#228;ren Rahmenstellungen biologischer Konzeptualisierung selbst. Das Generieren biologischer Erkenntnisse, ihre Behauptung und Verfestigung, ihr Verwerfen und Revidieren &#8211; all dies ist Teil sozialer Praktiken, in denen dieses Wissen immer schon situiert und kontextualisiert ist. Dies gilt insbesondere dann, wenn experimentell-empirisches Wissen f&#252;r ontologische Aussagen &#252;ber den geschlechtlichen K&#246;rper herangezogen wird.</p>
<p>Die weitreichenden politischen Konsequenzen und normativen Vorannahmen &#252;ber die &#39;Natur&#39; des Geschlechts sind und waren schon immer Gegenstand feministischer Wissenschaftskritik. Kritische Analysen zu Forschungen der Geschlechtsbestimmung und Geschlechtsentwicklung haben dabei herausgearbeitet, dass in den biologischen Beschreibungen geschlechtlicher Differenz lange Zeit theoretische Pr&#228;missen vorherrschend waren, die von einer &#39;nat&#252;rlichen&#39; Zweigeschlechtlichkeit ausgingen. Sp&#228;testens seit den 1990er Jahren wurden diese dualistisch verfassten Geschlechtertheorien auch in der Biologie insbesondere durch feministische Interventionen zunehmend transformiert: Heute liefern endokrinologische, molekularbiologische und epigenetische Forschungen starke Evidenzen f&#252;r einen Wandel biologischer Geschlechtermodelle.<xref ref-type="fn" rid="n1">1</xref> Anstelle der bisher angenommenen Binarit&#228;t &#39;m&#228;nnlich versus weiblich&#39; werden Geschlechterdifferenzierungsprozesse als ein multifaktorielles Geschehen verstanden, das zu einer Vielfalt von sogenannten Geschlechterformen f&#252;hrt, weshalb in der Biologie mittlerweile von einem Spektrum oder Kontinuum sexueller Differenz gesprochen wird. Konzepte der Diversit&#228;t und Komplexit&#228;t von Geschlecht sind in den Kulturwissenschaften allerdings bisher nur unzureichend mit biologischen Forschungen assoziiert. Bis in die Gegenwart werden die Forschungsanstrengungen der kulturwissenschaftlichen bzw. biologischen Geschlechterforschung zumeist auf die als voneinander getrennt wahrgenommenen Bereiche Sex und Gender bezogen. Gegen diese Aufteilung sind allerdings schon seit langem seitens der feministischen Wissenschaftskritik und aus wissenschaftstheoretischen und epistemologischen Gr&#252;nden zahlreiche Einw&#228;nde formuliert worden, vor allem auch im Hinblick auf den in den Kulturwissenschaften oftmals idealistisch ausgerichteten Konstruktivismus.<xref ref-type="fn" rid="n2">2</xref></p>
<p>In diesem Artikel werden die Epistemologien von Geschlecht, Natur und K&#246;rper im Kontext der biologischen Forschung entfaltet und im Rahmen eines posthumanistisch-materialistischen Geschlechterverst&#228;ndnisses diskutiert. Ziel des Beitrages ist es, aktuelle Forschungen im Bereich der Biologie mit &#220;berlegungen zusammenzuf&#252;hren, die im Zuge des <italic>material turn</italic> entwickelt wurden. Dabei werden die Impulse biologischer Geschlechtertheorien aufgegriffen, die im Spektrum feministischer Neukonzeptionen von Geschlecht, Materialit&#228;t und verk&#246;rperter Differenz zu verorten sind, und mit posthumanen, nichtdualistischen Konzeptionen des K&#246;rpers enggef&#252;hrt, um die M&#246;glichkeiten und Grenzen dekonstruktiver Zug&#228;nge in Hinblick auf biologische Geschlechterkonzeptionen auszuloten. Im Fokus steht dabei die Frage, wie und ob die Biologie ein Ort sein kann, von dem ausgehend sich ein Denken geschlechtlicher Differenz jenseits der Binarit&#228;t erschlie&#223;en l&#228;sst.</p>
<p>Der Beitrag arbeitet an einer Verschr&#228;nkung sowohl theoretischer als auch forschungspraktischer Perspektiven und versteht sich als ein Pl&#228;doyer f&#252;r eine revidierte Bezugnahme auf biologische Geschlechtertheorien in den Kulturwissenschaften. Mit Fokus auf die materiell-diskursiven Aspekte von Geschlecht sollen die relationalen Aspekte von Sex und Gender, K&#246;rper und Diskurs und die damit einhergehenden transformativen und ver&#228;nderten Epistemologien beleuchtet und die Notwendigkeiten kooperativer Forschungen zwischen Kulturwissenschaften und biologischen Forschungen diskutiert werden. Kulturwissenschaftliche Forschung wird dabei in besonderem Ma&#223;e adressiert, da die lange Zeit postulierten Trennung von Sex und Gender hier zunehmend diskutiert wird.<xref ref-type="fn" rid="n3">3</xref> Angesichts intensiver Debatten &#252;ber Geschlecht, K&#246;rper und Sexualit&#228;t und erneuter Versuche einer Zementierung der Zweigeschlechterordnung im &#246;ffentlichen Diskurs, scheint es umso dringlicher, nicht gegen, sondern mit der Biologie bin&#228;res Denken herauszufordern. Das bedeutet vor allem, empirisch-revidierte Forschung aus den Biowissenschaften sichtbar zu machen, die auf der Grundlage einer Verschiebung und Aufl&#246;sung von Grenzen eine Neubetrachtung von Geschlecht erm&#246;glicht und somit Dichotomien in den empirischen Praktiken hinterfragt. Diese dekonstruktiven Praktiken sollten in neue Formen transdisziplin&#228;rer Forschungen einflie&#223;en, die biologische Geschlechtertheorien, feministische Wissenschaftskritik und kulturwissenschaftliche Analysen zusammenbringt.</p>
<sec>
<title>Impulse aus der Biologie</title>
<p>In der Medizin und den Biowissenschaften wurden Geschlechtervariabilit&#228;ten lange Zeit als Pathologie, Abweichung oder Seltenheit beschrieben. Zumeist berief man sich dabei auf das bin&#228;re Modell der Zweigeschlechtlichkeit als notwendige Bedingung der Reproduktion. Dass dieses Entweder-oder-Modell geschlechtlicher Differenz nicht nur gesellschaftlich, sondern auch biologisch in Frage gestellt ist, zeigt ein 2015 in der renommierten Zeitschrift <italic>Nature</italic> erschienener Artikel, in dem Claire Ainsworth aktuelle Ergebnisse molekularbiologischer Forschungen zur Geschlechtsentwicklung zusammenfasst. Unter dem Titel &#034;Sex redefined&#034;<xref ref-type="fn" rid="n4">4</xref> konstatiert Ainsworth, dass die Vorstellung von der Existenz zweier Geschlechter biologisch gesehen nicht nur viel zu simpel ist, sondern mittlerweile auch von vielen Biolog:innen zur&#252;ckgewiesen wird.</p>
<p>F&#252;r die Neubewertung von Geschlecht in der Biologie werden nicht ver&#228;nderte gesellschaftliche Sichtweisen herangezogen, sondern biologische Forschungsergebnisse. Bereits auf der Ebene des chromosomalen Geschlechts, das in der Unterscheidung eines XX- bzw. XY-Chromosomensatzes das zentrale Dogma f&#252;r die Auffassung einer &#39;nat&#252;rlichen&#39; Zweigeschlechtlichkeit lieferte, haben molekularbiologische Forschungen heute ein ganzes Spektrum geschlechtlicher Auspr&#228;gungen erschlossen. Die Grenze zwischen den Geschlechtern, konstatiert Ainsworth, &#034;becomes even blurrier&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n5">5</xref> In &#228;lteren Modellen menschlicher Geschlechtsentwicklung ging man lange davon aus, dass es einen bestimmenden Faktor auf dem Y-Chromosom gibt, der die m&#228;nnliche Entwicklung aktiviert. Faktoren, die die Entwicklung des weiblichen Ph&#228;notyps bzw. der weiblichen Gonaden bestimmen, wurde dabei oftmals keine Relevanz zugeschrieben. Bereits die Vorstellung, nach der sich aus den Geschlechtschromosomen alle anderen Faktoren des biologischen Geschlechts wie die Gonaden oder die k&#246;rperliche Anatomie kausal entwickeln, basiert auf theoretischen Annahmen, denen entsprechend k&#246;rperliche Entwicklungen einzig auf genetischen Informationen aufbauen und damit alle anderen Entwicklungsprozesse als nachgeordnet auffassen. Neueren molekularbiologischen Erkenntnissen &#252;ber die Geschlechtsbestimmung beim Menschen zufolge gibt es aber gar nicht nur das eine geschlechtsbestimmende Gen, vielmehr werden etliche Genabschnitte und viele Faktoren beschrieben, die zur Geschlechtsbestimmung beitragen.</p>
<p>Anstatt Geschlechtsentwicklungsprozesse in kausalen Modellen eines bin&#228;ren Schaltermechanismus darzustellen, beschreiben Biolog:innen solche Prozesse heute in genregulierenden Netzwerken, die von inneren und &#228;u&#223;eren Faktoren bestimmt sind und sich in komplexen Entwicklungsg&#228;ngen der gegenseitigen Aktivierung und Hemmung vollziehen. Entgegen den in der Molekularbiologie lange Zeit &#252;blichen DNA-zentristischen und gendeterministischen Modellen werden heute zahlreiche, auch &#228;u&#223;ere Faktoren wie Umwelteinfl&#252;sse in ihrer zentralen Bedeutung f&#252;r biologische Entwicklungsprozesse untersucht. In der &#220;berwindung der strikten Trennung zwischen <italic>nature</italic> und <italic>nurture</italic><xref ref-type="fn" rid="n6">6</xref> werden die vielf&#228;ltigen Zusammenh&#228;nge und Interaktionen von Umwelt und Organismus sichtbar. Die umweltbedingten Faktoren werden dabei nicht als nachgeordnet f&#252;r biologische Prozesse, zum Beispiel der Zelldifferenzierung, verstanden, sondern dezidiert in ihren Verschr&#228;nkungen mit genetischen, zellul&#228;ren und anderen Faktoren wahrgenommen.<xref ref-type="fn" rid="n7">7</xref> In Blick geraten die vielf&#228;ltigen und komplexen Prozesse der Geschlechtsentwicklung, die unter der Annahme einer Binarit&#228;t bisher nicht beschreibbar waren.</p>
<p>In Modellen komplexer Netzwerke erschlie&#223;en biologische Forschungen immer weitere und vielf&#228;ltigere Formen geschlechtlicher Differenz. So berichtet Ainsworth von dem Fall einer Frau, die im Alter von 46 Jahren zum dritten Mal schwanger wurde und im Rahmen einer Amniozentese den genetischen Befund erhielt, dass ein Teil ihres K&#246;rpers Zellen eines Chromosomensatzes enthalte, der eigentlich als zentraler Faktor f&#252;r m&#228;nnliche Geschlechtsentwicklung bestimmt sei. Vor dem Hintergrund aktueller biowissenschaftlicher Forschungen zur biologischen Geschlechtsentwicklung m&#252;ssen auch Differenzen von normal und abweichend neu betrachtet werden: Denn die unter dem medizinischen Fachbegriff &#034;Divers Sex Development&#034;<xref ref-type="fn" rid="n8">8</xref> (DSD) als Sexualdifferenzierungsst&#246;rungen bzw. &#034;Intersexualit&#228;t&#034; gefassten Ph&#228;nomene sind keineswegs so selten und exzeptionell, wie einst angenommen. &#034;[N]ew technologies in DNA sequencing and cell biology are revealing that almost everyone is, to varying degrees, a patchwork of genetically distinct cells, some with a sex that might not match that of the rest of their body&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n9">9</xref> In nahezu jedem K&#246;rper sind also auf unterschiedliche Weise genetische Anteile enthalten, die bisher als Faktoren f&#252;r DSD erachtet wurden. Wie Ainsworth betont, gibt es mittlerweile Studien, die eine enorme Variationsbreite geschlechtlicher Differenzen ausweisen, womit eine klare Grenzziehung zwischen abweichender und normaler Geschlechtsentwicklung immer schwieriger wird. Unter Ber&#252;cksichtigung dieser komplexen Gemengelage genetischer und hormoneller Faktoren, sind bin&#228;re Einteilungen viel weniger m&#246;glich. Betrachtet man die Vorg&#228;nge k&#246;rperlicher Geschlechtsentwicklung genauer, dann lassen sich diese keineswegs eindeutig in m&#228;nnlich oder weiblich aufteilen. Die biologischen Parameter geschlechtlicher Differenz bieten also keine Grundlage, um einzelne Menschen unanfechtbar in m&#228;nnlich oder weiblich einzuteilen.<xref ref-type="fn" rid="n10">10</xref></p>
<p>Die Befunde molekularbiologischer und endokrinologischer Forschungen f&#252;hren auch zu einer Abkehr von lange Zeit geltenden methodologischen Pr&#228;missen und Vorannahmen. Damit werden nicht &#39;alt bew&#228;hrte&#39; Gewissheiten in Frage gestellt, sondern es zeichnen sich fundamentale Verschiebungen naturwissenschaftlicher Epistemologien ab. Dies wird besonders an sich wandelnden biologischen Beschreibungen der embryonalen Geschlechtsentwicklung deutlich. Im pr&#228;natalen Stadium ist das Embryo zun&#228;chst geschlechtlich indifferent und erst in der zw&#246;lften Woche ist die geschlechtliche Differenzierung vollzogen. Die molekularbiologische Forschung der Entwicklungsgenetik hat die Prozesse der weiblichen Geschlechtsentwicklung in dieser Phase bis in die 1990er Jahre zumeist als einen <italic>passiven</italic> und bereits angelegten Vorgang beschrieben, w&#228;hrend die m&#228;nnliche Geschlechtsentwicklung als ein genetisch bedingt <italic>aktiver</italic> Prozess begriffen wurde. Man ging also von der Annahme aus, dass weibliche Geschlechtsentwicklung einer &#034;Grundkonstitution&#034; bzw. einer &#034;basic femaleness&#034; unterliege &#8211; eine Ansicht, die vonseiten der feministischen Wissenschaftskritik schon lange kritisiert wird.<xref ref-type="fn" rid="n11">11</xref> Eine passive weibliche und eine aktive m&#228;nnliche Geschlechtsentwicklung ist empirisch nicht nachweisbar und vielmehr von sozialen Normen und kulturellen Vorstellungen gepr&#228;gt, die wiederum die Forschungspraxis der Biologie beeinflusst haben.<xref ref-type="fn" rid="n12">12</xref> Die Vorstellung von M&#228;nnlichkeit als aktiv und das damit verbundene Bild einer passiven Weiblichkeit hat &#252;ber Jahrzehnte in der Biologie auch die Vorstellung gen&#228;hrt, dass Weiblichkeit dann zum Ausdruck kommt, wenn etwas fehlt. Dies wiederum hat die biologische Forschung zu genaktivierenden Faktoren, die zur Ausbildung des weiblichen Ph&#228;notyps f&#252;hren, eingeschr&#228;nkt.<xref ref-type="fn" rid="n13">13</xref> Erst in den 1990er Jahren kam es in der Biologie zu der Einsicht, dass auch die weibliche Geschlechtsentwicklung ein aktiver Prozess ist, der auf komplizierten Abl&#228;ufen der (Re-)Aktivierung von Genen, Proteinen und Hormonen beruht.<xref ref-type="fn" rid="n14">14</xref> Auch das biologische Geschlecht ist keineswegs bin&#228;r, sondern &#252;beraus variabel.</p>
<p>Angesichts dieser Befunde konstatiert Ainsworth, dass die neuen Ergebnisse molekularbiologischer Differenzierungsforschung nicht in eine Welt passen, in der biologisches Geschlecht &#034;is still defined in binary terms&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n15">15</xref> Wenn aber auch das biologische Geschlecht eher als Spektrum oder Kontinuum zu verstehen ist, so sei es nach Ainsworth eine gesellschaftliche Aufgabe &#034;to grapple with the consequenzes, and work out where and how to draw the line&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n16">16</xref> Insgesamt werden biologische Darstellungen geschlechtlicher Differenzierungen immer weniger in dualistischen Modellen beschrieben. Aufgrund ver&#228;nderter theoretischer Pr&#228;missen und neuer Modelle der Darstellung von k&#246;rperlichen Entwicklungsprozessen ist die Auffassung einer Zweigeschlechtlichkeit auch aus biologischer Sicht heute kaum mehr haltbar. Zumindest legen die Debatten eines &#034;beyond binary&#034;<xref ref-type="fn" rid="n17">17</xref> nahe, dass auch in der Biologie und der Biomedizin ein &#034;queeres &#39;biologisches&#39; Potenzial&#034;<xref ref-type="fn" rid="n18">18</xref> vergeschlechtlichter K&#246;rperlichkeit sichtbar gemacht werden kann, das m&#246;glicherweise den Raum f&#252;r eine Neuverhandlung von Geschlecht er&#246;ffnet. Angesichts der Festschreibung stereotyper Geschlechtervorstellungen im &#246;ffentlichen Diskurs k&#246;nnte biologische Forschung so dazu beitragen, der Idee eines in der Natur angesiedelten Ordnungsrahmens der Zweigeschlechtlichkeit eine Absage zu erteilen. So zeigt etwa Smilla Ebeling in &#034;Queering Biologie&#034;, in dem sie zoologische Theorien von Geschlecht verhandelt, dass die in der Biologie mittlerweile praktizierten &#39;queeren&#39; Beschreibungen auch Identit&#228;tspolitiken argumentativ st&#252;tzen. Mit Rekurs auf die biologischen Beschreibungen geschlechtlicher Vielfalt k&#246;nne auch &#034;Homosexualit&#228;t und Transgender nicht abgewertet oder ignoriert werden&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n19">19</xref> Ebeling konstatiert also, dass queere Naturbeschreibungen auch f&#252;r gesellschaftliche Aushandlungsprozesse bedeutungsvoll sein k&#246;nnten.</p>
<p>Die M&#246;glichkeiten solcher Darstellungen f&#252;r ein neues Denken von Identit&#228;ten sind allerdings auch kritisch zu diskutieren. So ist zu fragen, ob, wie und wo die Ergebnisse biologischer Forschungen in identit&#228;ts- und sexualpolitische Forderungen eingehen und wie diese &#252;berhaupt gerechtfertigt werden k&#246;nnen. Der Verweis auf biologische Forschungen zur Vielfalt des Geschlechts kann in diesem Zusammenhang problematisch sein, wenn das Argument des &#034;biologischen Beweises&#034; letztlich auf einem naiven Empirismus beruht, der die unhintergehbare Relationalit&#228;t von Sex und Gender ausblendet. Transferprozesse von der Biologie in Identit&#228;tspolitiken lassen sich nicht damit begr&#252;nden, so betont auch Helga Satzinger, dass sie eine &#034;bessere&#034; oder vielleicht &#034;objektivere&#034; Beschreibung liefern w&#252;rden.<xref ref-type="fn" rid="n20">20</xref> Auch wenn biologisches Wissen immer weniger von heteronormativen Grundannahmen gepr&#228;gt ist, w&#228;re ein Rekurs auf diese nicht weniger folgenreich, solange damit nur immer weitere Formen der Naturalisierung forciert w&#252;rden. Auf dem Spiel steht also nicht eine bessere Biologie, sondern ein gesellschaftspolitischer Aushandlungsprozess, in dem das Verh&#228;ltnis von Wissenschaft und Gesellschaft neu beleuchtet wird.</p>
</sec>
<sec>
<title>Re-Materialisierungsdiskurse &#8211; oder: Back to Sex?</title>
<p>In den letzten Jahren haben sich zahlreiche gesellschaftliche Bewegungen formiert, um die &#034;Vielfalt sexueller Seinsweisen unter dem Dach der Normalit&#228;t mit einzubeziehen&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n22">22</xref> So wurden durch die verst&#228;rkte Sichtbarkeit der LGBTIQ-Bewegungen die machtvollen und menschenrechtlichen Konsequenzen des bin&#228;ren Geschlechtermodells auch &#246;ffentlich diskutiert und neue rechtliche Bestimmung geschlechtlicher und sexueller Identit&#228;ten eingeklagt. Zugleich gibt es aber auch zahlreiche gesellschaftliche Kr&#228;fte, die am Modell der Zweigeschlechtlichkeit festhalten und es f&#252;r eine Politik einsetzen, die sich an einer scheinbaren Essenz des biologischen K&#246;rpers orientiert. So rekurrieren rechtskonservative Positionen auf medizinisch relevante Ph&#228;nomene wie das Turner-Syndrom, um eine biologische Schicksalshaftigkeit von Geschlecht zu postulieren.<xref ref-type="fn" rid="n23">23</xref> Den Gender Studies wird von dieser Seite vorgeworfen, mit der These vom konstruierten Geschlecht und der Kritik an der Zweigeschlechtlichkeit die Aufl&#246;sung sozialer Strukturen voranzutreiben und die &#39;nat&#252;rlichen&#39; Unterschiede zwischen Menschen zu ignorieren.<xref ref-type="fn" rid="n24">24</xref></p>
<p>Solche ideologischen (Pseudo-)Argumentationen, die die Zweigeschlechtlichkeit des Menschen als biologisches Faktum behaupten, sind nicht nur falsch, sondern k&#246;nnen auch als Reaktion darauf verstanden werden, dass sich gesellschaftlich tats&#228;chlich etwas ge&#228;ndert hat. In diesem Sinne begreifen Sabine Hark und Paula-Irene Villa den Anti-Genderismus der Gegenwart auch als einen auf &#034;post-essentialistische Zust&#228;nde reagier[enden]&#034; Restabilisierungsversuch, der auf die Wiederherstellung &#034;prek&#228;r gewordener Sicherheiten&#034;<xref ref-type="fn" rid="n25">25</xref> zielt. Einen anderen Vorschlag macht Kerstin Palm. Sie nimmt den Anti-Genderismus der Gegenwart ausgehend von einer biologiebasierten Kritik in den Blick. Antifeministische Positionen, die von einer nat&#252;rlichen Zweigeschlechtlichkeit des Menschen ausgehen, werden oftmals mit Rekurs auf einen &#8211; angeblich &#8211; aktuellen biologischen Forschungsstand gef&#252;hrt, greifen jedoch auf &#034;veraltete, l&#228;ngst empirisch revidierte Forschungsliteratur&#034; zur&#252;ck.<xref ref-type="fn" rid="n26">26</xref> In Auseinandersetzung mit dem von Ulrich Kutschera ver&#246;ffentlichten Band <italic>Das Gender-Paradoxon</italic><xref ref-type="fn" rid="n27">27</xref> widerlegt Palm die Aussagen des Evolutionsbiologen, wonach es so etwas wie eine evolutionsbedingte Zweigeschlechterordnung gebe. Eine solche Sichtweise sei nicht nur einer v&#246;llig &#252;berholten Deutung des materiellen Geschlechtsk&#246;rpers geschuldet, die ihre Urspr&#252;nge in der b&#252;rgerlichen Geschlechterordnung des 19. Jahrhunderts hat, sondern sie ignoriere zudem die aktuellen biologischen Entwicklungsmodelle geschlechtlicher Differenzierungen. Vor dem Hintergrund einer ideologischen Indienstnahme der Biologie pl&#228;diert Palm eindringlich f&#252;r eine &#034;intensivere Zusammenarbeit zwischen kritischer Biologie und Genderforschung&#034;,<xref ref-type="fn" rid="n28">28</xref> um die im Umfeld des Anti-Genderismus beschworene Kluft zwischen Kultur und Biologie mit Verweis auf l&#228;ngst etablierte interdisziplin&#228;re Forschungspraktiken abzuweisen.</p>
<p>Ein solcher Dialog erweist sich als dringender denn je. Denn die besondere Prekarit&#228;t des materiell-biologischen K&#246;rpers wird auch im Kontext reproduktiver Selbstbestimmung deutlich. So sprach Sarah Diehl von &#034;Ber&#252;hrungs&#228;ngste[n] gegen&#252;ber einem vernachl&#228;ssigten Thema, das so sehr an den k&#246;rperlich-biologischen Vorg&#228;ngen zu kleben&#034;<xref ref-type="fn" rid="n29">29</xref> scheint. Katja Krolzik-Matthei adressiert in diesem Zusammenhang Konfliktlinien zwischen poststrukturalistisch-dekonstruktivistischen Gendertheorien und dem Selbstbestimmungsbegriff der zweiten Frauenbewegung. Die &#034;Konzentration auf dekonstruktivistische Ideen in postmodernen, queer-feministischen Kontexten&#034;<xref ref-type="fn" rid="n30">30</xref> habe zugleich ein Defizit an k&#246;rper- und geschlechtsbezogenen Themen und der Produktion sexueller Differenzen bewirkt. Vor dem Hintergrund ihrer Analyse neoliberaler Subjektivierungsweisen betont auch Tove Soiland, dass poststrukturalistisch-konstruktivistische Theorieans&#228;tze zur Ausblendung eines Denkens der sexuellen Differenz gef&#252;hrt haben und kritisiert die zunehmende Unsichtbarmachung der theoretischen Pr&#228;missen eines dekonstruktiven Genderverst&#228;ndnisses:</p>
<disp-quote>
<p>Die Schlussfolgerung, dass die &#220;berwindung der Zweigeschlechtlichkeit w&#252;nschenswert oder politisch notwendig sei, ist dabei in dem Ma&#223;e zum Common Sense geworden, wie die Unbegr&#252;ndetheit der theoretischen Pr&#228;missen, die dieser Schlussfolgerung zugrunde liegen.<xref ref-type="fn" rid="n31">31</xref></p>
</disp-quote>
<p>Bereits Anfang der 2000er Jahre hatte auch Joan W. Scott eine Kritik am dekonstruktiven Genderbegriff formuliert, die von der Sorge um seine Instrumentalisierung getragen war. Nach Scott haben dekonstruktive Kritiken mit der Aufhebung der Unterscheidung von biologischem und sozialem Geschlecht ein wichtiges Instrumentarium entwickelt, um &#034;sowohl die Nicht-Determiniertheit sexuierter Subjektpositionen zu betonen, als auch die ungleichen Machtverh&#228;ltnisse herauszustreichen&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n32">32</xref> Jedoch haben diese Entwicklungen paradoxerweise dazu beigetragen, dass die Kategorie Sex unwillentlich in ihrem naturhaften Status fortgeschrieben wird.<xref ref-type="fn" rid="n33">33</xref> Vor dem Hintergrund dieser Beobachtung fordert Scott auf, die Relationalit&#228;t von Sozialem und Biologischem wieder ernst zu nehmen und &#034;das biologische wie das soziale Geschlecht als komplex miteinander verflochtene Wissenssysteme&#034;<xref ref-type="fn" rid="n34">34</xref> zu begreifen. Gerade im Feld der Naturwissenschaften seien neue Perspektiven zu eruieren, die es erlauben, alternative Positionen jenseits soziobiologischer Determinismen zu artikulieren.<xref ref-type="fn" rid="n35">35</xref></p>
<p>Auch von Seiten der Feminist Science Studies wurde eine Auseinandersetzung mit den biologisch-materiellen Aspekten der Geschlechtlichkeit eingefordert. So pl&#228;dierte etwa Linda Birke f&#252;r einen &#034;more nuanced view of the &#39;biological&#39; in social theory&#034;,<xref ref-type="fn" rid="n36">36</xref> der durch eine Einbeziehung biologisch informierten Wissens in die Geschlechterforschung erreicht werden k&#246;nne. Dadurch, so Birke, k&#246;nnen nicht nur zahlreiche Vorurteile in den Gender Studies gegen&#252;ber den Naturwissenschaften revidiert werden, sondern es werde auch die M&#246;glichkeit erschlossen, den K&#246;rper und das Biologische in ihrer Situiertheit und Prozessualit&#228;t zu denken. Die Debatten &#252;ber die Beschr&#228;nkungen eines Genderbegriffs, der durch den Sex-Gender-Dualismus notwendigerweise die Biologie au&#223;en vor l&#228;sst, sind seitdem nicht abgeebbt.<xref ref-type="fn" rid="n37">37</xref></p>
</sec>
<sec>
<title>Das Sex-Gender-System neu denken</title>
<p>Den materiellen K&#246;rper in einer nichtdualistischen Konzeption zu denken, steht am Anfang einer Neuformulierung von Geschlecht bei Judith Butler. Materialit&#228;t ist f&#252;r Butler weder eine Gegebenheit noch eine &#034;freie Oberfl&#228;che oder leere Schiefertafel, die auf eine von au&#223;en herangetragene Signifikation wartet&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n38">38</xref> Butlers Neukonzeptionalisierung des materiellen K&#246;rpers nimmt ihren Ausgang bei der unhintergehbaren Verkettung von Materialit&#228;t und Diskurs, die sie mit Theorien der Performativit&#228;t verkn&#252;pft. Materialit&#228;t ist in Prozesse der Materialisierung eingebettet und konstituiert sich in performativen Akten der Wiederholung. Die Konstitutions- und Bedeutungsbedingungen von Materialit&#228;t denkt Butler innerhalb eines Schemas oder einer Matrix, in der sich Materie materialisiert und von der sie &#034;nicht abl&#246;sbar ist&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n39">39</xref> Materialit&#228;t ist dabei immer schon von der Aushandlung der sexuellen Differenz bestimmt und deshalb nicht ohne damit verkn&#252;pfte soziale und kulturelle Bedeutungsgebung geschlechtlicher Differenz zu denken, die innerhalb machtvoller Intelligibilit&#228;ten festlegt, was als &#034;prim&#228;re Gegebenheiten aufgefasst&#034;<xref ref-type="fn" rid="n40">40</xref> wird. In westlichen Gesellschaften ist Differenz nach Butler in einer heterosexuellen Matrix verankert, das hei&#223;t, auch das Materielle ist immer schon heteronormativ konnotiert.</p>
<p>Bereits in der Etymologie des Begriffs <italic>materia</italic> ist Materialit&#228;t mit Weiblichkeit assoziiert und somit in einen Bedeutungshorizont kultureller Normen eingebettet.<xref ref-type="fn" rid="n41">41</xref> Materialit&#228;t ist also ein Ort, &#034;an dem sich ein bestimmtes Drama der sexuellen Differenz abspielt&#034;,<xref ref-type="fn" rid="n42">42</xref> zugleich aber auch ein Instrument, um die im Schema der Heteronormativit&#228;t produzierten Verwerfungen und Grenzen aufzuzeigen. Als Ort der Aushandlung und Erzeugung sexueller Differenz steckt der materielle K&#246;rper Grenzen ab, die f&#252;r Butler die Grenzen des Lebbaren sind. Der biologische K&#246;rper ist entsprechend nicht ohne die ihn regulierenden Normen zu denken, denn er ist bereits das Resultat diskursiver Produktionen. Deshalb unterzieht Butler den materiell-biologischen K&#246;rper einer kritischen Genealogie seiner Bedeutungsproduktion, um die Behauptung seiner fundierenden Basis radikal in Frage zu stellen.</p>
<p>Was den K&#246;rper in seiner Materialit&#228;t bestimmt, ist nach Butler niemals abschlie&#223;end oder stabil, sondern ein &#034;andauernder und revidierbarer Prozess&#034;. Dass K&#246;rper mittels diskursiver Praktiken performativer Aneignungen materialisiert werden, ist zugleich die Bedingung der M&#246;glichkeit der Ver&#228;nderung. Auch das regulierende Schema der Heteronormativit&#228;t ist f&#252;r Butler weder zeitlos noch unumkehrbar, sondern von &#034;historisch revidierbaren Kriterien der Intelligibilit&#228;t&#034;<xref ref-type="fn" rid="n43">43</xref> bestimmt. Eine &#034;R&#252;ckkehr zur Materialit&#228;t&#034; ist in diesem Sinne immer auch eine &#034;R&#252;ckkehr zur Materie als einem Zeichen&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n44">44</xref> Wenngleich Butler radikal mit dem Dualismus der Heteronormativit&#228;t bricht, l&#246;st sie das Geschlecht also weder von seiner biologischen Dimension ab noch negiert sie den materiellen K&#246;rper. Vielmehr geht es ihr in epistemologischer Sicht um den Verlust &#034;erkenntnistheoretischer Gewissheit&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n45">45</xref> Indem die politisch wirkm&#228;chtige Behauptung eines &#034;biologischen Schicksalszusammenhang[s]&#034;<xref ref-type="fn" rid="n46">46</xref> radikal in Frage gestellt wird, wird der Raum f&#252;r ein Denken nicht-heteronormativer Differenzierungen ge&#246;ffnet.</p>
<p>Der K&#246;rper ist nicht zuletzt aufgrund seiner diskursiven Verfasstheit immer schon ein Sprechen &#252;ber den K&#246;rper und dieses Sprechen ist ein Sprechen in Intelligibilit&#228;ten. F&#252;r Butler gibt es keinen K&#246;rper an sich, sondern dieser nimmt seinen Ausgang in einem <italic>Sprechen &#252;ber</italic>. Materialit&#228;t ist deshalb immer schon vermittelt, weil &#034;materiell zu sein, im doppelten Sinne bedeutet: &#39;zu materialisieren&#39; und &#39;zu bedeuten&#39;&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n47">47</xref> Szenographisch gesehen wird Materialit&#228;t in normierenden Prozessen einer kulturellen Matrix konstituiert, das hei&#223;t, Materialisierung wird im Drama heteronormativer Intelligibilit&#228;ten geleistet. Topographisch gesehen ist Materialit&#228;t aber auch ein Ort, an dem sich die Bezugnahme auf den K&#246;rper im Rahmen dieser normierenden Konstruktion in dem begr&#252;ndet, was vom &#034;Regime der Heteronormativit&#228;t&#034; hervorgebracht, beschr&#228;nkt und begrenzt wird. Insofern geht es Butler darum, die im Prozess diskursiv-materieller Hervorbringungen produzierten Verwerfungen und Ausschl&#252;sse in diesen normierenden Konstruktionen zu denken. Eine Artikulation des materiellen K&#246;rpers vollzieht sich also immer im Namen der ihn hervorbringenden Normen, die bestimmen, was &#034;bedeutungsvolle K&#246;rper auszeichnet&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n48">48</xref> Der materielle K&#246;rper ist f&#252;r Butler also auch ein Ort, der innerhalb regulierender Normen die Grenzen dessen absteckt, was als ein lebenswertes Leben gilt, und welche M&#246;glichkeiten und Beschr&#228;nkungen damit verbunden sind. Butler denkt die Konstitutionsbedingungen von Materialit&#228;t im Zusammenhang mit Intelligibilit&#228;t und versucht so, diese Materialsierungen als f&#252;r Menschen bewohnbare Orte zur&#252;ckzugewinnen: Es sei, schreibt sie am Schluss ihres politischen Essays <italic>Gef&#228;hrdetes Leben</italic>, &#034;zweifellos die Aufgabe, uns zum Menschlichen zur&#252;ckzuf&#252;hren&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n49">49</xref></p>
<p>In einem nichtdualistischen Konzept des materiellen K&#246;rpers bricht Butler radikal mit biologistischen oder essentialistischen Darstellungen und macht den K&#246;rper zum Ort feministischer Anfechtungen, ohne ihn auf seine konstruktivistische Rahmung zu reduzieren. Butlers Theorie des K&#246;rpers denkt dessen Materialit&#228;t als Prozess seiner Materialisierung innerhalb einer gegebenen Ordnung. Der biologische K&#246;rper ist so auch der Ort, an dem die Intelligibilit&#228;ten der Zweigeschlechtlichkeit vorgeben, wer oder was Menschen sind, wie sie zu sein haben, welche Rollen und Positionen ihnen zuerkannt werden, welche Orientierungen und welche Identit&#228;ten lebbar sind. Die Dynamik des Materiellen ist f&#252;r Butler also eine Funktion der soziohistorischen Form und der K&#246;rper ist die Kraft der Negativit&#228;t, die der Wiederholung der repressiven, aber produktiven Normen innewohnt.<xref ref-type="fn" rid="n50">50</xref> Der K&#246;rper wird somit nicht nur &#252;ber die Matrix kultureller Intelligibilit&#228;ten konstituiert, er ist auch ein Vehikel zur Aufrechterhaltung dieser Ordnung.</p>
<p>Offen bleibt, ob in der kritischen Durcharbeitung diskursiv-materieller Prozesse die Beziehungen zwischen Materialit&#228;t und Materialisierung nicht anders als im Schema der heteronormativen Ordnung gedacht werden k&#246;nnen.<xref ref-type="fn" rid="n51">51</xref> Das Problem, dass sich aus der Bestimmung des K&#246;rpers &#252;ber diese Matrix stellt, ist nicht nur deren ausschlie&#223;licher Bezug auf soziale Praktiken diskursiver Ein- und Ausschlie&#223;ungen, sondern auch die unzureichende Ber&#252;cksichtigung der soziokulturellen Bedingtheit von Theoriekonzepten. Butlers Theorie des materiellen K&#246;rpers war und ist f&#252;r die kulturwissenschaftliche Geschlechterforschung zentral und bestimmend f&#252;r die darin begr&#252;ndete Sex-Gender-Unterscheidung. Was dabei jedoch viel zu wenig in Blick ger&#228;t, ist der zeit- und wissensgeschichtliche Kontext dieser Differenz. Denn Butlers nicht-dualistische Konzeption des materiellen K&#246;rpers entstand vor dem Hintergrund gesellschaftspolitischer Aushandlungen des geschlechtlichen K&#246;rpers, die vor allem von den in den Lebenswissenschaften reproduzierten dualistischen Theoriekonzeptionen mitbestimmt waren. &#034;Abschlie&#223;ende, unwissenschaftliche Nachschrift&#034; nennt <xref ref-type="bibr" rid="B16">Butler</xref> einen Nachtrag im dritten Kapitel von <italic>Das Unbehagen der Geschlechter</italic>, in dem sie sich mit der Zellbiologie der 1990er Jahre auseinandersetzt. Hierin widmet sie sich den auf dualistischen Modellen beruhenden Aussagen in der molekularbiologischen Erforschung des chromosomalen Geschlechts. Ihre &#220;berlegungen gr&#252;nden auf Arbeiten der kritischen Biologie, die bereits damals gezeigt hatten, wie das molekularbiologische Wissen der Geschlechtsbestimmung fortw&#228;hrend im Rahmen bin&#228;rer Kategorien produziert wurde. Butlers kritische Intervention gilt deshalb den unhinterfragt-heteronormativen Pr&#228;missen von zellbiologischen Theorien k&#246;rperlicher Differenz und den M&#246;glichkeiten bzw. Unm&#246;glichkeiten der Artikulation eines Wissens geschlechtlicher Differenz jenseits dualistischer Grundannahmen. Diese wird derzeit in der Biologie geleistet, wo Dualismen aufgesprengt, verschoben oder dynamisiert werden.</p>
</sec>
<sec>
<title>Materialit&#228;t und sexuelle Differenz</title>
<p>In den letzten Jahren haben materialistisch-feministische Theorieans&#228;tze erneut das Verh&#228;ltnis von Materialit&#228;t und Bedeutung in den Fokus der Debatte ger&#252;ckt. Ob in Begriffen des agentiellen Realismus<xref ref-type="fn" rid="n52">52</xref> oder mit Konzepten des <italic>embodiment</italic>:<xref ref-type="fn" rid="n53">53</xref> Die Notwendigkeit, Materialit&#228;t und K&#246;rperlichkeit neu zu denken, resultiert aus der Verabschiedung eines Denkens in Dichotomien zugunsten vielf&#228;ltiger Relationen von Epistemologie und Ontologie, Natur und Kultur, Subjekt und Objekt. In ihrer programmatischen Schrift <italic>The Posthuman</italic><xref ref-type="fn" rid="n54">54</xref> betont Rosi Braidotti, dass sich das Verst&#228;ndnis des Materiebegriffs grundlegend ge&#228;ndert hat. Dessen &#034;hervorstechende[s] Merkmal [ist] eine Auffassung der Differenz, die sich von den Binarismen zur Rhizomatik verlagert &#8211; vom Sex/Gender- oder Natur/Kultur-Gegensatz zu Sexualisierungs-, Rassisierungs- und Naturalisierungsprozessen&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n55">55</xref></p>
<p>Braidottis Entwurf einer posthumanistischen Wissenschaft setzt sich zur Aufgabe, sich mit antidualistischen Konzepten einem posthumanen Subjektentwurf zu &#246;ffnen und humanistische Konzepte zugunsten einer kritischen posthumanistischen Philosophie zu verwerfen. Kritischer Posthumanismus meint dabei vor allem strategische Intervention, um &#034;affirmative Perspektiven in Bezug auf das posthumane Subjekt&#034;<xref ref-type="fn" rid="n56">56</xref> zu entwickeln. Im Sinne einer &#220;berwindung des humanistischen Anthropozentrismus meint dies auch produktive Verschr&#228;nkungen mit den Science and Technology Studies, weil hier best&#228;ndig eine Redefinition der Grenzen des Menschen stattfindet. Braidotti betont die enorme Bedeutung von postkolonialen, dekonstruktivistischen und feministischen Theorieans&#228;tzen, um dem in den Naturwissenschaften traditionellen Habitus der unpolitischen, distanzierten Analysen etwas entgegensetzen zu k&#246;nnen. Daran anschlie&#223;end soll eine posthumanistische Wissenschaft die Trennung von Geistes- und Naturwissenschaften &#252;berwinden, sie begreift alle Kategorien als von vorneherein im Werden. Der Ausgangspunkt ist die Kritik an anthropozentrischen Pr&#228;missen und eine Erweiterung und Transformation dekonstruktiver Theorien zu grenzverschiebenden und grenzaufl&#246;senden Dynamiken, explizit auch in den Bio- und Technowissenschaften.<xref ref-type="fn" rid="n57">57</xref></p>
<p>Mit Grenzaufl&#246;sungen besch&#228;ftigt sich auch Karen Barad, die mit der Konzeption einer posthumanistischen Performativit&#228;t Zusammenh&#228;nge zwischen Materie und Bedeutungszuschreibung (materiell-diskursiv) auf weitere, nichtmenschliche Akteure erweitert. Ihr Konzept des agentiellen Realismus stellt eine kritische Auseinandersetzung mit naturwissenschaftlichen Forschungspraktiken dar, die nach Barad untrennbar in Prozesse der Ph&#228;nomenkonstitution eingebunden sind. Im sozialen Konstruktivismus sieht Barad gleichzeitig eine Konzeption, die Materie auf eine passive Oberfl&#228;che und ein Ergebnis von Bedeutungszuweisungen reduziert: &#034;To restrict power&#39;s productivity to the limited domain of the &#39;social&#39;, for example, or to figure matter as merely an end product rather than an active factor in further materialization, is to cheat matter out of the fullness of its capacity&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n58">58</xref> Um die F&#252;lle von M&#246;glichkeiten einer <italic>Agency</italic> von Materie eruieren zu k&#246;nnen, m&#252;ssen nach Barad demnach naturwissenschaftliche Praktiken einbezogen werden, weil sie selbst als &#034;Teil einer fortw&#228;hrenden Dekonstruktion der Welt durch sich selbst zu verstehen&#034; sind. In diesem Sinne geht es ihr darum zu zeigen, &#034;dass Dekonstruktion empirisch in Materialit&#228;t verankert ist&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n59">59</xref></p>
<p>Eine posthumanistische Konzeption von Performativit&#228;t geht auf diese Weise &#252;ber ein Denken von Materialit&#228;t als Ergebnis diskursiver Ein- und Ausschlie&#223;ungen hinaus. Barad versteht diese in einem viel umfassenderen Sinne als interaktiv an allen epistemischen Praktiken beteiligt. Anders als ein im materiell-diskursiven Schema kultureller Intelligibilit&#228;tsbedingungen vermittelter materieller K&#246;rper bei Butler, ist Materialisierung nach Barad im ontologischen Sinne des Werdens in &#034;fortlaufende Intraaktionen der Welt&#034;<xref ref-type="fn" rid="n60">60</xref> eingebunden. Weder ist Materie eine passive Substanz noch kann sie unabh&#228;ngig von epistemischen Praktiken verstanden werden. Die relationalen Dynamiken von materiellen und diskursiven Praktiken versteht Barad als spezifisch-epistemische Hervorbringungen, die in diskurstheoretischen Ans&#228;tzen nicht ausreichend expliziert werden. Entscheidend daf&#252;r ist die Annahme, dass Materie auf verschiedene Weise mit vielf&#228;ltigen Entit&#228;ten intraagiert. Diese Intraaktionen k&#246;nnen mit der Methode des &#034;diffraktiven Lesens&#034;<xref ref-type="fn" rid="n61">61</xref> empirisch ausgedeutet werden.</p>
<p>In kritischer Auseinandersetzung mit einer &#034;Theorie der Materialisierung menschlicher K&#246;rper&#034;<xref ref-type="fn" rid="n62">62</xref> pl&#228;diert Barad f&#252;r eine posthumanistische Konzeptionalisierung von Performativit&#228;t und Handlungsmacht aller an der Konstitution weltlicher Ph&#228;nomene beteiligten Komponenten in materiell-diskursiven Intraaktionen, die nicht durch anthropozentristische Vorannahmen eingeschr&#228;nkt ist. Mit der Neukonzeption von Materialit&#228;t geht es Barad um alle Formen und Verh&#228;ltnisse, auch um Ph&#228;nomene zwischen Dingen, die nicht die Anwesenheit des Menschen voraussetzen, weshalb sie auch naturwissenschaftlich-experimentelle Praktiken miteinbezieht. Mit dem agentiellen Realismus dr&#228;ngt Barad also auf eine Neufassung von Materialit&#228;t, die &#034;die empirische Welt wieder ernst&#034;<xref ref-type="fn" rid="n63">63</xref> nimmt. Wie Sigrid Schmitz schreibt, gibt es f&#252;r Barad keine abgrenzbaren ontologischen Entit&#228;ten mit inh&#228;renten Eigenschaften, vielmehr materialisieren sich Ph&#228;nomene erst durch dynamische Intraaktionen, &#034;in denen Diskurse und bedeutungsgenerierende T&#228;tigkeiten, technische Apparaturen, Subjekte und materielle Komponenten beteiligt und verwoben sind&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n64">64</xref> Barad will Materialit&#228;t in ihrem Wirken erfassen, um die vielf&#228;ltigen Relationen und das fortlaufende Agieren des Materiellen nicht durch vorg&#228;ngige Normierungen zu begrenzen: &#034;Was immer auch ein Schnitt ist&#034;, schreibt Barad, &#034;darf nicht ein vorg&#228;ngiges Konzept des Menschen voraussetzen&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n65">65</xref> Und es sind diese Praktiken des Unterscheidens, die f&#252;r Barad &#034;ausschlaggebende materialisierende Effekte produzieren, die nicht durch eine Analyse erfasst werden k&#246;nnen, nachdem diese Grenzziehungen vorgenommen wurden&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n66">66</xref></p>
<p>Die materielle Welt wird so von einer fortlaufenden und dynamischen Bestimmung her gedacht, mit der alle Binarit&#228;ten von Natur und Kultur dekonstruiert werden. Wie Barad betont, sind dabei auch die empirisch-experimentellen Praktiken innerhalb der Physik als dekonstruktive Praktiken zu lesen: &#034;Wie ich zuvor herausgestellt habe&#034;, schreibt sie in <italic>Die queere Performativit&#228;t der Natur</italic>, &#034;dekonstruiert die Physik sich wunderbar selbst, und &#246;ffnet und gestaltet dabei grundlegende Fragen wie jene der Wirkm&#228;chtigkeit, Kausalit&#228;t, Raum, Zeit, Materie und Verantwortung wieder und neu&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n67">67</xref> In dieser Lesart k&#246;nnen also auch wissenschaftliche Praktiken als kritische &#220;berarbeitung von Binarit&#228;ten wie der Natur/Kultur-Differenz erfasst werden. Barad geht es darum zu verstehen, wie in &#034;Differenzkonstruktionen&#034; Dinge und Menschen oder Dinge untereinander in Beziehung treten k&#246;nnen und welche Relationen in diesen Differenzkonstruktionen &#252;berhaupt bestehen. Den Anthropozentrismus zu &#252;berwinden, bedeutet also nicht die Aufk&#252;ndigung des Menschlichen, sondern mit Verantwortung (auch nichtmenschlicher Handlungsmacht) &#034;das Andere einzuladen, zu antworten, indem man sich selbst aufs Spiel setzt&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n68">68</xref> In diesem Sinne fordert der agentielle Realismus auch f&#252;r feministische Intervention, die Welt neu zu denken, damit die Unbestimmtheit des Materiellen seine Geltung bekommt.<xref ref-type="fn" rid="n69">69</xref></p>
<p>Ebenso wie bei Butler ist Materialit&#228;t f&#252;r Barad instabil und offen. Dabei geht es ihr um die &#034;agentive Kraft der Materie&#034;,<xref ref-type="fn" rid="n70">70</xref> der sie eine eigene und entscheidende Rolle in Materialisierungsprozessen zuspricht. Mit dem Konzept des agentiellen Realismus sollen so auch die materiellen Voraussetzungen und Konsequenzen von Theorien und Begriffen untersucht werden. Er bietet zugleich die M&#246;glichkeit, auf Herausforderungen und Probleme empirischer Praktiken zu antworten, die sich mit der posthumanistischen Verschiebung von Natur und Kultur stellen. Ein agentiell-realistisches Verst&#228;ndnis von Materialit&#228;t impliziert f&#252;r Barad entsprechend auch eine neue &#034;Ethik des Wissens&#034;, n&#228;mlich verantwortlich zu sein f&#252;r &#034;spezifische Materialisierungen in ihrer unterschiedlichen Relevanz&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n71">71</xref>&#160;<italic>Agency</italic> versteht sie dabei nicht nur als eine auf Handlung bezogene Aktivit&#228;t materieller Dynamiken, sondern als ein fortw&#228;hrendes Tun und Gestalten von Welt. Auf diese Weise k&#246;nnen die vielf&#228;ltigen Formen intraaktiver Grenzziehungen erfasst werden und es kann ein Tun jenseits des Menschen in Blick genommen werden &#8211; freilich ohne die Verschr&#228;nkungen zu ignorieren, in die wir immer schon eingebunden sind, auch auf nichtmenschlicher Ebene.</p>
<p>Mit dieser posthumanistischen Konzeption der Performativit&#228;t hat der agentielle Realismus auch das Potenzial f&#252;r eine kritische und verantwortungsvolle &#220;berarbeitung experimentell-empirischer Praktiken, um den transformierenden Einfluss auf die dualistische Logik des Natur/Kultur-Verh&#228;ltnisses in den Blick zu nehmen.<xref ref-type="fn" rid="n72">72</xref> Materialit&#228;t in ihrer fortw&#228;hrenden Differenzierung und Umgestaltung zu denken, kann damit auch das Empirische f&#252;r eine weitere &#220;berarbeitung &#246;ffnen, wodurch sich vielversprechende Anschlusspunkte auch f&#252;r biologische Konzeptionen von K&#246;rper und Geschlecht ergeben.</p>
<p>Eine posthumanistische Neukonzeption des materiellen K&#246;rpers entlang biologischer Beschreibungen der sexuellen Differenz hat Myra Hird erschlossen. &#034;Far from reinscribing traditional notions, new materialism, as developed most strongly in non-linear biology, offers analyses that confound the often taken-for-granted immutability of sex and sexual differences found in some cultural theories&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n73">73</xref> Auch Gill Jagger argumentiert, dass sich sexuelle Differenzen &#034;beyond the binary frame&#034;<xref ref-type="fn" rid="n74">74</xref> neu konfigurieren, wenn naturwissenschaftliche Praktiken einbezogen werden: &#034;We can see that in nature there is no such necessary fixed division, as these studies show&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n75">75</xref> Insofern dr&#228;ngt Jagger auf eine kritische Neubestimmung des Biologischen <italic>und</italic> der Biologie als Forschungspraxis, denn &#034;biology is better characterized by diversity, nonlinearity, and dynamism than by binarism and immutability&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n76">76</xref> Wie diese Forschungsans&#228;tze zeigen, bedeutet die Weiterentwicklung dekonstruktiver Theorien mit Ans&#228;tzen des New Materialism und posthumanistischer Subjektivit&#228;t also nicht, Materialit&#228;t zur Gegenspielerin sprach- und diskursanalytischer Ans&#228;tze zu machen. Stattdessen k&#246;nnen die Potenzialit&#228;ten und Dynamiken des Materiellen in eine kritische Theorie geschlechtlicher Differenz eingebracht und so Konzepte entwickelt werden, die auch das Verh&#228;ltnis zu Objekten, technischen Medien und Apparaten in &#220;berlegungen zum menschlichen K&#246;rper einbinden. &#034;Back to sex&#034; ist deshalb auch eine Forderung, in kritischer Auseinandersetzung mit Forschungspraktiken in der Biologie die zahlreichen Interaktionsformen und Reproduktionen geschlechtlicher Differenzen jenseits bin&#228;rer Festschreibungen offenzulegen und somit Komplexit&#228;t und Diversit&#228;t sichtbar zu machen.</p>
<p>Die Beschreibung materieller Dynamiken schlie&#223;t die Untersuchung von Prozessen der sozialen Normierung und Bedeutungszuschreibung ein.<xref ref-type="fn" rid="n77">77</xref> So sollen Spannungsmomente und Widerst&#228;ndigkeiten eruiert werden, mit denen die hegemonialen Deutungsmuster bin&#228;rer Differenzen und ihre theoretischen Voraussetzungen br&#252;chig werden. Die Annahme eines die Heteronormativit&#228;t st&#252;tzenden biologischen Wissens ist dabei genauso kritisch zu beleuchten, wie auch simplifizierende Vorstellungen, die eine R&#252;ckkehr zum Biologischen auf die schlichte Formel von Diskurs versus Materialit&#228;t bringen. Im Zentrum stehen dagegen die dynamischen und wechselseitigen Verflechtungen von biologischen und sozialen Dimensionen geschlechtlicher Differenz und Zug&#228;nge auf naturwissenschaftliche Praktiken, die die Neuformation eines biologischen Geschlechterwissens im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Entwicklungen in den Blick nehmen. Ausgehend davon lassen sich M&#246;glichkeiten schaffen, ein &#034;neues, alternatives, queere [sic!], feministisches, intersektionales Geschlechterwissen im Lab zu konstruieren&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n78">78</xref> Im Rahmen des New Materialism k&#246;nnten so auch in und mit der Biologie neue, queer-feministische Ans&#228;tze mobilisiert werden.</p>
<p>Die Konzepte und Theorien der Relationalit&#228;t verabschieden anthropozentrische Grundannahmen, wie Braidotti schreibt, und sie ber&#252;hren im Kern auch ganz grunds&#228;tzliche Fragen von Wissenschaftskulturen. In einer posthumanistischen Wissenschaft sieht sie M&#246;glichkeiten, &#034;neue soziale, ethische und diskursive Formen der Subjektbildung&#034; zu schaffen, um &#034;uns selbst anders zu denken&#034;. Dabei muss die &#034;&#228;u&#223;erst problematische Arbeitsteilung zwischen Wissenschafts- und Technikforschung [&#8230;] und politischen Analysen&#034;<xref ref-type="fn" rid="n79">79</xref> &#252;berwunden werden. Wenn die posthumanistischen Verwicklungen der materiell-diskursiven Verschr&#228;nkungen der sexuellen Differenzierungsforschung einen Rahmen liefern, um sowohl die &#034;Komplexit&#228;t wissenschaftlich-technologischer Entwicklungen&#034; als auch &#034;deren Folgen f&#252;r politische Subjektivit&#228;t&#034;<xref ref-type="fn" rid="n80">80</xref> aufzuzeigen, lassen sich damit nicht nur neue Einsichten in die Relativit&#228;t von Technik und Subjekt gewinnen, sondern es l&#228;sst sich auch das Mensch-Sein erneut problematisieren.</p>
<p>Die Fragen, die sich aus der &#220;berwindung von Grenzziehungen zwischen dem Menschlichen und Nichtmenschlichen ergeben, sind letztlich immer mit Blick auf ihre situierten Hervorbringungen zu beantworten. Die Einsicht, dass das Werden der Welt eine nichtmenschliche Komponente hat, hei&#223;t eben nicht, menschliche Verantwortung zu leugnen, sondern ihre spezifische Situiertheit anzuerkennen. Hanna Meissner hat schon vor Jahren postuliert, dass sich ausgehend von den Einsichten materialistischer Theorieans&#228;tze ganz grunds&#228;tzlich die Frage nach menschlicher Verantwortung stellt, denn die Konzeptionen des Politischen, die sich aus den grenzaufl&#246;senden Dynamiken ergeben, m&#252;ssen auch die Fragen nach dem &#39;wir&#39; beantworten. Zumindest, wenn</p>
<disp-quote>
<p>wir uns nicht einem &#252;berschw&#228;nglichen Optimismus hingeben [wollen], der sich in idealistischen Gesten der &#220;berwindung von Grenzziehungen zwischen Menschlichem und Nicht-Menschlichem ergeht und dabei zugleich die Kategorie des Menschlichen in eigentu&#776;mlicher Weise totalisiert.<xref ref-type="fn" rid="n81">81</xref></p>
</disp-quote>
<p>Machtfragen ergeben sich nicht jenseits naturwissenschaftlichen Experimentierens und Theoretisierens, schreibt Barad.<xref ref-type="fn" rid="n82">82</xref> Deshalb kann die Einbeziehung der nicht-menschlichen Dimension sozialer Konstruktionsprozesse letztlich auch nur hei&#223;en, Handlungsspielr&#228;ume auszuloten und die spezifischen Modalit&#228;ten des Hervorbringens und der Verschiebungen von Grenzen immer wieder neu zu befragen. Die Dekonstruktion empirischer Materialit&#228;t ist als solche noch kein emanzipatorisches Tun, aber sie er&#246;ffnet die M&#246;glichkeiten, ein anderes, alternatives Wissen materieller Differenz zu erkunden, die sich aus den spezifischen Modalit&#228;ten grenzaufl&#246;sender Dynamiken ergeben. Die Infragestellung wirkm&#228;chtiger Dualismen bef&#246;rdert nicht nur alternative Sichtweisen auf menschliche Sexualit&#228;t, sie schafft auch den Raum f&#252;r neue Formen menschlicher Subjektivit&#228;t. Diesen Raum als Handlungsspielraum auszuloten k&#246;nnte letztlich auch bedeuten, aus dem biologischen Wissen um die Diversit&#228;t und Komplexit&#228;t sexueller Differenz ein neues Wissen und eine neue kulturelle Praxis geschlechtlicher und verk&#246;rperter Existenz zu gewinnen.</p>
</sec>
<sec>
<title>Fazit</title>
<p>Die Biowissenschaften beschreiben Geschlechterdifferenzierungen heute als multifaktorielle Prozesse komplexer Mechanismen k&#246;rperlicher Differenz und &#252;berwinden mit neuen Erkenntnissen den Dualismus der Zweigeschlechtlichkeit. Zugleich haben die geistes- und sozialwissenschaftliche Geschlechterforschung und Aktivist:innen eine erstaunliche Bandbreite pluraler Identit&#228;ten erk&#228;mpft. Dass nicht nur Gender, sondern auch das biologische Geschlecht zunehmend als komplex, dynamisch und fluide verstanden wird, ist mittlerweile auch zu einem Thema in den Medien geworden. &#034;K&#246;nnen wir uns&#034;, fragte k&#252;rzlich ein Artikel im <italic>Tages-Anzeiger</italic>, &#034;&#252;berhaupt noch in M&#228;nner und Frauen einteilen&#034;,<xref ref-type="fn" rid="n83">83</xref> und bezog sich dabei auf Erkenntnisse aus der Endokrinologie und der Genetik. Trotz der medialen Aufmerksamkeit auf die flie&#223;enden Grenzen zwischen den Geschlechtern scheinen biowissenschaftliche Forschungsergebnisse, plurale Identit&#228;tsformen und gesellschaftliche Transformationsprozesse nicht in Deckung zu sein. Forscher:innen und Mediziner:innen zeigen sich zunehmend verunsichert bei der Frage, wie &#252;ber Geschlecht gesprochen werden kann.<xref ref-type="fn" rid="n84">84</xref> Trotz dieser Verunsicherung werden in Lehrb&#252;chern und auf Blogportalen f&#252;r die medizinische Lehre weiterhin die alten bin&#228;ren Modelle biologischer Geschlechterdifferenzierungsforschung eingesetzt; nicht selten kritisieren gerade Studierende in diesen F&#228;chern bin&#228;res und androzentristisches Denken, das mit ihren gesellschaftlichen Erfahrungen pluraler Geschlechtsidentit&#228;ten nur wenig in Einklang zu bringen ist.</p>
<p>Das Aufzeigen der Grenzen des Dualismus von m&#228;nnlich und weiblich hat l&#228;ngst auch politisch-juristische Konsequenzen. Die Einsicht &#252;ber die Vielfalt und Diversit&#228;t von Geschlecht findet ihren juristischen Ausdruck in der im Jahre 2018 vom Gesetzgeber eingef&#252;hrten dritten Option. Mit der rechtlichen Regulierung von Angaben im Personenstandsregister wurde ein Freiraum geschaffen, der nun konkret ausgestaltet werden muss, damit sich Menschen als autonome Subjekte erfahren k&#246;nnen. Im Rahmen medizinisch-klinischer Forschung zu DSD werden diese Entwicklungen bisher jedoch nur unzureichend abgebildet. Obwohl die Humanwissenschaften und die modernen Sexualwissenschaften sp&#228;testens seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts &#252;ber ein Wissen von Geschlecht verf&#252;gen, das eine erstaunliche Vielfalt biologischer Differenzen kennt, hat sich dieses Wissen bislang kaum in Kategorisierungen und klassifikatorischen Modellen der Medizin niedergeschlagen. Als soziale Praxis bleiben die Medizin und die Lebenswissenschaften aber nicht unber&#252;hrt von sozialem Wandel. In den auch in der Biologie sich abzeichnenden Entwicklungen eines &#034;beyond binary&#034; bildet sich dies gegenw&#228;rtig ab. Ihr innovatives Potenzial zu erkunden, ist jedoch eine Aufgabe, die nur in Form neuer Auseinandersetzungen mit der naturwissenschaftlichen Forschungspraxis gelingen kann. Insbesondere die feministische Wissenschaftsforschung hat gezeigt, dass in den Bio- und Lebenswissenschaften best&#228;ndig unhinterfragte, dichotome Pr&#228;missen geschlechtlicher Differenz reproduziert werden. Darauf gr&#252;ndendes Forschen produziert schlichtweg falsches Wissen. Unter dem von Londa Schiebinger gepr&#228;gten Begriff der &#034;gendered innovation&#034; haben Genderanalysen in den Natur- und Lebenswissenschaften derlei Vorannahmen offengelegt und so ein besseres, empirisch fundierteres Wissen generiert.<xref ref-type="fn" rid="n85">85</xref></p>
<p>Biologische Erkenntnisse als ein &#034;beyond binary&#034; anzuerkennen, ist und muss ein offener Versuch bleiben, denn das Br&#252;chigwerden bin&#228;rer Konzepte in der Biologie ist noch keine Rechtfertigung f&#252;r kulturelle Setzungen. Nichtsdestotrotz k&#246;nnten davon ausgehend die Ordnung bin&#228;rer Logik und ein Denken in Dualismen erodieren. Auf diese Weise er&#246;ffnet sich die M&#246;glichkeit, Geschlecht auch aus der Biologie, gewisserma&#223;en von &#39;innen&#39; heraus, neu zu denken.<xref ref-type="fn" rid="n86">86</xref> Dies ist ohne die Einbeziehung geschlechterkritischer Perspektiven nicht leistbar. Ein transdisziplin&#228;rer Dialog braucht also neue Formen der kollaborativen Zusammenarbeit, um unter Einbeziehung unterschiedlicher Akteur:innen, Techniken und Darstellungsweisen neue Wissensr&#228;ume zu erschlie&#223;en. In explorativer ethnographischer Beobachtungsarbeit hat der Anthropologe J&#246;rg Niew&#246;hner analysiert, dass mit der Transformation von einer universalistischen zu einer partikularen Humanbiologie auch in den Naturwissenschaften das Verst&#228;ndnis f&#252;r die enorme Bedeutung des materiellen K&#246;rpers f&#252;r soziale Differenzierungen w&#228;chst.<xref ref-type="fn" rid="n87">87</xref> Um diese &#034;&#220;bersetzungspfade f&#252;r sozialen Wandel in den molekularen Studien&#034;<xref ref-type="fn" rid="n88">88</xref> zu analysieren, seien gerade die Sozialwissenschaften aufgefordert, &#034;die Biologie nicht l&#228;nger nur als Feind kritischen Denkens zu sehen&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n89">89</xref></p>
<p>Die Analyse konkreten Wissens muss dabei die kontingenten Bedingungen, unter denen biologische Aussagen getroffen werden, ebenso ber&#252;cksichtigen wie die Transformationen der mit diesem Wissen produzierten Sagbarkeiten. Eine kritische Reflexion sollte dabei nicht nur Aussagen &#252;ber Geschlecht im Sinne eines Sprechens &#252;ber, sondern auch im Sinne eines Sprechens mit erm&#246;glichen, n&#228;mlich als kritisches Reflektieren auf die damit verbundenen Auswirkungen auf die Theoriebildungsprozesse in den Natur- und Kulturwissenschaften und auf die Praxis des forschenden und fragenden Subjekts. Eine R&#252;ckkehr zum Biologischen bedeutet aus dieser Perspektive nicht die Wiedererrichtung naiver und essentialistischer Annahmen, sondern eine kritische Auseinandersetzung mit Wissens- und Forschungspraktiken &#252;ber die etablierten Disziplinen-Grenzen hinweg. Denn angesichts neuer epistemologischer Rahmensetzungen und nichtbin&#228;rer Modelle geschlechtlicher Differenzen in der Biologie k&#246;nnen die unterschiedlichen Konzepte von K&#246;rperlichkeit und Differenz in dekonstruktivistischen, posthumanistischen und biologischen Theorien in einen Dialog treten und so im Sinne einer neuen, <italic>queeren</italic> Biologie auch den materiellen K&#246;rper als Ort des Politischen erkunden. Aber erst eine kritische und verantwortungsvolle Durcharbeitung von Wissen und seiner Praxis schafft alternative Handlungs- und Denkm&#246;glichkeiten. Nicht nur die Sozialwissenschaften, auch die kulturwissenschaftliche Geschlechterforschung sind aufgefordert, ihre Ber&#252;hrungs&#228;ngste mit der Biologie abzubauen. Wie vorhergehend gezeigt wurde, haben die Theorieentwicklungen der letzten Jahrzehnte in den Kulturwissenschaften diesen Raum er&#246;ffnet. Nun gilt es, auf produktive Weise neue kulturelle Praktiken des Wissens zu erschlie&#223;en.</p>
</sec>
</body>
<back>
<fn-group>
<fn id="n1"><p>Insbesondere mit den Arbeiten von Fausto-Sterling wurde bereits vor zwanzig Jahren eine breite Debatte &#252;ber die angebliche Dualit&#228;t der Geschlechter in der Biologie angesto&#223;en. Vgl. Anne Fausto-Sterling, &#034;The Five Sexes: Why Male and Female Are Not Enough&#034;, <italic>The Sciences</italic> 33, Nr. 2 (<xref ref-type="bibr" rid="B27">1993</xref>). Auch im deutschsprachigen Raum haben unter anderem Sigrid Schmitz und Heinz-J&#252;rgen Vo&#223; die Forschungsergebnisse in der Biologie f&#252;r eine interdisziplin&#228;re Debatte aufgearbeitet. Vgl. Sigrid Schmitz, &#034;Geschlechtergrenzen. Geschlechtsentwicklung, Intersex und Transsex im Spannungsfeld zwischen biologischer Determination und kultureller Konstruktion&#034;, in <italic>Geschlechterforschung und Naturwissenschaften</italic>, hrsg. von Smilla Ebeling und Sigrid Schmitz (<xref ref-type="bibr" rid="B66">Wiesbaden: Verlag f&#252;r Sozialwissenschaften, 2006</xref>); Heinz-J&#252;rgen Vo&#223;, <italic>Making Sex Revisited. Dekonstruktion des Geschlechts aus biologisch-medizinischer Perspektive</italic>, 3. Aufl. (<xref ref-type="bibr" rid="B73">Bielefeld: Transcript, 2011</xref>). Einen &#220;berblick bieten auch die folgenden Arbeiten: Malin Ah-King, &#034;Queer Nature: Towards a Non-Normative View on Biological Diversity&#034;, in <italic>Body Claims</italic>, hrsg. von Janne Bromseth, Lisa Folkmarson K&#228;ll und Katarina Mattsson (<xref ref-type="bibr" rid="B1">Uppsala: Uppsala University, 2009</xref>); Isabelle St&#233;vant, Marilena D. Papaioannou und Serge Nef, &#034;A brief history of sex determination&#034;, <italic>Molecular and Cellular Endocrinology</italic> 468 (<xref ref-type="bibr" rid="B71">2018</xref>), <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://doi.org/10.1016/j.mce.2018.04.004">https://doi.org/10.1016/j.mce.2018.04.004</ext-link>; Sigrid Schmitz und Smilla Ebeling, &#034;Geschlechterforschung und Naturwissenschaften. Eine notwendige Verbindung&#034;, in <italic>Geschlechterforschung und Naturwissenschaften</italic>, hrsg. von Smilla Ebeling und Sigrid Schmitz (<xref ref-type="bibr" rid="B67">Wiesbaden: VS Verlag f&#252;r Sozialwissenschaften, 2006</xref>).</p></fn>
<fn id="n2"><p>Vgl. Tora Holmberg und Frederik Palm, &#034;The Body that Speaks the Gap &#8211; Feminist Theory and the Biological Question&#034;, in <italic>Body Claims</italic>, hrsg. von Janne Bromseth, Lisa Folkmarson K&#228;ll und Katarina Mattson (<xref ref-type="bibr" rid="B37">Uppsala: Uppsala University, 2009</xref>), <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="http://urn.kb.se/resolve?urn=urn:nbn:se:su:diva-39000">http://urn.kb.se/resolve?urn=urn:nbn:se:su:diva-39000</ext-link>.</p></fn>
<fn id="n3"><p>Vgl. hierzu Tanja Paulitz, &#034;Die &#220;berwindung der Sex / Gender Unterscheidung als Errungenschaft der Gender Studies? Zur Problematik eines dominanten Narrativs&#034;, <italic>Feministische Studien</italic> 39/2 (2021), DOI: <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://doi.org/10.1515/fs-2021-0036">https://doi.org/10.1515/fs-2021-0036</ext-link>.</p></fn>
<fn id="n4"><p>Claire Ainsworth, &#034;Sex redefined: The idea of two sexes is simplistic. Biologists now think there is a wider spectrum than that&#034;, <italic>Nature</italic> 518 (<xref ref-type="bibr" rid="B4">2015</xref>), <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://doi.org/10.1038/518288a">https://doi.org/10.1038/518288a</ext-link>.</p></fn>
<fn id="n5"><p>Ainsworth, &#034;Sex redefined&#034;, 288.</p></fn>
<fn id="n6"><p>Zu den wissenschaftstheoretischen und epistemologischen Dimensionen der Nature-nurture-Debatte im Kontext der Sexualforschung in den 1950er Jahren vgl. Ulrike Kl&#246;ppel, &#034;Die experimentelle Formierung von gender zwischen Erziehung und Biologie: Der John/Joan-Fall&#034;, in <italic>Sexualit&#228;t als Experiment. Identit&#228;t, Lust und Reproduktion zwischen Science und Fiction</italic>, hrsg. von Nicolas Pethes und Silke Schicktanz (<xref ref-type="bibr" rid="B44">Frankfurt am Main, New York: Campus, 2008</xref>).</p></fn>
<fn id="n7"><p>Vgl. Eva Neumann-Held und Christoph Rehmann-Sutter, <italic>Genes in Development: Re-Reading the Molecular Paradigm</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B50">Durham: Duke University Press, 2006</xref>). Zur Kritik an der Nature-nurture-Debatte vgl. Susan Oyama, <italic>The Ontogeny of Information. Developmental Systems and Evolution (Science and Cultural Theory)</italic>, 2., &#252;berarb. und erw. Aufl. (<xref ref-type="bibr" rid="B53">Durham, NC: Duke University Press, 2000</xref>). Zu den Implikationen der Epigenetik f&#252;r die Geschlechterforschung vgl. Ruth M&#252;ller, &#034;Der epigenetische K&#246;rper. Zwischen biosozialer Komplexit&#228;t und Umweltdeterminismus&#034;, <italic>Open Gender Journal</italic>, 1 (<xref ref-type="bibr" rid="B49">2017</xref>), <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://doi.org/10.17169/ogj.2017.17">https://doi.org/10.17169/ogj.2017.17</ext-link>.</p></fn>
<fn id="n8"><p>Der Buchstabe &#034;D&#034; stand lange Zeit f&#252;r &#034;Disorders&#034;, wodurch ein St&#246;rungsbegriff im Vordergrund steht und das Spektrum der Varianten der Geschlechtsentwicklung dem dichotomen Schema von normal/pathologisch zugeordnet wird. Heute steht das D f&#252;r &#034;divers&#034; oder &#034;differences&#034; und auch in der Medizin wird heute von &#034;Varianten&#034; und nicht mehr von &#034;St&#246;rungen&#034; gesprochen. Vgl. hierzu etwa die S2k-Leitlinie 174/001: Varianten der Geschlechtswicklung der Deutschen Gesellschaft fu&#776;r Urologie (DGU) e.V. der Deutschen Gesellschaft fu&#776;r Kinderchirurgie (DGKCH) e.V., der Deutschen Gesellschaft fu&#776;r Kinderendokrinologie und -diabetologie (DGKED) e.V., <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://aem-online.de/fileadmin/user_upload/Publikationen/S2k_Geschlechtsentwicklung-Varianten_2016-08_01_1_.pdf">https://aem-online.de/fileadmin/user_upload/Publikationen/S2k_Geschlechtsentwicklung-Varianten_2016-08_01_1_.pdf</ext-link>. Die Forschungen zu DSD haben schon lange eine breite Debatte zur Neudefinition des Geschlechts jenseits dualistischer Modelle angeregt. Bereits 1993 schlug Fausto-Sterling vor dem Hintergrund der in der medizinischen Literatur genannten drei Intersex-Gruppen ein neues Geschlechtermodell vor. Vgl. Fausto-Sterling, &#034;The Five Sexes&#034;, 20&#8211;25. Suzanne Kessler hat in einer ethnografischen und interviewbasierten Studie die Implikationen dualistisch verfasster Geschlechtermodelle in der klinischen Praxis untersucht und gezeigt, dass in der Medizin die Vorstellungen von Geschlecht und Genitalien immer schon kulturell aufgeladen und konstruiert sind. Vgl. Suzanne Kessler, <italic>Lessons from the Intersexed</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B42">New Brunswick, New Jersey, London: Rutgers University Press, 1998</xref>). F&#252;r den deutschsprachigen Raum siehe Ulrike Kl&#246;ppel, <italic>XX0XY ungel&#246;st. Hermaphroditismus, Sex und Gender in der deutschen Medizin. Eine historische Studie zur Intersexualit&#228;t</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B43">Bielefeld: Transcript, 2019</xref>); Katinka Schweizer und Herta Richter-Appelt (Hrsg.), <italic>Intersexualit&#228;t kontrovers. Grundlagen, Erfahrungen, Positionen. F&#252;r eine kritische Auseinandersetzung mit medizinischen Deutungspraktiken und biologischen Theorien der Geschlechtsdetermination im pr&#228;natalen Stadium</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B68">Gie&#223;en: Psychosozial Verlag, 2012</xref>); Isabelle St&#233;vant, Marilena D. Papaioannou und Serge Nef, &#034;A brief history of sex determination&#034;, <italic>Molecular and Cellular Endocrinology</italic> 468 (<xref ref-type="bibr" rid="B71">2018</xref>), <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://doi.org/10.1016/j.mce.2018.04.004">https://doi.org/10.1016/j.mce.2018.04.004</ext-link>.</p></fn>
<fn id="n9"><p>Vgl. Ainsworth, &#034;Sex redefined&#034;, 288.</p></fn>
<fn id="n10"><p>Vgl. Anne Fausto-Sterling, &#034;Why Sex is not binary. The complexity is more than cultural. It&#39;s biological, too&#034;, Opinion, <italic>New York Times</italic>, 25. Oktober <xref ref-type="bibr" rid="B23">2018</xref>, <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.nytimes.com/2018/10/25/opinion/sex-biology-binary.html">https://www.nytimes.com/2018/10/25/opinion/sex-biology-binary.html</ext-link>.</p></fn>
<fn id="n11"><p>Vgl. hierzu Anne Fausto-Sterling, &#034;Life in the XY-Choral&#034;, <italic>Women&#39;s Studies International Forum</italic> 12, Nr. 3 (<xref ref-type="bibr" rid="B28">1989</xref>); vgl. auch Anne Fausto-Sterling, <italic>Sex/Gender: Biology in a Social World</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B25">New York/London: Routledge, 2012</xref>), 12&#8211;26; Schmitz, &#034;Geschlechtergrenzen&#034;, 37ff.; Sarah Richardson, <italic>Sex itself. The search for Male and Female in the Human Genome</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B58">Chicago, London: University of Chicago Press, 2013</xref>).</p></fn>
<fn id="n12"><p>Solche genderterminierenden Sichtweisen werden im popul&#228;rwissenschaftlichen Bereich, aber auch in Lehrb&#252;chern der Medizin weiterhin geltend gemacht. So hei&#223;t es in einem Online-Artikel auf planet-wissen.de: &#034;F&#252;r die Entwicklung eines m&#228;nnlichen Erscheinungsbildes sind zus&#228;tzliche genetische Informationen notwendig. Fehlen diese Informationen, entwickelt sich der Embryo automatisch zum weiblichen Organismus.&#034; Planet Wissen, &#034;Anatomie des Menschen: Vererbung des Geschlechts&#034;, Zugriff am 17. September <xref ref-type="bibr" rid="B56">2020</xref>, <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.planet-wissen.de/natur/anatomie_des_menschen/vererbung/pwievererbungdesgeschlechts100.html">https://www.planet-wissen.de/natur/anatomie_des_menschen/vererbung/pwievererbungdesgeschlechts100.html</ext-link>. AMBOSS, ein Nachschlagewerk f&#252;r &#196;rzt:innen, das auch im Studium h&#228;ufig als Lernhilfe Verwendung findet, fasst die pr&#228;natale Geschlechtsentwicklung wie folgt zusammen: &#034;Die Keimdr&#252;sen- und Genitalanlagen werden bei beiden Geschlechtern zun&#228;chst gleich angelegt und sind bis zur 6. Woche nicht voneinander zu unterscheiden. Erst im Anschluss beginnt die Differenzierung zu weiblichen oder m&#228;nnlichen Keimdr&#252;sen und Genitalorganen. Bei beiden Geschlechtern entstehen die Keimdr&#252;sen im Bauchraum und werden anschlie&#223;end in den Hodensack (&#9794;) bzw. in das kleine Becken (&#9792;) verlagert. Die weitere geschlechtliche Differenzierung verl&#228;uft beim Mann hormonabh&#228;ngig, w&#228;hrend die weiblichen Geschlechtsorgane ohne hormonelle Einfl&#252;sse entstehen.&#034; Amboss, &#034;Geschlechtsentwicklung&#034;, Zugriff am 24. M&#228;rz <xref ref-type="bibr" rid="B5">2020</xref>, <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.amboss.com/de/wissen/Geschlechtsentwicklung">https://www.amboss.com/de/wissen/Geschlechtsentwicklung</ext-link>.</p></fn>
<fn id="n13"><p>Heinz-J&#252;rgen Vo&#223;, <italic>Making Sex Revisited. Dekonstruktion des Geschlechts aus biologisch-medizinischer Perspektive</italic>. 3. Auflage (Bielefeld: Transcript, 2010), 271.</p></fn>
<fn id="n14"><p>Die mit der Verabschiedung des zentralen Dogmas in der Entwicklungsgenetik einhergehenden M&#246;glichkeiten, den materiellen K&#246;rper neu zu denken, wurden bereits um die 2000er Jahre in einer wissenssoziologischen Arbeit diskutiert und die Abkehr von biowissenschaftlichen Erkl&#228;rungsmodellen der Linearit&#228;t und Kausalit&#228;t wurde in empirischen Kontexten der medizinisch-klinischen Praxis begleitet. Vgl. Susanne Burren und Karin Rieder, <italic>Organismus und Geschlecht in der genetischen Forschung. Eine wissenssoziologische Studie</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B17">Bern: Institut f&#252;r Soziologie, 2000</xref>). Eindr&#252;cklich zeichnet auch der Biologe und Geschlechterforscher Heinz-J&#252;rgen Voss diese Ver&#228;nderungen biologischer Geschlechterkonzeptionen auf Grundlage einer diskursanalytisch-historischen Aufarbeitung biomedizinischer Fachartikel nach und zeigt, wie sich im Laufe der 1990er Jahre in der Genetik die Vorstellung &#034;von in Netzwerk wirkenden Faktoren&#034; herausgebildet hat, durch die Geschlechtsentwicklung als &#034;Resultat komplexer Prozesse&#034; aufgefasst wurde. Heinz-J&#252;rgen Vo&#223;, <italic>Making Sex Revisited</italic>, 308. Vgl. hierzu auch Isabelle St&#233;vant, Marilena D. Papaioannou und Serge Nef, &#034;A brief history of sex determination&#034;, <italic>Molecular and Cellular Endocrinology</italic> 468 (<xref ref-type="bibr" rid="B71">2018</xref>), <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://doi.org/10.1016/j.mce.2018.04.004">https://doi.org/10.1016/j.mce.2018.04.004</ext-link>; Vernon A. Rosario, &#034;Quantum Sex. Intersex and the Molecular Deconstruction of Sex&#034;, <italic>Journal for Gay and Lesbian Studies (GLQ)</italic> 15, Nr. 2 (<xref ref-type="bibr" rid="B59">2009</xref>), <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://doi.org/10.1215/10642684-2008-138">https://doi.org/10.1215/10642684-2008-138</ext-link>. F&#252;r eine genderkritische Perspektive auf die Transformationen bin&#228;rer Modelle in der Entwicklungsgenetik vgl. Richardson, <italic>Sex itself</italic>, 61&#8211;80 sowie den Blogbeitrag auf dem Gender-Portal der Standford University Gendered Innovations in Science, Health &amp; Medicine, Engineering and Environment unter dem Titel: &#034;The Genetics of Sex: Rethinking of Concepts and Theories&#034;, <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="http://genderedinnovations.stanford.edu/case-studies/genetics.html#tabs-2">http://genderedinnovations.stanford.edu/case-studies/genetics.html#tabs-2</ext-link>.</p></fn>
<fn id="n15"><p>Ainsworth, &#034;Sex redefined&#034;, 288.</p></fn>
<fn id="n16"><p>Ainsworth, &#034;Sex redefined&#034;, 291.</p></fn>
<fn id="n17"><p>Ashleigh Rushton, Lesley Gray, Justin Canty und Kevin Blanchard, &#034;Beyond Binary: (Re)Defining &#39;Gender&#39; for 21st Century Disaster Risk Reduction Research, Policy, and Practice&#034;, <italic>International Journal of Environmental Research and Public Health</italic> 16, Nr. 20 (<xref ref-type="bibr" rid="B60">2019</xref>), <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://doi.org/10.3390/ijerph16203984">https://doi.org/10.3390/ijerph16203984</ext-link>.</p></fn>
<fn id="n18"><p>Anelis Kaiser, &#034;Wie sich Geschlechtlichkeit in den Neurowissenschaften manifestiert&#034;, in <italic>Das Geschlecht in der Biologie. Aufforderungen zu einem Perspektivwechsel</italic>, hrsg. von Mechthild Koreuber und Birthe A&#223;mann (<xref ref-type="bibr" rid="B41">Baden-Baden: Nomos, 2018</xref>), 146, <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://doi.org/10.5771/9783845239439-133">https://doi.org/10.5771/9783845239439-133</ext-link>.</p></fn>
<fn id="n19"><p>Ebeling, Smilla, &#034;Queering Biologie&#034;, in <italic>Das Geschlecht der Biologie. Schriftenreihe NUT /Frauen in Naturwissenschaft und Technik</italic>, Bd. 11, hrsg. von B&#228;rbel Mauss und Barbara Petersen (<xref ref-type="bibr" rid="B22">M&#246;ssingen-Talheim: Talheimer Verlag, 2006</xref>), 56.</p></fn>
<fn id="n20"><p>So fragt etwa Helga Satzinger, warum &#034;sollten wir annehmen, dass &#39;die Natur&#39; politisch korrekt ist&#034;. Helga Satzinger, &#034;Natur, Politik und Geschlechterdifferenz: Zum Problem, sich in der Geschlechterdebatte auf die Naturwissenschaften zu beziehen&#034;, in <italic>Das Geschlecht in der Biologie. Aufforderungen zu einem Perspektivwechsel</italic>, hrsg. von Mechthild Koreuber und Birthe A&#223;mann (<xref ref-type="bibr" rid="B61">Baden-Baden: Nomos, 2018</xref>), 52.</p></fn>
<fn id="n21"><p>&#034;Back to sex!&#034; lautete eine Forderung, die die TAZ anl&#228;sslich des Internationalen Frauentages am 8. M&#228;rz 2018 ver&#246;ffentlich hat. Vom Antifeminismus der Gegenwart, den politischen Debatten &#252;ber den Paragrafen 219a im deutschen Strafgesetzbuch bis hin zur Frage, wie viel Gewebe es brauche, damit eine Transfrau als Frau bezeichnet werden k&#246;nne, versammelt das Postulat einer &#034;R&#252;ckkehr zum Biologischen&#034; ein ganzes Konglomerat an Pluralisierungen und Festschreibungen geschlechtlicher Differenz, an dem sich zugleich die unterschiedlichsten Bezugnahmen auf den materiell-biologischen K&#246;rper nachvollziehen lassen. Diese Forderung ist von feministisch-theoretischer Seite l&#228;ngst aufgenommen, wie etwa der einschl&#228;gige Aufsatz von Sara Ahmed zeigt. F&#252;r Ahmed ist die Forderung &#034;we must return to a biological&#034; jedoch keine theoretische Position, sondern eine Geste. Eine R&#252;ckkehr zur Biologie zu fordern, w&#228;re wiederum nur m&#246;glich, so Ahmeds polemische Kritik, w&#252;rde all die feministische Arbeit in dem Bereich negiert werden. Vgl. Sara Ahmed: &#034;Open Forum Imaginary Prohibitions: Some Preliminary Remarks on the Founding Gestures of the New Materialism&#034;, <italic>Journal of Women&#39;s Studies</italic> 15, Nr. 1 (<xref ref-type="bibr" rid="B2">2008</xref>), DOI: <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://doi.org/10.1177/1350506807084854">https://doi.org/10.1177/1350506807084854</ext-link>.</p></fn>
<fn id="n22"><p>Anne Fausto-Sterling, &#034;Sich mit Dualismen duellieren&#034;, in <italic>Wie nat&#252;rlich ist Geschlecht? Gender und die Konstruktion von Natur und Technik</italic>, hrsg. von Ursula Pasero und Anja Gottburgsen (<xref ref-type="bibr" rid="B26">Wiesbaden: Westdeutscher Verlag, 2002</xref>), 36.</p></fn>
<fn id="n23"><p>Das Turner-Syndrom bezeichnet eine Variante der Geschlechtsentwicklung, die auf eine genetische Ver&#228;nderung zur&#252;ckgeht: Den betroffenen Frauen fehlt entweder eines der beiden X-Chromosomen oder diese sind bei ihnen stark ver&#228;ndert. Die damit einhergehenden Symptomatiken und Beschwerden k&#246;nnen sehr vielf&#228;ltig sein und bed&#252;rfen einer medizinischen Begleitung und Behandlung, etwa in Form von Hormonersatztherapien. In rechtspopulistischen und -konservativen Kreisen ist das Turner-Syndrom deshalb auch ein zentraler Beleg daf&#252;r, dass Geschlechter jenseits der Zweigeschlechterdifferenz pathologisch sind. Bei der ersten Beratung des von der Bundesregierung in den deutschen Bundestag eingebrachten Entwurfs zum Gesetz zur &#196;nderung der in das Geburtenregister einzutragenden Angaben am 11. Oktober 2018 berief sich die AfD auf das Turner-Syndrom: Menschen, &#034;die biologisch intersexuell sind [,&#8230;] suchen sich das nicht aus, sondern sie leiden&#034;. Dass es intersexuelle Menschen gibt, beweise, dass Geschlecht &#034;ein angeborenes, biologisches Schicksal, keine Lifestyle-Entscheidung&#034; sei. Hier wird ebenjener biologische Schicksalszusammenhang der Unhintergehbarkeit biologischer K&#246;rper beschworen. Vgl. die Rede von Beatrix von Storch, &#034;Einzutragende Angaben in das Geburtenregister&#034;, Deutscher Bundestag am 11. Oktober <xref ref-type="bibr" rid="B72">2018</xref>, <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://dbtg.tv/fvid/7280723">https://dbtg.tv/fvid/7280723</ext-link>.</p></fn>
<fn id="n24"><p>Vgl. Juliane Lang, &#034;Familie und Vaterland in der Krise&#034;, in <italic>Anti-Genderismus. Sexualit&#228;t und Geschlecht als Schaupl&#228;tze aktueller politischer Auseinandersetzungen</italic>, hrsg. von Sabine Hark und Paula-Irene Villa (<xref ref-type="bibr" rid="B47">Bielefeld: Transcript, 2015</xref>).</p></fn>
<fn id="n25"><p>Sabine Hark und Paula-Irene Villa, &#034;&#39;Anti-Genderismus&#39; &#8211; Warum dieses Buch?&#034;, in <italic>Anti-Genderismus. Sexualit&#228;t und Geschlecht als Schaupl&#228;tze aktueller politischer Auseinandersetzungen</italic>, hrsg. von dies. (<xref ref-type="bibr" rid="B34">Bielefeld: Transcript, 2015</xref>), 10.</p></fn>
<fn id="n26"><p>Kerstin Palm, &#034;Fake Evolution. Eine biologisch basierte Kritik an Anti-Genderismusrekursen auf die Biologie&#034;, <italic>L&#39;homme. Europ&#228;ische Zeitschrift f&#252;r Feministische Geschichtswissenschaft</italic> 28, Nr. 2 (<xref ref-type="bibr" rid="B55">2017</xref>), 109.</p></fn>
<fn id="n27"><p>Ulrich Kutschera, <italic>Das Gender-Paradoxon. Mann und Frau als evolvierte Menschentypen</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B46">Berlin: LIT Verlag, 2017</xref>).</p></fn>
<fn id="n28"><p>Kerstin Palm, &#034;Fake Evolution&#034;, 114.</p></fn>
<fn id="n29"><p>Sarah Diehl, &#034;Schwangerschaftsabbruch geh&#246;rt zum Leben dazu. Reproduktion, Verh&#252;tung, Abtreibung: die unangenehmen und vernachl&#228;ssigten Themen&#034;, <italic>Diskurs 2.07</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B21">2007</xref>), 11, <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://copyriot.com/diskus/07-2/pdf/d07-2_leben.pdf">https://copyriot.com/diskus/07-2/pdf/d07-2_leben.pdf</ext-link>. Der Text ist eine gek&#252;rzte Version des unter dem gleichen Titel erschienen Beitrags in dem Sammelband <italic>Hot Topic. Popfeminismus heute</italic>, hrsg. von Sonja Eismann (Mainz: Ventil Verlag, 2007).</p></fn>
<fn id="n30"><p>Katja Krolzik-Matthei, &#034;Abtreibung als Gegenstand feministischer Debatten &#8211; Hintergr&#252;nde, Befunde, Fragen&#034;, in <italic>Abtreibung. Diskurse und Tendenzen</italic>, hrsg. von Ulrike Busch und Daphne Hahn (<xref ref-type="bibr" rid="B45">Bielefeld: Transcript, 2015</xref>), 110.</p></fn>
<fn id="n31"><p>Tove Soiland, &#034;Jenseits von Sex und Gender&#034; in <italic>Die Zukunft von Gender</italic>, hrsg. von Anne Fleig (<xref ref-type="bibr" rid="B70">Frankfurt am Main: Campus, 2014</xref>), 100.</p></fn>
<fn id="n32"><p>Joan W. Scott, &#034;Millenial Fantasies. The Future of &#39;Gender&#39; in the 21st Century &#8211; Die Zukunft von gender. Fantasien zur Jahrhundertwende &#034;, in <italic>Gender &#8211; Die T&#252;cken einer Kategorie</italic>, hrsg. von Claudia Honegger und Caroline Arni (<xref ref-type="bibr" rid="B69">Z&#252;rich: Chronos, 2001</xref>), 43.</p></fn>
<fn id="n33"><p>Joan W. Scott, &#034;Millenial Fantasies&#034;, 43; vgl. auch Sabine Hark, &#034;Kontingente Fundierungen. &#220;ber Feminismus, Gender und die Zukunft der Geschlechterforschung&#034;, in <italic>Die Zukunft von Gender</italic>, hrsg. von Anne Fleig (<xref ref-type="bibr" rid="B33">Frankfurt am Main: Campus, 2014</xref>), 68.</p></fn>
<fn id="n34"><p>Scott, &#034;Millenial Fantasies&#034;, 48. Siehe auch Sabine Hark, &#034;Kontingente Fundierungen. &#220;ber Feminismus, Gender und die Zukunft der Geschlechterforschung&#034;, in <italic>Die Zukunft von Gender</italic>, hrsg. von Anne Fleig (<xref ref-type="bibr" rid="B33">Frankfurt am Main: Campus, 2014</xref>), 65f.</p></fn>
<fn id="n35"><p>Scott, &#034;Millenial Fantasies&#034;, 47.</p></fn>
<fn id="n36"><p>Lynda Birke, &#034;Shaping Biology: Feminism and the Idea of the &#39;Biological&#39; &#034;, in <italic>Debating Biology: Sociological Reflections on Health, Medicine and Society</italic>, hrsg. von Simon. J. Williams, Lynda Birke und Gillian A. Bendelow (<xref ref-type="bibr" rid="B11">London, New York: Routledge, 2009</xref>), 44.</p></fn>
<fn id="n37"><p>Vgl. Sigrid Schmitz, &#034;Sex/Gender: Neue Ans&#228;tze zur Verschr&#228;nkung von Natur und Kultur f&#252;r die Forschung&#034;, in <italic>Handreichung Gendering MINT. Vernetzung und Austausch von Gender-Perspektiven und Natur- und Technikwissenschaften</italic>, hrsg. von Marion Mangelsdorf (<xref ref-type="bibr" rid="B64">Freiburg: Universit&#228;t Freiburg, 2019</xref>). Schmitz bezieht sich auf ein von der League of European Research University vorgelegtes &#034;Advice Paper&#034;, das eine bessere Vernetzung und Inklusion von Sex und Gender in allen Bereichen der Forschung, Entwicklung und Planung, aber auch in der Interpretation von experimentellen Praktiken fordert. Anhand von Fallbeispielen aus den Neurowissenschaften, der Epigenetik und neu gegr&#252;ndeter Netzwerke bieten innovative Ans&#228;tze der Zusammenarbeit und neue epistemologische Konzepte in disziplin&#252;bergreifenden Forschungen die M&#246;glichkeiten, die &#034;Verschr&#228;nkungen von Biologie und Sozialem empirisch genauer zu erfassen&#034; (43).</p></fn>
<fn id="n38"><p>Judith Butler, <italic>K&#246;rper von Gewicht</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B15">Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1995</xref>), 58.</p></fn>
<fn id="n39"><p>Butler, <italic>K&#246;rper von Gewicht</italic>, 59.</p></fn>
<fn id="n40"><p>Butler, <italic>K&#246;rper von Gewicht</italic>, 62.</p></fn>
<fn id="n41"><p>Vgl. Butler, <italic>K&#246;rper von Gewicht</italic>, 58.</p></fn>
<fn id="n42"><p>Butler, <italic>K&#246;rper von Gewicht</italic>, 80.</p></fn>
<fn id="n43"><p>Butler, <italic>K&#246;rper von Gewicht</italic>, 37.</p></fn>
<fn id="n44"><p>Butler, <italic>K&#246;rper von Gewicht</italic>, 80.</p></fn>
<fn id="n45"><p>Butler, <italic>K&#246;rper von Gewicht</italic>, 40.</p></fn>
<fn id="n46"><p>Astrid Deuber-Mankowsky, &#034;Natur &#8211; Kultur: ein Dualismus als Schibboleth der Gender- und Queer Studies?&#034;, in <italic>Handbuch Interdisziplin&#228;re Geschlechterforschung. Geschlecht und Gesellschaft</italic>, Bd. 1, hrsg. von Beate Kortendiek, Birgit Riegraf und Katja Sabisch (<xref ref-type="bibr" rid="B20">Wiesbaden: Springer, 2019</xref>), 14.</p></fn>
<fn id="n47"><p>Butler, <italic>K&#246;rper von Gewicht</italic>, 58.</p></fn>
<fn id="n48"><p>Butler, <italic>K&#246;rper von Gewicht</italic>, 41.</p></fn>
<fn id="n49"><p>Judith Butler, <italic>Gef&#228;hrdetes Leben. Politische Essays</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B14">Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2005</xref>), 178. Marie-Luise Angerer hat in einem Blogbeitrag der Feministischen Studien auf einen wichtigen Aspekt hingewiesen, der im deutschsprachigen Raum meines Erachtens nach viel zu wenig im Kontext des material feminism diskutiert wird und bezieht sich dabei auf Pheng Cheah, der bereits Ende der 1990er Jahre argumentierte, dass Butler in kritischer Durcharbeitung machtvoller Idealisierung, anders als Elisabeth Grosz, einem &#034;unausweichlichen Anthropozentrismus verhaftet&#034; bleibe. Marie-Luise Angerer, &#034;How matter comes to matter&#034; <italic>blog feministische Studien</italic>, 24. Februar 2016. Zugriff am 25. Oktober <xref ref-type="bibr" rid="B6">2022</xref>, <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://blog.feministische-studien.de/2016/02/how-matter-comes-to-matter">https://blog.feministische-studien.de/2016/02/how-matter-comes-to-matter</ext-link>; vgl. Pheng Cheah, &#034;Mattering&#034;, <italic>Diacritics</italic> Nr. 26 (<xref ref-type="bibr" rid="B18">1996</xref>), 123.</p></fn>
<fn id="n50"><p>Vgl. Cheah, &#034;Mattering&#034;, 123.</p></fn>
<fn id="n51"><p>Elisabeth Grosz hat in ihrem 1996 ver&#246;ffentlichten Buch <italic>Volatile Bodies</italic> f&#252;r eine solche Perspektive pl&#228;diert. Vgl. Elisabeth Grosz, <italic>Volatile Bodies. Toward a Corporal Feminism</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B31">Bloomington, Indianapolis: Indiana University Press, 1994</xref>).</p></fn>
<fn id="n52"><p>Vgl. Karen Barad, <italic>Agentieller Realismus. &#220;ber die Bedeutung materiell-diskursiver Praktiken</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B8">Berlin: Suhrkamp, 2012</xref>).</p></fn>
<fn id="n53"><p>Vgl. Nina Degele, Sigrid Schmitz, Elke Gramespacher und Marion Mangelsdorf, <italic>Gendered Bodies in Motion</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B19">Opladen: Budrich, 2010</xref>).</p></fn>
<fn id="n54"><p>Rosi Braidotti, <italic>The Posthuman</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B13">Cambridge: Polity Press, 2013</xref>).</p></fn>
<fn id="n55"><p>Rosi Braidotti, <italic>Posthumanismus. Leben jenseits des Menschen</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B12">Frankfurt am Main: Campus, 2014</xref>), 100.</p></fn>
<fn id="n56"><p>Braidotti, <italic>Posthumanismus</italic>, 50.</p></fn>
<fn id="n57"><p>Vgl. Gamble, Christopher N., Joshua Hanan und Thomas Nail, &#034;What is new materialism?&#034;, <italic>Angelaki. Journal of the Theoretical Humanities</italic> 24, Nr. 6 (<xref ref-type="bibr" rid="B29">2019</xref>), <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://doi.org/10.1080/0969725X.2019.1684704">https://doi.org/10.1080/0969725X.2019.1684704</ext-link>.</p></fn>
<fn id="n58"><p>Karen Barad, &#034;Posthumanist perfomativity: Toward an understanding of how matter comes to matter&#034;, <italic>Signs: Journal of Women in Culture and Society</italic> 28, Nr. 3 (<xref ref-type="bibr" rid="B9">2003</xref>), 810; vgl. Sigrid Schmitz, &#034;Karen Barad: Agentieller Realismus als Rahmenwerk f&#252;r die Science &amp; Technology Studies&#034;, in <italic>Schl&#252;sselwerke der Science &amp; Technology Studies</italic>, hrsg. Von Diana Lengersdorf und Matthias Wieser (<xref ref-type="bibr" rid="B65">Wiesbaden: Springer VS, 2014</xref>), 284.</p></fn>
<fn id="n59"><p>Karen Barad, &#034;Verschr&#228;nkungen und Politik, Karen Barad im Gespr&#228;ch mit Jennifer Sophia Theodor&#034;, in <italic>Verschr&#228;nkungen</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B7">Berlin: Merve, 2015</xref>), 208.</p></fn>
<fn id="n60"><p>Barad, <italic>Agentieller Realismus</italic>, 36.</p></fn>
<fn id="n61"><p>Malou Juelskj&#230;r und Schwennesen Nete, &#034;Intra-active Entanglements &#8211; An Interview with Karen Barad&#034;, <italic>Kvinder, K&#248;n &amp; Forskning</italic>, Nr. 1&#8211;2 (<xref ref-type="bibr" rid="B40">2012</xref>), 13, <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://tidsskrift.dk/KKF/article/view/28068">https://tidsskrift.dk/KKF/article/view/28068</ext-link>.</p></fn>
<fn id="n62"><p>Barad, <italic>Agentieller Realismus</italic>, 39.</p></fn>
<fn id="n63"><p>Barad, <italic>Agentieller Realismus</italic>, 42. Vgl. hierzu auch den wichtigen Artikel von Katharina Hoppe und Thomas Lemke, der in kritischer Perspektive die Konsequenzen des Neuen Materialismus f&#252;r die Sozialwissenschaften diskutiert. Katharina Hoppe und Thomas Lemke, &#034;Die Macht der Materie. Grundlagen und Grenzen des agentiellen Realismus von Karen Barad&#034;, <italic>Soziale Welt</italic> 66 (<xref ref-type="bibr" rid="B38">2015</xref>). Schmitz hat Barads Konzept des agentiellen Realismus im Kontext der Science and Technology Studies diskutiert und fragt in Bezug auf aktuelle Debatten, ob der von Barad vorlegte Entwurf nicht schon l&#228;ngst in den Feminist Science Studies eingel&#246;st wurde. Vgl. Schmitz, &#034;Karen Barad: Agentieller Realismus als Rahmenwerk f&#252;r die Science &amp; Technology Studies&#034;.</p></fn>
<fn id="n64"><p>Schmitz, &#034;Karen Barad: Agentieller Realismus als Rahmenwerk f&#252;r die Science &amp; Technology Studies&#034;, 284.</p></fn>
<fn id="n65"><p>Karen Barad, <italic>Verschr&#228;nkungen</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B7">Berlin: Merve, 2015</xref>), 129.</p></fn>
<fn id="n66"><p>Barad, <italic>Verschr&#228;nkungen</italic>, 129.</p></fn>
<fn id="n67"><p>Barad, <italic>Verschr&#228;nkungen</italic>, 160.</p></fn>
<fn id="n68"><p>Barad, <italic>Verschr&#228;nkungen</italic>, 120.</p></fn>
<fn id="n69"><p>Vgl. Barad, <italic>Verschr&#228;nkungen</italic>, 142.</p></fn>
<fn id="n70"><p>Hoppe Lemke, &#034;Die Macht der Materie. Grundlagen und Grenzen des agentiellen Realismus von Karen Barad&#034;, 270.</p></fn>
<fn id="n71"><p>Barad, Agentieller Realismus, 88.</p></fn>
<fn id="n72"><p>Vgl. Kerstin Palm, Gabriele J&#228;hnert, Susanne V&#246;lker und Sabine Grenz, <italic>Materialit&#228;t/en und Geschlecht. Beitr&#228;ge zur 6. Jahrestagung der Fachgesellschaft Geschlechterstudien e. V. 12./13. Februar 2016</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B54">Berlin: Selbstverlag, 2018</xref>), <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="http://doi.org/10.25595/461">http://doi.org/10.25595/461</ext-link>.</p></fn>
<fn id="n73"><p>Myra J. Hird, &#034;Feminist Matters: New Materialist Considerations of Sexual Difference&#034;, <italic>Feminist Theory</italic> 5, Nr. 2, (<xref ref-type="bibr" rid="B36">2004</xref>), 231, <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://doi.org/10.1177/1464700104045411">https://doi.org/10.1177/1464700104045411</ext-link>.</p></fn>
<fn id="n74"><p>Gill Jagger, &#034;The New Materialism and Sexual Difference&#034;, <italic>Signs: Journal of Women in Culture and Society</italic> 40, Nr. 2 (<xref ref-type="bibr" rid="B39">2015</xref>), 323, DOI: <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://doi.org/10.1086/678190">https://doi.org/10.1086/678190</ext-link>.</p></fn>
<fn id="n75"><p>Jagger, &#034;The New Materialism and Sexual Difference&#034;, 337.</p></fn>
<fn id="n76"><p>Jagger, &#034;The New Materialism and Sexual Difference&#034;, 340.</p></fn>
<fn id="n77"><p>Vgl. Joris A. Gregor, Sigrid Schmitz, Bettina Wuttig und Beate Rosenzweig, &#034;Der Ort des Politischen in den Critical Feminist Materialisms&#034;, <italic>FZG &#8211; Freiburger Zeitschrift f&#252;r GeschlechterStudien</italic> 1, (<xref ref-type="bibr" rid="B30">2018</xref>), 5, <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://doi.org/10.3224/fzg.v24i1.01">https://doi.org/10.3224/fzg.v24i1.01</ext-link>.</p></fn>
<fn id="n78"><p>Kaiser, &#034;Wie sich Geschlechtlichkeit in den Neurowissenschaften manifestiert&#034;, 146.</p></fn>
<fn id="n79"><p>Braidotti, <italic>Posthumanismus</italic>, 47.</p></fn>
<fn id="n80"><p>Braidotti, <italic>Posthumanismus</italic>, 47f.</p></fn>
<fn id="n81"><p>Hanna Meissner, &#034;Von der Romantik imagin&#228;rer Verluste: Bringing the material back in?&#034;, <italic>Femina Politica &#8211; Zeitschrift fu&#776;r feministische Politikwissenschaft</italic> 23, Nr. 2 (<xref ref-type="bibr" rid="B48">2012</xref>), 108, <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://doi.org/10.3224/feminapolitica.v23i2.17618">https://doi.org/10.3224/feminapolitica.v23i2.17618</ext-link>.</p></fn>
<fn id="n82"><p>Barad, <italic>Verschr&#228;nkungen</italic>, 205.</p></fn>
<fn id="n83"><p>Peter Haffner, &#034;Vielfalt der Geschlechter. K&#246;nnen wir uns eigentlich noch in M&#228;nner und Frauen aufteilen?&#034;, <italic>Tages-Anzeiger</italic>, 14. November <xref ref-type="bibr" rid="B32">2020</xref>, <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.tagesanzeiger.ch/koennen-wir-uns-eigentlich-noch-in-maenner-und-frauen-aufteilen-670417369835">https://www.tagesanzeiger.ch/koennen-wir-uns-eigentlich-noch-in-maenner-und-frauen-aufteilen-670417369835</ext-link>; vgl. auch Quarks, &#034;Junge oder M&#228;dchen. Warum es mehr als zwei Geschlechter gibt&#034;, 10. April <xref ref-type="bibr" rid="B57">2018</xref>, <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/quarks-und-co/video-junge-oder-maedchen-warum-es-mehr-als-zwei-geschlechter-gibt--100.html">https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/quarks-und-co/video-junge-oder-maedchen-warum-es-mehr-als-zwei-geschlechter-gibt--100.html</ext-link>.</p></fn>
<fn id="n84"><p>So betonte k&#252;rzlich ein Endokrinologe im Gespr&#228;ch: &#034;Wir wissen heute &#252;berhaupt nicht mehr so sicher, was Geschlecht ist&#034;. Diese Verunsicherung ist durchaus als produktiv zu bewerten. Kim Scheunemann hat sich in einer beeindruckenden Studie den vielf&#228;ltigen Formen des Geschlechterwissens gewidmet und die Dynamisierung und Ausdifferenzierung des Geschlechterwissens im Kontext des professionellen Wissensmonopols der Medizin untersucht, wo genau diese Verunsicherung als Ausweis der Akzeptanz verschiedener und vielf&#228;ltiger Geschlechternormen bewertet wird. Kim Scheunemann, <italic>Expert_innen des Geschlechts? Zum Wissen &#252;ber Inter*- und Trans*-Themen</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B62">Bielefeld: Transcript Verlag, 2018</xref>), hier besonders Kapitel 10 &#034;(Un-)Sicherheit &#8211; Vom Ringen mit unterschiedlichen Geschlechterwissen&#034;.</p></fn>
<fn id="n85"><p>Vgl. Londa Schiebinger, <italic>Gendered Innovation</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B63">Stanford: Stanford University Press, 2008</xref>) sowie Londa Schiebinger et al., &#034;Gendered Innovations in Science, Health &amp; Medicine, Engineering, and Environment&#034; (2011&#8211;2020), genderedinnovations.stanford.edu.</p></fn>
<fn id="n86"><p>Vgl. Anne Fausto-Sterling, &#034;On the Critique of the Concept of Sex&#034;, <italic>Differences. A Journal of Feminist Cultural Studies</italic> 27, Nr. 1 (<xref ref-type="bibr" rid="B24">2016</xref>).</p></fn>
<fn id="n87"><p>Vgl. J&#246;rg Niew&#246;hner, &#034;Situating Biologies: Studying Human Differentiation as Material-Semiotic Practice&#034;, in <italic>Biosocial Worlds. Anthropology of Health Environments beyond Determinism</italic>, hrsg. von Jens Seeberg, Andreas Roepstorff und Lotte Meinert (<xref ref-type="bibr" rid="B51">London: UCL Press, 2020</xref>), 58.</p></fn>
<fn id="n88"><p>J&#246;rg Niew&#246;hner, &#034;Molekularbiologische Sozialwissenschaft?&#034;, in <italic>Kulturen der Epigenetik: Vererbt, codiert, &#252;bertragen</italic>, hrsg. von Vanessa Lux und J&#246;rg Thomas Richter (<xref ref-type="bibr" rid="B52">Berlin, Boston: De Gruyter, 2014</xref>), 262, <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://doi.org/10.1515/9783110316032.259">https://doi.org/10.1515/9783110316032.259</ext-link>.</p></fn>
<fn id="n89"><p>Niew&#246;hner, &#034;Molekularbiologische Sozialwissenschaft?&#034;, 268.</p></fn>
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