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<journal-title>Genealogy+Critique</journal-title>
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<subject>Research</subject>
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<article-title>Posthumane Selbstformungen in der Gegenwartsliteratur am Beispiel von Olga Flors <italic>Ich in Gelb</italic></article-title>
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<email>l-keil@web.de</email>
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<aff id="aff-1"><label>1</label>Johannes Gutenberg-Universit&#228;t, DE</aff>
<pub-date publication-format="electronic" date-type="pub" iso-8601-date="2022-02-10">
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<license-p>This is an open-access article distributed under the terms of the Creative Commons Attribution 4.0 International License (CC-BY 4.0), which permits unrestricted use, distribution, and reproduction in any medium, provided the original author and source are credited. See <uri xlink:href="http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/">http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/</uri>.</license-p>
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<abstract>
<p>This article examines the intersections between technologies of the self, posthumanism, and gender by means of a literary analysis of Olga Flor&#39;s 2015 novel <italic>Ich in Gelb</italic>. A reading of the novel shows how Flor discusses the immunotherapy practice of helminthic therapy in connection with different &#39;monsters&#39; like Medusa, bearded women, and mermaids, motifs that carry certain gender representations. However, the novel not only plays on old representations but also deconstructs traditional gender divisions and dissolves the illusion of a fixed self in employing posthumanist ideas. Applying Haraway&#39;s concept of sympoiesis in the analysis of the relationship between human and worm as well as between text and worm, the examination of Flor&#39;s novel shows that there is a correspondence between the &#39;forming&#39; of the self and the literary form of the novel. Therefore, literature has an epistemological function in understanding posthuman technologies of the self.</p>
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<title>1. Einleitung</title>
<p>Ob Heuschnupfen oder Nahrungsmittelintoleranz, jede*r f&#252;nfte Deutsche hat mittlerweile eine Allergie.<xref ref-type="fn" rid="n1">1</xref> In den letzten Jahrzehnten ist im Globalen Norden ein deutlicher Anstieg an Allergien zu verzeichnen, auch Autoimmunkrankheiten wie Morbus Crohn nehmen immer weiter zu.<xref ref-type="fn" rid="n2">2</xref> Dabei l&#228;sst sich ein Gef&#228;lle zwischen st&#228;dtischen und l&#228;ndlichen Bereichen festmachen.<xref ref-type="fn" rid="n3">3</xref> David P. Strachan entwickelte zur Erkl&#228;rung dieses Ph&#228;nomens die Hygiene-Hypothese, der zufolge die zunehmende &#39;Sterilisierung&#39; der Lebensr&#228;ume nicht nur zu einem Schutz vor Infektionen, sondern auch zu einer Ver&#228;nderung des Immunsystems f&#252;hrt.<xref ref-type="fn" rid="n4">4</xref> Da es nicht mehr mit bestimmten Bakterien und Parasiten umgehen m&#252;sse, wende es sich gegen sich selbst und entwickle Allergien.<xref ref-type="fn" rid="n5">5</xref></p>
<p>Dass die <italic>Ab</italic>wesenheit von bestimmten Mikroorganismen sch&#228;dlich f&#252;r den menschlichen K&#246;rper sei, widerspricht dem modernen Konzept von Immunit&#228;t, das auf den Beginn der Immunologie am Ende des 19. Jahrhundert mit Pasteurs Keimtheorie zur&#252;ckgeht; dieses Konzept geht davon aus, dass das Immunsystem klar zwischen Selbst und Anderem trennt, um auf dieser Basis &#39;feindliche&#39; Organismen zu bek&#228;mpfen.<xref ref-type="fn" rid="n6">6</xref> Vonseiten der Mikrobiom- und Symbiose-Forschung wird aktuell die Frage gestellt, ob diese Sicht nicht zu kurz greife: Behaust ein K&#246;rper immer nur <italic>ein</italic> festes Selbst?<xref ref-type="fn" rid="n7">7</xref> Strachans Hygiene-Hypothese sowie ihre Weiterentwicklung, die &#39;old friends&#39;-Hypothese,<xref ref-type="fn" rid="n8">8</xref> bei der von einer Ko-Evolution des Menschen mit bestimmten Mikroorganismen ausgegangen wird,<xref ref-type="fn" rid="n9">9</xref> sind f&#252;r diese Forschung zentral. Jedoch stehen nicht nur im K&#246;rper vorhandene Mikroben im Fokus; neuere Forschungen mit experimentellen Wurmeierkuren<xref ref-type="fn" rid="n10">10</xref> untersuchen auch, ob k&#252;nstlich zugef&#252;hrte Wurmeier vom Haken- oder Schweinepeitschenwurm wom&#246;glich eine positive Auswirkung auf das menschliche Immunsystem haben.<xref ref-type="fn" rid="n11">11</xref> Doch wie s&#228;he ein solches Zusammenleben von Mensch und Wurm in unserer Gesellschaft aus?</p>
<p>W&#228;hrend das Immunsystem zumeist von Mikrobiolog*innen oder Mediziner*innen untersucht wird, m&#246;chte der vorliegende Artikel mithilfe der Gegenwartsliteratur nach Antworten suchen. Literatur kann auf eine besondere Art und Weise als Experimentierraum fungieren,<xref ref-type="fn" rid="n12">12</xref> denn einerseits portr&#228;tieren und reflektieren literarische Texte die Gegenwart, andererseits entwickeln sie auch Zukunftsentw&#252;rfe. Indem sie das Verh&#228;ltnis von Form und Inhalt ausloten, fragen literarische Texte, wie Erkenntnisgewinn geschieht und Wissen dargestellt werden kann. Im Raum des Fiktiven stellt die Literatur neue Zusammenh&#228;nge her und kann so einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Debatte liefern. In diesem Kontext ist auch der vorliegende Beitrag situiert, der Olga Flors <italic>Ich in Gelb</italic><xref ref-type="fn" rid="n13">13</xref> und die darin vorliegende Wurmeierkur als posthumane Selbstformung untersucht und dabei besonders die Form des literarischen Textes in den Blick nimmt. Wurmeierkuren werden hier als Selbstformungen gefasst, da sie als k&#246;rperliche Optimierungspraktik Foucaults Konzept der Technologien des Selbst gleichkommen.<xref ref-type="fn" rid="n14">14</xref> Der offene Selbst-Begriff ist hier besonders treffend, da aufgrund der Verschr&#228;nkung mit dem Tierischen ein posthumanes Element, das Fluidit&#228;t und Grenz&#252;berschreitung erzeugt, besteht.</p>
<p>Inhaltlich bewegt sich Flors Roman zwischen Fotoshootings und Pal&#228;ontologie, ist der Vater<xref ref-type="fn" rid="n15">15</xref> von nextGirl, eine der zentralen Protagonist*innen, doch im Wiener Naturhistorischen Museum t&#228;tig. Dort soll am Ende (bzw. am Anfang) des Romans auch die neueste Show Josefs mit seiner &#39;Muse&#39; Bianca stattfinden. Das Model Bianca ist gerade erst vom Designer angestellt worden, k&#228;mpft aber schon mit dem &#034;Posthype&#034; (IiG 85) &#8211; vor allem, weil sie stetig neue Allergien entwickelt. Gegen diese beginnt sie eine Wurmeierkur, bei der ein Wurm im K&#246;rper zur&#252;ckbleibt, der bald Beulen an ihrem K&#246;rper und eine Art Monstrosit&#228;t erzeugt. Keineswegs sind die aufgerufenen &#39;Monster&#39; im Roman jedoch negativ konnotiert, vielmehr l&#246;sen die Mensch-Tier-Hybride eine Faszination aus. Der Roman verkn&#252;pft die Wurmeierkur hier mit der Exploration eines zentralen Aspekts der Selbstformung: Geschlecht. Gezeigt werden soll, dass, wenn Bianca in ihren Shows abwechselnd als Medusa, als Monster oder als Fischfrau auftritt, mit den aufgerufenen Symboliken verschiedene Weiblichkeitsvorstellungen reproduziert werden. Im &#220;berschreiten der Mensch-Tier-Grenze werden aber auch die Grenzen von Geschlechtern &#252;berschritten.</p>
<p>Derlei &#220;berschreitungen stellen den zentralen Einsatzpunkt posthumanistischer Theoretiker*innen wie Donna Haraway dar: F&#252;r sie sind Grenz&#252;berschreitungen immer auch mit der Frage nach Geschlecht verbunden. Mit der Modeindustrie wird bei Flor jedoch ein spezifisches Setting gew&#228;hlt, in dem vorerst fragw&#252;rdig ist, ob im Roman Gender dekonstruiert wird oder die Darstellung des posthumanen Monsters Genderzuschreibungen verfestigt. Zur Untersuchung dieser Fragestellung werden in den ersten drei Abschnitten dieses Artikels die zentralen Motive des Romans literaturwissenschaftlich analysiert: Bianca als Medusa, Bianca als Monster und Bianca als Fischfrau. Dabei steht die &#220;berlegung im Vordergrund, dass literarische Texte Wissen &#228;sthetisch anders gestalten als wissenschaftliche Forschung und die literarische Form eine eigene epistemische Funktion besitzt.<xref ref-type="fn" rid="n16">16</xref> Auf Mehrdeutigkeit ausgelegte Erz&#228;hlweisen, die Flors mit Verdichtung und heterogenen Symboliken arbeitenden Text kennzeichnen, k&#246;nnen durch die Form selbst zu einer Reflexion von bestehendem Wissen oder Wissensbedingungen f&#252;hren.</p>
<p>Die Einbindung der &#034;Zoopoetik&#034;-Forschung<xref ref-type="fn" rid="n17">17</xref> liefert hier die M&#246;glichkeit, die Darstellungsweise der posthumanen K&#246;rperformung literaturwissenschaftlich zu konzeptualisieren und herauszustellen, dass bei der literarischen Gestaltung der Beziehung von Mensch und Tier innovative Schreibweisen entwickelt werden. Deshalb soll in den letzten beiden Abschnitten des Artikels die besondere zoopoetische und digitale Form des Romans im Vordergrund stehen: Die &#246;sterreichische Autorin ver&#246;ffentlichte ihren Roman zuerst in Teilen auf dem Blog &#034;<ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="http://dasistkeinblog.com">dasistkeinblog.com</ext-link>&#034; und entwickelte darauf aufbauend zwei gegenl&#228;ufige homodiegetisch erz&#228;hlte Narrationsstr&#228;nge. Diese schl&#228;ngeln sich im Roman durch den Blog der Modebloggerin nextGirl, der ein assoziativ organisiertes Netz aus Modetrends und tagebuchartig gesammelten Gedanken bildet, angereichert mit &#220;berlegungen &#252;ber die Gesellschaft, Meinungen zum fiktiven Stardesigner Josef und vielen Fotographien, die den Text unterbrechen. NextGirls Eintr&#228;ge sind von nach rechts einger&#252;ckten Kommentaren begleitet, die treppenartig &#252;ber die Seiten verlaufen, hier speist das Model Bianca ihre Erz&#228;hlung &#252;ber die Wurmeierkur in nextGirls Blog ein. Sind nextGirls mit Datum versehene Blogeintr&#228;ge textsortengetreu in zeitumgekehrter Reihenfolge angeordnet, verl&#228;uft Biancas Erz&#228;hlung in den Kommentaren chronologisch. Somit kann der*die Lesende sowohl mit der ersten als auch mit der letzten Seite beginnen. Die komplexe Struktur wird um eine weitere Zeitebene erg&#228;nzt, wenn nextGirl auf Biancas Kommentare reagiert. Obwohl die Stimme von nextGirl als Biancas Karriere begleitende Amateur-Modejournalistin im Roman &#252;berwiegt, ist Bianca ebenso Protagonistin. Ihre Erz&#228;hlung &#252;ber die Wurmeierkur soll hier im Vordergrund stehen.</p>
<p>Sowohl f&#252;r die Formanalyse als auch f&#252;r die Analyse der im Roman er&#246;ffneten Motive ist eine Kontextualisierung mit den gegenw&#228;rtigen posthumanistischen Diskursen wichtig. Besonders Haraways Arbeiten k&#246;nnen theoretisch-begriffliches Werkzeug bereitstellen, um einerseits die literarische Symbiose zwischen Mensch und Tier zu untersuchen, andererseits aber auch das Verh&#228;ltnis zwischen Text und Tier zu charakterisieren. Haraways Konzept der &#034;companion species&#034; erfasst nicht nur das Zusammenleben von Mensch und Hund, sondern auch die Tatsache, dass der menschliche K&#246;rper immer schon &#034;tiny companions&#034; von Bakterien bis Pilzen beherbergt hat: &#034;To be one is always to <italic>become with</italic> many&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n18">18</xref> Mit ihrem neuen Begriff der Sympoiesis k&#246;nnen konkret symbiotische Verh&#228;ltnisse erfasst werden: &#034;Sympoiesis&#034; hei&#223;t hier &#034;&#39;mit-machen&#39;&#034;,<xref ref-type="fn" rid="n19">19</xref> ein Schaffensprozess mehrerer Lebewesen, der Autopoiesis oder &#034;&#39;selber-machen/sich-selbermachen&#39;&#034;<xref ref-type="fn" rid="n20">20</xref> abl&#246;se. Mit dieser Idee der &#034;Mit-Verweltlichung&#034;<xref ref-type="fn" rid="n21">21</xref> verwirft sie alte Konzepte von getrennten biologischen Einheiten, die durch die Diskurse der Immunologie konstruiert wurden.<xref ref-type="fn" rid="n22">22</xref> Inwiefern die Praktik der Wurmeierkuren mit der Idee der Sympoiesis zusammenh&#228;ngt, wird folgend n&#228;her in den Blick genommen. Dabei ist die Frage zentral, ob Wurmeierkuren im Roman unter den Vorzeichen eines posthumanistischen <italic>becoming with</italic> diskutiert werden oder vielmehr eine transhumanistische Selbstoptimierung im Vordergrund steht.</p>
</sec>
<sec>
<title>2. Bianca als Medusa</title>
<p>Biancas Ruhm in der Modebranche beruht vor allem auf einem Fotoshooting, der &#034;Unterwassersession&#034; (IiG 65), mit ihrem sp&#228;teren Freund, dem Modefotografen Eddie, der sie dabei als medusische Figur konstruiert:</p>
<disp-quote>
<p>Die Anemonengeschichte muss ich noch zu Ende bringen: Eddie holt also die Kamera, sein Stativ und zwei Standscheinwerfer, die den Raum ausleuchten wie die Lichtkegel eines Forschungs-U-Boots. Und mich, die Molluske, doch das wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht. Die Frisur, sagt er, so wird das nichts, und rennt schon wieder weg, um mit einer kleinen Dose in der Hand zur&#252;ckzukommen. Da, sagt er. [&#8230;] Rasierschaum. [&#8230;] Schmier&#39;s dir in die Haare! [&#8230;] Ich spr&#252;he mir also den dicken Schaum in die Hand, knete mir Korallenarme aus den Haaren, die ich in die H&#246;he wachsen lasse. Doch der Schaum ist viel zu weich und h&#228;lt das Gewicht der Str&#228;hnen nicht, sie sinken langsam ab. [&#8230;] Macht nichts, sagt Eddie und zieht die Schaumw&#252;lste wieder nach oben. Wird die Zeit eben zum gestaltenden Faktor. (IiG 67&#8211;68)</p>
</disp-quote>
<p>Mit Rasierschaum werden Biancas Haare zu einer Medusa-&#228;hnlichen Form gestylt. Durch den Schaum geraten die Haare in Bewegung, sinken langsam ab und werden lebendig. Das Styling von Biancas Haaren ist analog zu dem durch mehrere Zeitstr&#228;nge gepr&#228;gten Erz&#228;hltext zu sehen: Zeit wird zum &#034;gestaltenden Faktor&#034; (IiG 68). Obwohl Fotos normalerweise einen Moment zum Stillstand bringen, f&#228;ngt die Fotoreihe einen Bewegungsablauf ein, simuliert damit einen Zeitfluss. Biancas Kommentare auf nextGirls Blog halten jedoch sowohl den Versuch der minuti&#246;sen Dokumentation der Zeit im Liveblog (vgl. IiG 28) als auch den Erz&#228;hltext an: &#034;Die Cybergorgonen werde ich nicht mehr los. Unterbrechen auch noch den Flie&#223;text. Den Textfluss&#034; (IiG 37). Im Hinblick auf den Aspekt der Zeit erscheint die Figur der Medusa somit ambivalent. Ganz im Gegensatz zur widerspr&#252;chlichen kulturellen Symbolik der Medusa, die als sch&#246;nste Frau und furchterregendstes Monster der griechischen Mythenwelt<xref ref-type="fn" rid="n23">23</xref> gleicherma&#223;en Faszination und Grauen hervorruft,<xref ref-type="fn" rid="n24">24</xref> ist Bianca als Medusa nicht ambig. Mit der ber&#252;hmten Gorgone &#252;berblendet, wird sie nicht nur alliterativ als &#034;gorgeous&#034; (IiG 35) bezeichnet, ihre Fotosession wird legend&#228;r: &#034;Ein Bild, das f&#252;r ein Lebensgef&#252;hl steht, haben sie geschrieben. Ikonisch&#034; (IiG 125).</p>
<p>Der Roman nimmt eine Remythologisierung der Medusa vor. So wird Freuds bekannte Interpretation der Medusa als Sinnbild der Kastrationsangst<xref ref-type="fn" rid="n25">25</xref> im Text zwar aufgerufen (vgl. IiG 42), seine Lesart aber nicht best&#228;tigt, sondern &#252;ber die assoziative Schreibweise mit Meerestierbildern (vgl. IiG 41), Intimhaarentfernungen und St. Patrick, dem Schlangenvertreiber, verbunden (vgl. IiG 43).<xref ref-type="fn" rid="n26">26</xref> Bianca ist nicht mehr die weibliche Schreckensfigur der Vergangenheit, aber auch nicht die feministisch umkodierte Leitfigur H&#233;l&#232;ne Cixous&#39;,<xref ref-type="fn" rid="n27">27</xref> wenn sie vom m&#228;nnlichen Fotografen produziert, im Fotoapparat als Schild gespiegelt und f&#252;r den Modemarkt vervielf&#228;ltigt wird (vgl. IiG 125). Das Motiv der Medusa verweist in seiner kulturellen Aufgeladenheit auf die ihm eingeschriebenen Geschlechterkonflikte.<xref ref-type="fn" rid="n28">28</xref> Bianca bleibt als Medusa-Model zun&#228;chst Spielball ihres Freundes, eher Muse als Medusa.<xref ref-type="fn" rid="n29">29</xref> Die mythologische Figur wird aber auch als posthumane Gestalt <italic>avant la lettre</italic> aufgerufen, im Roman wird sie mit Diskursen des Klimawandels verkn&#252;pft (vgl. IiG 32).<xref ref-type="fn" rid="n30">30</xref> Der Roman verbindet hier &#252;ber den etymologischen Zusammenhang die Medusa mit verschiedenen Nesseltieren: Anemonen, Mollusken und Quallen werden im Text nicht nur beschrieben, sondern, Mediengrenzen &#252;berschreitend, auch als Bilder abgedruckt (vgl. IiG 31, 41, 87, 124&#8211;125, 139, 162, 182, 202). Durch die Mehrfachkodierung mit unterschiedlichen Bildern des Medusischen wird eine Mehrdeutigkeit erzeugt, die die Grenzen zwischen verschiedenen Gender-Formen sowie den Kategorien Mensch/Tier verschwimmen l&#228;sst. Bianca ist nicht nur Medusa, sondern vor allem &#034;nackt und tierisch. Menschlich und tierisch&#034; (IiG 66). Die Verbindung mit Mollusken figuriert sie zu einem Wesen zwischen Tier und Pflanze (vgl. auch IiG 82), Anemonen rufen den Kontext der Symbiose auf, proleptisch gleichsam auf ihren sp&#228;teren Zustand mit dem Wurm verweisend.</p>
<p>Die tentakul&#228;ren Meerestiere, die durchsichtig (Quallen, manche Anemonen), ohne Grenze zu ihrer Umwelt (Quallen), mitunter zu den intergeschlechtlichen Tierarten geh&#246;ren (viele Mollusken und Anemonen) oder Teile von sich selbst abspalten k&#246;nnen, um neue Lebewesen zu bilden (Anemonen), durchkreuzen herk&#246;mmliche Ideen von Selbst und Gender.<xref ref-type="fn" rid="n31">31</xref> Bianca kann als Medusa in der Modewelt zwar keine Macht gewinnen, der Roman entwirft die den Quallen nahestehende Medusa allerdings als eine posthumane Emanzipationsgestalt. Auch der Titel <italic>Ich in Gelb</italic> referiert auf eine Textstelle, in der sich nextGirl als angeblich gelbe Qualle pr&#228;sentiert (&#034;Hier seht ihr mich in Gelb&#034; (IiG 162)), die im Text schwarz-wei&#223;, auf dem Cover und in der Online-Version des Blogs jedoch rosa erscheint.<xref ref-type="fn" rid="n32">32</xref> &#220;ber das Format des netzwerkartig gestalteten Blogromans und &#252;ber Biancas Kommentare mit reduzierter Syntax und Parallelismen wird eine literarische Inszenierung mit sonst vorwiegend naturwissenschaftlich untersuchten Tieren mit fluiden K&#246;rperformen deutlich, bei der Inhalt und Form aufeinander verweisen. Um Flors Roman systematisch einzuordnen und narratologisch n&#228;her zu definieren, empfiehlt sich ein Blick auf Haraways fast zeitgleich erschienenes <italic>Staying with the Trouble</italic> und ihr Konzept des tentakul&#228;ren Erz&#228;hlens. Dieses ist gepr&#228;gt von arten&#252;bergreifenden, netzwerkartigen Geschichten, dem Vermischen von Science-Fiction und -Fact sowie dem Spiel mit Fadenfiguren.<xref ref-type="fn" rid="n33">33</xref> Auch Haraway fasst Korallen als Sinnbild der Klimakrise<xref ref-type="fn" rid="n34">34</xref> und Medusa als Symbolfigur des Chthuluz&#228;ns.<xref ref-type="fn" rid="n35">35</xref> Form und Inhalt von Flors Roman lassen ihn somit als eine posthumanistische &#034;tentakul&#228;re Schreibszene&#034;<xref ref-type="fn" rid="n36">36</xref> erscheinen. Es zeigt sich, dass posthumanistische Forschung und Literatur sich sowohl inhaltlich als auch erz&#228;hltechnisch nahestehen und befruchten.</p>
</sec>
<sec>
<title>3. Bianca als Monster</title>
<p>Als Biancas Aussehen durch die Allergien immer mehr beeintr&#228;chtigt ist, wird die L&#246;sung ihres K&#246;rperproblems karriererelevant. Hom&#246;opathie und Pharmazie (vgl. IiG 85) helfen ihr nicht, nur die Wurmeierkur kann sie noch retten (vgl. IiG 89). Zun&#228;chst ist diese nur Mittel zum Zweck: Die Allergien sollen verschwinden, damit der K&#246;rper f&#252;r die Vermarktung in der Modeindustrie wiederhergestellt wird. Die Wurmeierkur gleicht einer &#034;Technologie des Selbst&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n37">37</xref> Sie l&#228;sst sich hier als transhumanistisch beschreiben, da allein die Optimierung des menschlichen K&#246;rpers durch die biomedizinische Manipulation anderer Spezies im Vordergrund steht. Entgegen posthumanistischer Ideen wird also an der Hierarchisierung des Menschen &#252;ber Tieren festgehalten. Die Vermischung von Menschlichem und Tierischem, eine &#034;Durchl&#228;ssigkeit der Speziesgrenzen&#034;,<xref ref-type="fn" rid="n38">38</xref> wird lediglich in Kauf genommen,<xref ref-type="fn" rid="n39">39</xref> eine Versicherung durch medizinische Expert*innen ist dabei entscheidend. Solange die technisierte Natur unter der Kontrolle des Menschen steht, stellt die Grenzaufl&#246;sung kein Problem dar.<xref ref-type="fn" rid="n40">40</xref> So ist Biancas Arzt zwar etwas beunruhigt (vgl. IiG 101), als ein Wurm in ihrem Darm zur&#252;ckbleibt, bei medizinischer Kontrolle sieht er aber keinen Grund zur Besorgnis (vgl. IiG 124). Der Roman diskutiert die Wurmeierkur zun&#228;chst also keineswegs unter den Vorzeichen einer symbiotischen Wiederbekanntmachung mit &#39;old friends&#39;. Es ist eine stark technisierte Natur, die eingesetzt wird.</p>
<p>Bianca steht scheinbar nichts mehr im Wege, weiter zu modeln. Doch der im Darm zur&#252;ckgebliebene Wurm erzeugt an ihrem K&#246;rper auf einmal Beulen an Kopf und Bauch (vgl. IiG 92, 101). Sie f&#252;hlt sich krank (vgl. IiG 93&#8211;94), der Wurm scheint parasit&#228;r an ihr zu zehren, doch daraus kann Profit geschlagen werden: &#034;Was dazu f&#252;hrte, dass ich abnahm, auch kein Schaden, man ist nie d&#252;nn genug&#034; (IiG 94). Bianca startet einen &#034;foodchannel: <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="http://daswurmt.wordpress.com">daswurmt.wordpress.com</ext-link>&#034; (IiG 121) zur digitalen Selbstinszenierung, ein Blog, der ebenso online zu finden ist, allerdings lediglich die auf &#034;<ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="http://daswurmt.wordpress.com">dasistkeinblog.com</ext-link>&#034; hinterlassenen Kommentare in einen neuen Blog einspeist. Biancas digitale Selbstinszenierung kann somit auch als parasit&#228;r gefasst werden, da sie ohne den Blog von nextGirl als &#39;Wirt&#39; nicht existiert. Der Wurm und Bianca werden schlie&#223;lich zunehmend monstr&#246;ser:</p>
<disp-quote>
<p>Manchmal erbreche ich den Wurm ein St&#252;ck weit. Ist mir tats&#228;chlich schon passiert, beim ersten Mal dachte ich noch, der lange bleiche dickliche K&#246;rper w&#252;rde mich zerrei&#223;en. [&#8230;] Alles an ihm ist monstr&#246;s. Woran sollte ich sonst w&#252;rgen. Der Finger im Hals, das kennt man ja, wer h&#228;tte das noch nicht probiert? [&#8230;] Dann stopfe ich ihn [den Wurm, A. d. A.] aber schnell wieder hinein, nun ist er es, der mich w&#252;rgt. Er k&#228;mpft. Na gut, m&#246;chte ich ihm sagen, dann kotz ich dich eben aus, dann kannst du sehen, wo du bleibst! Doch ich wei&#223;, dass mir das nicht gelingt, dass dieses Vorhaben auf halbem Weg zum Stillstand kommt. [&#8230;]</p>
<p>Andererseits kann es durchaus lustig sein mit dem Wurm, dann gurgelt der Darm ein bisschen. Liegt wohl an den Gl&#252;ckshormonen. Das wollte ich nat&#252;rlich genauer wissen: Wieso Darmw&#228;nde eigentlich Neurotransmitter aussch&#252;tten?</p>
<list list-type="simple">
<list-item><p>ExterneExpertin:</p>
<p>Die Darmwand besteht aus 200 Millionen Neuronen. Ein einziger Schlauch aus enterischen Nervenzellen. Der Darm ist das zweite Gehirn.</p>
<list list-type="simple">
<list-item><p>Bianca:</p>
<p>Vielleicht sollte man das erste daraus machen? Schaden k&#246;nnte es ja nicht, wenn man sich so umsieht. Ein zufriedener Darm im Serotoninrausch schie&#223;t kein Land in Schutt und Asche f&#252;r das richtige dystopische Game-ambiente.</p>
<list list-type="simple">
<list-item><p>Weisenrat:</p>
<p>Die einzige passende Reaktion verkneift er sich jetzt, der Darm. Sonst werden wir wieder rausgeschmissen. Immer diese anarchischen Assonanzen!</p>
<list list-type="simple">
<list-item><p>ExterneExpertin:</p>
<p>The noise is the signal, oder?</p>
<list list-type="simple">
<list-item><p>NeuUndFrisch:</p>
<p>The noise is the massage. (IiG 142&#8211;144)</p></list-item>
</list></list-item>
</list></list-item>
</list></list-item>
</list></list-item>
</list>
</disp-quote>
<p>Hat Bianca zuvor das Monster in Form der Medusa repr&#228;sentiert, hat sie es nun mit der Wurmeierkur inkorporiert.<xref ref-type="fn" rid="n41">41</xref> Der Wurm ist in seinem Umfang monstr&#246;s, aber auch in der Art, wie er ungeb&#228;ndigt die Grenzen des K&#246;rpers &#252;bertritt oder ihn sogar zu zerrei&#223;en droht. In der Fokalisierung auf Bianca wird zun&#228;chst differenziert: Allein der fremde Wurmk&#246;rper ist monstr&#246;s. Auf nextGirls Blog wird jedoch der Bianca-Wurm-Hybrid zum Monster (vgl. IiG 105). Im Sinne von Foucaults Definition des Monsters als &#034;Mischwesen zweier Bereiche, des menschlichen und des animalischen&#034;, das Kategorien und Klassifikationen &#034;&#252;berschreitet&#034;,<xref ref-type="fn" rid="n42">42</xref> werden neben den sich aufl&#246;senden Kategorien wie Mensch und Tier, ebenso Gendernormen und ein eindeutiges Selbst fraglich.<xref ref-type="fn" rid="n43">43</xref> Im Roman werden konkret sp&#228;tmoderne K&#246;rpernormen aus Fitness- und Medienwelt, die einen geschlossenen, von seiner Umgebung abgegrenzten Frauenk&#246;rper idealisieren,<xref ref-type="fn" rid="n44">44</xref> hinterfragt. Es wird zum einen gezeigt, dass hinter der sonst auf K&#246;rperoberfl&#228;chen bezogenen Modewelt ein von Bulimie und Wurmeikur gepr&#228;gter, grotesker K&#246;rper versteckt ist; ein K&#246;rperkonzept, bei dem sich die Grenze zwischen Selbst und Umwelt aufl&#246;st, da es bei Aufnahmen und Ausscheidungen des K&#246;rpers immer wieder zu einer Bewegung zwischen innen und au&#223;en kommt.<xref ref-type="fn" rid="n45">45</xref> Zum anderen werden mit dem Darm als zweitem Gehirn aber auch &#252;bliche Trennungen zwischen Geist und K&#246;rper bzw. der Sitz der Vernunft im Kopf in Frage gestellt.<xref ref-type="fn" rid="n46">46</xref> Dies wird im Roman jedoch deutlich sarkastisch &#252;berspitzt, indem der Darm als simplere Denkalternative dem Gehirn gegen&#252;bergestellt wird (vgl. IiG 143); auch der Sitz des &#034;ICH&#034; (IiG 105) im Kopf wird angezweifelt (vgl. IiG 105). Durch das Monstr&#246;se werden alte K&#246;rperkonzepte verworfen sowie neue Verortungen des Selbst erkundet.</p>
<p>Im obenstehenden Zitat (IiG 142&#8211;144) wird auch die positive Wirkung auf Biancas Darm thematisiert, sodass der Wurm keineswegs eindeutig feindlich-schmarotzerisch auftritt. Wichtig ist hier, die Medialit&#228;t und Narrativit&#228;t des Monstr&#246;sen zu betrachten: &#034;Monster sind stets nur medial gegeben, oft entspringen sie plurimedialen F&#252;gungen (Kombinatorik) oder intermedialen Transformationen (Metamorphose)&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n47">47</xref> Im Roman werden &#252;ber die Kommentare unterschiedlicher User heterogene Diskurse kombiniert, die vom Monstr&#246;sen des Wurms &#252;ber die biomedizinische Erkl&#228;rung der Darmw&#228;nde hin zu medialen Fragestellungen reichen. &#034;The noise is the massage&#034; (IiG 144) spielt auf Marshall McLuhans ber&#252;hmtes Werk <italic>The medium is the massage</italic> an, das nicht nur seine These des Mediums als Botschaft fortsetzt, sondern in der Form einer Collage aus Text und Bild &#8211; also &#228;hnlich wie Flors Roman &#8211; zeigt, wie Medien unsere Sinne &#39;massieren&#39;, unsere Wahrnehmung beeinflussen. Nach McLuhan seien Medien eine Erweiterung des K&#246;rpers, des Nervensystems.<xref ref-type="fn" rid="n48">48</xref> Der Verweis in Flors Roman parallelisiert die Auswirkungen von Wurm und Medien auf den K&#246;rper und signalisiert, dass die Form des literarischen Textes eine wahrnehmungskonstituierende Funktion innehat.</p>
<p>Die Verbindung des Wurms mit dem &#034;noise&#034; als Signal ruft aber auch die wohl bekannteste philosophische Abhandlung zum Parasiten auf: Michel Serres&#39; <italic>Der Parasit</italic>. Serres entwirft darin ein Bild des Parasiten als &#034;Gast, der die Gastfreundschaft mi&#223;braucht&#034;, aber auch als &#034;St&#246;rung einer Nachricht&#034;, &#034;Rauschen im Kommunikationskanal&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n49">49</xref> &#220;ber die Assoziation mit Signal und Medium werden der Wurm und Biancas Technik des Kommentierens verkn&#252;pft. Biancas Kommentare unterbrechen den Kommunikationskanal von nextGirls Blog immer wieder, erscheinen parasit&#228;r und monstr&#246;s, da sie an der Schwelle von Erz&#228;hltext und st&#246;rendem Kommentar zum Erz&#228;hltext von nextGirl angesiedelt sind. Da der Ort des Monstr&#246;sen h&#228;ufig als ein Zwischenraum oder auch &#034;&#39;Un-Ort&#39;&#034; beschrieben wird,<xref ref-type="fn" rid="n50">50</xref> r&#252;ckt auch die virtuelle Welt in die N&#228;he des Monstr&#246;sen. Die Erz&#228;hlung &#252;ber den K&#246;rper in der digitalen Welt ist von der Widerspr&#252;chlichkeit gepr&#228;gt, dass nur k&#246;rperlose Avatare auftreten, umgekehrt sind die Liveblogs aber auch als Archivierung der materiellen Welt im Cyberspace lesbar. Im Kontext des Liveblogs werden Internet und Museumsarchiv immer wieder &#252;berblendet (vgl. IiG 8&#8211;9, 20, 138), so findet die Show schlie&#223;lich im Museum statt (vgl. IiG 6&#8211;7). Biancas K&#246;rper wird mit anderen &#39;musealen Monstern&#39; in Verbindung gebracht:</p>
<disp-quote>
<p>Dass sie die h&#228;sslichste Frau der Welt ist, behauptet Bianca (stimmt nat&#252;rlich nicht). Gab&#39;s schon einmal, mehrfach, immer wieder. Ein Thema, das nie langweilig wird: das Monstr&#246;se. Jahrmarktsensationen. Eine davon: Julia Pastrana, lag die l&#228;ngste Zeit samt Kind eingek&#252;hlt in Norwegen und durfte nicht einmal mehr fotografiert werden (ich habe angefragt). [&#8230;] Ich finde sie ja nicht einmal h&#228;sslich, auch die Behaarung h&#228;lt sich in Grenzen, gerade ein bisschen Vollbart. Den tr&#228;gt man heute wieder. Da gibt es ganz andere Beispiele, wenn wir schon bei Hypertrichose sind: [&#8230;] Tognina Gonsalvus (Gonzalez?), auch gemeinfrei. Sieht wie eine kleine behaarte Gelehrte aus, eine Katzengelehrte. Das nenne ich mal ein Vorbild: die behaarte Gelehrte. nG (IiG 105&#8211;107)</p>
</disp-quote>
<p>Der Roman spricht zun&#228;chst die Widerspr&#252;chlichkeit der Modewelt an: Obwohl der Imperativ des Neuen regiert, wird in den Trends nur Althergebrachtes aktualisiert. So berichtet auch nextGirl, das n&#228;chste oder &#39;neueste M&#228;dchen&#39;, h&#228;ufig &#252;ber das Naturhistorische Museum. &#196;hnlich der im Roman imitierten Hypertext-Struktur des Internets wird somit weniger Neues generiert, als dass vielmehr neue Verbindungen gekn&#252;pft werden.<xref ref-type="fn" rid="n51">51</xref> So wird der Bianca-Wurm-Hybrid mit den in den Monsterdiskursen der vergangenen Jahrhunderte verankerten Julia Pastrana und Antonietta (Tognina) Gonsalvus verglichen. Zwischen dem Umgang mit den behaarten Frauen in der Geschichte und dem Interesse an Bianca muss allerdings differenziert werden, ist der Monster-Begriff doch stark historisch-kulturell bedingt.<xref ref-type="fn" rid="n52">52</xref> Pastrana und Gonsalvus, beide durch Hypertrichose am ganzen K&#246;rper behaart, galten aufgrund ihrer Behaarung als Schnittstelle zwischen Mensch und Tier. W&#228;hrend Pastrana als Kuriosit&#228;t unter Begriffen wie &#034;bear woman&#034; ausgestellt und nach ihrem Tod noch ausgestopft pr&#228;sentiert wurde,<xref ref-type="fn" rid="n53">53</xref> wurden Gonsalvus&#39; Familienmitglieder, die im Besitz des franz&#246;sischen K&#246;nigs Heinrich II. waren, als &#39;Wilde&#39; bezeichnet und als Tiere unter den H&#246;fen verschenkt.<xref ref-type="fn" rid="n54">54</xref> Im 19. Jahrhundert galt Pastrana als Beweis der Evolutionstheorie und <italic>missing link</italic> zwischen Menschen und Affen.<xref ref-type="fn" rid="n55">55</xref> B&#228;rtige Frauen waren sowohl Objekt der Wissenschaft als auch Ausstellungsst&#252;ck im Zirkus.<xref ref-type="fn" rid="n56">56</xref> Die Zuschauer*innen konnten sich durch das Ausnahme-Spektakel Pastrana ihrer selbst versichern, durch singul&#228;re Normabweichungen wurden Geschlechternormen vor allem best&#228;tigt.<xref ref-type="fn" rid="n57">57</xref> So traten Pastrana und andere b&#228;rtige Frauen auch meist in sehr femininer Kleidung auf, ihre weibliche Seele wurde beteuert.<xref ref-type="fn" rid="n58">58</xref> Obwohl sie mit ihrem Bart die Geschlechtergrenzen auf den ersten Blick verletzten, blieb die Geschlechternorm somit intakt. In der Sp&#228;tmoderne hat sich der Diskurs um das Monster und der Blick auf die b&#228;rtige Frau ver&#228;ndert. B&#228;rtige Frauen wie Harnaam Kaur oder die Kunstfigur Conchita Wurst (Thomas Neuwirth) begeistern Millionen,<xref ref-type="fn" rid="n59">59</xref> treten in Modeschauen auf<xref ref-type="fn" rid="n60">60</xref> und ernten auf Instagram Ruhm.<xref ref-type="fn" rid="n61">61</xref></p>
<p>Vor allem posthumanistische und kunstwissenschaftliche Forschung stellt das Monster als Idealbild heraus: War der &#39;Freak&#39; bereits in der Subkultur der 1970er Jahre eine &#034;Ikone des Andersseins&#034;,<xref ref-type="fn" rid="n62">62</xref> gehen Forscher*innen wie Rosi Braidotti so weit, unsere Gegenwart von einem &#034;teratologischen Imagin&#228;ren&#034; gepr&#228;gt zu sehen.<xref ref-type="fn" rid="n63">63</xref> In der gegenw&#228;rtigen Kunst- und Modewelt wird vor allem der technisierte K&#246;rper unter R&#252;ckgriff auf die Diskurse der Biowissenschaften als Monster stilisiert.<xref ref-type="fn" rid="n64">64</xref> Vom Imperativ des Neuen gepr&#228;gt wird auch zuvor als Abjekt Geltendes angeeignet.<xref ref-type="fn" rid="n65">65</xref> Kunst und Mode &#034;praktizier[en] und verherrlich[en] das H&#228;&#223;liche, allerdings nicht mehr in provokatorischer Absicht wie die Avantgarden zu Anfang des 20. Jahrhunderts&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n66">66</xref> Zunehmend werden h&#228;sslich und sch&#246;n zu &#034;zwei m&#246;glichen Optionen einer neutralen Lebensweise&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n67">67</xref> Der Fokus liegt dabei vor allem auf &#034;glatten, seriell-perfektionierten, puppenhaften K&#246;rpern&#034;,<xref ref-type="fn" rid="n68">68</xref> wobei mit dieser &#196;sthetik zumeist auch die Dekonstruktion oder Irritation von Gender einhergeht. Hier schlie&#223;t die &#196;sthetik des Cyborgs des Posthumanismus an.<xref ref-type="fn" rid="n69">69</xref> Die posthumanistische Aufwertung des Monsters als feministische Befreiungsfigur<xref ref-type="fn" rid="n70">70</xref> geht dabei mit der Losl&#246;sung von Geschlecht und einer Kritik am einheitlichen Selbst und anderen Naturalisierungen einher.<xref ref-type="fn" rid="n71">71</xref></p>
<p>Der Roman nimmt mit dem Einsatz der biowissenschaftlichen Technik der Wurmeierkur in der Modewelt diese Entwicklungen der Sp&#228;tmoderne auf. Die ver&#228;nderte Sichtweise auf das urspr&#252;nglich &#39;Monstr&#246;se&#39; zeigt sich hier im Idealisieren der &#034;behaarte[n] Gelehrte[n]&#034; (IiG 107) mit ihrer Geschlechter&#252;berschreitung; Bianca, der Mensch-Wurm-Hybrid, wird zum Star der Show. Obwohl auch Bianca im Museum ausgestellt ist, wird ihr nicht das Mensch-Sein abgesprochen, sie ist kein atavistischer Ausfall wie Pastrana, sondern die &#034;Summe evolution&#228;rer Anstrengungen&#034; (IiG 22). Biancas K&#246;rper ist zudem nicht glatt und puppenhaft, sondern durch den Wurm grotesk geformt. Der Roman bildet die Monsterdiskurse also nicht unver&#228;ndert ab, vielmehr wird die Umwertung auch kritisch betrachtet. Es wird eine &#196;sthetik des H&#228;sslichen gezeigt, die das posthumane Monster verkaufbar machen will: &#034;Tats&#228;chlich war Josef ganz entz&#252;ckt von meiner j&#252;ngsten Beule, dem Kronjuwel der H&#228;sslichkeit, so sagte er [&#8230;]. Erst, als ich ihm die ganze Sachlage erkl&#228;rte, begriff ich selbst, was ich da f&#252;r Material in den H&#228;nden hatte: die performative Deformation&#034; (IiG 152).</p>
<p>Das Aufgehen in der Logik der Aufmerksamkeits&#246;konomie l&#228;sst bezweifeln, ob die &#220;berh&#246;hung des Monsters wirklich progressives Potential hat. Bianca kann zwar durch ihren monstr&#246;sen K&#246;rper Ruhm erlangen, ob hier von einer feministischen Befreiung in der Modewelt gesprochen werden kann, ist aber in Frage zu stellen. Der &#39;h&#228;ssliche&#39; K&#246;rper wird zum Profitmaximierer, womit er letztlich an seine &#246;konomische Verwertbarkeit gebunden bleibt und die Selbstformung allein in einer Anpassung an lukrative K&#246;rperideale aufgeht. Auch eine Dekonstruktion von Gender erfolgt nur unter diesen Gegebenheiten der Modewelt:</p>
<disp-quote>
<p>H&#228;sslichste Frau, von wegen: wirklich h&#228;sslich sind ja M&#228;nner [&#8230;]. [S]o ein nackter Mann ist so was von unansehnlich, sorry. Was da herumh&#228;ngt und traurig aussieht. [&#8230;]</p>
<p>Josef ist gerade ganz begeistert von dem Kropf, der Bianca gewachsen ist und der gl&#252;cklicherweise einfach runterh&#228;ngt, sodass sie noch atmen kann, immerhin. [&#8230;] Josef klatscht in die H&#228;nde, dass es staubt und sagt: Truthahn, Truth&#228;hnchen, genial, das wird Thanksgiving. (IiG 111)</p>
</disp-quote>
<p>Biancas durch den Wurm hervorgerufene Deformationen nehmen hier die Form des Hautlappens eines m&#228;nnlichen Truthahns an, werden mit der Gestalt des Penis &#252;berblendet. Der Phallus wird hier an die sch&#246;ne Frau ausgelagert, um sich der Monstrosit&#228;t in der Modewelt zu bedienen, die satirische Verbindung mit Thanksgiving macht aber deutlich, dass die Geschlechter&#252;berschreitung in der Modewelt bedeutungslos bleibt. Es findet kein Anschluss an den posthumanistisch-feministischen Diskurs statt. Dies zeigt auch die &#220;berblendung von Bianca als Truthahn mit Meret Oppenheims <italic>Mein Kinderm&#228;dchen</italic> (vgl. IiG 113), womit die Machtverh&#228;ltnisse zwischen den Geschlechtern auf den Punkt gebracht werden: die durch die St&#246;ckelschuhe repr&#228;sentierte Frau wird, &#252;ber m&#228;nnliche Gewalt auf dem Teller gefesselt, als Konsumgut pr&#228;sentiert.</p>
</sec>
<sec>
<title>4. Bianca als Fischfrau</title>
<p>Als letzter vom Roman aufgerufener Mensch-Tier-Hybrid wird Bianca im Naturhistorischen Museum als Fischfrau inszeniert (vgl. IiG 203&#8211;205). Bianca sitzt im &#034;Schuppenanzug&#034; (IiG 204) in einer &#034;wassergef&#252;llte[n] Glaskugel&#034; (IiG 203). Der Einsatz des Motivs der Meerjungfrau zeigt noch einmal deutlich, dass posthumane Monster traditionelle Weiblichkeitsbilder reproduzieren k&#246;nnen: Mit der Fischfrau wird eine lange Literaturgeschichte aufgerufen, die Bianca einerseits in die N&#228;he von Hybridit&#228;t stellt, andererseits Bilder des Wassers als &#034;geheimnisvolle[m] Urgrund allen Lebens&#034; aktiviert und &#034;das Weibliche [&#8230;] als angeblich Naturhaftes in eben diesem Bereich situiert&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n72">72</xref> Besonders in Romantik und Jugendstil wurde die Wasserfrau als &#034;Urwesen&#034; entworfen, das die Sehnsucht nach Natur stillen sollte.<xref ref-type="fn" rid="n73">73</xref> Von Josef wird Biancas Auftritt konkret als R&#252;ckkehr in den Mutterleib inszeniert: &#034;Ein Schlund, hat Josef gesagt, durch den sie schl&#252;pfen wird, die Gl&#252;ckliche, das Gl&#252;ckskind, zur&#252;ck ins Fruchtwasser! Die Erf&#252;llung des einen wahren Menschheitstraums, seien wir ehrlich, geht es denn je um etwas anderes?&#034; (IiG 7) Der mit dem passenden biblischen Namen ausgestattete Designer Josef idealisiert den weiblichen Mutterleib. Es wird aber nicht lediglich ein traditionelles Meerjungfrauenbild entworfen, sondern die Symbolik in der posthumanen Fischfrau weiterentwickelt. Bianca wird &#228;hnlich der im Museum pr&#228;parierten Tintenfische selbst zu einem Wassertier. Der Vollzug dieses Zur&#252;ckschreitens in der Evolutionsgeschichte wird beim Gang ins Museum von nextGirl mitvollzogen, die &#252;ber den Hintereingang die Disziplinen abl&#228;uft: &#034;Anthropologie Geologie Pal&#228;ontologie Zoologie Botanik&#034; (IiG 6). Durch die Verkn&#252;pfung mit der Pal&#228;ontologie gewinnt das Motiv Fischfrau an Mehrdeutigkeit. Auch die Motivik des Wassers l&#228;sst Eindeutigkeit verschwimmen: &#034;Wasser ist ja Inbegriff und Gleichnis des Flie&#223;enden, des Grenz&#252;berschreitenden [&#8230;], des Nicht-Feststellbaren, das &#8211; wie Wasser in wechselnden Gef&#228;&#223;en &#8211; die verschiedenen &#228;u&#223;eren Formen annehmen kann, ohne je eine endg&#252;ltige Gestalt anzunehmen&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n74">74</xref> Biancas Gestalt wird fluid, so l&#228;sst sich auch eine Interpretation der Fischfrau nicht eindeutig festlegen: posthumane Hybridit&#228;t und traditionelle Geschlechterbilder stehen sich gegen&#252;ber.</p>
</sec>
<sec>
<title>5. Bianca und der Wurm</title>
<p>Ab 2006 entwickelten bio- und ecoartists im &#034;multispecies salon&#034;<xref ref-type="fn" rid="n75">75</xref> Formen der k&#252;nstlerischen Interaktion und Ko-Produktion mit Tieren, die sie mit Foucaults Konzept der Biopolitik in Verbindung setzten: &#034;If Foucault understood biopolitics as disciplinary forms of optimization, coercion, and control of biology, then bioart is organized around attempts to detour, derail, or expose these regimes of domination and systems for managing &#39;life.&#39;&#034;<xref ref-type="fn" rid="n76">76</xref> Olga Flors Roman kann im Kontext dieser posthumanistisch-k&#252;nstlerischen Exploration der Ko-Konstitution von Mensch und Nicht-Mensch gesehen werden. F&#252;r die Untersuchung der literarischen Herangehensweise sind jedoch vor allem die <italic>Literary Animal Studies</italic> und Zoopoetik-Forschung zentral. Die an Biancas K&#246;rper entstehenden Deformationen r&#252;cken den Roman zwar eher in die N&#228;he der Science-Fiction als einer realistischen Erz&#228;hlung &#252;ber eine schiefgegangene Wurmeierkur, doch kann der Wurm als ein materiell-semiotischer Knoten im Sinne Haraways gesehen werden.<xref ref-type="fn" rid="n77">77</xref> Er ist weder nur reales Tier noch als rein literarisches Tier lesbar,<xref ref-type="fn" rid="n78">78</xref> er&#246;ffnet der Roman doch einen neuen Blick auf die realen Wurmeierkuren. Im Folgenden soll deshalb der Wurm im Vordergrund stehen. Mit welchen Genderzuschreibungen wird er belegt? Tritt er als eigenst&#228;ndiges Selbst oder nur in Symbiose mit Bianca auf? Haraways Sympoiesis-Konzept kann hier nicht nur f&#252;r die Analyse der Beziehung von Bianca und Wurm dienen, sondern auch f&#252;r die Beziehung zwischen literarischem Text und Tier.<xref ref-type="fn" rid="n79">79</xref></p>
<p>Kann Biancas Beziehung mit dem Wurm einerseits als Symbiose beschrieben werden, da sie den Parasiten f&#252;r ihre Karriere nutzt und somit auch Vorteile aus der Situation zieht, betrachtet sie den Wurm andererseits zunehmend als eigenst&#228;ndiges Selbst. Deutlich wird dies insbesondere daran, dass Bianca &#252;berlegt, ob sie dem Wurm einen Namen geben sollte (vgl. IiG 161). Diese Subjektivierungspraktik verleiht dem Wurm einerseits Individualit&#228;t, andererseits kommt es dadurch auch zu einer Distanznahme durch Bianca; der Wurm wird als ein Gegen&#252;ber konstituiert:</p>
<disp-quote>
<p>Ich sollte dem Wurm einen Namen geben. Ein kleines privates Taufritual. Aber bis jetzt ist mir kein passender Name eingefallen, es bleibt vorerst bei: ihm. Da f&#228;llt mir ein, dass ich auch nicht wei&#223;, ob W&#252;rmer ein biologisches Geschlecht haben. Muss ich den Arzt n&#228;chstens fragen. (IiG 161)</p>
</disp-quote>
<p>Die Unklarheit &#252;ber das Geschlecht der W&#252;rmer, die auch intergeschlechtlich sein k&#246;nnen, bringt die Kategorie im Roman nur bedingt ins Schwanken, der Wurm wird stets als &#034;HerrWurm&#034; (IiG 165, vgl. 194) bezeichnet. Damit werden Bianca und der Wurm in ihrer Verbindung jedoch zu einem androgynen Hybrid. Biancas Wunsch, dem Wurm ein Geschlecht zuzuschreiben, l&#228;uft auf eine Subjektivierung hin, geht der (zumeist medizinischen) Deklaration des Geschlechts doch unmittelbar eine Selbstkonstitution voraus.<xref ref-type="fn" rid="n80">80</xref> Der Wurm tritt auch selbst als Kreateur auf, die Deformationen werden als &#228;sthetische Praktik inszeniert: &#034;Da legt er [der Wurm, A.d.A.] sch&#246;pferische Pausen ein, k&#246;nnte man sagen, auch wenn ich noch nie gesehen habe, dass Leute wie Josef eine Pause einlegen&#034; (IiG 153). Auch Biancas &#39;Verformung&#39; bei ihrer Arbeitsweise als Model und die Ver&#228;nderungen des Wurms werden verbunden (vgl. IiG 153). Das Potential einer Zusammenarbeit als &#034;Team&#034; (IiG 153) und somit eine Sympoiesis, ein Mit-machen r&#252;cken n&#228;her. Intensiv wird nun das Verh&#228;ltnis von Bianca und Wurm beschrieben, die dem Wurm immer mehr Aufmerksamkeit schenkt und mit ihm gar in eine materiell-semiotische Beziehung tritt,<xref ref-type="fn" rid="n81">81</xref> in der sowohl der Wurm Biancas K&#246;rper mit Verformungen beeinflusst als auch Bianca ihn durch Schmerzmittel und Kitzeln (vgl. IiG 165).</p>
<p>Besonders deutlich wird hier, dass Bianca Neugier f&#252;r das Tier zeigt. Sie versucht ein Gef&#252;hl f&#252;r den Wurm und seinen Gem&#252;tszustand zu entwickeln, kommuniziert mit ihm:</p>
<disp-quote>
<p>[W]enn ich einmal zuhause bin, nutze ich die Gelegenheit und setze mich vor den Spiegel [&#8230;], sehe mich an und versuche, ein Gef&#252;hl daf&#252;r zu entwickeln, wo er gerade ist, ob er zufrieden ist mit seiner Lage oder ob er sich ver&#228;ndern will. Wobei er sich in der Bauchh&#246;hle am wohlsten zu f&#252;hlen scheint. Dann kitzle ich ihn, immer im Bauch, das geht ja nicht. Das gibt nichts her, die Welt will was Neues sehen, jeden Tag will die was Neues sehen, und mein transformatorischer K&#246;rper ist hei&#223;. (IiG 165)</p>
</disp-quote>
<p>Die Neugier f&#252;r das Tier ist ein wesentlicher Punkt f&#252;r Haraway, die ihr z.B. bei Derridas ber&#252;hmter Begegnung mit seiner Katze fehlte.<xref ref-type="fn" rid="n82">82</xref> F&#252;r ein <italic>becoming with</italic> nach Haraway ist zentral, danach zu fragen, worum sich das Tier k&#252;mmert, was seine Bewegungen bedeuten und Studien dazu zu lesen, wie das Verhalten von Tieren semiotisch gedeutet werden kann.<xref ref-type="fn" rid="n83">83</xref> Das Verh&#228;ltnis zum Wurm ist im Roman zwar weiterhin vom Fokus auf die &#39;modischen Deformationen&#39; gepr&#228;gt, ein &#034;look back&#034;, ein dem Tier antwortender und begegnender Blick,<xref ref-type="fn" rid="n84">84</xref> wird aber angedeutet. Das hierarchische Verh&#228;ltnis zwischen Mensch und Tier wird zunehmend abgebaut, Du-Evidenz entsteht. Wie Bianca wird der Wurm dazu aufgefordert, zu kommentieren (&#034;wer will das sagen, @HerrWurm?&#034; (IiG 165)), und obwohl er im Roman selbst nicht zu Wort kommt, entwickelt er sich dennoch zu einem Gegenspieler im Text. Das zentrale Erz&#228;hlprinzip des Romans, das Kommentieren, kann auf den Wurm selbst zur&#252;ckgef&#252;hrt werden, untergraben Biancas Kommentare doch wurmgleich die Blogeintr&#228;ge. Der Wurm l&#228;sst sich somit auch in der Form des literarischen Texts finden. Szilvia Gellai merkt an, dass sich Biancas Kommentare &#252;ber die Seiten winden wie der Wurm (vgl. IiG 94&#8211;95),<xref ref-type="fn" rid="n85">85</xref> zudem nimmt der Text aber auch eine deformierte Gestalt an, wie Biancas vom Wurm ausgebeulter K&#246;rper. Nicht nur die K&#246;rperformung sprengt den Rahmen von Kategorien wie Mensch und Tier, auch der Text selbst in seiner Form wird monstr&#246;s (vgl. IiG 44). Es zeigt sich eine zoopoetische Schreibweise, die dem Tier Aufmerksamkeit schenkt, seine Form imitiert und dadurch innovative literarische Formen entwickelt.<xref ref-type="fn" rid="n86">86</xref> Der Wurm ist nicht mehr nur Metapher oder diegetisches Tier, die Schreibweise selbst wird eng an das Tier gebunden.<xref ref-type="fn" rid="n87">87</xref> Auch wenn es sich lediglich um einen fiktiven Wurm handelt, kann dieser im Sinne Haraways als &#034;figure&#034; auftreten, er ist nicht nur Wurm-Repr&#228;sentation, sondern eine materiell-semiotische Schnittstelle von literarischem und biologischem Stoff.<xref ref-type="fn" rid="n88">88</xref></p>
<p>Diese in der Form und in der Selbstformung stattfindende Sympoiesis f&#252;hrt im Roman zu einer Machtkritik, in der die Prozesse der Modewelt hinterfragt werden:</p>
<disp-quote>
<p>Fototermine sage ich ab in der Brutphase, ja, ich nehme mir jetzt die Freiheit, das habe ich gelernt. Bringt ja auch nichts, die Verformung muss sich richtig aufgebaut haben, damit man gut arbeiten kann [&#8230;]. Ich gebe zu, dass es ein sch&#246;nes Gef&#252;hl ist, wenn jetzt alles nach meinem Buckel tanzt, sonst ist es ja umgekehrt. [&#8230;] R&#252;ckzug ist ja manchmal auch ganz nett, f&#252;r nichts und niemanden zu sprechen zu sein, nichts zu m&#252;ssen, nichts zu k&#246;nnen und einfach abzuwarten, bis in meinem K&#246;rper Tatsachen geschaffen sind. Und keine zu hohe Schmerzmitteldosis, das schl&#228;fert den Wurm ein und verz&#246;gert die Sache [&#8230;]. (IiG 166&#8211;167)</p>
</disp-quote>
<p>In der Sympoiesis gewinnt Bianca an Handlungsf&#228;higkeit. Sie und nicht der m&#228;nnliche Designer kann nun entscheiden, wie sie in der Modewelt auftritt, wobei hierf&#252;r eine Anpassung an den Wurm n&#246;tig ist. Seine graduelle Ver&#228;nderung zwingt den Modebetrieb zu einer Entschleunigung. Die Langsamkeit des Verformungsprozesses kontrastiert mit dem Modegesetz der <italic>fast fashion</italic>, das Netzgesetz der Aufmerksamkeits&#252;berbietung wird ebenso unterlaufen. Auch erz&#228;hlt Bianca im Roman im Gegensatz zu nextGirl h&#228;ufig im Pr&#228;teritum,<xref ref-type="fn" rid="n89">89</xref> berichtet &#252;ber Vergangenes unter den &#228;lter werdenden Blogeintr&#228;gen von nextGirl. Doch &#034;[n]icht nur karrieretechnisch&#034; (IiG 181) w&#228;chst Bianca mit ihrem Wurm n&#228;her zusammen, er wird zunehmend zu ihrem &#034;Kopiloten&#034; (IiG 181). Selbst, als er gef&#228;hrlich zu werden droht, und ihr Arzt empfiehlt, den Wurm abgehen zu lassen, lehnt Bianca ab (vgl. IiG 181). Stattdessen verl&#228;sst sie ihren Freund Eddie (vgl. IiG 181, 196) und findet zur Selbstliebe: &#034;[M]ir wird klar, dass der Wurm sich wieder auf den Weg macht. Schade. [&#8230;] Ich gefalle mir. Zum ersten Mal seit Langem gefalle ich mir selbst&#034; (IiG 195&#8211;196). Dennoch bleibt Biancas Selbstformung innerhalb der Parameter der K&#246;rperideale der Modeindustrie. Wirklich subversives Handeln wird im Roman nur angedeutet, ebenso die erfolgreiche Sympoiesis, denn der Wurm verl&#228;sst Biancas K&#246;rper schlie&#223;lich in der finalen Show und schwimmt &#034;so weit es eben ging&#034; (IiG 205) davon. Sieht man das Austreten des Wurms als Artikulation seiner tierischen Handlungsmacht, ist die Sympoiesis in der sp&#228;tmodernen Modewelt zum Scheitern verurteilt. Der Roman zeigt zwar mit seiner innovativen, posthumanen Form eine literarische Ann&#228;herung an den Wurm, zugleich wird aber deutlich, dass Wurmeierkuren nicht zwangsl&#228;ufig zu einem <italic>becoming with</italic> mit Respekt und Verantwortung f&#252;r das Tier f&#252;hren m&#252;ssen.</p>
</sec>
<sec>
<title>6. Digitales und posthumanes Schreiben in <italic>Ich in Gelb</italic></title>
<p>In <italic>Ich in Gelb</italic> spielt die auf der Biologie des Wurms basierende zoopoetische Schreibweise eine gro&#223;e Rolle, doch beruft sich die Poetologie des Romans nicht allein auf das parasit&#228;re Winden des Textes. Vielmehr stellt der Roman auch Verkn&#252;pfungen mit physikalischen Prinzipien wie der Zeitumkehrinvarianz<xref ref-type="fn" rid="n90">90</xref> und Wurml&#246;chern<xref ref-type="fn" rid="n91">91</xref> her, vor allem aber zu digitalen Schreibverfahren. <italic>Ich in Gelb</italic> ist aber nicht lediglich die literarische Abbildung eines digitalen Formats, zumal der Blog und das Buch auch unterschiedliche Teile des Textes beinhalten.<xref ref-type="fn" rid="n92">92</xref> Ebenso wenig ist <italic>Ich in Gelb</italic> ein autobiographischer literarischer Weblog wie der eines Rainald Goetz, da es nicht um eine Autorinszenierung, sondern um fingierte autobiographische Zeugnisse der Figuren geht.<xref ref-type="fn" rid="n93">93</xref> Herk&#246;mmliche <italic>fashion blogs</italic> parodiert der Roman mit den in ihm verarbeiteten Diskursen, so ist die URL von nextGirls Blog schlie&#223;lich auch &#034;dasistkeinBlog&#034;. Abschlie&#223;end soll deshalb ausgelotet werden, inwiefern der Roman eine digitale Poetologie entfaltet und wie diese mit den Motiven des Posthumanen zusammenh&#228;ngt.</p>
<p>Auf den ersten Blick zeigt <italic>Ich in Gelb</italic> deutliche &#196;hnlichkeiten mit der Struktur der Netzliteratur, die intermedial funktioniert, nicht-linear angeordnet bzw. hypertextuell strukturiert ist, wobei die Lesenden interaktiv auf den Text einwirken k&#246;nnen.<xref ref-type="fn" rid="n94">94</xref> Dies ist im Besonderen im digitalen Blog m&#246;glich, k&#246;nnen die Lesenden hier sogar den Text kommentieren, womit potentiell ein &#034;unendlicher, offener Text ohne R&#228;nder&#034;<xref ref-type="fn" rid="n95">95</xref> erzeugt wird. Doch auch das Buch fordert die Lesenden auf, digitale Lesetechniken auf das Print-Medium anzuwenden. So m&#252;ssen der Roman und vor allem Biancas Kommentare keineswegs linear gegenl&#228;ufig zu nextGirls Blog gelesen werden:</p>
<disp-quote>
<p>Wann ich was kommentiere, bestimme ich n&#228;mlich selbst: Die Kommentarzeit k&#246;nnte linear sein, linear absteigend zum Beispiel, gegenl&#228;ufig. Oder sie k&#246;nnte Schlaufen bilden, so wie mein Wurm, Zeitschleifen und Wurmabzweigungen: eingerollte Dimensionsw&#252;rmer. (IiG 158)</p>
</disp-quote>
<p>Wieder wird die Form des Textes mit der Form des Wurms &#252;berblendet, der Roman wird dabei nicht nur non-linear, sondern multilinear.<xref ref-type="fn" rid="n96">96</xref> Durch die Leitung des Textes durch Blogdaten und Kommentaranordnung besteht dennoch eine von der Autorin angelegte Bahn, die die Rezeption anleitet. Der gedruckte Roman kann nicht die gleiche Hypertextualit&#228;t und -medialit&#228;t entfalten wie ein digitaler Text, dieser Verlust in der &#220;bertragung zwischen Medien wird im Roman reflektiert:</p>
<disp-quote>
<p>Gestern hatte ich ein nettes kleines Gespr&#228;ch mit Bianca und Eddie, hier die <italic>verschriftlichte</italic> Version. [&#8230;] die Tonspur des Videos ist irgendwie suboptimal: <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="http://dasistkeinblog.com/tags/underwater">dasistkeinblog.com/tags/underwater</ext-link>. Keine Ahnung warum. Bl&#246;d, denn wer will schon lesen, wenn es einen Livemitschnitt gibt? (IiG 63)</p>
</disp-quote>
<p>Nicht nur wird hier von nextGirl die &#220;bertragung von Video in Schrift bem&#228;ngelt, der Text verweist in diesem Kontext mit der Einbettung des Links auch auf seine eigenen Grenzen. Links k&#246;nnen zwar abgedruckt, aber nicht angeklickt werden.<xref ref-type="fn" rid="n97">97</xref> Hypertextualit&#228;t wird optional. Analoge Hypertextualit&#228;t wird im Text vielmehr durch das assoziative Schreiben Flors entfaltet.<xref ref-type="fn" rid="n98">98</xref> Bei der &#220;berlagerung heterogener Diskurse werden &#252;ber assoziative Verkn&#252;pfungen im Text &#39;analoge Links&#39; erzeugt, die dem Text eine netz&#228;hnliche Struktur verleihen, ohne dass Hyperlinks verfolgt werden m&#252;ssen (vgl. z.B. IiG 111&#8211;113, 162&#8211;163). Der Roman vernetzt fragmentiert, rhizomartig, &#228;hnlich wie es im Internet m&#246;glich ist, unterschiedliche Wissensbausteine und entwickelt dabei eine &#034;enzyklop&#228;dische Schreibweise&#034;,<xref ref-type="fn" rid="n99">99</xref> die durch das Archivmotiv hervorgehoben wird. Entlang der Wurzeln des Rhizoms schl&#228;ngelt sich der Wurm subterran unter nextGirls Blog in den Kommentaren Biancas, wodurch eine die bestehenden Relationen neu konfigurierende Schreibweise entsteht. Als offener Hypertext und Hybrid aus verschiedenen Medien sowie literarischen Gattungen wie Tagebuch, Essay und Erz&#228;hlung wird <italic>Ich in Gelb</italic> selbst zu einem weder nach au&#223;en noch nach innen abgeschlossenen Textorganismus. In dieser Hinsicht entspricht die Form des Romans dem auf der inhaltlichen Ebene Geschilderten, denn wie die Analyse der zentralen Motive des Romans gezeigt hat, werden sowohl fixierte Selbstkonzepte als auch bin&#228;re (Geschlechter-)Kategorien ins Schwanken gebracht. Von der Remythologisierung der Medusa &#252;ber den monstr&#246;sen Bianca-Wurm-Hybrid bis zur Fischfrau werden bekannte Weiblichkeitsfiguren mit posthumanen Diskursen verkn&#252;pft. Das Spiel mit den Hybriden ruft aber immer auch traditionelle Geschlechterbilder auf. Durch die Einbettung der Erz&#228;hlung in den Kontext der kapitalistischen Modewelt wird das emanzipatorische Potential von posthumaner Selbstformung als begrenzt gezeigt. Es wird kritisch betrachtet, ob diese neue Art der Mensch-Tier-Verbindung zwangsl&#228;ufig zu einem <italic>becoming with</italic> f&#252;hrt. Olga Flors <italic>Ich in Gelb</italic> kann so im Kontext der <italic>multispecies ethnography</italic> gesehen werden, die danach fragt, wem der Zusammenschluss von Mensch und Nicht-Mensch wirklich n&#252;tzt.<xref ref-type="fn" rid="n100">100</xref> Flor demonstriert, dass die kapitalistische Aufmerksamkeits&#246;konomie einen solch starken Sog besitzt, dass selbst posthumanistische Bestrebungen angeeignet und korrumpiert werden k&#246;nnen. Somit wird der Roman auch informativ f&#252;r die Forschung zum Posthumanen selbst, wenn gezeigt wird, warum Ideen wie Haraways Sympoiesis noch Utopie bleiben.</p>
</sec>
</body>
<back>
<fn-group>
<fn id="n1"><p>Vgl. Richard Lucius, &#034;Ein Parasit zur Nahrungserg&#228;nzung? Konfektionierte Schweinepeitschenwurmeier sollen entz&#252;ndliche Erkrankungen lindern&#034;, <italic>Deutsche Apotheker Zeitung</italic> 157, Nr. 42 (<xref ref-type="bibr" rid="B35">Oktober 2017</xref>): 46, <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2017/daz-42-2017/ein-parasit-zur-nahrungsergaenzung">https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2017/daz-42-2017/ein-parasit-zur-nahrungsergaenzung</ext-link>.</p></fn>
<fn id="n2"><p>Vgl. Lucius, &#034;Ein Parasit zur Nahrungserg&#228;nzung?&#034;, 46.</p></fn>
<fn id="n3"><p>Vgl. David Andrew Griffiths, &#034;Becoming Wormy, Becoming Worldly. Parasitic Nematodes as Companion Species&#034;, in <italic>Cosmopolitan Animals</italic>, hg. v. Kaori Nagai et al. (<xref ref-type="bibr" rid="B21">Basingstoke/New York: Palgrave Macmillan, 2015</xref>), 138.</p></fn>
<fn id="n4"><p>Vgl. Tim Adams, &#034;Gut instinct. The miracle of the parasitic hookworm&#034;, <italic>The Guardian</italic>, <xref ref-type="bibr" rid="B1">23.05.2010</xref>, <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.theguardian.com/lifeandstyle/2010/may/23/parasitic-hookworm-jasper-lawrence-tim-adams">https://www.theguardian.com/lifeandstyle/2010/may/23/parasitic-hookworm-jasper-lawrence-tim-adams</ext-link>. Siehe auch D. P. Strachan, &#034;Hay Fever, Hygiene, and Household Size&#034;, <italic>BMJ</italic> 299, (<xref ref-type="bibr" rid="B51">1989</xref>): 1259&#8211;1260, <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://doi.org/10.1136/bmj.299.6710.1259">https://doi.org/10.1136/bmj.299.6710.1259</ext-link>. Strachans These bezog sich zun&#228;chst nur auf Heuschnupfen, wurde von G. A. W. Rook aber dann ausgeweitet auf weitere Autoimmunkrankheiten. Vgl. G. A. W. Rook &#034;Review series on helminths, immune modulation and the hygiene hypothesis. The broader implications of the hygiene hypothesis&#034;, <italic>Immunology</italic> 126, (<xref ref-type="bibr" rid="B41">2008</xref>): 3&#8211;11, <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://doi.org/10.1111/j.1365-2567.2008.03007.x">https://doi.org/10.1111/j.1365-2567.2008.03007.x</ext-link>.</p></fn>
<fn id="n5"><p>Vgl. Rook, &#034;Review series on helminths, immune modulation and the hygiene hypothesis&#034;, 3.</p></fn>
<fn id="n6"><p>Vgl. Jamie Lorimer, &#034;Gut Buddies. Multispecies Studies and the Microbiome&#034;, <italic>Environmental Humanities</italic> 8, Nr. 1 (<xref ref-type="bibr" rid="B34">May 2016</xref>): 65.</p></fn>
<fn id="n7"><p>Vgl. Scott F. Gilbert, Jan Sapp u. Alfred I. Tauber, &#034;A Symbiotic View of Life. We Have Never Been Individuals&#034;, <italic>The Quarterly Review of Biology</italic> 87, Nr. 4 (<xref ref-type="bibr" rid="B19">December 2012</xref>): 326&#8211;333; Lorimer, &#034;Gut Buddies&#034;, 57&#8211;58.</p></fn>
<fn id="n8"><p>Vgl. G. A. W. Rook u. L. R. Brunet, &#034;Old Friends for Breakfast.&#034;, <italic>Clinical and Experimental Allergy</italic> 35, Nr. 7 (<xref ref-type="bibr" rid="B42">2005</xref>): 841&#8211;42, <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://doi.org/10.1111/j.1365-2222.2005.02112.x">https://doi.org/10.1111/j.1365-2222.2005.02112.x</ext-link>.</p></fn>
<fn id="n9"><p>Vgl. Griffiths, &#034;Becoming Wormy, Becoming Worldly&#034;, 140.</p></fn>
<fn id="n10"><p>F&#252;r einen &#220;berblick zu den unterschiedlichen Studien siehe Griffiths, &#034;Becoming Wormy, Becoming Worldly&#034;, 143&#8211;44.</p></fn>
<fn id="n11"><p>Vgl. Rook u. Brunet, <italic>Old Friends for Breakfast</italic>, 841.</p></fn>
<fn id="n12"><p>Vgl. Roland Borgards, &#034;Tiere und Literatur&#034;, in <italic>Tiere. Kulturwissenschaftliches Handbuch</italic>, hg. v. Roland Borgards, (<xref ref-type="bibr" rid="B3">Stuttgart: Metzler, 2016</xref>), 236.</p></fn>
<fn id="n13"><p>Vgl. Olga Flor: <italic>Ich in Gelb</italic>. <italic>Roman</italic>. Salzburg/Wien: Jung und Jung, <xref ref-type="bibr" rid="B12">2015</xref>. Im Folgenden wird der Roman mit dem K&#252;rzel &#034;IiG&#034; und der Seitenzahl im Text zitiert.</p></fn>
<fn id="n14"><p>Der hier verwendete Selbstformungsbegriff beruht auf meinem Dissertationsprojekt (Arbeitstitel: K&#246;rperformung als Selbstformung in literarischen Texten der Gegenwart), das im Rahmen des Graduiertenkollegs &#034;Ethnographien des Selbst in der Gegenwart&#034; an der Johannes Gutenberg-Universit&#228;t Mainz durchgef&#252;hrt wird. Im Anschluss an Michel Foucault, Judith Butler und Andreas Reckwitz soll hier ein Verst&#228;ndnis des Selbst entwickelt werden, das fluid, widerspr&#252;chlich und unabgeschlossen ist und sich performativ &#252;ber Praktiken formiert, sich also kontinuierlich &#252;ber Selbstformung erzeugt. Die K&#246;rperlichkeit und Medialit&#228;t von Selbstformung stehen im Projekt im Vordergrund.</p></fn>
<fn id="n15"><p>Im Roman ist neben Biancas und nextGirls Erz&#228;hlung zudem ein vom sonstigen Text abgehobener, da eingerahmter, Erz&#228;hlstrang mit einem heterodiegetischen Erz&#228;hler und interner Fokalisierung auf Michael, nextGirls Vater, vorhanden.</p></fn>
<fn id="n16"><p>Vgl. Graduiertenkolleg Literarische Form, &#034;Einleitung&#034;, in <italic>Formen des Wissens. Epistemische Funktionen literarischer Verfahren</italic>, hg. v. Graduiertenkolleg Literarische Form (<xref ref-type="bibr" rid="B20">Heidelberg: Winter, 2017</xref>), 20.</p></fn>
<fn id="n17"><p>Der Begriff &#034;Zoopoetik&#034; wurde zuerst von Jacques Derrida verwendet (vgl. Jacques Derrida, <italic>Das Tier, das ich also bin</italic>, hg. v. Peter Engelmann, &#252;bers. v. Markus Sedlaczek (<xref ref-type="bibr" rid="B9">Wien: Passagen, 2010</xref>), 23), dann aber als literaturwissenschaftliches Konzept ausgearbeitet. F&#252;r einen &#220;berblick zur Geschichte und Verwendung des Begriffes siehe Frederike Middelhoff u. Sebastian Sch&#246;nbeck, &#034;Coming to Terms. The Poetics of More-than-human Worlds&#034;, in <italic>Texts, Animals, Environments. Zoopoetics and Ecopoetics</italic>, hg. v. Frederike Middelhoff et al. (<xref ref-type="bibr" rid="B38">Freiburg i.Br./Berlin/Wien: Rombach, 2019</xref>), 17&#8211;20.</p></fn>
<fn id="n18"><p>Donna Haraway, <italic>When species meet</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B24">Minneapolis: University of Minnesota Press, 2008</xref>), 4.</p></fn>
<fn id="n19"><p>Donna Haraway, <italic>Unruhig bleiben. Die Verwandtschaft der Arten im Chthuluz&#228;n</italic>, &#252;bers. v. Karin Harrasser (<xref ref-type="bibr" rid="B25">Frankfurt am Main/New York: Campus, 2018</xref>), 85.</p></fn>
<fn id="n20"><p>Haraway, <italic>Unruhig bleiben</italic>, 88.</p></fn>
<fn id="n21"><p>Haraway, <italic>Unruhig bleiben</italic>, 85.</p></fn>
<fn id="n22"><p>Donna Haraway, &#034;Die Biopolitik postmoderner K&#246;rper. Konstitutionen des Selbst im Diskurs des Immunsystems&#034;, &#252;bers. v. Immanuel Stie&#223;, in <italic>Die Neuerfindung der Natur. Primaten, Cyborgs und Frauen</italic>, hg. v. Carmen Hammer u. Immanuel Stie&#223; (<xref ref-type="bibr" rid="B23">Frankfurt/New York: Campus, 1995</xref>), 170.</p></fn>
<fn id="n23"><p>Vgl. Achim Geisenhansl&#252;ke, <italic>Die Sprache der Liebe. Figurationen der &#220;bertragung von Platon zu Lacan</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B17">Paderborn: Wilhelm Fink, 2016</xref>), 104, 108.</p></fn>
<fn id="n24"><p>Vgl. Klaus Heinrich, <italic>Flo&#223; der Medusa. 3 Studien zur Faszinationsgeschichte mit mehreren Beilagen und einem Anhang</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B26">Basel/Frankfurt am Main: Stroemfeld, 1995</xref>), 18.</p></fn>
<fn id="n25"><p>Vgl. Sigmund Freud, &#034;Das Medusenhaupt&#034;, in: <italic>Gesammelte Werke</italic>, Bd. XVII, hg. v. Anna Freud et al. (<xref ref-type="bibr" rid="B15">London: Imago, 1941 [1922]</xref>), 47&#8211;48.</p></fn>
<fn id="n26"><p>Im Roman wird diskutiert, wie anl&#228;sslich von Feiertagen wie St. Patrick&#39;s Day die Haare um das weibliche Geschlechtsorgan nach sp&#228;tmodernen Sch&#246;nheitsidealen entfernt, ebenso wie Medusas Schlangenhaar also abgeschnitten werden. Die schamhaarlose Frau der Sp&#228;tmoderne verliert somit auch etwas von ihrer Medusenhaftigkeit.</p></fn>
<fn id="n27"><p>Vgl. H&#233;l&#232;ne Cixous, &#034;The Laugh of the Medusa&#034;, &#252;bers. v. Keith Cohen u. Paula Cohen, <italic>Signs</italic> 1, Nr. 4 (<xref ref-type="bibr" rid="B8">1976</xref>): 875&#8211;93.</p></fn>
<fn id="n28"><p>Vgl. Inge Stephan, <italic>Musen &amp; Medusen. Mythos und Geschlecht in der Literatur des 20. Jahrhunderts</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B49">K&#246;ln/Weimar/Wien: B&#246;hlau, 1997</xref>), 60.</p></fn>
<fn id="n29"><p>Da aus dem Haupt der Medusa das Dichterpferd Pegasus entspringt, welches sp&#228;ter eine Musenquelle &#246;ffnet, steht auch die Medusa in der N&#228;he der &#034;Musen vermittelten Kunst&#034; (Geisenhansl&#252;ke, <italic>Die Sprache der Liebe</italic>, 104).</p></fn>
<fn id="n30"><p>Nesseltiere h&#228;ngen besonders eng mit dem Klimawandel zusammen, da ihr Ausbleichen und Aussterben (Anemonen) bzw. ihre &#252;berm&#228;&#223;ige Vermehrung (Quallen) die klimabedingte Ver&#228;nderung der Meere signalisiert.</p></fn>
<fn id="n31"><p>Korallen, Mollusken und Anemonen sind wiederum mit dem Mythos der Medusa verkn&#252;pft, entstanden aus ihrem blutenden Kopf doch die Korallenmeere (vgl. Haraway, <italic>Unruhig bleiben</italic>, 79).</p></fn>
<fn id="n32"><p>Siehe dazu <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://dasistkeinblog.com/2015/03/27/278/">https://dasistkeinblog.com/2015/03/27/278/</ext-link>.</p></fn>
<fn id="n33"><p>Vgl. Haraway, <italic>Unruhig bleiben</italic>, 49&#8211;50.</p></fn>
<fn id="n34"><p>Vgl. Haraway, <italic>Unruhig bleiben</italic>, 82.</p></fn>
<fn id="n35"><p>Vgl. Haraway, <italic>Unruhig bleiben</italic>, 76.</p></fn>
<fn id="n36"><p>Szilvia Gellai, <italic>Netzwerkpoetiken in der Gegenwartsliteratur</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B18">Stuttgart: Metzler, 2018</xref>), 198.</p></fn>
<fn id="n37"><p>Vgl. Michel Foucault, &#034;Technologien des Selbst&#034;, in <italic>Technologien des Selbst</italic>, hg. v. Luther H. Martin, Huck Gutman u. Patrick H. Hutton, &#252;bers. v. Michael Bischoff (<xref ref-type="bibr" rid="B13">Frankfurt am Main: Fischer, 1993</xref>), 24&#8211;62.</p></fn>
<fn id="n38"><p>Stefan Herbrechter, <italic>Posthumanismus. Eine kritische Einf&#252;hrung</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B28">Darmstadt: Wiss. Buchges., 2009</xref>), 80.</p></fn>
<fn id="n39"><p>Vgl. Herbrechter, <italic>Posthumanismus</italic>, 80.</p></fn>
<fn id="n40"><p>Vgl. Herbrechter, <italic>Posthumanismus</italic>, 80.</p></fn>
<fn id="n41"><p>Vgl. Gellai, <italic>Netzwerkpoetiken</italic>, 190.</p></fn>
<fn id="n42"><p>Michel Foucault, <italic>Die Anormalen. Vorlesungen am Coll&#232;ge de France (1974&#8211;1975)</italic>, &#252;bers. v. Michael Ott (<xref ref-type="bibr" rid="B14">Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2007</xref>), 86.</p></fn>
<fn id="n43"><p>Vgl. Sabine Kyora, &#034;How To Make A Monster. Zur Konstruktion des Monstr&#246;sen. Einf&#252;hrende &#220;berlegungen&#034;, in <italic>How to make a monster. Konstruktionen des Monstr&#246;sen</italic>, hg. v. Sabine Kyora u. Uwe Schwagmeier (<xref ref-type="bibr" rid="B33">W&#252;rzburg: K&#246;nigshausen &amp; Neumann, 2011</xref>), 12&#8211;14.</p></fn>
<fn id="n44"><p>Vgl. Winfried Menninghaus, <italic>Ekel. Theorie und Geschichte einer starken Empfindung</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B37">Frankfurt am Main: Suhrkamp 1999</xref>), 144&#8211;45.</p></fn>
<fn id="n45"><p>Vgl. Michail Bachtin, <italic>Rabelais und seine Welt. Volkskultur als Gegenkultur, &#252;bers. v. Gabriele Leupold, hg. v. Renate Lachmann</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B2">Frankfurt am Main: Suhrkamp 1995</xref>), 76.</p></fn>
<fn id="n46"><p>Vgl. Gellai, <italic>Netzwerkpoetiken</italic>, 189.</p></fn>
<fn id="n47"><p>Roland Borgards, Christiane Holm u. G&#252;nter Oesterle, &#034;Vorwort&#034;, in: <italic>Monster. Zur &#228;sthetischen Verfassung eines Grenzbewohners</italic>, hg. v. Roland Borgards, Christiane Holm u. G&#252;nter Oesterle (<xref ref-type="bibr" rid="B4">W&#252;rzburg: K&#246;nigshausen &amp; Neumann, 2009</xref>), 10.</p></fn>
<fn id="n48"><p>Vgl. Marshall McLuhan u. Quentin Fiore, <italic>The Medium is the Massage</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B36">New York: Random House, 1967</xref>), 26, 40.</p></fn>
<fn id="n49"><p>Michel Serres, <italic>Der Parasit</italic>, &#252;bers. v. Michael Bischoff (<xref ref-type="bibr" rid="B46">Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1984</xref>), 20.</p></fn>
<fn id="n50"><p>Vgl. Kyora, &#034;How To Make a Monster&#034;, 11&#8211;12.</p></fn>
<fn id="n51"><p>Vgl. Andreas B. Kilcher, <italic>mathesis und poiesis. Die Enzyklop&#228;dik der Literatur 1600 und 2000</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B30">M&#252;nchen: Fink, 2003</xref>), 348.</p></fn>
<fn id="n52"><p>Vgl. Birgit Stammberger, &#034;Das Monster und der Freak. Julia Pastrana und Michael Jackson. Zwei Geschichten &#252;ber Monstrosit&#228;ten im 19. und 20. Jahrhundert&#034;, in <italic>Von Monstern und Menschen. Begegnungen der anderen Art in kulturwissenschaftlicher Perspektive</italic>, hg. v. Gunter Gebhard, Oliver Geisler u. Steffen Schr&#246;ter (<xref ref-type="bibr" rid="B48">Bielefeld: transcript, 2009</xref>), 207.</p></fn>
<fn id="n53"><p>Vgl. Rosemarie Garland-Thomson, &#034;Making Freaks. Visual Rhetorics and the Spectacle of Julia Pastrana&#034;, in <italic>Thinking the Limits of the Body</italic>, hg. v. Jeffrey Jerome Cohen u. Gail Weiss (<xref ref-type="bibr" rid="B16">Albany: State University of New York Press, 2003</xref>), 129.</p></fn>
<fn id="n54"><p>Vgl. Roberto Zapperi, <italic>Der wilde Mann von Teneriffa. Die wundersame Geschichte des Pedro Gonzales und seiner Kinder</italic>, &#252;bers. v. Ingeborg Walter (<xref ref-type="bibr" rid="B53">M&#252;nchen: Beck 2004</xref>), 104&#8211;11.</p></fn>
<fn id="n55"><p>Vgl. Garland-Thomson, &#034;Making Freaks&#034;, 134. Im Umgang mit der behaarten Frau spielt allerdings auch die Kategorie <italic>race</italic> eine entscheidende Rolle, so waren sowohl Pastrana (Mexiko) als auch Gonsalvus (Teneriffa) indigener Abstammung.</p></fn>
<fn id="n56"><p>Vgl. Garland-Thomson, &#034;Making Freaks&#034;, 134, 140.</p></fn>
<fn id="n57"><p>Vgl. Garland-Thomson, &#034;Making Freaks&#034;, 131, 139.</p></fn>
<fn id="n58"><p>Vgl. Susanne Regener, &#034;Fotografien zwischen Jahrmarkt und Psychiatrie&#034;, in <italic>Mediale Anatomien. Menschenbilder als Medienprojektionen</italic>, hg. v. Anette Keck u. Nicolas Pethes (<xref ref-type="bibr" rid="B40">Bielefeld: transcript, 2001</xref>), 87&#8211;89.</p></fn>
<fn id="n59"><p>2014 gewann die b&#228;rtige Diva Conchita Wurst den Eurovision Song Contest.</p></fn>
<fn id="n60"><p>Vgl. Heather Saul, &#034;Harnaam Kaur: Bearded model opens Marianna Harutunian Royal Fashion Day show&#034;, Independent, <xref ref-type="bibr" rid="B43">02.03.2016</xref>, <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.independent.co.uk/news/people/harnaam-kaur-bearded-model-opens-marianna-harutunian-royal-fashion-day-show-a6907786.html">https://www.independent.co.uk/news/people/harnaam-kaur-bearded-model-opens-marianna-harutunian-royal-fashion-day-show-a6907786.html</ext-link>.</p></fn>
<fn id="n61"><p>Der Instagram-Account von Harnaam Kaur z&#228;hlt bspw. 163.000 Abonnent*innen (Stand: 25.10.2021), siehe: <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.instagram.com/harnaamkaur/?hl=de">https://www.instagram.com/harnaamkaur/?hl=de</ext-link>.</p></fn>
<fn id="n62"><p>Urte Helduser, &#034;Monster und Freaks. Kulturelle Konstruktionen von k&#246;rperlicher (A-)Normalit&#228;t. Einf&#252;hrung in das Themenheft&#034;, <italic>Der Deutschunterricht</italic>, Nr. 5 (<xref ref-type="bibr" rid="B27">2010</xref>): 8.</p></fn>
<fn id="n63"><p>Vgl. Rosi Braidotti, &#034;Teratologies&#034;, in <italic>Deleuze and Feminist Theory</italic>, hg. v. Ian Buchanan u. Claire Colebrook (<xref ref-type="bibr" rid="B5">Edinburgh: Edinburgh University Press, 2000</xref>), 156.</p></fn>
<fn id="n64"><p>Vgl. Hans Richard Brittnacher, &#034;Biomonster oder: Das Ungl&#252;ck zu leben&#034;, in <italic>Monster. Zur &#228;sthetischen Verfassung eines Grenzbewohners</italic>, hg. v. Roland Borgards, Christiane Holm u. G&#252;nther Oesterle (<xref ref-type="bibr" rid="B6">W&#252;rzburg: K&#246;nigshausen &amp; Neumann, 2009</xref>), 162&#8211;66.</p></fn>
<fn id="n65"><p>Vgl. auch Yvonne Volkart, <italic>Fluide Subjekte. Anpassung und Widerspenstigkeit in der Medienkunst</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B52">Bielefeld: transcript, 2006</xref>), 74.</p></fn>
<fn id="n66"><p>Umberto Eco, <italic>Die Geschichte der H&#228;sslichkeit</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B11">M&#252;nchen: Hanser, 2007</xref>), 423.</p></fn>
<fn id="n67"><p>Eco, <italic>Die Geschichte der H&#228;sslichkeit</italic>, 426.</p></fn>
<fn id="n68"><p>Volkart, <italic>Fluide Subjekte</italic>, 73.</p></fn>
<fn id="n69"><p>Vgl. Donna Haraway, &#034;A Manifesto for Cyborgs. Science, Technology, and Social Feminism in the 1980s&#034;, <italic>Socialist Review</italic> 80, (<xref ref-type="bibr" rid="B22">1985</xref>): 65&#8211;107.</p></fn>
<fn id="n70"><p>Vgl. Braidotti, &#034;Teratologies&#034;, 172.</p></fn>
<fn id="n71"><p>Vgl. Haraway, &#034;A Manifesto for Cyborgs&#034;, 99&#8211;100.</p></fn>
<fn id="n72"><p>Inge Stephan, &#034;Undine an der Newa und am Suzhou River. Wasserfrauen-Phantasien im interkulturellen und intermedialen Vergleich&#034;, <italic>ZfGerm</italic> 12, Nr. 3 (<xref ref-type="bibr" rid="B50">2002</xref>): 548.</p></fn>
<fn id="n73"><p>Vgl. Henriette Herwig, &#034;Sirenen und Wasserfrauen. Kulturhistorische, geschlechterdiskursive und mediale Dimensionen eines literarischen Motivs&#034;, <italic>Heine-Jahrbuch</italic> 47, (<xref ref-type="bibr" rid="B29">2008</xref>): 132.</p></fn>
<fn id="n74"><p>Monika Schmitz-Emans, &#034;Wasserfrauen und Elementargeister als poetologische Chiffren&#034;, in <italic>Liebe und Gesellschaft. Das Geschlecht der Musen</italic>, hg. v. Hans-Georg Pott (<xref ref-type="bibr" rid="B44">M&#252;nchen: Fink, 1997</xref>), 206.</p></fn>
<fn id="n75"><p><xref ref-type="bibr" rid="B32">Eben Kirksey u. Stefan Helmreich</xref>, &#034;The Emergence of Multispecies Ethnography&#034;, <italic>Cultural Anthropology</italic> 25, Nr. 4 (2019): 556&#8211;565; vgl. Eben Kirksey, Hg., <italic>The Multispecies Salon</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B31">Durham and London: Duke University Press, 2014</xref>).</p></fn>
<fn id="n76"><p><xref ref-type="bibr" rid="B32">Kirksey u. Helmreich</xref>, &#034;The Emergence of Multispecies Ethnography&#034;, 557.</p></fn>
<fn id="n77"><p>Vgl. Haraway, <italic>When species meet</italic>, 4.</p></fn>
<fn id="n78"><p>Vgl. K&#225;ri Driscoll u. Eva Hoffmann, &#034;Introduction. What is Zoopoetics?&#034;, in <italic>What is Zoopoetics. Texts, Bodies, Entanglement</italic>, hg. v. K&#225;ri Driscoll u. Eva Hoffmann (<xref ref-type="bibr" rid="B10">Cham: Palgrave Macmillan, 2018</xref>), 4.</p></fn>
<fn id="n79"><p>Vgl. Middelhoff u. Sch&#246;nbeck, &#034;Coming to Terms&#034;, 25.</p></fn>
<fn id="n80"><p>Vgl. Judith Butler, <italic>K&#246;rper von Gewicht. Die diskursiven Grenzen des Geschlechts</italic>, &#252;bers. v. Karin W&#246;rdemann (<xref ref-type="bibr" rid="B7">Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1997</xref>), 23, 29.</p></fn>
<fn id="n81"><p>Vgl. Haraway, <italic>When species meet</italic>, 4.</p></fn>
<fn id="n82"><p>Vgl. Haraway, <italic>When species meet</italic>, 20.</p></fn>
<fn id="n83"><p>Vgl. Haraway, <italic>When species meet</italic>, 22.</p></fn>
<fn id="n84"><p>Haraway, <italic>When species meet</italic>, 23.</p></fn>
<fn id="n85"><p>Vgl. Gellai, <italic>Netzwerkpoetiken</italic>, 363.</p></fn>
<fn id="n86"><p>Vgl. Aaron M. Moe, <italic>Zoopoetics. Animals and the Making of Poetry</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B39">Lanham/Boulder/New York [u. a.]: Lexington Books, 2014</xref>), 16, 27.</p></fn>
<fn id="n87"><p>Vgl. Moe, <italic>Zoopoetics</italic>, 31.</p></fn>
<fn id="n88"><p>Haraway, <italic>When species meet</italic>, 4.</p></fn>
<fn id="n89"><p>Vgl. Gellai, <italic>Netzwerkpoetiken</italic>, 196&#8211;97.</p></fn>
<fn id="n90"><p>&#034;Zeitumkehrinvarianz&#034; ist sowohl ein Hinweis auf die zeitlich gegenl&#228;ufigen Erz&#228;hlstr&#228;nge, wodurch die Handlung auch &#034;zeitumkehrinvariant&#034;, also r&#252;ckw&#228;rts &#034;ablaufen&#034; bzw. gelesen werden kann, als auch das Passwort des Blogs, das Zutritt zu bestimmten Eintr&#228;gen er&#246;ffnet. Dieses Passwort ist allerdings nur in der physischen Version des Romans zu finden (vgl. IiG 213).</p></fn>
<fn id="n91"><p>F&#252;r eine Untersuchung der Poetologie des Romans als &#034;Wurmlochpoetik&#034; siehe Gellai, <italic>Netzwerkpoetiken</italic>, 191&#8211;98.</p></fn>
<fn id="n92"><p>Das gedruckte Buch enth&#228;lt deutlich mehr Text, sowie das Passwort f&#252;r den ersten Blogpost von <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="http://dasistkeinblog.com">dasistkeinblog.com</ext-link> vom 11.11.2011, der wiederum nicht so im Buch abgedruckt ist.</p></fn>
<fn id="n93"><p>Die am Ende aufgeworfene Frage, ob nextGirl eine fiktive Identit&#228;t, ein Avatar Biancas ist (vgl. IiG 208), wirft zudem weiteren Fragen um Autorschaft im Digitalen auf.</p></fn>
<fn id="n94"><p>Vgl. Roberto Simanowski, <italic>Interfictions. Vom Schreiben im Netz</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B47">Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2002</xref>), 18&#8211;19.</p></fn>
<fn id="n95"><p>Sibylle Sch&#246;nborn, &#034;Tagebuch/Brief/Weblog. Schreibszenen des Dialogischen 1800&#8211;1900&#8211;2000&#034;, in <italic>Literatur in der Medienkonkurrenz. Medientranspositionen 1800&#8211;1900&#8211;2000</italic>, hg. v. Volker C. D&#246;rr u. Rolf J. Goebel (<xref ref-type="bibr" rid="B45">Bielefeld: Aisthesis, 2018</xref>), 137.</p></fn>
<fn id="n96"><p>Vgl. Gellai, <italic>Netzwerkpoetiken</italic>, 68.</p></fn>
<fn id="n97"><p>Der hier angegebene Link f&#252;hrt zudem nicht wie im Roman ausgewiesen zu einem Interview, sondern zu einem im Blog verlinkten Musik-Video. Somit wird die vom Link erzeugte Erwartung bei der Eingabe im digitalen Medium nicht erf&#252;llt, es kommt zu einer zus&#228;tzlichen Irritation.</p></fn>
<fn id="n98"><p>Zur Verwandtschaft von Assoziationen und Links siehe Gellai, <italic>Netzwerkpoetiken</italic>, 72.</p></fn>
<fn id="n99"><p>Kilcher, <italic>mathesis und poiesis. Die Enzyklop&#228;dik der Literatur 1600 und 2000</italic>, 326.</p></fn>
<fn id="n100"><p>Vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B32">Kirksey u. Helmreich</xref>, &#034;The Emergence of Multispecies Ethnography&#034;, 546.</p></fn>
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