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<journal-title>Le foucaldien</journal-title>
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<article-title>Vom Wahn- und Wahrsprechen des technologisch Unbewussten</article-title>
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<aff id="aff-1"><label>1</label>Leuphana University, DE</aff>
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<license-p>This is an open-access article distributed under the terms of the Creative Commons Attribution 4.0 International License (CC-BY 4.0), which permits unrestricted use, distribution, and reproduction in any medium, provided the original author and source are credited. See <uri xlink:href="http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/">http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/</uri>.</license-p>
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<p>In <italic>Modes of Existence</italic>, Bruno Latour criticizes psychology for having drawn an untenable line between the inside and the outside, between the soul and the world. However, psychoanalysis is not concerned with describing the psyche as a purely internal phenomenon, but rather with adopting a fundamentally relational point of view that makes not only relations between people, but also their relationship to the technical world describable and therefore discussable. By taking into account Freud&#39;s idea of a psychic apparatus, this article depicts, from a theoretical perspective, the &#034;technological unconscious&#034; as a source of truth-telling in order to unveil current developments in digital cultures. It is precisely here that psychoanalysis, or a psychoanalytically inspired media theory, has a lot to offer: beyond Latour&#39;s &#034;ontological pluralism,&#034; it takes up the question posed by Michel Foucault about the indissoluble linkage of the human subject to language and thus positions itself as a &#034;counter science&#034; to any anthropology.</p>
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<kwd>psychoanalysis</kwd>
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<kwd>submedial space</kwd>
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<title>1. Psychoanalyse zwischen Innen und Au&#223;en</title>
<p>Bruno Latour hat in seinem Buch <italic>Existenzweisen</italic>, das 2012 auf Franz&#246;sisch und zwei Jahre sp&#228;ter auf Deutsch erschien, die Psychologie daf&#252;r kritisiert, eine zunehmend unhaltbare Grenzziehung zwischen Innen und Au&#223;en, Seele und Welt vorgenommen zu haben. F&#252;r die &#034;Modernen&#034; spiele sie dieselbe, wenn auch umgekehrte Rolle wie die Epistemologie: &#034;W&#228;hrend jene die Au&#223;enwelt &#252;bertrieb, betont diese die Innenwelt &#252;berm&#228;&#223;ig.&#034;<xref ref-type="fn" rid="n1">1</xref> Das Sprechen von &#034;Innerlichkeiten&#034; und &#034;Psychen&#034; verstelle letztlich den Blick auf den eigentlichen Gegenstand der Untersuchung, n&#228;mlich psychogene Netzwerke, die &#034;ausgehend vom Au&#223;en&#034; das Psychische als Innenwelten &#252;berhaupt erst erzeugen<xref ref-type="fn" rid="n2">2</xref> &#8211; und eben nicht die Au&#223;enwelt als Projektion einer imaginierten Innenwelt. Die Psyche der &#034;Modernen&#034; entspricht einer &#034;unterirdischen Stadt&#034; mit einer &#034;unsichtbaren Infrastruktur&#034;, welche die Subjekte best&#228;ndig aush&#246;hlt.<xref ref-type="fn" rid="n3">3</xref> Latours psychogene Netzwerke &#228;hneln damit zu einem guten Teil dem von Gilles Deleuze und F&#233;lix Guattari beschriebenen &#034;Rhizom&#034;,<xref ref-type="fn" rid="n4">4</xref> das hei&#223;t jenen materiellen und semiotischen Verflechtungen, die das moderne Subjekt wenn nicht zum Verschwinden, so doch zum Einsturz bringen sollen. Diese N&#228;he zu Deleuze und Guattari ist nicht weiter &#252;berraschend, hat Latour doch selbst in einem fr&#252;hen Interview einger&#228;umt, dass sein Netzwerkbegriff von den beiden Philosophen beeinflusst wurde.<xref ref-type="fn" rid="n5">5</xref> Insofern kann das Latour&#39;sche Werk als eine Fortsetzung des Versuchs einer neuen Kartographie oder Tradierung der modernen Wissenschaften gesehen werden, jedoch ohne das revolution&#228;r-subversive Bestreben von Deleuze und Guattari weiterzuverfolgen.<xref ref-type="fn" rid="n6">6</xref> In diesem Sinne ist auch das j&#252;ngste Unterfangen Latours zu verstehen, n&#228;mlich einen &#034;ontologischen Pluralismus&#034; zu formulieren.<xref ref-type="fn" rid="n7">7</xref> Durch das Multiplizieren verschiedener Existenzweisen soll eine empirische Philosophie entworfen werden, welche die praktischen Erfahrungen der Modernen selbst &#8211; und nicht etwa deren Berichte &#252;ber diese Erfahrungen &#8211; in den Mittelpunkt r&#252;ckt.<xref ref-type="fn" rid="n8">8</xref> Hierzu werden insgesamt f&#252;nfzehn Bereiche der modernen Wissensproduktion (u.a. Technik, Fiktion, Wissenschaft, Politik, Recht, Religion) erfasst, die anschlie&#223;end auf ihre Wahrheitsbedingungen hin befragt, schrittweise zerlegt und neu zusammengesetzt werden. Ziel seiner Anthropologie der Moderne ist es, der bisherigen Kritik an der &#034;Modernisierungsfront&#034; eine positive, oder zumindest konstruktive Bestandsaufnahme des modernen Denkens zur Seite zu stellen.<xref ref-type="fn" rid="n9">9</xref></p>
<p>Bei dem Unterfangen, die Existenzweisen der Moderne auf neue Beine zu stellen, folgt Latour der Methode einer ontologischen Ver&#228;u&#223;erlichung bzw. Verflachung, indem er den Dualismus zwischen Mensch und Natur, Subjekt und Objekt aufzul&#246;sen versucht. Anstatt also eine menschliche (primordiale) Psyche einfach anzunehmen, geht es ihm darum, den psychogenen Netzwerken zu folgen, um jene &#034;Apparatur&#034; beschreibbar zu machen, &#034;die notwendig ist, um die Innerlichkeit zu produzieren&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n10">10</xref> Nun wurde ein solch &#034;psychischer Apparat&#034; aber bereits 1885 von Sigmund Freud im &#034;Entwurf einer Psychologie&#034;<xref ref-type="fn" rid="n11">11</xref> skizziert und sp&#228;ter zum &#034;3-Instanzen-Modell&#034;<xref ref-type="fn" rid="n12">12</xref> ausgebaut, was letztlich die Frage aufwirft, wovon sich Latours Psychologiekritik eigentlich abzugrenzen versucht. F&#252;r ihn besitzen die Modernen &#034;wohl das Unbewusste, aber damit l&#228;sst sich nicht viel <italic>machen</italic>, denn es ist nicht aus Kr&#228;ften zusammengesetzt, deren Energie man durch geeignete Artefakte umleiten k&#246;nnte.&#034;<xref ref-type="fn" rid="n13">13</xref> Diese Aussage ist insofern erstaunlich, als es doch die Psychoanalyse ist, die &#8211; sp&#228;testens seit Lacan &#8211; die Sprache als strukturbildendes Element des Unbewussten stark macht und damit die ver&#228;ndernde Kraft therapeutischen Sprechens behauptet.<xref ref-type="fn" rid="n14">14</xref> &#220;ber blo&#223;e <italic>talking cures</italic> hinaus, geht es dem psychoanalytischen Diskurs um die grundlegende Wirksamkeit symbolischer Funktionen.<xref ref-type="fn" rid="n15">15</xref> Psychoanalyse ist eben nicht einfach Psychologie, oder anders formuliert: Nicht jede Form der Psychologie ist schon ein psychoanalytisches Verfahren. Letzteres zeichnet sich durch eine relationale Perspektive aus, die nicht nur Verh&#228;ltnisse zwischen Menschen, sondern auch ihre Beziehung zu technischen Apparaten, ja das Psychische selbst als Apparat oder Maschine beschreibbar macht, ohne die sich daraus ergebende Alterit&#228;t, Fremdheit und Unintegrierbarkeit zu leugnen (kurz: alles, was Latour fordert). Insofern stellt sich die Frage, ob Latour die eigentlich radikalere Fragestellung der Psychoanalyse, n&#228;mlich jene nach dem technologischen Unbewussten, mit seiner &#034;flachen Ontologie&#034; nicht vielmehr entsch&#228;rft. Im Folgenden soll dieser Frage nachgegangen werden, indem die Psychoanalyse bzw. eine psychoanalytisch inspirierten Medientheorie als &#034;Gegenwissenschaft&#034;<xref ref-type="fn" rid="n16">16</xref> ernst und mit ihr das Wahn- und Wahrsprechen des technologisch Unbewussten in den Blick genommen wird. Dieses Unbewusste, welches sich im &#220;bergang zur Moderne herausgebildet hat, wird aus einer theoretisch-konzeptionellen Perspektive betrachtet, um zu zeigen, dass die Absetzbewegung Latours im Grunde nur wiederholt, was die Psychoanalyse &#8211; und mit ihr die Medientheorie &#8211; ohnehin schon l&#228;ngst gedacht hat: Innen und Au&#223;en sind keine sich ausschlie&#223;enden Bereiche, sondern bringen in ihrer Verschr&#228;nktheit den psychischen Apparat als eine zugleich individuelle und kollektive Entit&#228;t &#252;berhaupt erst hervor.</p>
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<sec>
<title>2. Wahrsprechen des technologisch Unbewussten</title>
<p>In der Einleitung zu den <italic>Existenzweisen</italic> schreibt Latour, dass es das Ziel des Projekts ist, die Erfahrungen und Wertvorstellungen in Bezug auf unterschiedliche Seinsmodi zu kl&#228;ren, um so ein &#034;Inventar der Modernen&#034; zu erstellen.<xref ref-type="fn" rid="n17">17</xref> Einer dieser Modi betrifft die Technik, die &#8211; &#228;hnlich den psychogenen Netzwerken &#8211; ihre ganz eigenen Probleme hinsichtlich des &#034;Wahrsprechens&#034; entfaltet: &#034;Von der Wahrheit und Falschheit der Technik zu sprechen scheint auf den ersten Blick noch weniger Sinn zu ergeben, als von der Wahrheit und Falschheit der Wesen zu sprechen, die Psychen produzieren&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n18">18</xref> Aufgrund der &#034;konstitutionellen Opazit&#228;t&#034; technischer Erfahrungen sei es schwierig, das eigenst&#228;ndige Wesen der Technik aufzusp&#252;ren, zumal die Menschen dazu tendieren, dieses best&#228;ndig zu verkennen.<xref ref-type="fn" rid="n19">19</xref> Folgt man aber der Bewegung der Technik und weniger den technischen Objekten als Resultat dieser Bewegung, so kommt f&#252;r Latour eine der zentralen Existenzweisen der Moderne zum Vorschein. Die Technik wird nicht einfach von den Menschen benutzt, sondern bringt diese im Sinne von &#034;Quasi-Subjekten&#034; &#252;berhaupt erst hervor.<xref ref-type="fn" rid="n20">20</xref> Damit greift Latour eine in der Medienwissenschaft, insbesondere in ihrer deutschen Pr&#228;gung, weit verbreitete These auf &#8211; allerdings ohne dies zu benennen. Das ist bedauerlich, h&#228;tte dem Projekt eine genuin medienwissenschaftliche Sichtweise, die &#252;ber die <italic>Science and Technology Studies</italic> hinausreicht, doch sicher gutgetan; eine Perspektive, f&#252;r die das Verh&#228;ltnis von diskursiven Funktionen, menschlichen Subjekten und technischen Medien immer schon zentral war.<xref ref-type="fn" rid="n21">21</xref> Der medienwissenschaftliche Gegenstand, so lie&#223;e sich sagen, ist ja gerade die &#034;Unsichtbarkeit&#034; medientechnologischer Prozesse. So geht das Interesse an einem &#034;technologisch Unbewussten&#034; nicht zuletzt auf das Freud&#39;sche Werk selbst zur&#252;ck, das von einer Vielzahl technischer Referenzen (z.B. Schreibwerkzeuge, optische Medien oder thermodynamische Maschinen) durchzogen ist. Gerade weil die Geschichte der Psychoanalyse &#034;immer wieder auf die Bedeutung medientechnischer Aprioris [st&#246;&#223;t], so wird umgekehrt [&#8230;] eine Geschichte von Medien stets auch eine Geschichte unbewu&#223;ter Medien-Effekte sein&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n22">22</xref> Hierin steckt eine medienontologische Fragestellung, die, nicht zuletzt weil sie in Latours Pluralismus ausgelassen wird, eine genauere Betrachtung verdient.</p>
<p>Mit dem Aufkommen elektronischer Medien um 1900 wurden die letzten &#220;berreste des &#034;klassischen Sprachsystems&#034; in ein automatisiertes &#034;Aufschreibesystem&#034; &#252;berf&#252;hrt.<xref ref-type="fn" rid="n23">23</xref> F&#252;r Friedrich Kittler ist dies die Zeit, in der die Abh&#228;ngigkeit der Informationsmaschine Mensch von Medientechnologien offensichtlich wird.<xref ref-type="fn" rid="n24">24</xref> Das Sprechen, Lesen und Schreiben sowie das H&#246;ren und Sehen werden mithilfe technischer Apparate in diskrete, das hei&#223;t quantifizierbare Einheiten &#252;bersetzt, um sie letztlich speicher-, prozessier- und &#252;bertragbar zu machen. So f&#228;llt die medientechnische Wende nicht von ungef&#228;hr mit der &#034;Erfindung&#034; der Psychoanalyse zusammen, hat diese die &#246;ffentliche Aufmerksamkeit doch gerade dadurch erweckt, dass sie unbewusste Ph&#228;nomene wie Tr&#228;ume, Wahnvorstellungen oder Sexualtriebe aufzuzeichnen und damit zu interpretieren versprach. Der psychoanalytische Fokus auf die Sprache als psychogene Kraft macht aus der menschlichen Seele einen Apparat, der symbolische Prozesse technisch operationalisiert. Insbesondere Jacques Lacan sieht hierin den radikalen Ansatz der Psychoanalyse, insofern sie eine Struktur jenseits des (menschlichen) Subjekts behauptet: &#034;Die symbolische Welt, das ist die Welt der Maschine&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n25">25</xref> Die Maschine schafft Kontinuit&#228;t, indem sie die Speicherung und &#220;bertragung von Erfahrung erlaubt und so das R&#228;tsel symbolischer Intersubjektivit&#228;t l&#246;st. Zeichenwelt und Sprache strukturieren das kollektive Unbewusste, das sich wiederum in die psychischen Individuen einschreibt. Dies ist ein wesentlicher Aspekt psychoanalytischer Theorie, zumal damit das komplexe Geflecht zwischen psychischer, sozialer und technischer Welt angesprochen wird.<xref ref-type="fn" rid="n26">26</xref> Ohne Technik w&#228;re die Externalisierung und Weitergabe von Wissen gar nicht m&#246;glich, weshalb &#034;die Psychoanalyse [insistiert], da&#223; Bewu&#223;tsein nur die imagin&#228;re Innenansicht medialer Standards ist&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n27">27</xref> Dies mag auf den ersten Blick eine extreme Aussage sein, doch verweist sie im Prinzip nur auf das, was Latour ebenfalls behauptet: Menschen sind die Quasi-Subjekte technischer Entwicklungen. Mit den digitalen Medien, die im Zuge der Verbreitung von Computertechnologien entstanden sind, l&#246;st sich die Anthropologie der Moderne in allgemeine Datenverarbeitung auf. Die Maschinen schreiben sich auch ohne Zutun des Menschen fort, was angesichts der Tatsache, dass reine Computerkommunikation heute schon den Gro&#223;teil des Internetverkehrs ausmacht, nicht mehr &#252;berraschen kann. Big Data als das gro&#223;e Andere strukturiert das Unbewusste und best&#228;tigt damit Lacans Aussage, dass der Diskurs des Anderen letztlich der Diskurs der Schaltkreise ist.<xref ref-type="fn" rid="n28">28</xref></p>
<p>In dieser Hinsicht l&#228;sst sich die Psychoanalyse als Diskursanalyse technischer Medien verstehen. Da Informationsmaschinen die symbolische Ordnung bilden, bleibt auch das Bewusstsein an technische Standards gebunden. Ein Grund hierf&#252;r ist freilich, dass die menschliche Wahrnehmung immer schon in technologische Medienensembles eingebunden ist, der psychische Apparat des Menschen also durch technische Medien konstituiert wird; letztere sind nicht blo&#223; Extensionen, Prothesen oder Werkzeuge des Menschen, sondern regelrechte Diskursmaschinen, die mit dem psychischen Apparat verkoppelt sind. Wie Joseph Vogl diesbez&#252;glich feststellt, &#034;[werden] Maschinen [&#8230;] nicht benutzt, sondern organisieren selbst die Grenzen oder Schnittstellen zwischen jenen Einheiten, die man Mensch und Natur, Mensch und Apparat, Subjekt und Objekt, psyche und techne nennen mag&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n29">29</xref> Wir haben es hier mit einem technologischen Unbewussten zu tun, in dem der Mensch nicht vorausgesetzt ist, sondern sich best&#228;ndig neu konstituiert bzw. neu konstituieren muss. In diesem Sinn sind auch j&#252;ngste Debatten &#252;ber Big Data, das Internet der Dinge und maschinelles Lernen zu verstehen, zumal diese Debatten oft von der Angst gepr&#228;gt sind, dass sich der Mensch in eine Welt algorithmischer Schaltkreise aufzul&#246;sen beginnt. Was in den 1990er Jahren noch einen wohligen Schauer unter Extroprianern und Cyberpunks ausgel&#246;st hat,<xref ref-type="fn" rid="n30">30</xref> f&#252;hrt heute zu einem kulturpessimistischen Abgesang auf technische Medien, insbesondere wenn sie mit sozialen Netzwerken wie Facebook oder Google in Zusammenhang gebracht werden. Dabei stellt sich allerdings die Frage, ob technische Medien wirklich f&#252;r die Entfremdung menschlicher Subjekte verantwortlich gemacht werden k&#246;nnen, oder ob nicht vielmehr die wahrgenommene Entfremdung als ein Effekt des Diskurses &#252;ber Medientechnologien verstanden werden sollte. Diese Frage dr&#228;ngt sich alleine schon deshalb auf, weil der Diskurs &#252;ber Medientechnologien mit dem erkenntnistheoretischen Problem zusammenh&#228;ngt, eine schl&#252;ssige Antwort auf die Frage zu liefern, ob intersubjektiv erfahrene, das hei&#223;t medial vermittelte Wahrheit (das Wirkliche) letztlich nicht blo&#223; doch ein Medieneffekt ist; wodurch eine Unsicherheit eingef&#252;hrt wird, die einen permanenten Verdacht gegen&#252;ber den Medientechnologien sch&#252;rt.<xref ref-type="fn" rid="n31">31</xref></p>
<p>F&#252;r Boris Groys ist der &#034;medien-ontologische Verdacht&#034; nicht einfach eine Illusion, die der Innenwelt eines einzelnen Individuums entspringt (wie von Latour behauptet), sondern stellt ein konstitutives Moment der Moderne dar, das auf den Medienkonsum selbst zur&#252;ckzuf&#252;hren ist: &#034;Der medienontologische Verdacht ist aber keinesfalls blo&#223; &#39;subjektiv&#39;, da er nicht allein in der &#39;subjektiven&#39; Imagination des Betrachters entsteht. Vielmehr ist der medienontologische Verdacht im ph&#228;nomenologischen Sinne &#39;objektiv&#39;, weil er sich bei der Betrachtung der medialen Oberfl&#228;che notwendigerweise einstellt&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n32">32</xref> Als Medienbetrachter ist es uns nicht m&#246;glich, in den Medien &#034;etwas anderes zu sehen als Orte der verborgenen Manipulation&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n33">33</xref> Dabei handelt es sich nicht mehr um den erkenntnistheoretischen Zweifel des cartesianischen Subjekts, sondern der medienontologische Zweifel zeigt sich als das Innere des submedialen Raums. In diesem Raum verbirgt sich das eigentliche Subjekt, n&#228;mlich das submediale Andere, das hinter der medialen Oberfl&#228;che zum Vorschein kommt. Die Wahrheit der Medientechnologien, verstanden als Technologien des Unbewussten, kann daher nicht einfach wissenschaftlich beschrieben werden, sondern muss sich &#8211; ganz im Sinne des psychoanalytischen Verfahrens &#8211; in einem &#034;Moment der Aufrichtigkeit&#034; von selbst zeigen. Das Wahrsprechen des technologisch Unbewussten <italic>funktioniert</italic> in diesem Sinne als ein pl&#246;tzliches Auftauchen des submedialen Raums.<xref ref-type="fn" rid="n34">34</xref> Dieser offenbart sein Inneres auf &#228;hnliche Weise wie das menschliche Subjekt sein Unbewusstes in eben jenen Momenten preisgibt, in denen es sich zu einem Gest&#228;ndnis gen&#246;tigt sieht; und damit bei seinem Gegen&#252;ber einen Verdacht ausl&#246;st, der von nun an alles Gesagte infiziert. F&#252;r die Medienwissenschaft (oder besser die Epistemologie insgesamt) ergibt sich daraus die Frage, inwieweit eine solch &#034;paranoische Erkenntnisweise&#034; notwendig ist, um das Wesen der Technik, wenn schon nicht zu erfassen, so doch besser auslegen zu k&#246;nnen; eine Erkenntnisweise also, die den medienontologischen Verdacht produktiv zu wenden wei&#223;.<xref ref-type="fn" rid="n35">35</xref></p>
</sec>
<sec>
<title>3. Wahnsprechen des technologisch Unbewussten</title>
<p>Da sich der medienontologische Verdacht weder best&#228;tigen noch widerlegen l&#228;sst, bildet er &#034;seine eigene Realit&#228;t &#8211; und dementsprechend auch seine eigenen Kriterien der Wahrheit&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n36">36</xref> Seine, mit Latour gesprochen, &#034;Gelingensbedingungen&#034; gehen &#252;ber die wissenschaftliche Wahrheitsproduktion hinaus, was wiederum zur&#252;ck zur Psychoanalyse f&#252;hrt: So war es Jacques Lacan, der dem paranoiden Wahn einen eigenen &#034;Realit&#228;tswert&#034; zugesprochen hat.<xref ref-type="fn" rid="n37">37</xref> Dieser zeichnet sich durch eine besondere begriffliche Struktur aus, die dem pr&#228;logischen bzw. paralogischem Modus menschlichen Denkens entspricht.<xref ref-type="fn" rid="n38">38</xref> Hierin zeigt sich eine strukturelle Verwandtschaft des Wahns mit Mythen und den allgemeinen Prinzipien der Wissenschaft; denn selbst die sogenannten strengen Wissenschaften sind in ihrem Kern fiktional, insofern sie erz&#228;hlerische Elemente enthalten.<xref ref-type="fn" rid="n39">39</xref> Dies beinhaltet ein grundlegend erkenntnistheoretisches Problem, n&#228;mlich jenes, dass die (wissenschaftliche) Beurteilung, ob etwas als wahnhaft gilt oder nicht, &#034;<italic>selbst</italic> nicht mehr daraufhin &#252;berpr&#252;ft werden kann, ob nicht <italic>auch sie</italic> wahnhaft ist, d.h. sich nicht <italic>ihrerseits</italic> einer &#252;ber das spezifische Subjekt hinausgehenden, es &#252;berformenden Wahnentwicklung verdankt.&#034;<xref ref-type="fn" rid="n40">40</xref> Die Unterscheidung von Wahn und Wissenschaft ist somit auf eine generalisierbare symbolische Ordnung angewiesen, die sich von den spezifischen Ordnungen des Wahns dadurch abgrenzt, dass sie sich als intersubjektiv wahr setzt. Nun ist aber die symbolische Ordnung sprachlich strukturiert, was letztlich bedeutet, &#034;dass keine Sprache das Wahre &#252;ber das Wahre sagen k&#246;nnte, da die Wahrheit sich darauf gr&#252;ndet, dass sie spricht&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n41">41</xref> Im Gegensatz zu Latour, der davon ausgeht, dass der Sinn dem Zeichen vorausgeht,<xref ref-type="fn" rid="n42">42</xref> gibt es f&#252;r Lacan keine Metasprache, die au&#223;erhalb der symbolischen Ordnung stehen w&#252;rde, gerade weil diese Ordnung immer eine artikulierte ist. Das Wahrsprechen entpuppt sich als ein Wahnsprechen, was wiederum erkl&#228;rt, warum die Lacan&#39;sche Psychoanalyse einen so gro&#223;en Wert auf die paranoische Wissensproduktion legt. F&#252;r sie ist die menschliche Erkenntnis paranoisch strukturiert, zumal sich die produktiven Aspekte des Deutungswahns nicht nur in der Paranoia, sondern auch der Literatur oder Wissenschaft wiederfinden.<xref ref-type="fn" rid="n43">43</xref></p>
<p>Der Ausschluss des Wahnsinns aus der modernen Gesellschaft entspricht einer Wissenspolitik, die von Michel Foucault eindringlich beschrieben wurde.<xref ref-type="fn" rid="n44">44</xref> Seine Geschichte des Wahns im Zeitalter der Vernunft geht bekannterma&#223;en davon aus, dass der Wahnsinn als das Unvern&#252;nftige zuerst zum Schweigen gebracht und ausgeschlossen, sodann aber zum Gegenstand rationaler Analyse gemacht wurde. In der Psychiatrie des 19. Jahrhunderts entsteht ein Wissen, das nicht nur f&#252;r sich in Anspruch nimmt, die Wahrheit &#252;ber Geisteskranke zu besitzen, sondern dar&#252;ber hinaus &#034;historisch spezifizierte Regeln von Sprechen und Schreiben, von Diskursverwaltung und Diskursvernetzung&#034; entwirft.<xref ref-type="fn" rid="n45">45</xref> Nach Kittler bildet sich um 1900 ein Netzwerk, in dem sich der psychiatrische, psychoanalytische und mediale Diskurs jener Zeit verkn&#252;pft. So zeigt sich anhand des Paranoikers Daniel Paul Schreber, der f&#252;r sich die M&#246;glichkeit gefunden hatte, durch eine eigene Nervensprache mit Gott zu kommunizieren, wie der Wahnsinn um die Jahrhundertwende technologisch strukturiert ist: Der Gott der Nachrichtenkan&#228;le schreibt sich mittels elektronischem Datenfluss in Schreber ein und macht aus dem Paranoiker ein automatisches Aufschreibesystem.<xref ref-type="fn" rid="n46">46</xref> Die in den <italic>Denkw&#252;rdigkeiten eines Nervenkranken</italic> festgehaltenen Beschreibungen entsprechen in vielerlei Hinsicht der damals neu eingef&#252;hrten Radiotechnologie.<xref ref-type="fn" rid="n47">47</xref> Und weil sich hinter dem &#034;Verfolgergott&#034; letztlich der behandelnde Arzt Paul Flechsig verbirgt, nutzt der Patient die Nervensprache dazu, den psychiatrischen, das hei&#223;t neurologischen Diskurs seiner Zeit aufzuzeichnen.<xref ref-type="fn" rid="n48">48</xref> Der so geschaffene Realit&#228;tswert verleitet Sigmund Freud kurz darauf, eine zugleich faszinierende wie unheimliche Verwandtschaft zwischen Schrebers Wahn und seiner eigenen Libidotheorie festzustellen, indem er hinter dem &#196;rztegott Flechsig wiederum den Vatergott Schreber vermutet.<xref ref-type="fn" rid="n49">49</xref> Die Psychoanalyse, die in der Folge eine regelrechte Flut an Schreber-Interpretationen produziert hat, entdeckt in der Sprache des Wahnsinns eine neue Wahrheit des Menschen. Jenseits der bewussten Kontrolle des sprechenden Subjekts verbirgt sich so eine geheime Wahrheit hinter der Wahrheit, eine unbewusste Aussage, die analysiert werden kann.<xref ref-type="fn" rid="n50">50</xref></p>
<p>Mit Foucault lie&#223;e sich sagen, dass die Menschen in dem Moment ins Stottern geraten sind, in dem sich die Einheit von Sprache und Bedeutung aufgel&#246;st hat. Mit dem Aufkommen der Moderne sind die Worte nicht mehr mit den Dingen identisch, wie noch zur Zeit der Renaissance, sondern sprachliche Zeichen repr&#228;sentieren von nun an die Welt. Die Sprache als unendliche Signifikantenkette wird zur Bedingung der M&#246;glichkeit modernen Wissens und zeigt somit die Endlichkeit des Sprechenden auf.<xref ref-type="fn" rid="n51">51</xref> Durch die Teilnahme an der gesprochenen, vermittelten, medialen Welt wird das menschliche Subjekt in ein Subjekt der &#196;u&#223;erung und ein Subjekt der Aussage gespalten, das hei&#223;t ein Subjekt, das nicht mehr nur durch ein inneres Bewusstsein (<italic>cogito</italic>) konstituiert ist, sondern auch durch ein &#196;u&#223;eres, das in uns schreibt und spricht. Die Zeichenwelt, die dieses unbewusste &#196;u&#223;ere strukturiert, enth&#228;lt keine Bedeutung an sich, sondern &#034;schreibt sich [&#8230;] in der Form von Algorithmen und macht aus dem psychischen Apparat selbst eine Informationsmaschine.&#034;<xref ref-type="fn" rid="n52">52</xref> Dies ist ein entscheidender Punkt f&#252;r eine psychoanalytisch inspirierte Medientheorie, verweist er doch auf die f&#252;r den medienontologischen Verdacht konstitutive Grenze der Zeichen. Wie bereits erw&#228;hnt, geht es einem solchen Verdacht nicht darum, die unendlich zirkulierenden Zeichen auf der medialen Oberfl&#228;che lediglich zu betrachten, sondern die Materialit&#228;t des Zeichentr&#228;gers in seiner Endlichkeit selbst zu durchdringen: &#034;Dank der Endlichkeit aller Zeichentr&#228;ger entsteht [&#8230;] die M&#246;glichkeit, ein Subjekt zu denken, das mit den Zeichen rein operational, d.h. unter Absehung von jeglichem Sinn, jeglicher Bedeutung, jeglicher Referenz umgeht&#034;. Laut Groys operiert dieses submediale Subjekt im Sinne algorithmischer Verfahren, das hei&#223;t &#034;rein manipulativ, technisch-operationell, quasi-maschinell&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n53">53</xref> W&#228;hrend diese sinnentleerte Materialit&#228;t der Medien bisher vor allem als Gefahr f&#252;r das menschliche Subjekt ausgelegt wurde, l&#228;sst sich in R&#252;ckgriff auf die von Michel Foucault entworfene Analytik der Endlichkeit feststellen, dass es die nicht-sinngebende, wahnhafte Subjektivit&#228;t ist, die das Wahrspechen des technologisch Unbewussten zum Ausdruck bringt. In diesem Sinne w&#228;re auch die in Foucaults Berkeley-Vorlesungen zentrale &#034;parrhesia&#034;<xref ref-type="fn" rid="n54">54</xref> anstatt mit &#034;Wahrsprechen&#034; (<italic>pan</italic> = alles, ganz; <italic>rhema</italic> = das Gesagte), mit &#034;Wahnsprechen&#034; (<italic>para</italic> = neben, au&#223;erhalb; im Sinne der para-noia) zu &#252;bersetzen. Schreber w&#228;re damit nicht nur Paranoiker, sondern auch &#034;parrhesiastes&#034; par excellence, der angesichts der psychiatrischen Praktiken seiner Zeit sein Leben riskierte, um die Wahrheit f&#252;r sich und andere zun&#228;chst aufzuschreiben und letztlich auch auszusprechen.<xref ref-type="fn" rid="n55">55</xref></p>
<p>Die Pflicht zur Wahrheit bildet f&#252;r Michel Foucault eines der wesentlichen Merkmale von <italic>parrhesia</italic>.<xref ref-type="fn" rid="n56">56</xref> Dar&#252;ber hinaus &#228;u&#223;ert sie sich als Gest&#228;ndnis, das hei&#223;t als sprachliche Praxis, die aus sich heraus die Wahrheit sagt. Damit verweist die <italic>parrhesia</italic> wiederum auf den Wahn als eigenst&#228;ndige Form des Wahrsprechens: &#034;Man kann sagen, dass im Gegensatz zu den Tr&#228;umen, die <italic>gedeutet werden</italic> m&#252;ssen, der Wahn aus sich selbst heraus eine <italic>deutende</italic> T&#228;tigkeit des Unbewussten ist.&#034;<xref ref-type="fn" rid="n57">57</xref> Die f&#252;r Lacan entscheidende Frage nach dem &#034;Wer spricht?&#034; betont einmal mehr die Rolle der Sprache als unbewusste Technologie. Indem die Psychoanalyse die Seinsweise des Menschen auf die Sprache bzw. das Unbewusste der Individuen bezieht, positioniert sie sich als &#034;Gegenwissenschaft&#034; jeglicher Anthropologie.<xref ref-type="fn" rid="n58">58</xref> Ihr Interesse gilt weder den Einzelindividuen als Teil einer Gruppe noch der sich im Individuum widerspiegelnden Gesellschaft, sondern dem Transindividuellen, das jenseits der Grenzziehung zwischen einer subjektiven Innen- und einer objektiven Au&#223;enwelt die Verschr&#228;nktheit von Innen und Au&#223;en, von Subjekt und Kultur, von Imagin&#228;rem und Symbolischen betont und hierbei die zentrale Rolle der Technologie hervorhebt. Damit erweist sie sich als geeignetes Mittel, um aktuelle Ph&#228;nomene digitaler Kulturen in den Blick zu nehmen. Gerade interaktive Netzwerktechnologien, wie sie heute im Internet der Dinge massenhaft zum Einsatz kommen,<xref ref-type="fn" rid="n59">59</xref> operieren zunehmend au&#223;erhalb des menschlichen Erkenntnisverm&#246;gens. So schrieb Kathrine Hayles bereits 2006 angesichts einer immer st&#228;rker durch Medientechnologien vernetzten Umgebung: &#034;human awareness comprises the tip of a huge pyramid of data flows, most of which occur between machines.&#034;<xref ref-type="fn" rid="n60">60</xref> Um aus diesem permanenten Strom unbewusster Daten Informationen filtern zu k&#246;nnen, sind wir auf automatisierte Verfahren angewiesen, wie der explosionsartige Zuwachs algorithmischer Systeme zeigt.<xref ref-type="fn" rid="n61">61</xref> Das technologisch Unbewusste zeigt sich als das &#034;Subjekt rein medialer Operationen&#034;,<xref ref-type="fn" rid="n62">62</xref> als das submediale Andere, das jenseits jeder Bedeutungsproduktion operiert. Das hei&#223;t nicht, dass dieses Subjekt nicht zug&#228;nglich w&#228;re, verf&#252;gt es doch &#252;ber einen &#034;materiellen Grund&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n63">63</xref> Allerdings offenbart sich dieser &#8211; ganz im Sinne der <italic>parrhesia</italic> &#8211; eben nur als Gest&#228;ndnis, als ein pl&#246;tzliches Auftauchen des submedialen Raums. Dass dies ein unheimlicher Vorgang sein kann, zeigen j&#252;ngste Beispiele; so jagte Amazon den Nutzern seines Alexa Voice Service einen geh&#246;rigen Schrecken ein, nachdem der automatisierte Sprachassistent ohne ersichtlichen Grund in ein gespenstisches Gel&#228;chter ausgebrochen war.<xref ref-type="fn" rid="n64">64</xref></p>
<p>Unheimlich ist nach Freud &#034;alles, was ein Geheimnis, im Verborgenen bleiben sollte und hervorgetreten ist&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n65">65</xref> Bezogen auf die lachende Alexa lie&#223;e sich sagen, dass die eigentlich im Geheimen stattfindende Datenaufzeichnung auf ungewollte Weise zum Vorschein kam. Nicht dass wir von dieser Aufzeichnung nichts w&#252;ssten, sind uns die hierzu ben&#246;tigten Ger&#228;te doch bestens vertraut. Aber gerade weil das Unheimliche das Heimliche immer schon einschlie&#223;t, trifft uns die in ihm verborgene Wahrheit im Moment der Offenbarung umso mehr. Die Wahrheit digitaler Kulturen besteht nicht zuletzt darin, dass das permanente Sammeln, Speichern und Prozessieren unserer Daten zur Lebensader eines ganzen Industriezweiges geworden ist. Durch Sprachbefehle, das Versenden von Emails, Eink&#228;ufe sowohl im als auch au&#223;erhalb des Netzes, Social-Media-Updates, das Ausf&#252;llen von Online-Formularen und vieles mehr speisen wir einen t&#228;glich anwachsenden Datenstrom, der von technokapitalistischen Unternehmen angezapft und in Profit umgewandelt wird. Big Data alleine reicht allerdings nicht aus, um das digitale Selbst verwertbar zu machen. Erst im Zusammenspiel mit netzwerkanalytischen Verfahren, die aus Daten Informationen machen, wird die Produktion algorithmischer Subjektivit&#228;t erm&#246;glicht. So entsteht die Grundlage f&#252;r eine neue Form der Identit&#228;tspolitik: Durch automatisierte Mustererkennung werden Daten interpretiert, um sie f&#252;r menschliche Subjekte lesbar zu machen. Allerdings stecken hinter den vermeintlich objektiven und neutralen Verfahren algorithmischer Filtersysteme wiederum die altbekannten Macht- und Herrschaftsverh&#228;ltnisse, was sich darin zeigt, dass die in den Daten ausfindig gemachten Muster unseren rassistischen, sexistischen und klassistischen Vorurteilen entsprechen.<xref ref-type="fn" rid="n66">66</xref> Hier zeigt sich einmal mehr, dass der psychische Apparat nicht einfach die &#034;Innenansicht&#034; eines schon immer in der Welt seienden Subjekts darstellt, sondern vielmehr die in der Au&#223;enwelt vorherrschenden Vorstellungen best&#228;ndig weiterprozessiert.</p>
<p>Damit stellt sich neben dem Lacan&#39;schen &#034;Wer spricht?&#034; auch die Frage: &#034;Wer ist verantwortlich?&#034; L&#228;sst sich ein diskriminierender Algorithmus verklagen? Ist die Internet-Plattform schuld an der zunehmenden Segregation in &#034;Echo Chambers&#034; und &#034;Filter Bubbles&#034;? Oder sind es doch wiederum die Nutzer, die sich nun mal eine vertraute, das hei&#223;t ihnen gleichende Online-Umgebung w&#252;nschen? Und an wen wendet sich ein vermeintlicher Gef&#228;hrder, wenn er von algorithmischen Systemen als solcher identifiziert worden ist? Wie der Artikel gezeigt hat, besteht das Problem nicht darin, dass sich mit den digitalen Medien ein technologisches, dem menschlichen Bewusstsein nicht mehr zug&#228;ngliches Unbewusstes gebildet hat, zumal dieses immer schon Teil menschlicher Kultur und deren Vorurteilen ist. Das Problem ist vielmehr, dass politische Entscheidungen, die kollektiv getroffen werden m&#252;ssten, an vermeintlich objektivere Maschinen ausgelagert werden. Einmal mehr sind es die Macht- und Herrschaftsverh&#228;ltnissen, die hier in den Blick geraten, in Latours Anthropologie der Moderne aber bewusst ausgespart werden, um so dem eigentlichen Problem aus dem Weg zu gehen.<xref ref-type="fn" rid="n67">67</xref> Mit den digitalen Medien leben wir zwar in einer zunehmend flachen Ontologie, in der jedes Ereignis mit jedem anderen korreliert, sodass keines mehr eine spezifische Bedeutung aufweist, weil eben alles, was aufgezeichnet wird, Bedeutung gewinnt. Das hei&#223;t aber nicht, dass die diffusen Verflechtungen des Sozialen, wie sie die <italic>Existenzweisen</italic> einzufangen versuchen, keine Machtbeziehungen mehr aufweisen. Vielmehr f&#252;hrt das Wuchern der Netzwerke zu einer ganzen Reihe sozialer Konflikte, die sich nicht einfach hinter &#034;Kategorienfehlern&#034; oder &#034;Gelingensbedingungen&#034; verstecken lassen.<xref ref-type="fn" rid="n68">68</xref> Dies ist eine wesentliche Einsicht psychoanalytischer Theorie: Immer dann, wenn behauptet wird, dass es das gro&#223;e Andere &#8211; im Sinne von Macht, Herrschaft und Gewalt &#8211; nicht mehr gibt, taucht es an anderer Stelle umso m&#228;chtiger wieder auf.</p>
</sec>
</body>
<back>
<fn-group>
<fn id="n1"><p>Bruno Latour, <italic>Existenzweisen. Eine Anthropologie der Moderne</italic>, &#252;bers. Gustav Ro&#223;ler (<xref ref-type="bibr" rid="B26">Berlin: Suhrkamp, 2014 [frz. 2012]</xref>), 269.</p></fn>
<fn id="n2"><p>Latour, <italic>Existenzweisen</italic>, 271.</p></fn>
<fn id="n3"><p>Latour, <italic>Existenzweisen</italic>, 274&#8211;75.</p></fn>
<fn id="n4"><p>Gilles Deleuze und F&#233;lix Guattari, <italic>Rhizom</italic>, &#252;bers. Dagmar Berger et al. (<xref ref-type="bibr" rid="B4">Berlin: Merve, 1977 [frz. 1976]</xref>).</p></fn>
<fn id="n5"><p>Siehe Thomas H. Crawford, &#034;An Interview with Bruno Latour,&#034; <italic>Configurations</italic> 1, no. 2 (<xref ref-type="bibr" rid="B3">Spring 1993</xref>): 247&#8211;268.</p></fn>
<fn id="n6"><p>Henning Schmidgen, <italic>Bruno Latour zur Einf&#252;hrung</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B31">Hamburg: Junius, 2011</xref>), 17&#8211;19.</p></fn>
<fn id="n7"><p>Latour, <italic>Existenzweisen</italic>, 57.</p></fn>
<fn id="n8"><p>Interessant an dieser systematischen Erfassung der Moderne ist, dass Latour selbst keine Rechenschaft &#252;ber die eigene Wahrheitsproduktion der &#034;Existenzweisen&#034; abzulegen bereit ist, was sp&#228;testens dann problematisch wird, wenn Rassismus, Sexismus oder Klassismus &#8211; also drei ganz entscheidende Modi der Moderne &#8211; &#252;berhaupt nicht zur Sprache kommen.</p></fn>
<fn id="n9"><p>Latour, <italic>Existenzweisen</italic>, 40&#8211;43.</p></fn>
<fn id="n10"><p>Latour, <italic>Existenzweisen</italic>, 271.</p></fn>
<fn id="n11"><p>Sigmund Freud, &#034;Entwurf einer Psychologie,&#034; in <italic>Gesammelte Werke. Nachtragsband</italic>, herausgegeben von Angela Richards (<xref ref-type="bibr" rid="B11">Frankfurt a.M.: S. Fischer Verlag, 1987</xref>), 375&#8211;486.</p></fn>
<fn id="n12"><p>Sigmund Freud, &#034;Das Ich und das Es,&#034; in <italic>Gesammelte Werke. Band XII</italic>, herausgegeben von Angela Richards (<xref ref-type="bibr" rid="B9">Frankfurt a.M.: S. Fischer Verlag, 1987</xref>), 237&#8211;290.</p></fn>
<fn id="n13"><p>Latour, <italic>Existenzweisen</italic>, 296.</p></fn>
<fn id="n14"><p>Siehe Jacques Lacan, &#034;Funktion und Feld des Sprechens und der Sprache in der Psychoanalyse,&#034; in <italic>Schriften I</italic>, &#252;bers. Hans-Dieter Gondek (<xref ref-type="bibr" rid="B23">Wien: Turia + Kant, 2016 [frz. 1966/1999]</xref>), 278&#8211;381. Latour spricht sodann selbst von der M&#246;glichkeit, die symbolische Welt als Artefakt zu betrachten (Latour, <italic>Existenzweisen</italic>, 338).</p></fn>
<fn id="n15"><p>Dieser Ansatz geht letztlich auf den franz&#246;sischen Ethnologen Claude L&#233;vi-Strauss zur&#252;ck, der schon fr&#252;h die symbolische Funktion des Unbewussten &#8211; im Gegensatz zum Unterbewussten &#8211; betont hat, siehe Claude L&#233;vi-Strauss, &#034;Die Wirksamkeit der Symbole,&#034; in <italic>Strukturale Anthropologie I</italic>, &#252;bers. Hans Naumann (<xref ref-type="bibr" rid="B28">Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 1967 [frz. 1949]</xref>), 204&#8211;225. &#220;ber die Sprache hinaus spielen die Beziehungen zu materiellen Objekten eine wesentliche Rolle in der Psychoanalyse, siehe Melanie Klein, &#034;Die psychoanalytische Spieltechnik: Ihre Geschichte und Bedeutung,&#034; in <italic>Das Seelenleben des Kleinkindes</italic>, herausgegeben von Hans A. Thorner (<xref ref-type="bibr" rid="B20">Stuttgart: Klett-Cotta, 2015</xref>), 12&#8211;35.</p></fn>
<fn id="n16"><p>Michel Foucault, <italic>Die Ordnung der Dinge. Eine Arch&#228;ologie der Humanwissenschaften</italic>, &#252;bers. Ulrich K&#246;ppen (<xref ref-type="bibr" rid="B6">Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 1971 [frz. 1966]</xref>), 454.</p></fn>
<fn id="n17"><p>Latour, <italic>Existenzweisen</italic>, 45.</p></fn>
<fn id="n18"><p>Latour, <italic>Existenzweisen</italic>, 322.</p></fn>
<fn id="n19"><p>Ein ganz &#228;hnliches Argument findet sich bei Gilbert Simondon, siehe Gilbert Simondon, <italic>Die Existenzweisen technischer Objekte</italic>, &#252;bers. Michael Cuntz (<xref ref-type="bibr" rid="B34">Z&#252;rich: diaphanes, 2012 [frz. 1958]</xref>), 9.</p></fn>
<fn id="n20"><p>Latour, <italic>Existenzweisen</italic>, 327.</p></fn>
<fn id="n21"><p>Siehe Eva Horn, &#034;Editor&#39;s Introduction: &#39;There Are No Media&#39;,&#034; <italic>Grey Room</italic> 29 (<xref ref-type="bibr" rid="B16">Fall 2007</xref>): 6&#8211;13.</p></fn>
<fn id="n22"><p>Joseph Vogl, &#034;Technologien des Unbewussten. Zur Einf&#252;hrung,&#034; in <italic>Kursbuch Medienkultur</italic>, herausgegeben von Claus Pias et al. (<xref ref-type="bibr" rid="B37">D&#252;sseldorf: DVA, 2004</xref>), 374.</p></fn>
<fn id="n23"><p>Friedrich A. Kittler, <italic>Aufschreibesysteme 1800/1900</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B17">M&#252;nchen: Wilhelm Fink Verlag, 1985</xref>), 276&#8211;319.</p></fn>
<fn id="n24"><p>Hierin widerspricht Kittler der &#034;Organprojektionsthese&#034; anthropozentrischer Technikphilosophien (u.a. Ernst Knapp oder Marshall McLuhan), da f&#252;r ihn Medien nicht Erweiterungen, sondern Bedingungen des Menschen sind, siehe Geoffrey Winthrop-Young, <italic>Friedrich Kittler zur Einf&#252;hrung</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B38">Hamburg: Junius, 2005</xref>), 95.</p></fn>
<fn id="n25"><p>Jacques Lacan: <italic>Das Ich in der Theorie Freuds und in der Technik der Psychoanalyse. Das Seminar, Buch II</italic>, &#252;bers. Hans-Joachim Metzger (<xref ref-type="bibr" rid="B22">Wien: Turia + Kant, 2015 [frz. 1975]</xref>), 64.</p></fn>
<fn id="n26"><p>Siehe F&#233;lix Guattari, <italic>Die Drei &#214;kologien</italic>, &#252;bers. Alec A. Schaerer (<xref ref-type="bibr" rid="B14">Wien: Passagen Verlag, 1994 [frz. 1989]</xref>).</p></fn>
<fn id="n27"><p>Friedrich A. Kittler, &#034;Die Welt des Symbolischen &#8211; eine Welt der Maschine,&#034; in <italic>Draculas Verm&#228;chtnis. Technische Schriften</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B18">Leipzig: Reclam Verlag, 1993</xref>), 61.</p></fn>
<fn id="n28"><p>Lacan, <italic>Seminar II</italic>, 117&#8211;118. Die &#220;bersetzung von Kreislauf (<italic>circuit</italic>) in Schaltkreis &#252;bernehme ich von Friedrich Kittler (siehe Kittler, &#034;Die Welt des Symbolischen,&#034; 79).</p></fn>
<fn id="n29"><p>Vogl, &#034;Technologien des Unbewussten,&#034; 375.</p></fn>
<fn id="n30"><p>Siehe z.B. die Ausgaben des Cyberpunk-Magazins <italic>Mondo 2000</italic>, <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="http://www.mondo2000.com/category/mondo2000-archives">http://www.mondo2000.com/category/mondo2000-archives</ext-link> [zuletzt aufgerufen: 10. April 2018].</p></fn>
<fn id="n31"><p>Boris Groys, <italic>Unter Verdacht. Eine Ph&#228;nomenologie der Medien</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B13">M&#252;nchen: Carl Hanser Verlag, 2000</xref>).</p></fn>
<fn id="n32"><p>Groys, <italic>Unter Verdacht</italic>, 51.</p></fn>
<fn id="n33"><p>Groys, <italic>Unter Verdacht</italic>, 52.</p></fn>
<fn id="n34"><p>Groys, <italic>Unter Verdacht</italic>, 66. Eine andere Position in der medienontologischen Frage vertritt Claus Pias, f&#252;r den die St&#246;rung &#8211; und nicht das pl&#246;tzliche Auftauchen &#8211; das zentrale Moment technischer Systeme darstellt, siehe Claus Pias, &#034;St&#246;rung als Normalfall,&#034; <italic>Zeitschrift f&#252;r Kulturwissenschaften</italic> 2 (<xref ref-type="bibr" rid="B30">2011</xref>): 27&#8211;43.</p></fn>
<fn id="n35"><p>So spricht Wendy Chun von der Paranoia als einer &#034;information-processing technique&#034;, siehe Wendy Hui Kyong Chun, <italic>Control and Freedom. Power and Paranoia in the Age of Fiber Optics</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B2">Cambridge, Mass.: MIT Press, 2006</xref>), 257.</p></fn>
<fn id="n36"><p>Groys, <italic>Unter Verdacht</italic>, 52.</p></fn>
<fn id="n37"><p>Jacques Lacan, <italic>&#220;ber die paranoische Psychose in ihren Beziehungen zur Pers&#246;nlichkeit und Fr&#252;he Schriften &#252;ber die Paranoia</italic>, &#252;bers. Hans-Dieter Gondek (<xref ref-type="bibr" rid="B24">Wien: Passagen Verlag, 2002 [frz. 1975]</xref>), 292&#8211;93.</p></fn>
<fn id="n38"><p>Siehe Hans R. Fischer, &#034;Rationalit&#228;t zwischen logischem und paralogischem Denken,&#034; in <italic>Wirklichkeit und Welterzeugung. In memoriam Nelson Goodman</italic>, herausgegeben von Hans R. Fischer und Siegfried J. Fischer (<xref ref-type="bibr" rid="B5">Heidelberg: Carl-Auer-Systeme Verlag, 2000</xref>), 128&#8211;162.</p></fn>
<fn id="n39"><p>Latour, <italic>Existenzweisen</italic>, 354&#8211;55.</p></fn>
<fn id="n40"><p>Christian Kupke, &#034;Von der symbolischen Ordnung des Wahns zum Wahn der symbolischen Ordnung,&#034; in <italic>Wahn. Philosophische, psychoanalytische und kulturwissenschaftliche Perspektiven</italic>, herausgegeben von Gerhard Unterthurner (<xref ref-type="bibr" rid="B21">Wien: Turia + Kant, 2012</xref>), 107f.</p></fn>
<fn id="n41"><p>Jacques Lacan, &#034;Wissenschaft und Wahrheit,&#034; in <italic>Schriften II</italic>, &#252;bers. Hans-Dieter Gondek (<xref ref-type="bibr" rid="B25">Wien: Turia + Kant, 2015 [frz. 1966/1999]</xref>), 416.</p></fn>
<fn id="n42"><p>Latour, <italic>Existenzweisen</italic>, 336.</p></fn>
<fn id="n43"><p>Henning Schmidgen, &#034;Eine originale Syntax. Psychoanalyse, Diskursanalyse, und Wissenschaftsgeschichte,&#034; in <italic>Mediengeschichte nach Kittler</italic>, herausgegeben von Friedrich Balke et al. (<xref ref-type="bibr" rid="B32">M&#252;nchen: Wilhelm Fink Verlag, 2013</xref>), 31&#8211;33. Nat&#252;rlich bedarf eine solch paranoische, vornehmlich auf Sprache basierende Wissensproduktion in ihrem Universalanspruch wiederum einer Kritik, insbesondere aus nicht-europ&#228;ischer Perspektive, siehe z.B. Marie-C&#233;cile und Edmond Ortigues, &#338;dipe africain (<xref ref-type="bibr" rid="B29">Paris: Pion, 1966</xref>).</p></fn>
<fn id="n44"><p>Michel Foucault, <italic>Wahnsinn und Gesellschaft</italic>, &#252;bers. Ulrich K&#246;ppen (<xref ref-type="bibr" rid="B8">Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 1973 [frz. 1961]</xref>).</p></fn>
<fn id="n45"><p>Friedrich A. Kittler, &#034;Flechsig/Schreber/Freud. Ein Nachrichtennetzwerk der Jahrhundertwende,&#034; in <italic>Die Wahrheit der technischen Welt. Essays zur Genealogie der Gegenwart</italic>, herausgegeben von Hans U. Gumbrecht (<xref ref-type="bibr" rid="B19">Berlin: Suhrkamp, 2013</xref>), 76.</p></fn>
<fn id="n46"><p>Daniel Paul Schreber, <italic>Denkw&#252;rdigkeiten eines Nervenkranken</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B33">Berlin: Kulturverlag Kadmos, 2003</xref>), 86&#8211;98.</p></fn>
<fn id="n47"><p>Schreber, <italic>Denkw&#252;rdigkeiten</italic>, 34&#8211;35.</p></fn>
<fn id="n48"><p>Kittler, &#034;Flechsig/Schreber/Freud,&#034; 85&#8211;86.</p></fn>
<fn id="n49"><p>Sigmund Freud, &#034;Psychoanalytische Bemerkungen &#252;ber einen autobiographisch beschriebenen Fall von Paranoia (Dementia Paranoides),&#034; in <italic>Gesammelte Werke, Band VIII</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B12">Frankfurt a.M.: S. Fischer Verlag, 1993</xref>), 239&#8211;316.</p></fn>
<fn id="n50"><p>Eben hierin &#252;berschneiden sich Psychoanalyse und Medientheorie, die ebenfalls den Anspruch erhebt, eine Botschaft hinter der Botschaft zu dekodieren (Groys, <italic>Unter Verdacht</italic>, 89).</p></fn>
<fn id="n51"><p>Die Erfahrung dieser Endlichkeit dr&#252;ckt sich f&#252;r Foucault letztlich im Wahnsinn aus (Foucault, <italic>Die Ordnung der Dinge</italic>, 449).</p></fn>
<fn id="n52"><p>Vogl, &#034;Technologien des Unbewussten,&#034; 375.</p></fn>
<fn id="n53"><p>Groys, <italic>Unter Verdacht</italic>, 46.</p></fn>
<fn id="n54"><p>Michel Foucault, <italic>Diskurs und Wahrheit. Berkeley-Vorlesungen 1983</italic>, &#252;bers. Mira K&#246;ller (<xref ref-type="bibr" rid="B7">Berlin: Merve Verlag, 1996 [engl. 1983]</xref>).</p></fn>
<fn id="n55"><p>Dem Erscheinen der <italic>Denkw&#252;rdigkeiten</italic> 1902 ging ein jahrelanger Rechtsstreit &#252;ber Schrebers M&#252;ndigkeit voraus, zumal sowohl seine Familie als auch sein Arzt Flechsig die Publikation verhindern wollten.</p></fn>
<fn id="n56"><p>Foucault, <italic>Diskurs und Wahrheit</italic>, 18&#8211;19.</p></fn>
<fn id="n57"><p>Lacan, &#220;ber die paranoische Psychose, 290.</p></fn>
<fn id="n58"><p>Foucault, <italic>Ordnung der Dinge</italic>, 450.</p></fn>
<fn id="n59"><p>Siehe Florian Sprenger und Christoph Engemann, Hg., <italic>Das Internet der Dinge. &#220;ber smarte Objekte, intelligente Umgebungen und die technische Durchdringung der Welt</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B35">Bielefeld: transcript, 2015</xref>).</p></fn>
<fn id="n60"><p>Katherine N. Hayles, &#034;Unfinished Work: From Cyborg to the Cognisphere,&#034; <italic>Theory, Culture &amp; Society</italic> 23, no. 7 (<xref ref-type="bibr" rid="B15">2006</xref>): 161.</p></fn>
<fn id="n61"><p>Felix Stalder, &#034;Algorithmen, die wir brauchen. &#220;berlegungen zu neuen technopolitischen Bedingungen der Kooperation und des Kollektiven,&#034; <italic>Standpunkte</italic> 1 (<xref ref-type="bibr" rid="B36">2017</xref>), <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.rosalux.de/publikation/id/14556/algorithmen-die-wir-brauchen">https://www.rosalux.de/publikation/id/14556/algorithmen-die-wir-brauchen</ext-link> [zuletzt aufgerufen: 10. April 2018].</p></fn>
<fn id="n62"><p>Groys, <italic>Unter Verdacht</italic>, 46.</p></fn>
<fn id="n63"><p>Groys, <italic>Unter Verdacht</italic>, 31.</p></fn>
<fn id="n64"><p>Vanessa Wong, &#034;Amazon knows Alexa devices are laughing spontaneously and it&#39;s &#39;working to fix it&#39;,&#034; <italic>BuzzFeed News</italic>, 8. M&#228;rz <xref ref-type="bibr" rid="B39">2018</xref>, <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.buzzfeed.com/venessawong/amazon-alexa-devices-are-laughing-creepy?utm_term=.xaWERo1YN#.rhEOA8V7z">https://www.buzzfeed.com/venessawong/amazon-alexa-devices-are-laughing-creepy?utm_term=.xaWERo1YN#.rhEOA8V7z</ext-link> [zuletzt aufgerufen: 10. April 2018].</p></fn>
<fn id="n65"><p>Sigmund Freud, &#034;Das Unheimliche,&#034; in <italic>Studienausgabe. Band IV</italic>, herausgegeben von Alexander Mitscherlich et al. (<xref ref-type="bibr" rid="B10">Frankfurt a. M.: Fischer Verlag, 1970</xref>), 249.</p></fn>
<fn id="n66"><p>Siehe Clemens Apprich et al., <italic>Pattern Discrimination</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B1">L&#252;neburg/Minneapolis: meson/University of Minnesota Press, 2018</xref>).</p></fn>
<fn id="n67"><p>Zumindest wird mit Latours Begriff der &#034;Diplomatie&#034; die M&#246;glichkeit einer politischen Handlungsmacht einger&#228;umt. (Danke an Simon Ganahl f&#252;r den Hinweis.)</p></fn>
<fn id="n68"><p>Siehe Henning Laux, &#034;Von der Akteur-Netzwerk-Theorie zur Soziologie der Existenzweisen,&#034; in <italic>Bruno Latours Soziologie der &#39;Existenzweisen&#39;</italic>, herausgegeben von Henning Laux (<xref ref-type="bibr" rid="B27">Bielefeld: transcript, 2016</xref>), 27.</p></fn>
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