<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<!DOCTYPE article PUBLIC "-//NLM//DTD JATS (Z39.96) Journal Publishing DTD v1.2 20120330//EN" "http://jats.nlm.nih.gov/publishing/1.2/JATS-journalpublishing1.dtd">
<!--<?xml-stylesheet type="text/xsl" href="article.xsl"?>-->
<article article-type="review-article" dtd-version="1.2" xml:lang="de" xmlns:mml="http://www.w3.org/1998/Math/MathML" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance">
<front>
<journal-meta>
<journal-id journal-id-type="issn">2755-0923</journal-id>
<journal-title-group>
<journal-title>Genealogy+Critique</journal-title>
</journal-title-group>
<issn pub-type="epub">2755-0923</issn>
<publisher>
<publisher-name>Open Library of Humanities</publisher-name>
</publisher>
</journal-meta>
<article-meta>
<article-id pub-id-type="doi">10.16995/gc.24070</article-id>
<article-categories>
<subj-group>
<subject>Review</subject>
</subj-group>
</article-categories>
<title-group>
<article-title>Stereotype und abnormale Politik: Rezension zu Yannis Stavrakakis&#39; <italic>Populist Discourse</italic></article-title>
</title-group>
<contrib-group>
<contrib contrib-type="author">
<contrib-id contrib-id-type="orcid">https://orcid.org/0009-0002-5592-4588</contrib-id>
<name>
<surname>Kapp</surname>
<given-names>Louis-Florentino</given-names>
</name>
<email>lf.kapp@gmx.de</email>
<xref ref-type="aff" rid="aff-1">1</xref>
</contrib>
</contrib-group>
<aff id="aff-1"><label>1</label>Independent researcher</aff>
<pub-date publication-format="electronic" date-type="pub" iso-8601-date="2025-09-25">
<day>25</day>
<month>09</month>
<year>2025</year>
</pub-date>
<pub-date pub-type="collection">
<year>2025</year>
</pub-date>
<volume>11</volume>
<issue>1</issue>
<fpage>1</fpage>
<lpage>15</lpage>
<permissions>
<copyright-statement>Copyright: &#x00A9; 2025 The Author(s)</copyright-statement>
<copyright-year>2025</copyright-year>
<license license-type="open-access" xlink:href="http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/">
<license-p>This is an open-access article distributed under the terms of the Creative Commons Attribution 4.0 International License (CC BY 4.0), which permits unrestricted use, distribution, and reproduction in any medium, provided the original author and source are credited. See <uri xlink:href="http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/">http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/</uri>.</license-p>
</license>
</permissions>
<self-uri xlink:href="https://www.genealogy-critique.net/articles/10.16995/gc.24070/"/>
<abstract>
<p>This article reviews the deconstructionist reading of populist discourse which Yannis Stavrakakis develops in his recent publication. In his research on populism and the history of academic research of populism, Stavrakakis shows the extent to which the discourse theory of Ernesto Laclau and Chantal Mouffe can contribute to overcoming the stereotypical and Eurocentric perspective on the political phenomenon of populism in current social sciences, political theory, and political philosophy. In doing so, Stavrakakis shows how a false, reproducing research paradigm supports a stereotypical discourse, and why populism as a political logic and representative democracy as governing principle are necessarily intertwined. As Stavrakakis also reflects on the limitations of discourse theory and its shortcomings in terms of addressing questions about materiality, his work sheds light on the necessity of conceptualizing a new discursive materialism.</p>
</abstract>
</article-meta>
</front>
<body>
<sec>
<title>1. Einleitung: Der Populismusdiskurs der real existierenden Liberaldemokratie</title>
<p>In Zeiten von Trump, Le Pen, Meloni und der organischen Krise der westlichen Liberaldemokratien ist der Populismus in aller Munde. Mediale &#214;ffentlichkeit, Feuilleton und ein Gro&#223;teil des sozialwissenschaftlichen und politiktheoretischen Diskurses (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B10">M&#252;ller 2016</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B11">Scurati 2024</xref>; <xref ref-type="bibr" rid="B12">Selk 2023</xref>) scheinen sich darin einig, dass der Populismus einen regressiven Atavismus oder gar die gegenw&#228;rtig gr&#246;&#223;te Gefahr f&#252;r die Demokratie darstellt: Ein normalerweise weitestgehend reibungsloses Miteinander werde durch populistische Demagogie, Fake News und das Sch&#252;ren von Ressentiments sabotiert &#8211; Populisten machen sich, so scheint es Konsens zu sein, die &#220;berforderung eines ansonsten als lethargisch oder indolent imaginierten Demos zu eigen, um gegen vermeintliche Eliten zu mobilisieren, das Gemeinwesen dadurch zu zerr&#252;tten und den Karren an die Wand zu fahren. Je austauschbare Gegenbegriffe werden, wie in der Rede von der oft beschworenen &#39;politischen Mitte&#39;, gegen den Populismus in Stellung gebracht; ein vorgeblich verlorengegangener, vom Populismus beseitigter politischer Anstand wird beklagt &#8211; konkrete ideologisch-politische Positionsbeschreibungen oder gar Forderungen werden zumeist nicht thematisch, sodass die Bezeichnung &#39;populistisch&#39; zum politischen Containerbegriff schlechthin avanciert ist. Eine Differenzierung zwischen &#39;links&#39;-populistischen oder &#39;rechts&#39;-populistischen Positionen scheint &#8211; sofern sie in der medialen &#214;ffentlichkeit denn erfolgt &#8211; von nachgeordnetem Interesse zu sein, wie auch eine jede politische Aussage von sich selbst nicht-populistisch w&#228;hnenden Politiker:innen jederzeit vom jeweiligen politischen Gegner mit dem Verdikt des Populismus geschm&#228;ht werden kann.</p>
<p>Der Frage, wie der Populismus zu diesem fragw&#252;rdigen Ruhm gelangen konnte und wie der akademische Populismusdiskurs zur Verbreitung eines stereotypen Bildes vom vermeintlich pauschal demokratiegef&#228;hrdenden oder r&#252;ckst&#228;ndigen Populismus beigetragen hat, widmet sich Yannis Stavrakakis in seiner Arbeit <italic>Populist Discourse: Recasting Populism Research</italic>. Der Laclau-Sch&#252;ler, Diskurstheoretiker und langj&#228;hrige Populismusforscher Stavrakakis gibt in seiner Publikation einen &#220;berblick zur Geschichte des akademischen Populismusdiskurses und diversen, in der Auseinandersetzung mit dem Populismus meist unterrepr&#228;sentierten historischen Konstellationen, Bewegungen und Parteien, die Begriff, Gestalt und Selbst- wie auch Fremd-Verst&#228;ndnis verschiedener Populismen gepr&#228;gt haben. Ausgehend vom Ansatz der Hegemonie- und Diskurstheorie Ernesto Laclaus und Chantal Mouffes (<xref ref-type="bibr" rid="B4">1985</xref>) sowie der psychoanalytischen Theorie Jacques Lacans f&#252;hrt Stavrakakis zun&#228;chst durch die Geschichte und Forschungsgeschichte des Populismus, um darauf aufbauend einen eigenen, der heute g&#228;ngigen Populismusforschung entgegengesetzten, diskurstheoretisch informierten Definitionsversuch des Populismus vorzulegen. &#220;ber diese, f&#252;r Fragen der politischen Theorie und Erkenntnistheorie der Sozialwissenschaften aktuelle, Problemstellungen hinaus gibt Stavrakakis auch Einblick in seine Arbeit an der Erweiterung des diskurstheoretischen Modells Ernesto Laclaus und unterzieht die l&#228;ngerfristigen Chancen und Risiken populistischer Politiken einer kritischen Bewertung, die &#8211; g&#228;ngige Stereotype vermeidend &#8211; zur Frage nach den Bedingungen und Modi politischer Mobilisierung und Institutionalisierung in der Gegenwart f&#252;hrt. Im Folgenden werden zun&#228;chst (2.) zentrale Standpunkte und Aussagen Ernesto Laclaus populismustheoretischer Arbeit <italic>On Populist Reason</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B6">Laclau 2005</xref>) als relevanter Hintergrund f&#252;r Stavrakakis&#39; Forschungsbeitrag skizziert. Anschlie&#223;end (3.) erfolgt die Nachzeichnung der von Stavrakakis entwickelten Dekonstruktion des akademischen Populismusdiskurses. (4.) Die Darstellung des von Stavrakakis aufgenommenen diskurstheoretischen Ansatzes und der daher entwickelte Definitionsversuch des Populismus geht einer abschlie&#223;enden kurzen Diskussion (5.) der Anschlussfragen an Stavrakakis Auseinandersetzung mit Populismusdiskurs und Diskurstheorie voran.</p>
</sec>
<sec>
<title>2. Yannis Stavrakakis auf den Spuren Ernesto Laclaus</title>
<p>Populismus, so Yannis Stavrakakis, &#034;constitutes the name that the status quo ascribes to certain ostensibly undesirable, anti-systematic or, at any rate oppositional discourses&#034; (6). Dass eine solche rein negative Bestimmung im herk&#246;mmlichen Sinne keine Definition positiver Eigenschaften abgeben kann, liegt auf der Hand, und so stellt Stavrakakis schon eingangs klar, dass er darauf abzielt, die &#39;Stereotypen&#39; der &#034;mainstream&#034;-Populismusforschung zu dekonstruieren (21). Der Populismus, oder vielmehr das diskursiv geschaffene und die &#214;ffentlichkeit heimsuchende &#034;monster of populism&#034; (6), so macht Stavrakakis deutlich, ist ein in einem politisch konfliktiven und niemals neutralen Feld geschaffenes Konstrukt. Die Rede vom Populismus als Monster oder auch &#39;Verk&#246;rperung&#39; von &#034;nearly every (chronic) social pathology&#034; (6) ist nur denkbar vor dem Hintergrund eines implizit nicht in Frage stellbaren Modus von Politik &#8211; &#39;Populismus&#39; im heutigen medialen Diskurs ist zun&#228;chst Abwertung einer Abweichung von (politischer) &#39;Normalit&#228;t&#39; (1&#8211;7)<xref ref-type="fn" rid="n1">1</xref> &#034;to discredit every alternative proposal diverting away from the (supposedly) single professional and respectable way of conducting politics (TINA: There Is No Alternative)&#034; (6). Mit diesen Feststellungen folgt Stavrakakis inhaltlich den etwa 20 Jahren zuvor von Ernesto Laclau in <italic>On Populist Reason</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B6">2005</xref>)<xref ref-type="fn" rid="n2">2</xref> getroffenen Aussagen zum Charakter des Populismus und dem Stand der Populismusforschung. F&#252;r Laclau zeigt sich in der Unbestimmtheit des Diskurses &#252;ber den Populismus ein Merkmal des Populismus selbst und dar&#252;ber hinaus ein tiefergehendes Versagen der diskurspr&#228;genden, rezent-hegemonialen Ans&#228;tze politischer Theorie (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B6">Laclau 2005, 3f., 16&#8211;20</xref>). Der Populismus gilt Laclau vielmehr als &#034;the royal road to understanding something about the ontological constitution of the political as such&#034; (<xref ref-type="bibr" rid="B6">Laclau 2005, 67</xref>). Im Folgenden sollen hier zwei ma&#223;gebliche Aspekte der f&#252;r Stavrakakis pr&#228;genden Vorarbeit Laclaus herausgestellt werden: Zun&#228;chst dessen Genealogie des Diskurses der Massenpsychologie und im Anschluss seine formale Bestimmung des Populismus.</p>
<p>Laclau leitet her, wie durch den Diskurs der Massenpsychologie und kriminologischen Sozialpathologie &#8211; besonders hervorzuheben ist das Werk von Gustave Le Bon &#8211; eine Pathologisierung des &#39;Volkes&#39; / der &#39;Massen&#39; betrieben wurde, in deren Zuge die &#034;constitution and dissolution of a social frontier separating the normal from the pathological&#034; (<xref ref-type="bibr" rid="B6">Laclau 2005, 19</xref>) stattgefunden hat. Diese Konstruktion ist es, die den begrifflichen und diskursiven Rahmen daf&#252;r bereitstellt, im Populismus eine Art abnormaler Politik zu sehen, die die vermeintliche Irrationalit&#228;t der &#39;Massen&#39; oder des &#39;Volkes&#39; ausnutzt und somit als emblematische Erscheinung einer solchen Pathologie gelten kann (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B6">Laclau 2005, 19f., 63f</xref>.). Einen grundlegenden Wandel im Diskurs der Massenpsychologie sieht Laclau im Denken Freuds angelegt &#8211; Laclau spricht in Bezug auf Freuds <italic>Massenpsychologie und Ich-Analyse</italic> [1921]<xref ref-type="fn" rid="n3">3</xref> vom &#034;most radical breakthrough which had so far been accomplished in mass psychology&#034; (<xref ref-type="bibr" rid="B6">Laclau 2005, 52</xref>). Freud baue nicht nur durch sein triebzentriertes tiefenpsychologisches Modell, so Laclau, die bisher in der Massenpsychologie zentrale Unterscheidung von Individual- und Sozialpsychologie ab (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B6">Laclau 2005, 52f</xref>.), sondern formuliere mit seiner Theorie der Identifikation mit F&#252;hrungsfiguren und der Behauptung der Konstitution einer Gleichheitsbeziehung zwischen Mitgliedern einer sozialen Gruppe auch eine Erkl&#228;rung f&#252;r Begr&#252;ndung sozialer Ordnung, die ihren Grund au&#223;erhalb ihrer selbst &#8211; &#8218;transzendent&#39; &#8211; findet (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B6">Laclau 2005, 62f</xref>.). Gruppenkoh&#228;sion werde in diesem freudschen Modell durch den Abstand von Ich und Ichideal, genauer durch den Abstand der Mitglieder der Gruppe zu dem zum Ichideal erkorenen (libidin&#246;s besetzten) F&#252;hrer erm&#246;glicht. Die Gleichheit bzw. &#196;quivalenz der Gruppenmitglieder untereinander r&#252;hrt, nicht zuletzt, vom gemeinsamen Abstand zur F&#252;hrungsfigur und der durch diese Identifikation benennbaren Abgrenzung gegen ein nicht dazugeh&#246;riges &#196;u&#223;eres jenseits der Gruppe (<xref ref-type="bibr" rid="B6">Laclau 2005, 69f</xref>.). Mit dieser Freud-Lekt&#252;re unternimmt Laclau eine Angleichung des freudschen Ansatzes der &#8218;massen-&#39; bzw. gruppenpsychologischen Theorie der Identifikation mit seiner eigenen hegemonietheoretischen Position, die genau um jene Abst&#228;ndigkeit und &#196;u&#223;erlichkeit eines Grundes sozialer Ordnungen kreist.</p>
<p>Vor dem Hintergrund seines Verst&#228;ndnisses von Identit&#228;ten als diskursiv konstruierten Identit&#228;ten entwickelt Laclau eine formale Definition des Populismus, aus der ersichtlich wird, inwiefern von seiner Warte aus Populismus (als Praxis) und Demokratie grunds&#228;tzlich miteinander verbunden sind. Der Populismus, so Laclau, ist keine Bewegung, sondern &#8218;politische Logik&#39; (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B6">Laclau 2005, 117</xref>). Diese politische Logik ist die Wirk- und Funktionsweise der Institutionalisierung des Sozialen und seiner Ordnungen im Sinne der vorfindlichen sozialen Wirklichkeit als solcher (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B6">Laclau 2005, 117f., 224</xref>) &#8211; hingewiesen sei auf Laclaus von Husserl &#252;bernommenen Begriff der &#8218;Sedimentation&#39;, welcher den Modus des Zustandekommens der lebensweltlichen, sozialen Alltagswelt bezeichnet (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B5">Laclau 1990, 34f</xref>.). Diese Institutionalisierung des Sozialen ist jedoch kein objektivistisches Vorkommnis: &#034;Such an institution, however, as we already know, is not an arbitrary <italic>fiat</italic> but proceeds out of social demands&#034; (<xref ref-type="bibr" rid="B6">Laclau 2005, 117</xref>). Aus solchen &#39;demands&#39;/Forderungen setzt sich, in formaler Hinsicht, das &#034;political subject&#034; (<xref ref-type="bibr" rid="B6">Laclau 2005. 117</xref>) zusammen, welches seinerseits aus einer Reihe verschiedener Forderungen besteht (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B6">Laclau 2005 117f., 122f</xref>.). Der Populismus ist nach Laclau diejenige Praxis, die ein solches politisches Subjekt bzw. eine solche politische Identit&#228;t zu konstruieren versucht und dazu verschiedene Forderungen zusammenf&#252;hrt, gegen ein Au&#223;en abgrenzt und &#8211; sofern die Institutionalisierung gelingt &#8211; diese politische Identit&#228;t mit dem Namen &#39;Volk&#39; versieht (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B6">Laclau 2005, 110f., 127</xref>). Die Behauptung der Verk&#246;rperung des Volkes ist f&#252;r Laclau analog zur Struktur des &#39;leeren Signifikanten&#39; zu denken (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B6">Laclau 2005, 161&#8211;164</xref>). &#39;Volk&#39; ist dabei nie eine automatisch auftauchende oder gar nat&#252;rliche Identit&#228;t: &#034;There is nothing automatic about the emergence of a &#39;people&#39;. On the contrary, it is the result of a complex construction process which can, among other possibilities, fail to achieve its aim&#034; (<xref ref-type="bibr" rid="B6">Laclau 2005, 200</xref>). Populismus ist die Praxis jener Konstruktion eines politischen Subjekts, das den Namen &#39;Volk&#39; f&#252;r sich beansprucht und in dieser Hinsicht Konstruktions-Logik und nicht politische Bewegung oder spezifische Ideologie. Demokratie als solche ist f&#252;r Laclau in formaler Hinsicht dasjenige System bzw. derjenige symbolische Raum, in dem verschiedene Arten der Konstruktion des &#39;Volkes&#39; m&#246;glich sind (die folglich konkurrieren). Demokratie in diesem Sinne &#8211; dabei m&#252;ssen wir, wie Stavrakakis unterstreicht (106, 160&#8211;163), das imagin&#228;re und symbolische Repertoire der Demokratie bedenken und die demokratische Legitimationsidee der Volkssouver&#228;nit&#228;t (101f.) &#8211; ist St&#228;tte der politischen Logik des Populismus: &#034;[T]he problem of democracy [&#8230;] becomes that of the plurality of frameworks which make the emergence of a &#8218;people&#39; possible [&#8230;] the question of the constitution of a popular subjectivity becomes an integral part of the question of democracy&#034; (<xref ref-type="bibr" rid="B6">Laclau 2005, 167</xref>). Politische Logiken der Konstruktion eines politischen Subjekts namens &#39;Volk&#39; m&#252;ssen demnach in formaler Hinsicht immer populistisch sein. Demokratie und Populismus sind in dieser von Laclau eingenommenen Perspektive nicht voneinander zu trennen, die politische Logik innerhalb demokratischer Systeme erscheint notwendigerweise als populistische Praxis.</p>
<p>Die formalen Aussagen Laclaus erscheinen, betrachten wir die politische Wirklichkeit in demokratischen Systemen, &#228;u&#223;erst &#252;berzeugend. Will eine politische Kraft &#8211; sei es Partei, Bewegung oder organisierter Protest &#8211; ihren spezifischen Forderungen Nachdruck verleihen, wird sie versuchen, ihr Anliegen als dasjenige der Allgemeinheit darzustellen. Diese (behauptete) &#220;bereinstimmung ihrer politischen Agenda mit allgemeinen Forderungen des &#39;Volkes&#39; ist zugleich das n&#246;tige Vehikel, um das eigene politische Projekt und seine Programmatik zu verstetigen und zu bef&#246;rdern. Dabei handelt es sich nicht nur um eine wahlkampftaktische oder marketingtechnische Notwendigkeit, sondern zugleich auch um die Logik des Zustandekommens &#8211; der Konstruktion &#8211; eben jener politischen Kr&#228;fte als solchen, insofern das jeweilige politische Projekt sich durch das Finden neuer W&#228;hler, Mitglieder, Milieus oder dgl. konsolidiert oder dabei eben scheitert.</p>
</sec>
<sec>
<title>3. Genealogie einer Norm: Populismusdiskurs und die Hegemonie von TINA</title>
<p>Weit davon entfernt, bei dem &#034;recent boom in the academic literature around populism&#034; (3) mit einer objektiven Populismusforschung konfrontiert zu sein, macht Stavrakakis deutlich: &#034;we have to come to terms with the fact that the sensibility underlying much of (supposedly objective) populism research is <italic>a priori</italic> anti-populist&#034; (7). Folgerichtig steht f&#252;r Stavrakakis die Frage im Vordergrund, wie eine &#034;critical demystification strategy&#034; und mit ihr das Vorgehen in Gestalt eines &#034;sober, balanced and more reflexive assessment&#034; (17) aussehen muss, um die Fallstricke der g&#228;ngigen Forschungsans&#228;tze zu vermeiden. Neben der &#220;berwindung der zumeist eurozentristischen Perspektive der Populismusforschung und der Ber&#252;cksichtigung der facettenreichen Geschichte populistischer Politiken und Akteure, r&#252;ckt Stavrakakis die Frage nach dem Zusammenhang von Populismus und der sich ebenfalls auf &#034;popular sovereignty&#034; (18) berufenden Regierungsform Demokratie als solcher in den Vordergrund (18&#8211;21).</p>
<p>Die historisch-geographische Perspektive weitend fragt Stavrakakis nach dem &#034;Populism before populism&#034; (26). Dabei sieht er die M&#246;glichkeit eines Populismus &#034;avant la lettre&#034; (26) dadurch gegeben, dass die Konzepte der Volkssouver&#228;nit&#228;t und &#034;popular legitimation&#034; (27) schon vor ihrer historischen Verfassungswirklichkeit ma&#223;gebliche politische Referenzen darstellten und als Legitimationsgrundlage dienten. Die Bewegungen der Levellers, Chartisten und die Fortf&#252;hrung r&#246;misch-b&#252;rgerlicher Traditionen in Byzanz werden als Beispiele f&#252;r historische Vorl&#228;ufer moderner Populismen angef&#252;hrt (27f.). Spezifisch fr&#252;he Exemplare eines modernen Populismus macht Stavrakakis im sp&#228;ten 19. Jahrhundert bei den russischen Narodniki und der US-amerikanischen People&#39;s Party aus (31&#8211;40): &#034;If pre-revolutionary Russia can be credited with the creation of the first historical populist movement, a few years later (in the 1890s), the United States witnessed the emergence of the first populist party proper&#034; (36). Diese Anf&#228;nge des modernen Populismus haben, trotz ihrer relativen Kurzlebigkeit, in Gestalt der Narodniki, durch ihren Einfluss auf Marx und die chinesischen Kommunisten, auf die marxistische Tradition in ihrer Breite gewirkt (34ff.), w&#228;hrend der Einfluss der People&#39;s Party / Populist Party in den USA im Tiefenstrom der demokratischen Partei &#252;berdauern konnte und mittelbar sowie kulturell die New-Deal Politik Franklin D. Roosevelts ebenso vorzeichnete wie die Kampagnen von Bernie Sanders in der j&#252;ngeren Vergangenheit (38f.). Im Gegensatz zu den historischen Vorl&#228;ufern in den USA und dem zaristischen Russland zeichnet die uns zeitlich n&#228;her liegenden Populismen des Lateinamerikas des 20. und 21. Jahrhunderts ein Merkmal aus, so Stavrakakis, &#252;ber welches sowohl die People&#39;s Party als auch die Narodniki nicht verf&#252;gten: die F&#228;higkeit, die Regierungsmacht zu erringen und tats&#228;chlich l&#228;ngere Zeit zu regieren (40). Als Beispiele daf&#252;r kann Stavrakakis nicht nur auf die Regierungen unter der F&#252;hrung Juan Domingo Per&#243;ns in Argentinien und von Get&#250;lio Vargas in Brasilien verweisen (40ff.), sondern insbesondere auch auf die sogenannte &#39;Pink Tide&#39; des fr&#252;hen 21. Jahrhunderts, in deren Verlauf unter anderem Raffael Correa in Ecuador, Evo Morales in Bolivien und Hugo Ch&#225;vez in Venezuela Regierungsverantwortung &#252;bernahmen (40ff.). Von besonderem Interesse ist dabei die von Stavrakakis ber&#252;hrte Frage nach den Entstehungsumst&#228;nden populistischer Bewegungen und Diskurse sowie ihre etwaige Institutionalisierung und Konsolidierung im Falle erfolgreicher Erringung der Regierungsmacht. Wie Stavrakakis eingehend darstellt, sind es Krisenereignisse &#8211; und der mit ihnen einhergehende Legitimationsverlust von oftmals neoliberalen Regierungen &#8211; welche die Bedingung f&#252;r das Aufkommen populistischer Diskurse darstellen (50ff.). Dies gilt f&#252;r die s&#252;damerikanischen Beispiele ebenso wie f&#252;r die auch angef&#252;hrten europ&#228;ischen Referenzen in Gestalt der griechischen SYRIZA sowie der spanischen PODEMOS, deren Wahlerfolge (im Falle SYRIZAs auch die Regierungs&#252;bernahme) durch die Euro-Krise und das verordnete Austerit&#228;tsregime erm&#246;glicht wurden (48&#8211;52). Dabei sind solche Krisenereignisse keine rein objektiven Vorkommnisse, sondern werden von Akteuren eingeordnet, vermittelt, betrieben &#8211; sie sind &#39;performativ&#39; erzeugt, wahrgenommenen und aktiv diskursiv bearbeitet (50f.). Stavrakakis r&#252;ckt dadurch die aktive und performative Dimension populistischer Politik als einer diskursiven Praxis in den Blick.</p>
<p>Im zweiten Kapitel seiner Untersuchung wendet sich Stavrakakis der Analyse des Diskurses der &#39;Mainstream&#39;-Populismusforschung zu. Nach einem zun&#228;chst positiven Bild von populistischer Politik in der &#228;lteren Forschung habe sich, besonders seit den 1950ern und vor dem historischen Hintergrund des Kalten Krieges (58f.), eine zusehends abwertende Deutung des Populismus durchgesetzt. Der heutige Mainstream der Populismusforschung schlie&#223;e dabei an diese Praxis der Abwertung des Populismus an: &#034;Most of the scholars involved in populism research &#8211; the &#8218;mainstream&#39;, the current orthodoxy, so to speak &#8211; seem to adopt a rather liberal stance, which usually comes twinned with a more or less anti-populist sensibility&#034; (56). Stavrakakis fragt, wie diese &#034;<italic>pejorative mythologization of populism</italic>&#034; (57) erfolgen konnte und macht als entscheidende Marke und Wendepunkt den Diskurs der sogenannten Modernisierungstheorie und insbesondere die Arbeit des US-amerikanischen Historikers Richard Hofstadter aus. Die u.a. von Hofstadter gepr&#228;gte Modernisierungstheorie vertrete nach Stavrakakis eine kapitalistisch (liberale) Entwicklungsgeschichte mit einer &#034;almost eschatological linearity&#034; (70). Abweichungen oder gar Widerstand gegen die Auswirkungen industriekapitalistischer &#8218;Modernisierung&#39; gelten der Modernisierungstheorie als gleichbedeutend mit R&#252;ckst&#228;ndigkeit und somit fortschrittsfeindlich:</p>
<disp-quote>
<p>Whoever diverged from the dominant rule identified with &#8218;modern society&#39; &#8211; which according to modernization theorists was cosmopolitan, secular, welcoming of rapid changes and characterized by a complex division of labour &#8211; was discredited and denounced as <italic>abnormal</italic>, as unable or unwilling to move beyond &#39;traditional society&#39; (60).</p>
</disp-quote>
<p>Aus Sicht der modernisierungstheoretischen Modellvorstellung von Fortschrittlichkeit ist der Populismus die politische Str&#246;mung der R&#252;ckst&#228;ndigkeit schlechthin. Der Populismus gelte dem Blick der Modernisierungstheorie als Sammelbecken eines irrationalistischen Moralismus, der sich der Moderne verweigere (58&#8211;64). Dieser Vorwurf des Moralismus stellt, wie Stavrakakis zeigt, auch das verbindende Moment von altem und neuem Forschungsmainstream dar. Trotz des akademischen Scheiterns des Modells der Modernisierungstheorie (insb. angesichts des Vietnamkrieges) haben sich deren Grundannahmen bez&#252;glich des Populismus nicht nur halten k&#246;nnen, sondern bestimmen noch immer den wissenschaftlichen Populismusdiskurs (64&#8211;70). Wenn auch die prominenten neueren Erkl&#228;rungsmodelle der Populismusforschung von Cas Mudde und Crist&#243;bal Rovira Kaltwasser ein, wie Stavrakakis anerkennt, differenzierteres Bild des Populismus entwerfen (73&#8211;79), bleiben sie trotzdem im konzeptionellen Rahmen der seit der Modernisierungstheorie vorherrschenden Stereotype befangen (73, 82&#8211;89): &#034;[F]ar from being a defining characteristic of global populism, moralization is even more typical of anti-populist politicians, not to mention anti-populist scholars&#034; (86). Wohlwollend bemerkt Stavrakakis bei seiner Frage nach einem m&#246;glichen &#39;Paradigmenwechsel&#39; innerhalb der Populismusforschung dennoch, dass insbesondere Mudde und Kaltwasser sich in j&#252;ngerer Zeit einem diskurssensitiven Erkl&#228;rungsansatz anzun&#228;hern scheinen (89ff.). Den von Stavrakakis geforderten methodologischen Perspektivwechsel werden wir im Folgenden anhand seines eigenen, an Laclau anschlie&#223;enden diskurstheoretischen Ansatzes thematisch machen, um im Anschluss daran Stavrakakis&#39; Beurteilung der Aussichten populistischer Politiken darzustellen.</p>
</sec>
<sec>
<title>4. Diskurstheoretische Vorz&#252;ge und die Grenzen der Mobilisierung</title>
<p>Stavrakakis optiert f&#252;r ein an Laclau und Mouffe anschlie&#223;endes Diskursmodell, welches besser geeignet sein soll, das politische Ph&#228;nomen des Populismus theoretisch zu bestimmen und dabei die Unsch&#228;rfen der &#39;Mainstream&#39;-Forschung zum Thema zu vermeiden. Die bedeutendste Perspektivverschiebung in Vergleich zu den vorangehend behandelten Ans&#228;tzen liegt in Stavrakakis&#39; Bestimmung des Populismus als Diskurs (95f.):</p>
<disp-quote>
<p>[W]e propose that discourse designates an intersubjective knot linking language and its beyond (indicating different types of materiality), symbolic and real, structure and agency, meaning and passion/affect, collective identifications and collective actions, as well as supply and demand (96).</p>
</disp-quote>
<p>Dieser Diskursbegriff gestattet es Stavrakakis, ein breites Set an Einfl&#252;ssen und Faktoren zu ber&#252;cksichtigen, anstatt ein unkritisch normiertes Politikverst&#228;ndnis als Schablone anzulegen. vermeiden. Es braucht eine nicht pathologisierende Perspektive: Stavrakakis fasst den Populismus nicht als abnormale Abweichung von einer vermeintlichen politischen Normalit&#228;t, sondern als dem Repr&#228;sentativsystem der Liberaldemokratien notwendigerweise entspringendes Ph&#228;nomen (96&#8211;102). Stavrakakis lenkt den Blick darauf, dass Repr&#228;sentativsystem und Demokratie in historischer Perspektive nicht notwendigerweise miteinander verbunden und es die oligarchischen Tendenzen jener Repr&#228;sentationslogik sind, die dazu f&#252;hren, dass zwischen dem Anspruch der Volkssouver&#228;nit&#228;t im Sinne einer Selbstregierung des Volkes durch das Volk und der repr&#228;sentativ-demokratischen Wirklichkeit immer ein Abstand bestehen bleibt, welcher in struktureller Hinsicht die M&#246;glichkeit populistischer Politik er&#246;ffnet (97f.): &#034;On the one hand, the representative system invokes something (popular sovereignty) and is premised on something (popular legitimization), which it simultaneously attempts to restrict&#034; (98). Der Populismus ist demzufolge notwendige Begleiterscheinung und Produkt eines blo&#223;en Repr&#228;sentativsystems &#8211; &#034;[r]epresentative democracy itself seems to have triggered a political choreography that let the populist Genie escape the magic lamp of representation&#034; (102) &#8211; keineswegs Abweichung eines andernfalls normalen Laufs der Dinge.</p>
<p>Dass Laclaus diskurstheoretischer Ansatz besser geeignet sei, das Verh&#228;ltnis von Populismus und (repr&#228;sentativer) Demokratie zu bestimmen, f&#252;hrt Stavrakakis konkret auf dessen Einbindung einer Vielzahl von Faktoren zur&#252;ck &#8211; Diskurstheorie im Sinne Laclaus ist keinesfalls blo&#223; sprachlich orientiert und sie reduziert keineswegs Wirklichkeit auf Sprachliches, wie manche Kritiker behaupten (107&#8211;110). Mit der Bezeichnung &#8218;Diskurs&#39; oder in der Rede von diskursiv konstruierten Entit&#228;ten, &#034;[t]hey [Laclau and Mouffe] refer to the socially and politically constructed meaning of objectivity, of our reality, which is also shaping its practical implications (inclusive of desire and enjoyment)&#034; (108). Ein solches Diskursmodell &#8211; Stavrakakis kennzeichnet es auch als &#034;post-rationalist&#034; (110) &#8211; erlaubt die konkrete Analyse der vielf&#228;ltigen Beweggr&#252;nde, Einfl&#252;sse und Prozesse, die eine komplexe soziale Wirklichkeit konstituieren, ohne dabei in unterkomplexen, &#252;bergeb&#252;hrlich schematisierenden Erkl&#228;rungsmodellen befangen zu bleiben, da es performative, materiale und motivational-affektive Faktoren ebenso ber&#252;cksichtigt und als diskursiv auffasst, wie sprachliche &#196;u&#223;erungen (108ff., 113f.). Nichtsdestotrotz adressiert Stavrakakis den Vorwurf der Sprachzentriertheit gegen die Diskurstheorie Laclaus und f&#252;hrt diesen teilweise auf die &#252;berwiegend linguistisch orientierte Forschungsarbeit einiger der Wissenschaftler:innen aus dem Umfeld der von Laclau und Mouffe begr&#252;ndeten <italic>Essex School</italic> zur&#252;ck, die dadurch die Wahrnehmung des eigentlich breiteren Diskursverst&#228;ndnisses &#8211; Sprachliches wie Nicht-Sprachliches umfassend &#8211; Laclaus verzerrt h&#228;tten (113f.).</p>
<p>Das Problem einer &#220;berbetonung des Sprachlichen liegt f&#252;r Stavrakakis demnach also nicht in einer Verengung der Diskurstheorie Laclaus als solcher, sondern in deren verk&#252;rzter Anwendung und &#220;bertragung, welcher Stavrakakis mit einem &#034;Discursive Materialism&#034; (113) zu begegnen versucht. Stavrakakis Ausf&#252;hrungen halten sich dabei beil&#228;ufig, und neben dem Hinweis auf einige Referenzen f&#252;r ein solches Projekt &#8211; insb. Georges Bataille und Jacques Lacan (115&#8211;119) &#8211; verbleibt die Frage nach einem &#8218;diskursiven Materialismus&#39; im Ungef&#228;hren. Es wird auch nicht ersichtlich, wieso ein solcher neuer Materialismus &#8211; &#034;we need to conceptualize a new form of materialism&#034; (115) &#8211; nach Stavrakakis&#39; Einsch&#228;tzung n&#246;tig sei, wenn die Kritik an Laclaus Diskurstheorie der Fehllekt&#252;re der Kritiker:innen oder Fehlanwendung der Rezipient:innen der Diskurstheorie entspringt. Ist dem so, und das scheint Stavrakakis Argumentation &#252;ber weite Strecken nahelegen zu wollen, w&#228;re eine reformatorische Besinnung auf den urspr&#252;nglichen Reichtum der Diskurstheorie Laclaus ausreichend, da diese selbst schon den von Stavrakakis gesuchten &#8218;diskursiven Materialismus&#39; bereithielte. Dadurch dr&#228;ngt sich der Eindruck auf, dass Stavrakakis mit seinem Ankn&#252;pfen an Batailles &#220;berlegungen zum Materialismus und seiner konsequenten Anbindung an Lacans Theorie der Psychoanalyse an den Grenzen und Leerstellen der Diskurstheorie Laclaus weiterarbeitet und dabei noch nicht ausgemacht ist, inwieweit und an welcher Stelle ein solcher Materialismus sich auf Laclaus Diskurstheorie st&#252;tzen kann. Diese ontologischen und erkenntnistheoretischen Fragestellungen finden, naheliegenderweise, in der weiteren Auseinandersetzung mit dem Populismus keine tiefergehende Ber&#252;cksichtigung, wenngleich die Sto&#223;richtung hin zu einem Mehr an Materialit&#228;t in Stavrakakis Beurteilung populistischer Politiken und Konstruktions-Logiken in dessen abschlie&#223;endem Kapitel anklingt.</p>
<p>Abschlie&#223;end kondensiert Stavrakakis seine diskurstheoretisch informierte Analyse populistischer Politiken und der Genealogie des akademischen Populismusdiskurses in einem Definitionsversuch des Populismus, der die &#034;main (minimal) criteria&#034; (123) des Populismus herausstellt. Definitorische Charakteristika des Populismus sind demnach dessen &#034;People-centrism&#034; und sein &#034;Anti-elitism&#034; (123). Die Konstruktion eines politischen Subjekts namens &#8218;Volk&#39; und dessen Abgrenzung gegen eine &#8218;Elite&#39; sind die in formaler Hinsicht von Stavrakakis angef&#252;hrten Minimalkriterien. Diese Definition r&#252;ckt dabei die performative Dimension des Populismus in den Vordergrund, da weder &#8218;das Volk&#39; noch &#8218;die Elite&#39; von selbst im sozialen Raum vorgefunden werden, sondern diskursiv konstruiert oder gar erst zu schaffen sind. Dabei darf nicht vergessen werden, dass dies f&#252;r Stavrakakis mehr bedeutet als eine blo&#223;e sprachliche Zuschreibung, sondern dass materielle Bedingungen, Mittel, G&#252;ter und eine Vielzahl anderer Faktoren &#8211; insb. auch affektiver &#8211; in diesem Konstruktionsprozess ebenso diskursiv wirksam sind wie Sprachliches (125&#8211;128). Das durch die populistische Konstruktionslogik zu schaffende politische Subjekt &#8218;Volk&#39; ist dabei niemals eine homogene Masse, wie Stavrakakis im Ausgang von Mouffe<xref ref-type="fn" rid="n4">4</xref> erkl&#228;rt (142&#8211;145), dessen populistische Konstruktion darum auch nicht mit einem ethno-nationalistischen Begriff des Volkes zu verwechseln ist, der aufgrund essentialistischer Vorannahmen die Heterogenit&#228;t und Konstruiertheit politischer Subjektivit&#228;t leugnet.</p>
<p>Trotz der Weitung der historischen und geographischen Perspektive in der Untersuchung wendet sich Stavrakakis dagegen, in Populismen eine grunds&#228;tzlich demokratisch-egalit&#228;re Formierung auszumachen, die allenthalben von Kr&#228;ften der politischen Rechten nachgeahmt wird und in Gestalt eines vermeintlich wahren oder besseren Populismus an sich begr&#252;&#223;enswert w&#228;re. Dabei ist dieses Urteil insofern folgerichtig, da der Populismus in Stavrakakis&#39; Definitionsanlauf lediglich formal bestimmt wird und somit den Populismus, verstanden als politische Konstruktionslogik, keine ideologische F&#228;rbung kennzeichnet &#8211; der Populismus ist in diesem Sinne f&#252;r Stavrakakis kein automatisch demokratisches oder progressives Projekt (136&#8211;139). Viele der &#246;ffentlich als &#8218;rechtspopulistisch&#39; angezeigten politischen Parteien oder Bewegungen sind aber, darauf insistiert Stavrakakis, keineswegs als populistisch anzusehen, sondern prim&#228;r nationalistisch oder fremdenfeindlich und lediglich &#034;mainly peripheral or secondary populist elements&#034; (137) aufgreifend. Die von Stavrakakis vorgenommene Dekonstruktion des Populismusdiskurses und die im Ausgang von Laclau gewonnene formale Minimaldefinition des Populismus nimmt dem Begriff des Populismus nicht dessen vermeintlichen oder tats&#228;chlichen demokratischen Kern, wie es ob der egalit&#228;ren Geschichte populistischer Politik scheinen k&#246;nnte, sondern wirkt durch diese formale Perspektive der Verschleifung ideologischer Zuschreibungen entgegen, die Populismus und Rechtsradikalismus in unangemessener und gef&#228;hrlicher Weise in der &#246;ffentlichen Berichterstattung angleichen. Fragw&#252;rdig muss dabei jedoch bleiben, ob diese voraussetzungsreiche Differenzierung Eingang finden kann in den &#246;ffentlich-medialen Populismusdiskurs oder g&#228;nzlich frei von normativen Vorannahmen denkbar sein kann.</p>
<p>Vor dem Hintergrund dieser formal-definitorischen Einschr&#228;nkungen bez&#252;glich des demokratischen oder undemokratischen Potentials des Populismus f&#228;llt Stavrakakis&#39; Urteil &#252;ber die Chancen und Risiken populistischer Politik zwiesp&#228;ltig aus. Stavrakakis&#39; Res&#252;mee zeichnet sich dabei durch dessen diagnostische Originalit&#228;t aus, die sich nicht am hypothetischen Widerspruch des ideologisch W&#252;nschenswerten und formal M&#246;glichen aufh&#228;lt &#8211; &#8218;guter&#39; demokratischer Inhalt versus beliebige populistische Form &#8211; sondern, die Dimension des Performativen weiter im Blick haltend, die Frage der Mobilisierungsf&#228;higkeit in das Zentrum der &#220;berlegungen stellt (151&#8211;163). Der Populismus und dessen politische Logik gelten Stavrakakis als Chance, einen Zustand omnipr&#228;senter Demobilisierung und Entpolitisierung zu &#252;berwinden, ohne dass dabei sicher w&#228;re, ob dies gelingen wird:</p>
<disp-quote>
<p>Its [Populism] role is only that of a vanishing mediator. It emerges against the background of broken systems, which have lost their credibility and legitimacy and call for substantial change. Its only purpose is to facilitate such change without ever guaranteeing its achievement (152).</p>
</disp-quote>
<p>Trotz der institutionellen Schwierigkeiten, denen Populist:innen in Regierungsverantwortung begegnen und der Institutionalisierungsschw&#228;che populistischer Bewegungen sieht Stavrakakis in der politischen Logik des Populismus und seiner Mobilisierungswirkung das transitorische Mittel und eine m&#246;gliche Chance, Zust&#228;nde politischer Apathie zu &#252;berwinden (157&#8211;160). Dabei stellt der Populismus f&#252;r Stavrakakis auch einen Anlass dar, von theoretischer Seite das politische Subjekt des &#034;contemporary democratic citizen&#034; (162) neu zu denken und dabei die affektiven und libidin&#246;sen Faktoren politischer Mobilisierung, Partizipation und Konstitution in Rechnung zu stellen. Wie Stavrakakis mit seiner Dekonstruktion des Populismusdiskurses und seiner Analyse populistischer Bewegungen und Parteien demonstriert hat, ist durch eine stereotype Abwertung des Populismus nichts zu gewinnen, aber im Feld der politischen Theorie und Philosophie vieles zu verlieren &#8211; was und wie viel dagegen politisch vom Populismus der Gegenwart zu erwarten ist oder gar aus dem populistischen Moment gemacht werden kann, bleibt offen: &#034;There is no risk-free strategy here&#034; (161).</p>
</sec>
<sec>
<title>5. Populismus ohne Hype</title>
<p>Insgesamt gelingt es Yannis Stavrakakis in seiner Untersuchung, die unmittelbare Relevanz populismustheoretischer Fallstricke und Ungereimtheiten f&#252;r gesellschaftspolitische Entwicklungen aufzuzeigen. Seine Dekonstruktion des Populismusdiskurses macht deutlich, weshalb indifferente Konzeptionalisierungen und eine historisch blinde und irreflexive Methodologie nicht nur nicht zur Sicherung demokratischer Standards beitragen, sondern die Erosion demokratischer Gemeinwesen vielmehr vertiefen und eine grunds&#228;tzliche Verschleifung und Verflachung politischer Auseinandersetzung und deren &#246;ffentlich-medialer Begleitung bef&#246;rdern. In diesem Sinne handelt es sich um einen h&#246;chst relevanten Forschungsbeitrag, zumal es, wie Stavrakakis nachdr&#252;cklich zeigt, n&#246;tig ist, dem auch akademisch reproduzierten &#034;<italic>populist hype</italic> in all its forms&#034; zu widerstehen (156) und sich dem Ph&#228;nomen des Populismus &#8211; jenseits von Verkl&#228;rungen &#8211; in aller N&#252;chternheit zu stellen. &#220;ber diesen Mehrwert hinaus ber&#252;hrt Stavrakakis auch Fragen der Weiterentwicklung des diskurstheoretischen Ansatzes Ernesto Laclaus, wenngleich die von Stavrakakis ausgemachte Notwendigkeit eines neuen, diskursiven Materialismus (115) aus dem im Forschungsbeitrag Entwickelten kaum ersichtlich wird. Gerade die angeschnittene Frage nach der Verkn&#252;pfung der Theorie des Realen bei Lacan mit den &#220;berlegungen Batailles zu einem flachen, nicht hierarchischen Materialismus h&#228;tten weiterer Ausf&#252;hrungen bedurft.</p>
<p>Neben dieser nachvollziehbaren Auslassung f&#228;llt insbesondere die in Stavrakakis&#39; Urteil &#252;ber den Populismus eingenommene &#034;post-normative&#034; Perspektive (139) auf, die nach der weitl&#228;ufigen Dekonstruktion des akademischen Populismusdiskurses und der Aufdeckung des egalit&#228;r-demokratischen Erbes der historischen Populismen &#252;berraschend scheint. Zwar erf&#252;llt die formale Definition in ihrer Herleitung <italic>de facto</italic> eine normative Sanktionierung, doch ist danach zu fragen, wie eine Vermittlung von (akademischer) Theoriebildung und Praxis im Ausgang dieses diskurstheoretischen Settings zu entwickeln ist.<xref ref-type="fn" rid="n5">5</xref> Stavrakakis liefert dazu in Folge seiner Minimaldefinition des Populismus nur wenige Anhaltspunkte. Dem kann zwar mit dem Hinweis auf den post-fundamentalistischen Anspruch Stavrakakis&#39; begegnet werden, doch ist danach zu fragen, ob sich eine politisch-ethische Privilegierung eines demokratischen Egalitarismus nicht schon in Laclaus formaler Bestimmung des Populismus als politischer Logik verbirgt &#8211; insbesondere, wenn Laclau die ontologische Gleichwertigkeit von Elementen eines sozialen Systems und der Wirkung der Differenzen betont (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B6">Laclau 2005, 68f</xref>.).</p>
</sec>
</body>
<back>
<fn-group>
<fn id="n1"><p>Stavrakakis verweist explizit auf Foucaults Thematisierung der Dichotomie/Gegen&#252;berstellung (bzw. Ausschlie&#223;ung) Normal/Anormal (3); siehe dazu Foucaults Vorlesungen am Coll&#232;ge de France 1974/75 (<xref ref-type="bibr" rid="B1">Foucault 2007</xref>).</p></fn>
<fn id="n2"><p>Stavrakakis bezieht sich stellenweise auch auf Laclaus fr&#252;here Arbeiten zum Populismus, insb. <italic>Politics and Ideology in Marxist Theory</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B3">1977</xref>).</p></fn>
<fn id="n3"><p><xref ref-type="bibr" rid="B2">Freud 2022</xref>.</p></fn>
<fn id="n4"><p>Stavrakakis bezieht sich auf <italic>F&#252;r einen linken Populismus</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B9">Mouffe 2018</xref>).</p></fn>
<fn id="n5"><p>Hingewiesen sei auf Oliver Marcharts L&#246;sungsansatz bzgl. der Frage der Vermittlung von Theorie und Praxis in Gestalt seiner &#220;berlegungen zu einem &#034;political imperative&#034; (<xref ref-type="bibr" rid="B8">Marchart 2018, 196</xref>) und der daran anschlie&#223;enden Versuche zu einer Ethik theoretischer / akademischer Arbeit (vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B8">Marchart 2018, 206&#8211;217</xref>). W&#228;hrend Stavrakakis&#39; Ansatz unvermittelt einen normativen Sprung in Gestalt einer Unterlassung zu vollziehen scheint, liefert Marchart Ans&#228;tze zu einer politischen Ethik im Ausgang von Laclaus Diskurstheorie. Marchart muss dazu jedoch den (heideggerianischen) Hegelianismus Koj&#232;ves heranziehen, das Laclau&#39;sche Konzept des Antagonismus radikalisieren, das urspr&#252;ngliche Terrain der Diskurstheorie Laclaus &#252;berschreiten und eine grunds&#228;tzliche Wiederann&#228;hrung des postmarxistischen Diskurses an das Hegel&#39;sche und Marx&#39;sche Erbe vollziehen. Siehe weiter zur Bestimmung von Theorie <italic>als</italic> Praxis auch Marcharts fr&#252;here Ausf&#252;hrungen zur &#034;Arbeit am Begriff&#034; (<xref ref-type="bibr" rid="B7">Marchart 2013, 425f</xref>.).</p></fn>
</fn-group>
<sec>
<title>Competing Interests</title>
<p>The author declares that they have no competing interests.</p>
</sec>
<ref-list>
<title>Bibliographie</title>
<ref id="B1"><mixed-citation publication-type="book"><string-name><surname>Foucault</surname>, <given-names>Michel</given-names></string-name>. <year>2007</year>. <source>Die Anormalen. Vorlesungen am Coll&#232;ge de France 1974&#8211;75</source>. <publisher-loc>Frankfurt/M.</publisher-loc>: <publisher-name>Suhrkamp</publisher-name>.</mixed-citation></ref>
<ref id="B2"><mixed-citation publication-type="book"><string-name><surname>Freud</surname>, <given-names>Sigmund</given-names></string-name>. <year>2022</year>. <chapter-title><italic>Massenpsychologie und Ich-Analyse</italic></chapter-title>. In: <source>Massenpsychologie und Ich-Analyse. Die Zukunft einer Illusion</source>, <fpage>31</fpage>&#8211;<lpage>105</lpage>. <edition>10</edition>. Auflage. <publisher-loc>Frankfurt/M.</publisher-loc>: <publisher-name>Fischer Verlag</publisher-name>.</mixed-citation></ref>
<ref id="B3"><mixed-citation publication-type="book"><string-name><surname>Laclau</surname>, <given-names>Ernesto</given-names></string-name>. <year>1977</year>. <source>Politics and Ideology in Marxist Theory. Capitalism &#8211; Fascism &#8211; Populism</source>. <publisher-loc>London &amp; New York</publisher-loc>: <publisher-name>New Left Books / Verso</publisher-name>.</mixed-citation></ref>
<ref id="B4"><mixed-citation publication-type="book"><string-name><surname>Laclau</surname>, <given-names>Ernesto</given-names></string-name> &amp; <string-name><given-names>Chantal</given-names> <surname>Mouffe</surname></string-name>. <year>1985</year>. <source>Hegemony &amp; Socialist Strategy. Towards a radical democratic politics</source>. <publisher-loc>London &amp; New York</publisher-loc>: <publisher-name>Verso</publisher-name>.</mixed-citation></ref>
<ref id="B5"><mixed-citation publication-type="book"><string-name><surname>Laclau</surname>, <given-names>Ernesto</given-names></string-name>. <year>1990</year>. <source>New Reflections on The Revolution of Our Time</source>. <publisher-loc>London &amp; New York</publisher-loc>: <publisher-name>Verso</publisher-name>.</mixed-citation></ref>
<ref id="B6"><mixed-citation publication-type="book"><string-name><surname>Laclau</surname>, <given-names>Ernesto</given-names></string-name>. <year>2005</year>. <source>On Populist Reason</source>. <publisher-loc>London &amp; New York</publisher-loc>: <publisher-name>Verso</publisher-name>.</mixed-citation></ref>
<ref id="B7"><mixed-citation publication-type="book"><string-name><surname>Marchart</surname>, <given-names>Oliver</given-names></string-name>. <year>2013</year>. <source>Das unm&#246;gliche Objekt. Eine postfundamentalistische Theorie der Gesellschaft</source>. <publisher-loc>Berlin</publisher-loc>: <publisher-name>Suhrkamp</publisher-name>.</mixed-citation></ref>
<ref id="B8"><mixed-citation publication-type="book"><string-name><surname>Marchart</surname>, <given-names>Oliver</given-names></string-name>. <year>2018</year>. <source>Thinking Antagonism. Political Ontology after Laclau</source>. <publisher-loc>Edinburgh</publisher-loc>: <publisher-name>Edinburgh University Press</publisher-name>.</mixed-citation></ref>
<ref id="B9"><mixed-citation publication-type="book"><string-name><surname>Mouffe</surname>, <given-names>Chantal</given-names></string-name>. <year>2018</year>. <source>F&#252;r einen linken Populismus</source>. <publisher-loc>Berlin</publisher-loc>: <publisher-name>Suhrkamp</publisher-name>.</mixed-citation></ref>
<ref id="B10"><mixed-citation publication-type="book"><string-name><surname>M&#252;ller</surname>, <given-names>Jan-Werner</given-names></string-name>. <year>2016</year>. <source>Was ist Populismus? Ein Essay</source>. <publisher-loc>Berlin</publisher-loc>: <publisher-name>Suhrkamp</publisher-name>.</mixed-citation></ref>
<ref id="B11"><mixed-citation publication-type="book"><string-name><surname>Scurati</surname>, <given-names>Antonio</given-names></string-name>. <year>2024</year>. <source>Faschismus und Populismus</source>. <publisher-loc>Stuttgart</publisher-loc>: <publisher-name>Klett-Cotta</publisher-name>.</mixed-citation></ref>
<ref id="B12"><mixed-citation publication-type="book"><string-name><surname>Selk</surname>, <given-names>Veith</given-names></string-name>. <year>2023</year>. <source>Demokratied&#228;mmerung. Eine Kritik der Demokratietheorie</source>. <publisher-loc>Berlin</publisher-loc>: <publisher-name>Suhrkamp</publisher-name>.</mixed-citation></ref>
<ref id="B13"><mixed-citation publication-type="book"><string-name><surname>Stavrakakis</surname>, <given-names>Yannis</given-names></string-name>. <year>2024</year>. <source>Populist Discourse: Recasting Populism Research</source>. <publisher-loc>New York &amp; London</publisher-loc>: <publisher-name>Routledge</publisher-name>.</mixed-citation></ref>
</ref-list>
</back>
</article>