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<journal-title>Genealogy+Critique</journal-title>
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<subject>Research</subject>
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<article-title>Wahre Klischees und plumpe Plausibilisierungen. Zur politischen &#196;sthetik der Ver(un)eindeutigung bei Olivia Wenzel und Anke Stelling</article-title>
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<email>lea.liese@unibas.ch</email>
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<aff id="aff-1"><label>1</label>Departement Sprach- und Literaturwissenschaften, Universit&#228;t Basel, CH</aff>
<pub-date publication-format="electronic" date-type="pub" iso-8601-date="2024-03-19">
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<license-p>This is an open-access article distributed under the terms of the Creative Commons Attribution 4.0 International License (CC-BY 4.0), which permits unrestricted use, distribution, and reproduction in any medium, provided the original author and source are credited. See <uri xlink:href="http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/">http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/</uri>.</license-p>
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<abstract>
<p>The article examines identity politics in contemporary literature (Olivia Wenzel, Anke Stelling). The novels are caught between politics and aesthetics, which is reflected in their controversial reception: The texts are sometimes accused of neglecting aesthetic ambivalences and instead of conveying only one-dimensional, politically correct messages. However, the accusation of being free of contradictions falls short of the mark. Both texts attempt to mediate between singular and collective identity, but they also point out the difficulties of a race-, class-, or gender-specific solidarization. Questions of point of view come to the fore, but are also problematized. For this purpose, the genre of autofiction proves to be predestined, because the texts oscillate not only between political primary reference and aesthetic self-reference, but also between narrator ego and author ego. The texts offer the reader the choice of reading them as fiction or as autobiography; both readings are possible. The result is an exciting interplay of ambivalences and the critique of ambivalences.</p>
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<title>Einleitung</title>
<p>In aktuellen Debatten um gleicherma&#223;en popul&#228;re wie politische Gegenwartsliteratur hat Moritz Ba&#223;ler den Vorwurf ge&#228;u&#223;ert, bei einem autofiktionalen Text wie Olivia Wenzels <italic>1000 Serpentinen Angst</italic> handele es sich trotz der Verhandlung &#39;schwerer&#39; Themen um einen &#034;Wohlf&#252;hltext&#034;, der auf manipulative Weise die Ich-Perspektive &#252;berbetone und lediglich die politisch korrekten <italic>id&#233;es re&#231;ues</italic> seiner Rezipient*innen aktiviere.<xref ref-type="fn" rid="n1">1</xref> Ba&#223;ler hat f&#252;r diese Polemik selbst Kritik eingesteckt.<xref ref-type="fn" rid="n2">2</xref> Dennoch spricht er einen Punkt an, mit dem es sich politisch wie &#228;sthetisch auseinanderzusetzen gilt, n&#228;mlich mit einem neuen (?) Vorbehalt gegen die Geste des &#034;Ich&#034;-Sagens im literarischen Text &#8211; erst recht, wenn sich dieses Ich als strukturell benachteiligtes offenbart.<xref ref-type="fn" rid="n3">3</xref> Wenn es um Formen kollektiver Identit&#228;t geht, so scheint es, wird die Geschmacksfrage politisch und die alten Gr&#228;ben zwischen autonomer und so bezeichneter Tendenzliteratur brechen wieder auf.</p>
<p>Der folgende Beitrag m&#246;chte sich vor diesem Hintergrund insbesondere mit dem Vorwurf der Vereindeutigung, also der vermeintlichen Tilgung &#228;sthetischer Ambivalenzen zwecks politischer Botschaft auseinandersetzen und dazu exemplarisch die autofiktionalen Romane von Olivia Wenzel (<xref ref-type="bibr" rid="B33"><italic>1000 Serpentinen Angst</italic>, 2020</xref>) und Anke Stelling (<xref ref-type="bibr" rid="B29"><italic>Sch&#228;fchen im Trockenen</italic>, 2018</xref>) zur Grundlage nehmen. Zur theoretischen Einordnung werde ich zun&#228;chst die aktuelle Kritik an Identit&#228;tspolitik in standpunkttheoretischer Hinsicht beleuchten und dabei auf das Verh&#228;ltnis von ethischen und &#228;sthetischen Perspektiven eingehen. Im Anschluss sollen die literarischen Analysen Aufschluss dar&#252;ber geben, inwiefern erstens (identit&#228;ts)politische Standpunktfragen auf der Textebene beschrieben und reflektiert werden, wie zweitens die autofiktionale Erz&#228;hlweise zwischen Individuellem (Autorinnen-Biographie, Romanfiguren, <italic>plot</italic>) und Allgemeinem (Prim&#228;rreferenzen auf politische Ph&#228;nomene und Diskurse in der extradiegetischen Wirklichkeit) vermittelt, und wie drittens die Verhandlung politischer Themen &#228;sthetisch funktioniert. Ausblickend m&#246;chte ich mit Stuart Hall daf&#252;r pl&#228;dieren, Identit&#228;tspolitik als eine Art Spektrum zwischen Kollektivierung und Differenzierung zu begreifen, und vor diesem Hintergrund auch die literarischen Texte nicht nur auf gruppenbezogene Identifikationsformen, sondern auch auf deren spielerische Durchkreuzungen hin zu lesen.</p>
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<title>1. Eine Frage des Standpunktes? Das literarische Ich im Spannungsfeld ethisch-&#228;sthetischer Debatten</title>
<p>Silke van Dyk hat nachgezeichnet, wie im Kontext so bezeichneter identit&#228;tspolitischer Debatten, sei es um queeren Aktivismus oder <italic>Black Lives Matter</italic>, wiederholt der pauschale Vorwurf laut werde, es w&#252;rde sich bei Identit&#228;tspolitik um eine egoistische &#034;Politik der ersten Person&#034; handeln.<xref ref-type="fn" rid="n4">4</xref> Dabei geht die Bezeichnung der <italic>identity politics</italic> als eine Politik der ersten Person urspr&#252;nglich auf ein Kollektiv schwarzer lesbischer und queerer Feminist*innen Ende der 70er-Jahre in den USA zur&#252;ck,<xref ref-type="fn" rid="n5">5</xref> deren Anliegen weder in der von M&#228;nnern dominierten B&#252;rgerrechtsbewegung noch im wei&#223;en Feminismus ihren Platz gefunden h&#228;tten &#8211; geschweige denn in der Mehrheitsgesellschaft, so Van Dyk.<xref ref-type="fn" rid="n6">6</xref> Identit&#228;tspolitik als der Akt, &#034;Ich&#034; zu sagen und dieses Ich zu einer kollektiven politischen Gr&#246;&#223;e zu erheben, war also nichts weniger als eine &#220;berlebensstrategie. Heute behaupten Kritiker*innen, Identit&#228;tspolitik r&#252;cke mehr und mehr partikulare Gruppen in den Mittelpunkt, die sich nicht &#252;ber gemeinsame Werte definierten, sondern &#252;ber Kategorien wie <italic>race, class</italic> und <italic>gender</italic> Distinktion betrieben.<xref ref-type="fn" rid="n7">7</xref> Van Dyk identifiziert vor diesem Hintergrund drei Hauptvorw&#252;rfe, die sich gegen Identit&#228;tspolitik richten: &#034;der Vorwurf der Spaltung, der Vorwurf der Ablenkung vom Wesentlichen sowie der Vorwurf der Komplizenschaft mit dem Neoliberalismus&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n8">8</xref> Der Verdacht einer Allianz mit dem Neoliberalismus speist sich dabei aus der Beobachtung, dass &#034;jeder sein eigenes Ich zum Zentrum der eigenen Aufmerksamkeit&#034; mache, so Bernd Stegemann.<xref ref-type="fn" rid="n9">9</xref> Aus dieser Narzissmus-Unterstellung entw&#228;chst auch der Vorwurf einer &#034;opfernarzisstischen Hyperkritik&#034;, die in ihrer &#034;identit&#228;tspolitischen Verfeinerungssucht&#034; dazu neige, &#034;Kritik an sich selbst zu delegitimieren und bestimmte Bedenken gegen sie zu tabuisieren&#034;, indem sie jeden Einwand als &#034;Herabw&#252;rdigung unterprivilegierter Subjektpositionen&#034; betrachte.<xref ref-type="fn" rid="n10">10</xref> Auch die Standpunkttheorie steht in diesem Zusammenhang unter Verdacht, Essenzialismus und Relativismus zu bef&#246;rdern, &#034;und dass sie automatisch ein epistemisches Privileg f&#252;r die Sichtweisen unterdr&#252;ckter Gruppen&#034; h&#228;tte.<xref ref-type="fn" rid="n11">11</xref></p>
<p>Wenn auf der einen Seite die identit&#228;tspolitische Ausrichtung des Ichs kritisiert wird, so macht sich auf der anderen Seite heute aber auch eine demonstrative Ausstellung von Standort<italic>un</italic>gebundenheit verd&#228;chtig. So konstatiert Hanno Rauterberg f&#252;r die Gegenwartskunst, sie sei &#034;so frei wie nie&#034;, &#034;allen Zw&#228;ngen entschl&#252;pft, aller Pflichten ledig&#034; &#8211; und gerade das sei im postautonomen Zeitalter, also in Zeiten, in denen das Verlangen nach Zugeh&#246;rigkeit und Kollaboration gr&#246;&#223;er sei als das Streben nach Ungebundenheit, ihr Problem.<xref ref-type="fn" rid="n12">12</xref> Denn Ungebundenheit sei heute kein genuin &#228;sthetischer Wert mehr bzw. kein Wert, mit dem sich &#228;sthetische Distinktion betrieben lie&#223;e.<xref ref-type="fn" rid="n13">13</xref> Eine Kunst, die sich weigert, Position zu beziehen, ger&#228;t im postautonomen Zeitalter unter Verdacht, sich selbst gleichg&#252;ltig zu werden, weil ihre Ideale der Differenz, der Kritik, der Pluralit&#228;t zu allgemein akzeptierten Grundwerten geworden seien.<xref ref-type="fn" rid="n14">14</xref> Weil somit der &#228;sthetische Status eines Kunstwerkes heute mehr denn je prek&#228;r geworden sei, werde dessen ethische Absicherung, d.h. die Glaubw&#252;rdigkeit umso wichtiger.<xref ref-type="fn" rid="n15">15</xref> Somit erkl&#228;rt sich auch der aktuelle Auftrieb von so bezeichneten identit&#228;tspolitischen Tendenzen in der Gegenwartsliteratur, also die Popularit&#228;t von Autofiktionen, die sich aus dem Wunsch seitens der Rezipient*innen nach Beglaubigung speist. Mit anderen Worten: &#034;Standpoint matters.&#034;<xref ref-type="fn" rid="n16">16</xref></p>
<p>Im &#252;bertragenden Sprachgebrauch meint die Rede vom Standpunkt schon um 1800 die Vorstellung eines &#034;rechten&#034; Punkts, &#034;von welchem aus man die ganze sache &#252;bersiehet, sich mit derselben vollkommen bekannt machen kann (sich orientieren)&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n17">17</xref> Der rechte Standpunkt verhei&#223;t also Objektivit&#228;t und Universalismus &#8211; und erm&#246;glicht somit eine Flexibilit&#228;t der konkreten Standortgebundenheit, indem das Ich sich in andere Standpunkte einf&#252;hlen und diese beurteilen kann. St&#228;rker soziologisch bzw. politisch konnotiert meint der Standpunkt aber auch die &#034;stelle &#252;berhaupt, wo jemand steht, seine situation, lage, oder seine sociale oder amtliche stellung, stand, posten u. &#228;.&#034;,<xref ref-type="fn" rid="n18">18</xref> konkret: den Platz in der Gesellschaft.</p>
<p>Von hier aus stellt sich die Frage nach dem Verh&#228;ltnis von Kunst und Leben, wie aus literaturtheoretischer Perspektive bereits Michail Bachtin festgestellt hat. So bilden nach Bachtin Kunst und Leben eine Einheit in der Verantwortung f&#252;r den je eigenen Standpunkt.<xref ref-type="fn" rid="n19">19</xref> Denn bei der literarischen Rede verhalte es sich genauso wie bei der sprachlichen (also m&#252;ndlichen) Kommunikation: Jede &#196;u&#223;erung sei vom Standpunkt ihres Sprechers/ihrer Sprecherin durchzogen und somit ideologisch.<xref ref-type="fn" rid="n20">20</xref> Deswegen sei der Roman &#034;niemals gegenstandsloses Wortspiel&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n21">21</xref> Im Sinne Bachtins nehmen vor diesem Hintergrund auch die sprechenden Romanfiguren Standpunkte gegen&#252;ber der (wirklichen) Welt ein, die auf &#034;soziale Bedeutsamkeit poch[en]&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n22">22</xref> Diese Standpunkte k&#246;nnen aber im &#8211; idealerweise polyphonen und polysemen &#8211; Roman wiederum auf den Pr&#252;fstand gestellt werden; <xref ref-type="fn" rid="n23">23</xref> sie bilden keine monolithischen Ideologeme im Sinne essenzieller Wahrheiten. Sie decken sich nach Bachtin auch nicht mit dem Standpunkt des Autors, der &#034;zeitlich[], r&#228;umlich[] und sinnbezogen[]&#034;<xref ref-type="fn" rid="n24">24</xref> immer <italic>au&#223;erhalb</italic> des &#228;sthetischen Werks steht, jedoch im dialogischen Verh&#228;ltnis zu den Figuren, wodurch er die vielf&#228;ltigen Sinnbez&#252;ge zu einem <italic>formalen</italic> Ganzen ordnen kann.<xref ref-type="fn" rid="n25">25</xref> Die &#228;sthetische T&#228;tigkeit leistet dabei, was die ethische nicht einzuholen vermag: die v&#246;llige Durchdringung des anderen jenseits des je eigenen Standpunktes,<xref ref-type="fn" rid="n26">26</xref> womit eine &#034;Erkenntnis und Ethik von Wirklichkeit&#034; zumindest erm&#246;glicht wird, wie Sylvia Sasse schreibt.<xref ref-type="fn" rid="n27">27</xref> Mit Bachtin lie&#223;e sich somit wiederum ein Argument f&#252;r eine standortungebundene Haltung in der Kunstproduktion und -rezeption einbringen, insofern Bachtin &#228;sthetische Subjekte &#8211; zu welchen er auch die Lesenden z&#228;hlt &#8211; als im besten Sinne &#034;ethisch unbeteiligte[]&#034;<xref ref-type="fn" rid="n28">28</xref> (aber nicht ethisch verantwortungslose) Betrachter begreift.</p>
<p>F&#252;r die erz&#228;hlende Gegenwartsliteratur, insbesondere f&#252;r Autofiktionen, die die politische Gegenwart verhandeln und in denen die Hauptfigur mit der Erz&#228;hlinstanz mehrheitlich zusammenf&#228;llt, stellt sich dann die Frage nach der Standort(un)gebundenheit von Ich-Erz&#228;hler*in, Autor*in und Leser*in. L&#228;sst sich in der popul&#228;ren Gegenwartsliteratur eine Tendenz zur &#220;berbetonung des eigenen (identit&#228;ts)politischen Standpunktes ausmachen, zu Lasten &#39;ethischer Unbeteiligtheit&#39; und &#228;sthetischer Mehrdeutigkeit, sodass wir es nur noch mit &#034;narrativen Stereotypen&#034; und &#034;abgeschliffenen, gegl&#228;tteten plots&#034; zu tun haben, die eine &#39;un&#228;sthetische Lesart&#39; provozieren?<xref ref-type="fn" rid="n29">29</xref> Eine un&#228;sthetische Lesart l&#228;uft nach Christoph Bode darauf hinaus, den Text seiner &#228;sthetischen Verkleidung zu berauben und ihn auf seinen &#39;prosaischen&#39; Kern zu reduzieren.<xref ref-type="fn" rid="n30">30</xref> Ein Textelement werde nur noch in seiner pragmatischen Funktion als Prim&#228;rreferenz begriffen und nicht als etwas, das im Text auf &#034;einmalige, bestimmte Weise&#034; fungiere.<xref ref-type="fn" rid="n31">31</xref> Bode erinnert aber auch daran, dass das &#228;sthetische Urteil immer eingebettet in sozio-kulturelle Zusammenh&#228;nge ist, d.h. welchen Texten literarischer Charakter zugesprochen werde, entscheide sich immer &#034;in einer bestimmten Gesellschaft zu einer bestimmten Zeit [und durch, L.L.] eine bestimmte Gruppe von Menschen&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n32">32</xref> Das rezeptions&#228;sthetische Urteil steht dabei nur dann im Zeichen eines &#8211; negativ konnotierten &#8211; interpretativen Anything goes, wenn es auf der Individualebene verharre und am theoretischen Konstrukt eines durch keinerlei Konventionen beeinflussten (also im Grunde standortungebundenen) Rezipienten festhalte.<xref ref-type="fn" rid="n33">33</xref> &#220;bertragen auf die aktuellen literaturkritischen und -theoretischen Debatten m&#252;ssen demnach heute &#228;sthetische Urteile in Bezug auf &#39;identit&#228;tspolitisch&#39; aufgeladene, autofiktionale Texte auch im Bewusstsein eines postautonomen Zeitgeistes gef&#228;llt werden, womit der Frage nach dem (ideologischen) Standpunkt und (gesellschaftlichen) Standort der schreibenden Autor*innen, sprechenden/handelnden Romanfiguren (im Sinne Bachtins als &#034;gesellschaftliche Menschen&#034;<xref ref-type="fn" rid="n34">34</xref>) und lesenden Rezipient*innen eine besondere Bedeutung zukommt. Inwiefern sind sie beim Schreiben, Sprechen/Handeln und Lesen in sozio-kulturelle Zusammenh&#228;nge eingebettet und welche &#228;sthetischen Verfahren der Immersion und Distanz arbeiten den politischen Positionierungen der Texte zu? Diesen Fragen soll im Folgenden am Beispiel von zwei popul&#228;ren Gegenwartsromanen nachgegangen werden.</p>
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<title>2 Ein identit&#228;tspolitischer &#034;Wohlf&#252;hltext&#034;? Olivia Wenzels <italic>1000 Serpentinen Angst</italic></title>
<p>Wenzels Roman, der 2020 f&#252;r den Deutschen Buchpreis nominiert war, handelt von einer jungen Schwarzen Deutschen, die aufgrund von Rassifizierung und Rassismus sowie ihrer Herkunft aus dem Osten von struktureller Diskriminierung und Gewalt betroffen ist. Zudem ist sie traumatisiert von dem Suizid des Bruders und leidet unter Panikattacken. Im Roman wechselt sie immer wieder den Ort, bewegt sich zwischen Berlin (wo sie lebt), Brandenburg (wo sie am Strausberger Badesee von Neonazis bel&#228;stigt wird), Th&#252;ringen (wo sie ihre Mutter besucht), Marokko (wo ein Treffen mit dem Vater scheitert) und den USA (wo sie einerseits spontane Zugeh&#246;rigkeitsgef&#252;hle empfindet, aber sich andererseits mit dem Erbe der Sklaverei konfrontiert sieht). Der Roman ist dialogisch aufgebaut &#8211; eine nicht n&#228;her definierte Stimme befragt die Ich-Erz&#228;hlerin (in Gro&#223;buchstaben), mal therapeutisch, mal beinahe inquisitorisch und schlie&#223;lich in Form eines inneren Zwiegespr&#228;chs, nach ihren pers&#246;nlichen Erlebnissen und zwingt zur politischen Auseinandersetzung mit ihnen, relativiert aber ebenso h&#228;ufig auch den Zusammenhang zwischen Privatem und Politischem, zwischen Individualerfahrung und kollektiver Gewalt. Als eine Art &#39;doppeltes Bewusstsein&#39;<xref ref-type="fn" rid="n35">35</xref> unterbricht sie dabei nicht nur die Opferperspektive der Ich-Erz&#228;hlerin, sondern ruft auch die Frage nach Authentifizierungsstrategien des Erz&#228;hlten auf den Plan, z.B. wenn sie in Zweifel zieht, ob die Ich-Erz&#228;hlerin &#034;&#252;berhaupt schon mal von drei Nazis krankenhausreif gepr&#252;gelt&#034; (OW, 86<xref ref-type="fn" rid="n36">36</xref>) worden sei. Dabei wiederholt die Stimme zum einen die Frage nach dem, was die Protagonistin als mehrfach diskriminierte Person angeblich bei ihren konkreten Erz&#228;hlungen unterschlage bzw. kolportiere (vgl. OW, 17, 339), so als zweifele sie deren Aufrichtigkeit an oder als sei sie nicht sicher, in welchem Modus (fiktional oder faktual) und mit welcher Mission hier erz&#228;hlt werde. Als die Protagonistin z.B. aus dem Leben ihrer Mutter, eine Ex-Punkerin aus der DDR, berichtet, reagiert die Stimme mit Polemik und fragt, ob es sich hierbei um einen &#034;Pitch f&#252;r den n&#228;chsten klischeehaften DDR-Film bei den &#214;ffentlich-Rechtlichen&#034; (OW, 42) handele. Die Stimme repr&#228;sentiert damit eine Sichtweise, die dazu neigt, hinter den Geschichten strukturell marginalisierter und diskriminierter Identit&#228;ten mitleiderhaschenden &#39;Opfernarzissmus&#39; zu vermuten. Die Ich-Erz&#228;hlerin aber sieht keinen Widerspruch zwischen so bezeichneten Klischees und dem, was wahr ist: &#034;Das Problem mit Klischees ist nicht, dass sie nicht stimmen. &#8211; SONDERN? &#8211; Sie stimmen ziemlich oft. Das Problem ist, dass sie immer wieder nur dieselbe, eine Perspektive beschreiben.&#034; (OW, 42) Klischees an sich machen einen Text demnach nicht problematisch, sondern die perspektivische Verengung, die oft mit Klischees einhergeht, etwa wenn viele Stereotype vom Standpunkt der Mehrheitsgesellschaft aus formuliert werden, die sich dann gegen Minderheiten richten.</p>
<p>Zum anderen wiederholt die Stimme permanent die Frage nach dem Standort der Protagonistin (&#034;WO BIST DU JETZT?&#034;; &#034;WO IST DEIN PLATZ?&#034;, &#034;WO KOMMST DU HER?&#034;, OW, 17, 20, 32). Diese Frage aber l&#228;sst sich in <italic>1000 Serpentinen</italic> nicht einfach beantworten, wodurch auch der politische Standpunkt der Ich-Erz&#228;hlerin ambivalent wird. So ringt sie mit dem Umstand, zugleich marginalisiert <italic>und</italic> privilegiert zu sein, n&#228;mlich einerseits als Schwarze, queere Frau aus Ostdeutschland, andererseits als deutsche Staatsangeh&#246;rige mit all den damit verbundenen Rechten, und zudem mit finanziellen Ressourcen ausgestattet. Der bisweilen enervierende Einsatz der Stimme stellt also sicher, dass es sich die Ich-Erz&#228;hlerin zu keinem Zeitpunkt in einer &#39;selbstbest&#228;tigenden Komfortzone&#39; bequem machen k&#246;nnte &#8211; und ebenso wenig die Lesenden. Vielmehr sorgt sie daf&#252;r, dass hier in agonistischer Form gruppenbezogene Identifikationsformen infrage gestellt werden und der Zusammenhang bzw. Zusammenhalt von &#39;Ich&#39; und &#39;Wir&#39; politisch immer wieder neu verhandelt wird. Da die interrogative Stimme aber ebenso Positionen der Mehrheitsgesellschaft repr&#228;sentiert, wird mit dem permanenten Anzweifeln des Erz&#228;hlten auch jene Forderung vorgef&#252;hrt, die Einzug in literaturkritische und -theoretische Debatten gefunden hat, n&#228;mlich dass die identit&#228;tspolitische (Selbst-)Verortung Aufschluss &#252;ber die Authentizit&#228;t einer Erz&#228;hlung geben m&#252;sste. Diese Frage nach der (Selbst-)Verortung ist die nach dem &#034;Platz in der Welt&#034;, so Wenzel in einem Interview mit der <italic>taz</italic>: &#034;Ich hatte beim Schreiben das Gef&#252;hl, dass die Protagonistin vor allem die Frage umtreibt: Wo ist mein Platz in der Welt? Und diese Frage ist gekoppelt an die Frage, wo komme ich her und was sind die Pl&#228;tze, auf denen meine Familie vorher sa&#223;?&#034;<xref ref-type="fn" rid="n37">37</xref> Auf die Frage, &#034;[w]ie viel Olivia Wenzel [&#8230;] in der Protagonistin des Buches&#034; stecke, also gewisserma&#223;en auf die Frage nach dem Standpunkt der Autorin, der ein Beziehungs- und Distinktionsverh&#228;ltnis zu der Erz&#228;hlstimme bzw. der Protagonistin markiert, antwortet Wenzel: &#034;Diese Frau in dem Buch, das bin ich nicht. Aber was sie schildert und wie sie spricht, das kann ich nachvollziehen. Wir haben viele &#228;hnliche Dinge erlebt. Ich wu&#776;rde sagen, sie ist eine du&#776;sterere Variante von mir selbst, die ich im Alltag nicht aushalten k&#246;nnte, zu sein.&#034;<xref ref-type="fn" rid="n38">38</xref> Wenzel muss also einiges, was ihr als Schwarze Person in Ostdeutschland, wo sie aufgewachsen ist, widerfahren ist bzw. jederzeit widerfahren <italic>kann</italic>, verdr&#228;ngen, um nicht zu dieser d&#252;steren (literarischen) Variante ihrer selbst zu werden. Erst ihr Wegzug aus Th&#252;ringen habe ihr m&#246;glich gemacht, den Modus permanenter Alarmbereitschaft, in dem sich auch die Ich-Erz&#228;hlerin in <italic>1000 Serpentinen</italic> befindet, zu &#252;berwinden.<xref ref-type="fn" rid="n39">39</xref></p>
<p>Autofiktionen m&#246;gen als Mischerz&#228;hltechnik, bei der autobiographische mit fiktionalen Handlungselementen verwoben werden und sich erz&#228;hlte und gelebte Wirklichkeit durchdringen,<xref ref-type="fn" rid="n40">40</xref> den Voyeurismus der Lesenden triggern, zugleich aber ist bei diesen Texten gerade das entscheidend, was eine &#8211; m&#246;gliche &#8211; Differenz zur Autorin markiert. Dabei werden den Lesenden nach Frank Zipfel zwei verschiedene Pakte angeboten: der einer autobiographischen und der einer fiktionalen Lesart, wodurch eine &#034;oszillierende[] Ungewissheit&#034; entstehe.<xref ref-type="fn" rid="n41">41</xref> Gerade dieses oszillierende Moment, so Martina Wagner-Egelhaaf, k&#246;nne man in seinem reflexiven Potenzial als konstitutives Merkmal der Autofiktion betrachten, das sich als Tendenz insbesondere in der Gegenwartsliteratur niederschlage.<xref ref-type="fn" rid="n42">42</xref></p>
<p>Die Erfahrungen der Ich-Erz&#228;hlerin in <italic>1000 Serpentinen</italic> lassen sich vor diesem Hintergrund selbstverst&#228;ndlich als Referenz auf die au&#223;ertextliche Wirklichkeit, insbesondere auf die Wirklichkeit der Autorin lesen. Sie &#39;funktionieren&#39; als Erz&#228;hlelemente aber insbesondere durch den interrogativen Einsatz der Stimme auf eine &#034;einmalige, bestimmte&#034;, eben <italic>&#228;sthetische</italic> Weise.</p>
<p>Am deutlichsten wird dies am Ende der Erz&#228;hlung, wenn die Protagonistin erf&#228;hrt, dass sie schwanger ist und sich daf&#252;r entscheidet, das Kind zu bekommen, auch um &#034;eine neue, gesunde Angst&#034; in ihr Leben zu lassen, die st&#228;rker als jene um ihre &#034;identit&#228;ren Befindlichkeiten&#034; sei (OW, 337). Was man ideologisch lesen k&#246;nnte, n&#228;mlich als den klischierten Wunsch nach einer Art &#39;Erl&#246;sung durch Mutterschaft&#39;,<xref ref-type="fn" rid="n43">43</xref> erh&#228;lt eine andere, aus der besonderen Textlogik heraus resultierende Bedeutung, wenn man den Einsatz von Klischees als poetologischen Kommentar auf den Text selbst liest &#8211; das Problem mit Klischees sei nicht, dass sie nicht stimmten, sondern dass sie immer nur dieselbe Perspektive beschreiben w&#252;rden. Hieraus l&#228;sst sich ableiten, dass die Protagonistin, die nach Ba&#223;ler einen &#034;intersektionalen Overkill&#034;<xref ref-type="fn" rid="n44">44</xref> repr&#228;sentiert, ein &#39;Recht&#39; auch auf Klischees einfordert, wenn diese eine f&#252;r sie positive Bedeutung haben. Nicht durch den Wunsch nach Mutterschaft emanzipiert sich also die Protagonistin &#8211; und damit auch die Erz&#228;hlung &#8211; von einer vermeintlich monolithischen Opferperspektive, sondern durch die klischierte Banalit&#228;t dieses Wunsches. Bei allen Extremen, die der Roman beleuchtet, steht am Ende die rhetorische Frage, die wohl auch an die Lesenden gerichtet ist: &#034;BEGREIFST DU DEN GEDANKEN, DASS ALLES, WAS ICH DIR ERZ&#196;HLE, IN EIN EINZIGES LEBEN PASST UND DASS DIESES LEBEN DENNOCH EIN GEW&#214;HNLICHES UND GUTES IST?&#034; (OW, 341)</p>
<p>Auf diese Weise nimmt der Text den rezeptionsseitigen Vorwurf einer opferzentrierten Erz&#228;hlung metadiegetisch vorweg und konfrontiert die lesende Mehrheitsgesellschaft mit ihrer eigenen Ambiguit&#228;tsblindheit.</p>
</sec>
<sec>
<title>3 Von &#39;plumpen Plausibilisierungen&#39;: Anke Stellings <italic>Sch&#228;fchen im Trockenen</italic></title>
<p>In <italic>Sch&#228;fchen im Trockenen</italic> entlarvt die autodiegetische Ich-Erz&#228;hlerin, die mit der Hauptfigur Resi, aber nicht mit der Autorin Stelling identisch ist,<xref ref-type="fn" rid="n45">45</xref> in Form eines Briefes an die &#228;lteste Tochter das linksliberale Versprechen von Egalitarismus als neoliberal, weil &#252;ber Klassenunterschiede nur mehr geschwiegen werde. Resi geh&#246;rt der Mittelschicht an, stammt aus einer &#39;Do it yourself&#39;-Familie, weil die Eltern zwar nicht arm waren, aber keine akademische Ausbildung und &#034;wenig Geld&#034; (AS, 50)<xref ref-type="fn" rid="n46">46</xref> hatten, und bietet als Schriftstellerin zugleich Einblicke in das K&#252;nstler*innenmilieu, also eine meist akademisch gepr&#228;gte und sozial anerkannte, aber von Prekarisierung betroffene Gruppe. Daneben enth&#228;lt der Roman zahlreiche poetologische Einlassungen &#252;ber das literarische Schreiben;<xref ref-type="fn" rid="n47">47</xref> es gibt Anspielungen auf den Literaturbetrieb und darauf, wie Literatur und Schriftsteller*innen in der Gesellschaft wahrgenommen werden. Die eigentliche Form des m&#252;tterlichen Briefes an die Tochter, der durch seine stellenweise belehrende Diktion als Orientierungshilfe in einer Welt voller Uneindeutigkeiten h&#228;tte fungieren k&#246;nnen, zerflie&#223;t dabei zunehmend in einen &#8211; teils assoziativen und sich widersprechenden &#8211; Redefluss, in dem sich Selbstbespiegelung und Gesellschaftsbeobachtung wechselseitig durchdringen.</p>
<p>Ein Grundkonflikt des Romans ist die Wohnfrage. Resis alte Clique plant ein gemeinsames Bau- und Wohnprojekt, an dem sich Resi finanziell nicht beteiligen kann. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren vier Kindern zu wohlwollenden Untermietskonditionen in der Wohnung eines Freundes, die ihr aber nun gek&#252;ndigt wurde, weil Resi einen entlarvenden Text &#252;ber ihr linksliberales Umfeld geschrieben hat. Hier wird sehr wahrscheinlich metadiegetisch Bezug genommen auf einen fr&#252;heren autofiktionalen Roman von Stelling, n&#228;mlich auf <italic>Bodentiefe Fenster</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B28">2015</xref>), was die Grenzen zwischen Erz&#228;hlfigur und Autorin bis zur Unkenntlichkeit verwischen l&#228;sst. Was bedeutet dies nun f&#252;r das Verh&#228;ltnis von politischer Botschaft und &#228;sthetischem Verfahren?</p>
<p>Ba&#223;ler hat in diesem Zusammenhang kritisiert, dass in <italic>Sch&#228;fchen im Trockenen</italic> die politische Position der autodiegetischen Ich-Erz&#228;hlerin verabsolutiert werde und der Text seine Deutungen gleich mitliefere anstatt diese den Lesenden zu u&#776;berlassen.<xref ref-type="fn" rid="n48">48</xref> So z.B. in der folgenden Passage, in der Resi gegen den jovialen Kosmopolitismus Ingmars polemisiert:</p>
<disp-quote>
<p>Eine erste Ahnung bekam ich, als es um Silas&#39; Einschulung ging und Friederike mir erz&#228;hlte, dass Ingmar nicht wolle, dass die Schule genauso ein langweiliges homogenes Soziotop sei wie die Bewohnerschaft der Baugruppe; dass er es gut fand, dass Silas in der Kita auch Spielkameraden aus einfachen oder migrantischen Verh&#228;ltnissen hatte, &#034;nicht so schrecklich wei&#223; und arriviert&#034;. (AS, 75)</p>
</disp-quote>
<p>Nach Ba&#223;ler sei der Ausdruck &#034;herrlich bunt&#034;, der Ingmar als markiertes Binnenzitat in den Mund gelegt werde, nicht glaubhaft angesichts dessen Sprecherposition als &#034;junger, gebildeter Arzt&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n49">49</xref> Was als Beleg fu&#776;r die Ideologie Ingmars dienen solle, sei eine &#034;strukturelle Lu&#776;ge&#034;, um ethische Tiefe zu simulieren.<xref ref-type="fn" rid="n50">50</xref> Ba&#223;lers Kritik zielt also darauf, dass unwahre Vorurteile gegen ein bestimmtes Milieu aktiviert werden, um den Text als ethisch avanciert zu nobilitieren. Dagegen kann argumentiert werden, dass sich <italic>Sch&#228;fchen im Trockenen</italic>, &#228;hnlich wie auch <italic>1000 Serpentinen Angst</italic>, nicht in einer &#39;blo&#223;en&#39; Prim&#228;rreferenz (wie in diesem Fall auf ein bestimmtes Milieu) ersch&#246;pft, sondern darauf hinauswill, dass plump anmutende Vorurteile eben doch &#39;stimmen&#39; k&#246;nnen und wie erz&#228;hlerisch damit umzugehen ist. Der Komplex &#39;manipulativer&#39; Eindeutigkeit wird im Roman selbst verhandelt, zum Beispiel wenn Resi &#252;ber die Geisteshaltung ihrer alten Clique nachdenkt, aber die Passage in eine Metareflexion &#252;ber Authentifizierungsstrategien in der Literatur m&#252;ndet:</p>
<disp-quote>
<p>[U]nd nat&#252;rlich waren wir mit neunzehn [&#8230;] abgehobene Intis [Intellektuelle, L.L.] in den Augen unserer feierfreudigen, unkomplizierten Klassenkameraden, und dann sind wir auch noch alle nach Berlin gezogen, wo diejenigen hingehen, die meinen, sie w&#228;ren was Besonderes. So grob ist das n&#228;mlich. Und dennoch ist es wahr. Apropos wahr. Das ist ein Kampfbegriff, Bea. Damit plausibilisiere ich meine Geschichte auf ziemlich plumpe Art und Weise; geschickter w&#228;re es, davon auszugehen, dass sie von alleine wahrscheinlich erscheint. (AS, 23)</p>
</disp-quote>
<p>Zu behaupten, dass die Geschichte &#252;ber &#034;Intis&#034; und Prenzlauer Berg-Bohos, so unwahrscheinlich-klischiert sie auch daherkommen mag, wahr ist, ist nach Resi eine plumpe Form der Plausibilisierung. Mit Resis Geschichte &#252;ber die &#034;Intis&#034; k&#246;nnte aber nicht nur die Jahrbuch-Anekdote, sondern nicht weniger als die autofiktionale Romanhandlung selbst gemeint sein. Die Lesenden erhalten somit den impliziten Hinweis, auch andere Anekdoten als literarisch plumpe Plausibilisierungen zu lesen, die aber trotzdem &#39;stimmen&#39; k&#246;nnen. Schlie&#223;lich sei Resis Text &#8211; was man wiederum als selbstironischen Kommentar auf Stellings Buch verstehen kann &#8211; &#034;das Gegenteil eines gut gebauten, elegant komponierten Romans&#034; (AS, 42), indem er &#034;[z]wickt und bei&#223;t und birst vor Klischees&#034; (AS, 20).</p>
<p>Resi wird aber nicht nur vorgeworfen, dass sie in Klischees verharre, sondern auch, dass sie nur &#252;ber sich selbst schreibe. Das &#39;Einfach-so-von-sich-Erz&#228;hlen&#39; (AS, 177) im autofiktionalen Modus kann in den Augen der Clique keine gute, keine &#034;echte[] Literatur&#034; (AS, 181) sein.<xref ref-type="fn" rid="n51">51</xref> Weil der Text (sowohl Resis als auch <italic>Sch&#228;fchen im Trockenen</italic>) aber explizit im Zeichen der Klassenfrage steht, wirft der Diskurs &#252;ber &#39;echte Literatur&#39; auch die Frage danach auf, ob die &#034;sogenannten einfachen Leute&#034; (AS, 177), die also ohne soziales, kulturelles oder &#246;konomisches Kapital ausgestattet sind, selbst schreiben bzw. zur Sprache kommen &#39;d&#252;rfen&#39;. Denn durch die Ein- und Ausschlussmechanismen des Literaturbetriebs werden nur bestimmte Perspektiven h&#246;rbar gemacht, andere bleiben ungeh&#246;rt. So stellt Resi sarkastisch fest: &#034;Die sogenannten einfachen Leute sind ja l&#228;ngst entdeckt als Protagonisten; ungew&#246;hnlich nur, wenn sie selbst den Mund aufmachen, sich fu&#776;r bedeutend halten, ihre Perspektive eigenm&#228;chtig beizusteuern. Hat jemand das erlaubt?&#034; (AS, 177).</p>
<p>Dies gilt nun im traditionellen Sinne f&#252;r die Autobiographie, aber gerade nicht f&#252;r die Autofiktion. Denn, so schreibt Wagner-Egelhaaf unter Bezugnahme auf Serge Doubrovsky: &#034;W&#228;hrend die Autobiographie, so Doubrovsky, &#39;ein exklusiver Klub f&#252;r Ber&#252;hmtheiten&#39; sei, kann jeder sein Leben dadurch autofiktional &#39;interessant&#39; machen, dass er es in S&#228;tze umwandelt.&#034;<xref ref-type="fn" rid="n52">52</xref> Die Autofiktion erweist sich in dieser Hinsicht als potenziell egalit&#228;res Genre. Sie bringt den Status &#39;echter Literatur&#39; ebenso ins Wanken wie Resis w&#252;tendes Dagegen-Sprechen etablierte Sprech- und Wahrnehmungsweisen in der Klassengesellschaft.</p>
<p>Das Dagegen-Sprechen ist aber auch ein &#39;Sich-selbst-Widersprechen&#39;,<xref ref-type="fn" rid="n53">53</xref> denn die Ich-Erz&#228;hlerin wei&#223; &#8211; wiederum &#228;hnlich wie in <italic>1000 Serpentinen</italic> &#8211; um ihre eigene Privilegierung und hadert mit ihr. Schlie&#223;lich muss Resi am Ende mit ihrer Familie nur die bevorzugte Wohngegend verlassen und nach Ahrensfelde ziehen; sie landet also nicht auf der Stra&#223;e. Und sie erh&#228;lt f&#252;r das &#39;verr&#228;terische&#39; Buch sogar einen Preis. Als besonders &#034;tapfer und sozial engagiert&#034;<xref ref-type="fn" rid="n54">54</xref> w&#252;rde sich die Ich-Erz&#228;hlerin selbst nicht beschreiben. Vielmehr k&#246;nnte sie aus standpunkttheoretischer Perspektive die Position des &#39;eingeschlossenen Au&#223;enseiters&#39; einnehmen &#8211; &#034;eine Position, die Aspekte sozialer Beziehungen aufdecken kann, die jenen, die nur Au&#223;enseiterInnen oder nur Etablierte sind, nicht zug&#228;nglich ist&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n55">55</xref> Als Klassenaufsteigerin und als prek&#228;r besch&#228;ftigte, aber einigerma&#223;en erfolgreiche Schriftstellerin, die mit ihrer sechsk&#246;pfigen Familie in Berlin leben kann, aber nicht mehr innerhalb des S-Bahnrings, nachdem sie bei den Etablierten in Ungnade gefallen ist, demonstriert sie die Doppelmoral der klassenleugnenden Klassengesellschaft auf vereindeutigende, n&#228;mlich plakativ-polemische Weise, wobei sie sich selbst immer wieder daran erinnern muss, &#034;dass es keine Eindeutigkeit gibt&#034;, selbst wenn sie sich nach ihr sehne (AS, 24).</p>
</sec>
<sec>
<title>4 Fazit</title>
<p>Einleitend wurden in diesem Beitrag die Grundvorw&#252;rfe gegen Identit&#228;tspolitik bzw. gegen die unter diesem Label firmierenden Ph&#228;nomene skizziert, darunter die Behauptung, Identit&#228;tspolitik essenzialisiere Identit&#228;ten auf der Grundlage von z.B. <italic>race</italic> und <italic>gender</italic>, nivelliere gruppenbezogene Differenzen und verhindere gesamtgesellschaftliche Solidarisierung zugunsten partikularer Einzelinteressen. &#220;bertragen auf literaturtheoretische Debatten und in &#228;sthetischer Hinsicht hat sich dann, insbesondere mit Moritz Ba&#223;ler, der Vorwurf der moralischen Vereindeutigung und Tilgung von Ambivalenzen auf der Textebene herauskristallisiert, d.h. der narrativen Stereotypisierung zwecks moralischer Nobilitierung. Folgt man dieser kritischen Lesart, kann der Eindruck entstehen, dass durch die autofiktionale Erz&#228;hlweise (die in der Rezeption oft auf das Autobiographische verengt wird) die Vielzahl verschiedener Standpunkte, die in einer Gesellschaft vorherrschen und die der Gegenwartsroman idealiter abbilden k&#246;nnte, ausgel&#246;scht w&#252;rde zugunsten einer so unterstellten politischen Agenda der Autorinnen. Von dieser Warte aus betrachtet erscheinen die &#39;wahren&#39; Klischees in <italic>1000 Serpentinen Angst</italic> und <italic>Sch&#228;fchen im Trockenen</italic> &#8211; Neonazis in Ostdeutschland oder Prenzlauer Berg-Intis &#8211; wie unwahrscheinliche Vereindeutigungen, wie &#39;strukturelle L&#252;gen&#39;.</p>
<p>Meiner Ansicht nach verfolgen der &#034;intersektionale[] Overkill&#034; und die &#39;plumpen Plausibilisierungen&#39; aber nicht das blo&#223;e Ziel einer Vereindeutigung (identit&#228;ts)politischer Botschaften (z.B. zugunsten strukturell benachteiligter Personen), sondern das einer (meta)diegetischen Transparentmachung der hegemonialen Verteilung standortgebundener Wahrnehmungs- und Sprecherpositionen im &#246;ffentlichen Raum. Aus dieser standortgebundenen Wahrnehmungs- und Sprecherpositionen heraus versuchen die Ich-Erz&#228;hlerinnen immer wieder &#39;auszubrechen&#39;, indem sie zwischen partikul&#228;rer Erfahrungswelt und Kollektivbewusstsein vermitteln, aber ebenso die Grenzen gesamtgesellschaftlicher Solidarisierung aufzeigen. Dabei hadern sie mit dem Zwiespalt, zugleich strukturell benachteiligt als auch in gewisser Weise privilegiert zu sein. Dieser politisch relationale Standpunkt spiegelt sich in der &#39;widerspenstigen&#39; Erz&#228;hlweise wider, die beide hier behandelten Romane teilen. Ob in Form eines permanenten inneren Zwiegespr&#228;chs, das mit den Zeit-Raum-Kategorien auch den Standpunkt des Erz&#228;hlens unzuverl&#228;ssig macht (Wenzel) oder eines st&#228;ndigen &#39;Sich-selbst-Widersprechens&#39;, das nicht nur den moralischen Standpunkt der Ich-Erz&#228;hlerin relativiert, sondern auch die als Orientierungshilfe gedachte Brief-Form erodieren l&#228;sst (Stelling).</p>
<p>Silke van Dyk hat dem Vorwurf, Identit&#228;tspolitik essenzialisiere Unterschiede, Stuart Halls Konzept von einer Identit&#228;tspolitik ersten und zweiten Grades entgegengestellt. W&#228;hrend eine Identit&#228;tspolitik ersten Grades nach Hall in der Konstituierung einer defensiven kollektiven Identit&#228;t besteht, bem&#252;ht sich eine Identit&#228;tspolitik zweiten Grades um eine spielerische Durchkreuzung jeglicher Kategorien. Demnach brauche es eine solidarische Vereinigung bis hin zur Frontbildung marginalisierter Individuen gleicherma&#223;en wie das Sichtbarmachen von Differenzen auch innerhalb politischer Bewegungen.<xref ref-type="fn" rid="n56">56</xref> Dieses politische Konzept lie&#223;e sich auch auf das &#196;sthetische &#252;bertragen: Eine (identit&#228;ts)politische &#196;sthetik braucht die Vereindeutigung der dargestellten marginalisierten Sprecherpositionen als Ausgangspunkt gleicherma&#223;en wie die sukzessive Ver<italic>un</italic>eindeutigung der damit einhergehenden Standpunkte.</p>
<p>Vor diesem Hintergrund l&#228;sst sich f&#252;r eine engagierte &#8211; sowohl &#228;sthetische als auch politische &#8211; Lekt&#252;re pl&#228;dieren, die politische Autofiktionen im Spektrum einer Identit&#228;tspolitik ersten und zweiten Grades verortet.</p>
</sec>
</body>
<back>
<fn-group>
<fn id="n1"><p>Konkret bezieht sich die Kritik erstens auf eine manipulative Leser*innen-Lenkung qua &#034;selbstbest&#228;tigende[r] Mitsicht&#034;; zweitens auf die &#034;privilegierte Erz&#228;hlperspektive opfernarzisstischer Hyperkritik&#034;; und drittens auf den Autobiographismus als Beglaubigungsstrategie. Vgl. Moritz Ba&#223;ler, &#034;Der neue Midcult. Vom Wandel popul&#228;rer Leseschaften als Herausforderung der Kritik&#034;, <italic>Pop. Kultur und Kritik</italic>, Heft 18 (<xref ref-type="bibr" rid="B3">2021</xref>): 143&#8211;44. Ba&#223;ler hat diese Kritik in seine 2022 erschienene umfangreiche Studie &#252;ber den &#034;Popul&#228;ren Realismus&#034; aufgenommen und dort in einen gr&#246;&#223;eren Bezugs- und Vergleichsrahmen gestellt. Vgl. Moritz Ba&#223;ler, <italic>Popul&#228;rer Realismus. Vom International Style gegenw&#228;rtigen Erz&#228;hlens</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B2">M&#252;nchen: C.H. Beck, 2022</xref>), hier insb. das Kapitel &#034;Nazis am Baggersee (Wenzel)&#034;, 209&#8211;17.</p></fn>
<fn id="n2"><p>Zum Beispiel von Marie Schmidt, &#034;Identit&#228;tspolitik und Literatur. Aber was ist mit dem Nazi?&#034;, <italic>S&#252;ddeutsche Zeitung</italic>, <xref ref-type="bibr" rid="B25">5. Juli 2021</xref>, <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.sueddeutsche.de/kultur/moritz-bassler-midcult-identitaetspolitik-1.5343159">https://www.sueddeutsche.de/kultur/moritz-bassler-midcult-identitaetspolitik-1.5343159</ext-link>.</p></fn>
<fn id="n3"><p>Vgl. in diesem Kontext z.B. Daniel Schreiber, &#034;Ich will Ich. Gegenwartsliteratur&#034;, <italic>Die Zeit</italic>, <xref ref-type="bibr" rid="B26">15. Oktober 2019</xref>, <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.zeit.de/kultur/literatur/2019-10/erzaehlperspektive-ich-schriftsteller-literatur-demokratie-glaubwuerdigkeit/komplettansicht">https://www.zeit.de/kultur/literatur/2019-10/erzaehlperspektive-ich-schriftsteller-literatur-demokratie-glaubwuerdigkeit/komplettansicht</ext-link>, sowie Tobias R&#252;ther, &#034;Das Ich und die Suchfunktionen der Literatur. Literaturdeb&#252;ts 2023&#034;, <italic>Frankfurter Allgemeine Zeitung</italic>, <xref ref-type="bibr" rid="B23">16. Juli 2023</xref>, <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/themen/literaturdebuets-von-anne-rabe-irina-kilimnik-und-mina-hava-19033690.html">https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/themen/literaturdebuets-von-anne-rabe-irina-kilimnik-und-mina-hava-19033690.html</ext-link>.</p></fn>
<fn id="n4"><p>Vgl. Silke van Dyk, &#034;Identit&#228;tspolitik gegen ihre Kritik gelesen. F&#252;r einen rebellischen Universalismus&#034;, <italic>Aus Politik und Zeitgeschichte</italic> 69, 9&#8211;11 (<xref ref-type="bibr" rid="B31">2019</xref>): 28. So z.B. bei Frank Furedi, &#034;Die verborgene Geschichte der Identit&#228;tspolitik&#034;, in <italic>Die sortierte Gesellschaft. Zur Kritik der Identit&#228;tspolitik</italic>, hg. von Johannes Richardt (<xref ref-type="bibr" rid="B14">Frankfurt a. M.: Novo Argumente, 2018</xref>), 13.</p></fn>
<fn id="n5"><p>Combahee River Collective, &#034;The Combahee River Collective Statement&#034;, in <italic>How We Get Free. Black Feminism and the Combahee River Collective</italic>, hg. von Keeanga-Yamahtta Taylor (<xref ref-type="bibr" rid="B10">Chicago: Haymarket Books, 2017</xref>), 18&#8211;19.</p></fn>
<fn id="n6"><p>Vgl. Van Dyk, &#034;Identit&#228;tspolitik gegen ihre Kritik gelesen&#034;, 28.</p></fn>
<fn id="n7"><p>Eine These, die u.a. Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey kritisch auf den Pr&#252;fstand stellen. Vgl. Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey, <italic>Gekr&#228;nkte Freiheit. Aspekte des libert&#228;ren Autoritarismus</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B1">Berlin: Suhrkamp, 2022</xref>), 233&#8211;35.</p></fn>
<fn id="n8"><p>Vgl. Van Dyk, &#034;Identit&#228;tspolitik gegen ihre Kritik gelesen&#034;, 27.</p></fn>
<fn id="n9"><p>Vgl. Bernd Stegemann, &#034;Der liberale Populismus und seine Feinde&#034;, <italic>Bl&#228;tter f&#252;r deutsche und internationale Politik</italic> 4 (<xref ref-type="bibr" rid="B27">2017</xref>), 89. Vgl. hierzu in kritischer Distanz zu dieser Position auch Amlinger und Nachtwey, <italic>Gekr&#228;nkte Freiheit</italic>, 235.</p></fn>
<fn id="n10"><p>Vgl. Thomas Edlinger, <italic>Der wunde Punkt. Zum Unbehagen an der Kritik</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B13">Berlin: Suhrkamp, 2015</xref>), 33.</p></fn>
<fn id="n11"><p>Vgl. Sandra Harding, &#034;Der Beitrag von Standpunktmethodologie zur Philosophie der Sozialwissenschaften&#034;, in <italic>Forschungsfeld Politik. Geschlechtskategoriale Einf&#252;hrung in die Sozialwissenschaften</italic>, hg. von Cilja Harders, Heike Kahlert und Delina Schindler (<xref ref-type="bibr" rid="B19">Wiesbaden: VS Verlag f&#252;r Sozialwissenschaften, 2005</xref>), 35.</p></fn>
<fn id="n12"><p>Vgl. Hanno Rauterberg, <italic>Die Kunst und das gute Leben. &#220;ber die Ethik der &#196;sthetik</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B22">Berlin: Suhrkamp, 2015</xref>), 7, 11, 17.</p></fn>
<fn id="n13"><p>Vgl. Rauterberg, <italic>Die Kunst und das gute Leben</italic>, 54&#8211;55.</p></fn>
<fn id="n14"><p>Vgl. Rauterberg, <italic>Die Kunst und das gute Leben</italic>, 66.</p></fn>
<fn id="n15"><p>Vgl. Rauterberg, <italic>Die Kunst und das gute Leben</italic>, 27&#8211;29.</p></fn>
<fn id="n16"><p>Alison Wylie gebraucht diese Formulierung aus der Perspektive der feministischen Wissenschaftstheorie. Vgl. Alyson Wylie, &#034;Feminist Philosophy of Science: Standpoint Matters&#034;, <italic>Proceedings and Addresses of the American Philosophical Association</italic>, Vol. 86, No. 2 (<xref ref-type="bibr" rid="B35">November 2012</xref>).</p></fn>
<fn id="n17"><p><xref ref-type="bibr" rid="B16">Jacob und Wilhelm Grimm</xref>, &#034;Standpunkt&#034;, in <italic>DWDS &#8211; Digitales W&#246;rterbuch der deutschen Sprache</italic>, hg. von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 24. September 2023, <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://woerterbuchnetz.de/?sigle=DWB#1">https://woerterbuchnetz.de/?sigle=DWB#1</ext-link>.</p></fn>
<fn id="n18"><p>Grimm, &#034;Standpunkt&#034;.</p></fn>
<fn id="n19"><p>Vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B6">Michail M. Bachtin</xref>, &#034;Kunst und Verantwortung&#034;, in <italic>Die &#196;sthetik des Wortes</italic>, hg. und eingeleitet von Rainer Gr&#252;bel und &#252;bers. von Rainer Gr&#252;bel und Sabine Reese (Frankfurt a. M.: Suhrkamp), 94.</p></fn>
<fn id="n20"><p>Vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B5">Michail M. Bachtin</xref>, &#034;Das Wort im Roman&#034;, in <italic>Die &#196;sthetik des Wortes, Die &#196;sthetik des Wortes</italic>, hg. und eingeleitet von Rainer Gr&#252;bel und &#252;bers. von Rainer Gr&#252;bel und Sabine Reese (Frankfurt a. M.: Suhrkamp), 221.</p></fn>
<fn id="n21"><p>Bachtin, &#034;Das Wort im Roman&#034;, 221.</p></fn>
<fn id="n22"><p>Vgl. Bachtin, &#034;Das Wort im Roman&#034;, 221.</p></fn>
<fn id="n23"><p>Vgl. Bachtin, &#034;Das Wort im Roman&#034;, 221.</p></fn>
<fn id="n24"><p>Michail M. Bachtin, <italic>Autor und Held in der &#228;sthetischen T&#228;tigkeit</italic>, hg. von Rainer Gr&#252;bel, Edward Kowalski und Ilrich Schmid und &#252;bers. von Hans-G&#252;nter Hilbert, Rainer Gr&#252;bel, Alexander Haardt und Ulrich Schmid (<xref ref-type="bibr" rid="B4">Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 2008</xref>), 38.</p></fn>
<fn id="n25"><p>Vgl. Bachtin, &#034;Das Wort im Roman&#034;, insb. 189&#8211;91; sowie ders., <italic>Autor und Held in der &#228;sthetischen T&#228;tigkeit</italic>, hier insb. 67&#8211;69.</p></fn>
<fn id="n26"><p>Vgl. Bachtin, <italic>Autor und Held in der &#228;sthetischen T&#228;tigkeit</italic>, insb. 67&#8211;69, 93.</p></fn>
<fn id="n27"><p>Vgl. Sylvia Sasse, <italic>Michail Bachtin zur Einf&#252;hrung</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B24">Hamburg: Junius, 2010</xref>), 73.</p></fn>
<fn id="n28"><p>Bachtin, <italic>Autor und Held in der &#228;sthetischen T&#228;tigkeit</italic>, 69.</p></fn>
<fn id="n29"><p>Vgl. Christoph Bode, <italic>&#196;sthetik der Ambiguit&#228;t. Zur Funktion und Bedeutung von Mehrdeutigkeit in der Literatur der Moderne</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B7">T&#252;bingen: Max Niemeyer, 1988</xref>), 151.</p></fn>
<fn id="n30"><p>Vgl. Bode, <italic>&#196;sthetik der Ambiguit&#228;t</italic>, 154.</p></fn>
<fn id="n31"><p>Vgl. Bode, <italic>&#196;sthetik der Ambiguit&#228;t</italic>, 153&#8211;54.</p></fn>
<fn id="n32"><p>Vgl. Bode, <italic>&#196;sthetik der Ambiguit&#228;t</italic>, 347.</p></fn>
<fn id="n33"><p>Vgl. Bode, <italic>&#196;sthetik der Ambiguit&#228;t</italic>, 347.</p></fn>
<fn id="n34"><p>Bachtin, &#034;Das Wort im Roman&#034;, 221.</p></fn>
<fn id="n35"><p>Vgl. zum Begriff des &#034;doppelten Bewusstseins&#034; W.E.B. Du Bois, <italic>The Souls of Black Folk. Die Seelen der Schwarzen</italic>, &#252;bers. von J&#252;rgen und Barbara Meyer-Wendt (<xref ref-type="bibr" rid="B12">Freiburg i. Br.: Orange Press, 2004</xref>). Wenzel nutzt diesen Begriff ebenfalls in einem <italic>taz</italic>-Interview: &#034;Viele Menschen und ihre K&#246;rper sind marginalisiert und dadurch daran gew&#246;hnt, sich im Au&#223;en zu bespiegeln und zu u&#776;berlegen: Wie wirke ich in dieser Situation? [&#8230;] In den USA nennt man das <italic>double consciousness</italic>, ein doppeltes Bewusstsein, dieses sich selbst Betrachten von au&#223;en.&#034; Olivia Wenzel, &#034;Coming-out als Nicht-Wei&#223;e&#034;, Interview von Katrin Gottschalk. <italic>taz</italic>, <xref ref-type="bibr" rid="B34">5. M&#228;rz 2020</xref>, <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://taz.de/Autorin-Olivia-Wenzel-ueber-Identitaet/!5666451/">https://taz.de/Autorin-Olivia-Wenzel-ueber-Identitaet/!5666451/</ext-link>.</p></fn>
<fn id="n36"><p>Alle Zitate aus Olivia Wenzel, <italic>1000 Serpentinen Angst</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B33">Frankfurt a. M.: S. Fischer, 2020</xref>) werden im Folgenden direkt im Flie&#223;text in Klammern und unter Angabe der Sigle (OW) und der Seitenzahl wiedergegeben.</p></fn>
<fn id="n37"><p>Wenzel, &#034;Coming-out als Nicht-Wei&#223;e&#034;.</p></fn>
<fn id="n38"><p>Wenzel, &#034;Coming-out als Nicht-Wei&#223;e&#034;.</p></fn>
<fn id="n39"><p>Wenzel, &#034;Coming-out als Nicht-Wei&#223;e&#034;.</p></fn>
<fn id="n40"><p>Vgl. Martina Wagner-Egelhaaf, &#034;Einleitung: Was ist Auto(r)fiktion?&#034;, in <italic>Auto(r)fiktion. Literarische Verfahren der Selbstkonstruktion</italic>, hg. von Martina Wagner-Egelhaaf (<xref ref-type="bibr" rid="B32">Bielefeld: Aisthesis, 2013</xref>), 9. Wagner-Egelhaaf bezieht sich hier auf eine Definition Serge Doubrovskys. Vgl. hierzu Serge Doubrovsky, &#034;Nah am Text&#034;, <italic>Kultur &amp; Gespenster: Autofiktion</italic>, Bd. 7 (<xref ref-type="bibr" rid="B11">2008</xref>): 123&#8211;33, hier insb. 123, 128.</p></fn>
<fn id="n41"><p>Vgl. Frank Zipfel, &#034;Autofiktion. Zwischen den Grenzen von Faktualit&#228;t, Fiktionalit&#228;t und Literarit&#228;t?&#034; in <italic>Grenzen der Literatur. Zu Begriff und Ph&#228;nomen des Literarischen</italic>, hg. von Simone Winko, Fotis Jannidis und Gerhard Lauer (<xref ref-type="bibr" rid="B36">Berlin/New York: De Gruyter, 2009</xref>), 284&#8211;314, hier 306.</p></fn>
<fn id="n42"><p>Vgl. Wagner-Egelhaaf, &#034;Einleitung&#034;, 12.</p></fn>
<fn id="n43"><p>Vgl. hierzu auch Ba&#223;ler, <italic>Popul&#228;rer Realismus</italic>, 238.</p></fn>
<fn id="n44"><p>So schreibt Ba&#223;ler, in einem rein fiktionalen Roman w&#252;rden die Lesenden den &#034;intersektionalen Overkill&#034;, den die Protagonistin von <italic>1000 Serpentinen</italic>, &#034;Frau, of Color, ostdeutsch, bi und in sensiblem Alter von Vater und Mutter verlassen&#034;, f&#252;r zu erwartbar halten. Der autofiktionale Pakt sch&#252;tze aber gewisserma&#223;en vor dieser Kritik, indem &#034;[d]ie Bedeutsamkeit des Erz&#228;hlten [&#8230;] aus der Beglaubigung durch die Autorin&#034; entstehe. Vgl. Ba&#223;ler, <italic>Popul&#228;rer Realismus</italic>, 200.</p></fn>
<fn id="n45"><p>Mit der Ich-Erz&#228;hlerin Resi teilt Stelling mindestens den Beruf als Schriftstellerin (mitsamt den Erfahrungen von finanzieller Unsicherheit) sowie den Wohnort Prenzlauer Berg in Berlin (mitsamt den Erfahrungen der voranschreitenden Gentrifizierung in Gro&#223;st&#228;dten).</p></fn>
<fn id="n46"><p>Alle Zitate aus Anke Stelling, <italic>Sch&#228;fchen im Trockenen</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B29">Berlin: Verbrecher, 2018</xref>) werden im Folgenden direkt im Flie&#223;text in Klammern und unter Angabe der Sigle (AS) und der Seitenzahl wiedergegeben.</p></fn>
<fn id="n47"><p>Vgl. hierzu auch Anna Hampel, <italic>Literarische Reflexionsr&#228;ume des Politischen. Neuausrichtungen in Erz&#228;hltexten der Gegenwart</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B18">Berlin: De Gruyter, 2021</xref>), 235.</p></fn>
<fn id="n48"><p>Vgl. Ba&#223;ler, &#034;Der neue Midcult&#034;, 142.</p></fn>
<fn id="n49"><p>Vgl. Ba&#223;ler, <italic>Popul&#228;rer Realismus</italic>, 210&#8211;11.</p></fn>
<fn id="n50"><p>Vgl. Ba&#223;ler, <italic>Popul&#228;rer Realismus</italic>, 211.</p></fn>
<fn id="n51"><p>Vgl. zur Diskussion &#252;ber &#39;echte Literatur&#39; und Kanonisierungsfragen in <italic>Sch&#228;fchen im Trockenen</italic> auch Hampel, <italic>Literarische Reflexionsr&#228;ume des Politischen</italic>, 286&#8211;90.</p></fn>
<fn id="n52"><p>Wagner-Egelhaaf, &#034;Einleitung&#034;, 9&#8211;10. Vgl. hierzu auch Doubrovsky, &#034;Nah am Text&#034;, 123&#8211;24.</p></fn>
<fn id="n53"><p>Vgl. zum Aspekt des Widersprechens bei Stelling wiederum das Kapitel &#034;Zwischen Wahrsprechen und Widersprechen &#8211; Anke Stellings Sch&#228;fchen im Trockenen (<xref ref-type="bibr" rid="B29">2018</xref>)&#034;, in (dies.) <italic>Literarische Reflexionsr&#228;ume des Politischen</italic>, 235&#8211;308.</p></fn>
<fn id="n54"><p>Iris Radisch bezeichnete den Roman als ein &#034;literarisch unbedarftes Werk&#034;, das 2019 vor allem deshalb mit dem Leipziger Buchpreis ausgezeichnet wurde, &#034;weil es so tapfer und sozial engagiert&#034; sei. Vgl. Iris Radisch, &#034;Im H&#246;llenkreis der Baugruppe&#034;, <italic>Zeit Online</italic>, <xref ref-type="bibr" rid="B21">27. M&#228;rz 2019</xref>, <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.zeit.de/2019/14/schaefchen-im-trockenen-leipziger-buchmesse-buchpreis?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F">https://www.zeit.de/2019/14/schaefchen-im-trockenen-leipziger-buchmesse-buchpreis?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F</ext-link>.</p></fn>
<fn id="n55"><p>Harding, &#034;Der Beitrag von Standpunktmethodologie zur Philosophie der Sozialwissenschaften&#034;, 28. Harding bezieht sich hier ma&#223;geblich auf Patricia Hill Collins, &#034;Learning from the Outsider Within: The Sociological Significance of Black Feminist Thought&#034;, <italic>Social Problems</italic> 33, 6 (<xref ref-type="bibr" rid="B9">1996</xref>): 14&#8211;32.</p></fn>
<fn id="n56"><p>Vgl. Stuart Hall, &#034;Alte und neue Identit&#228;ten, alte und neue Ethnizit&#228;ten&#034;, in <italic>Rassismus und kulturelle Identit&#228;t. Ausgew&#228;hlte Schriften 2</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B17">Hamburg: Argument, 1994</xref>), 78. Vgl. hierzu auch Van Dyk, &#034;Identit&#228;tspolitik gegen ihre Kritik gelesen&#034;, 29.</p></fn>
</fn-group>
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