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<journal-title>Genealogy+Critique</journal-title>
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<subject>Research</subject>
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<article-title>Auftritt der KI. Zur Darstellung &#39;posthumaner Arbeitswelten&#39; in Sibylle Bergs Roman <italic>GRM Brainfuck</italic></article-title>
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<surname>Schmutz</surname>
<given-names>Marietta</given-names>
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<email>marietta.schmutz@uni-graz.at</email>
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<pub-date publication-format="electronic" date-type="pub" iso-8601-date="2024-07-09">
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<license-p>This is an open-access article distributed under the terms of the Creative Commons Attribution 4.0 International License (CC-BY 4.0), which permits unrestricted use, distribution, and reproduction in any medium, provided the original author and source are credited. See <uri xlink:href="http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/">http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/</uri>.</license-p>
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<abstract>
<p>The article deals with Sibylle Berg&#39;s novel <italic>GRM Brainfuck</italic> (2019), which focuses on a &#39;working world&#39; that is being transformed by digitization processes. It is argued that this world is anchored in a &#39;post-human system&#39; in which non-human objects as AI emerge as &#39;active&#39; whereas humans recede into the background. The text is, thus, examined against the background of critical post-humanist theory and Timothy Morton&#39;s concept of the Hyperobject. It is then to be shown how an interplay of proximity and distance becomes legible in the encounter with AI. Moreover, the literarization of the various processes initiated by technological developments allows statements to be made about the design of a new working world in which gender attributions shift insofar as the mechanisms of oppression are also &#39;updated&#39; in the age of AI.</p>
</abstract>
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<title>1. Einleitung</title>
<p>Dieser Aufsatz besch&#228;ftigt sich mit Sibylle Bergs 2019 erschienenem Roman <italic>GRM Brainfuck</italic>.<xref ref-type="fn" rid="n1">1</xref> Die darin erz&#228;hlte Welt entfaltet eine durch Digitalisierungsprozesse transformierte Arbeitswelt, die <italic>posthuman</italic> genannt werden kann. Mit diesem Begriff ist nicht nur die Beobachtung der zunehmenden Verflechtung und &#220;berlagerung von menschlicher und nicht-menschlicher Materie verbunden,<xref ref-type="fn" rid="n2">2</xref> sei diese technologisch, tierisch, viral oder geologisch, sondern auch die Idee, dass &#39;moderne&#39; Gesellschaften massiven Ph&#228;nomenen wie der Erderw&#228;rmung, Kernstrahlung, Ver&#246;lung der Ozeane oder eben der K&#252;nstlichen Intelligenz gegen&#252;berstehen, welche wiederum die Position des humanistisch gedachten Menschen als &#39;Krone der Sch&#246;pfung&#39; in vielerlei Hinsicht angreifbar machen. Um diesen Ph&#228;nomenen gerecht zu werden, f&#252;hrt Timothy Morton, ein Vertreter im Spektrum des New Materialism den Begriff des Hyperobjekts ein. F&#252;r die Analyse von Sibylle Bergs Roman wird von einer klassischen Untersuchung der Kapitalismuskritik im Kontext der Arbeitswelt abgesehen, die auch nicht vor dem Hintergrund &#246;konomischer Theorien untersucht werden wird. Arbeit wird demgegen&#252;ber als posthumanistisches Motiv verstanden, das den Text durchzieht und die T&#228;tigkeitsbereiche und den Handlungsspielraum von Mensch und Nichtmensch im Roman diskursiviert. Indessen dienen &#220;berlegungen zu Mortons postanthropozentrischer Ontologie als theoretische Basis, um zuallererst dem n&#228;herzukommen, was im Titel dieses Aufsatzes als Auftritt der KI bezeichnet wird: W&#228;hrend sich in der erz&#228;hlten Welt ihr Fortschritt auf die &#034;technologische &#39;Singularit&#228;t&#39;&#034; (GB 213) zubewegt, d.h. auf einen Zeitpunkt, an dem die KI sich verselbstst&#228;ndigt haben wird<xref ref-type="fn" rid="n3">3</xref>, verkleinert sich f&#252;r den Menschen, der als &#39;M&#228;ngelwesen&#39; (Gehlen) als auf seine &#034;Biomasse&#034; (GB 69) zur&#252;ckgeworfen erscheint, nach und nach der Handlungsspielraum, da er seinen Platz in einer von Maschinen, neuronalen Netzwerken und Algorithmen bestimmten Welt nur noch sehr eingeschr&#228;nkt behaupten kann. Sibylle Berg hat mit <italic>GRM Brainfuck</italic> einen Text vorgelegt, der gleichzeitig als rasend, komisch und emp&#246;rt beschrieben werden kann. Die Untersuchung geht von der Annahme aus, dass der Roman auf 634 Seiten formal das umsetzt, was er beschreibt: Die Emergenz der KI birgt &#220;berforderung durch das Potenzial technologischer Errungenschaften in sich, f&#252;hrt zu medialer &#220;berreizung, Unt&#228;tigkeit und Verrohung der Massen. Der Roman pr&#228;sentiert sich hinsichtlich dessen als spektakul&#228;re Abfolge von Szenen und Ereignissen, die jegliche Form des reflektierenden Innehaltens entbehren. Im Hauptteil dieses Aufsatzes wird der Text auf seine &#228;sthetischen Mittel hin &#252;berpr&#252;ft, die einen hermeneutischen Verstehensprozess anleiten. Es soll gezeigt werden, dass und wie in der Begegnung mit der KI &#8211; im Erz&#228;hlten einerseits und in der Erz&#228;hlhaltung andererseits &#8211; ein Wechselspiel von N&#228;he und Distanz lesbar wird (Pkt. 3 und 4). Die Literarisierung der diversen Prozesse, die durch die technologischen Entwicklungen angesto&#223;en werden, lassen wiederum Aussagen &#252;ber den Entwurf einer neuen Arbeitswelt zu, in der sich geschlechtliche Zuschreibungen insofern verschieben, als sich auch die Unterdr&#252;ckungsmechanismen im Zeitalter der KI aktualisieren (Pkt. 5).</p>
<p><italic>GRM Brainfuck</italic> reiht sich in die deutschsprachige Literatur &#252;ber digitalisierte Arbeitswelten ein, wie sie etwa seit Mitte der 2000er Jahre im Entstehen begriffen ist. Die literaturwissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesen Texten fokussiert dabei auf Ph&#228;nomene wie die New Economy,<xref ref-type="fn" rid="n4">4</xref> Prozesse der Entgrenzung von Arbeit,<xref ref-type="fn" rid="n5">5</xref> Arbeit und Protest in der Literatur,<xref ref-type="fn" rid="n6">6</xref> literarische Kapitalismuskritik oder etwa Melancholie im Zusammenhang mit prek&#228;ren Besch&#228;ftigungsverh&#228;ltnissen.<xref ref-type="fn" rid="n7">7</xref> Konkrete literatur- und kulturwissenschaftliche Auseinandersetzungen mit Geschlecht und/oder Digitalit&#228;t in der Literatur &#252;ber Arbeit sind dagegen (im Hinblick auf die F&#252;lle an literarischen Texten<xref ref-type="fn" rid="n8">8</xref> zum Thema) eher sp&#228;rlich vorhanden.<xref ref-type="fn" rid="n9">9</xref> Als eine der wenigen thematisiert Franziska Sch&#246;&#223;ler<xref ref-type="fn" rid="n10">10</xref> die vergeschlechtlichten Diskurse rund um Konsum und Arbeit in der deutschen Literatur. Der j&#252;ngst erschienene Sammelband <italic>Literatur und Arbeitswelten</italic> von Corinna Schlicht, Marie Kramp und Janneke Eggert besch&#228;ftigt sich mit Werken ab der Jahrtausendwende, darin finden sich unter anderem Beitr&#228;ge zu digitalisierten Arbeitswelten.<xref ref-type="fn" rid="n11">11</xref> Die Verschr&#228;nkung von Arbeit und Digitalit&#228;t in der Gegenwartsliteratur ist ein Feld, das noch auf eingehende wissenschaftliche Analysen wartet. Was die Forschung zu Sibylle Berg betrifft, konzentriert sie sich vielfach auf die Konstruktion und Inszenierung des (weiblichen) K&#246;rpers<xref ref-type="fn" rid="n12">12</xref> und thematisiert dabei etwa die Versehrtheit<xref ref-type="fn" rid="n13">13</xref> oder das Verschwinden<xref ref-type="fn" rid="n14">14</xref> desselben. Die Romane bzw. St&#252;cke werden dabei entweder im Kontext der Popliteratur oder der Dystopie untersucht. Das Schlaglicht auf Arbeit und Digitalit&#228;t wird auch hier vermisst, obwohl Sibylle Berg bereits mit ihrem 2009 erschienenen St&#252;ck <italic>Hauptsache Arbeit!</italic> eine Farce auf die New Economy vorgelegt hat, in der der K&#246;rper, wie sp&#228;ter auch in <italic>GRM</italic> im Kontext der digitalen Revolution zu lesen ist.<xref ref-type="fn" rid="n15">15</xref></p>
<p>Die Rahmenhandlung in <italic>GRM Brainfuck</italic> bildet die Geschichte von vier Kindern (Don, Karen, Peter, Hannah) aus Rochdale/UK &#8211; einer verarmten ehemaligen Industriestadt &#8211;, die sich zusammenschlie&#223;en, um ihren elenden Familienverh&#228;ltnissen zu entkommen. Im zweiten Teil des Romans begegnet man ihnen in London, wo sie am Rande der Stadt in einer verlassenen Industriehalle hausen und mit allen Mitteln versuchen, sich vor dem Zugriff durch den digitalisierten &#220;berwachungsstaat zu sch&#252;tzen. Die Elite der IT-Branche findet, gemeinsam mit Geheimdiensten und der Regierung, fragw&#252;rdige technologische &#39;L&#246;sungen&#39;, die dem menschlichen Bed&#252;rfnis nach (sinnvoller) T&#228;tigkeit bei gleichzeitiger Digitalisierung aller Lebensbereiche gerecht werden sollen. Beim Versuch, ihrer Vergangenheit einerseits und dem geplanten digitalen Reset der Welt andererseits zu entfliehen, bringt den Kindern Musik<xref ref-type="fn" rid="n16">16</xref> etwas Hoffnung: &#034;WILLKOMMEN IN DER WELT VON GRM&#034;, hei&#223;t es auf der Einbandr&#252;ckseite.</p>
</sec>
<sec>
<title>2. KI als Entit&#228;t. <italic>GRM</italic> im Dialog mit der objektorientierten Ontologie (OOO)</title>
<p>Der Roman, so die Annahme dieser Auseinandersetzung, beschreibt das Hereinbrechen einflussreicher nichtmenschlicher Entit&#228;ten, die immer mehr Raum innerhalb der erz&#228;hlten Welt beanspruchen. <italic>GRM</italic> arbeitet in diesem Sinne mit Motiven rund um die Bestimmung des <italic>Posthumanen</italic>, die in dieser Lesart ein Indiz f&#252;r das kritische Potenzial des Romans darstellen k&#246;nnten: In ihrem Verweis auf die Verwobenheit des Menschen mit seiner Umgebung geht es Denker*innen im Umfeld des kritischen Posthumanismus vor allem um eine Delegitimierung des menschlichen Herrschaftssubjekts, das in der sozialen Hierarchie und im kapitalistischen System vorwiegend den m&#228;nnlich-wei&#223;en Ph&#228;notypus annimmt, und seiner politisch-&#246;konomischen Definitionsmacht.<xref ref-type="fn" rid="n17">17</xref> Die ethische Position eines kritischen Posthumanismus ist mit der Entwicklung einer postanthropozentrischen Perspektive verbunden, der zufolge Weltdeutungen, die den Menschen als &#39;Ma&#223; aller Dinge&#39; voraussetzen, sich als &#252;berkommene erwiesen haben.<xref ref-type="fn" rid="n18">18</xref> Neomaterialistische Ans&#228;tze, die sich im Umfeld des kritischen Posthumanismus bewegen, bieten einen speziellen Zugang zu Ph&#228;nomenen wie der KI. Hinsichtlich der Bestimmung von Materie lassen sich innerhalb der Theorien relationale und objektorientierte Ontologien unterscheiden. Relationale Ontologien verorten das Sein in der Handlung, in der Interaktion von (relationalen) Entit&#228;ten,<xref ref-type="fn" rid="n19">19</xref> in der Wirkmacht oder Vitalit&#228;t (Braidotti) der Materie bzw. des menschlichen und nichtmenschlichen Lebens.<xref ref-type="fn" rid="n20">20</xref> Theoretiker*innen der objektorientierten Ontologie beharren dagegen auf einer Welt der Objekte, die ihren Relationen (also ihren Erscheinungen f&#252;r andere Objekte) vorausgehen.<xref ref-type="fn" rid="n21">21</xref> Der Begriff des Objektes wird dabei auf &#034;reale und imagin&#228;re, nat&#252;rliche und k&#252;nstliche, lebende und nicht-lebende, menschliche und nicht-menschliche Entit&#228;ten angewendet&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n22">22</xref> Der Begr&#252;nder der Ansatzes, Graham Harman, konzediert diesem einen &#034;gewissen Essentialismus&#034;<xref ref-type="fn" rid="n23">23</xref> und m&#246;chte damit (nicht ohne Polemik) jenen Theorien begegnen, &#034;die Performativit&#228;t und Prozess gegen&#252;ber Substanz und Essenz privilegieren&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n24">24</xref> Mit seinem Ansatz stellt sich auch der Literaturwissenschaftler und Harman-Sch&#252;ler Timothy Morton &#034;&#39;neuen und verbesserten&#39; Identit&#228;tskonzepten&#034;<xref ref-type="fn" rid="n25">25</xref> und Ideen des &#39;Korrelationismus&#39; (Meillassoux)<xref ref-type="fn" rid="n26">26</xref> entgegen, die die Idee der Subjektivit&#228;t in die &#034;Natur&#034; verl&#228;ngern,<xref ref-type="fn" rid="n27">27</xref> welche dann als romantischer Spiegel (oder Kulisse f&#252;r die Entfaltung) des Selbst fungiere. Morton postuliert demgegen&#252;ber die Existenz der Objekte unabh&#228;ngig von der menschlichen (historischen) Wahrnehmung.<xref ref-type="fn" rid="n28">28</xref> In dieser Existenz seien die Objekte immer zur&#252;ckgezogen (&#034;withdrawn&#034;<xref ref-type="fn" rid="n29">29</xref>). Als Verst&#228;ndniskr&#252;cke f&#252;r diesen Status &#252;bernimmt er von Harman die Analogie der Heidegger&#39;schen Seinsvergessenheit: Ein durch seine Funktion bestimmtes Werkzeug, das w&#228;hrend des Gebrauchs (<italic>Vollzug</italic>) durch eine zur&#252;ckgezogene Existenzweise (<italic>Entzug</italic>) bestimmt ist, wird erst im gebrochenen/kaputten Zustand als Objekt <italic>vorhanden</italic>.<xref ref-type="fn" rid="n30">30</xref> Dass auch der Mensch in Mortons Theorie ein Objekt darstellt, erscheint konsequent. Die Abschaffung des Subjektbegriffes geht zudem mit der erkenntnistheoretischen Annahme einher, dass &#034;die[] Entit&#228;ten in einer relativ <italic>flachen Ontologie</italic> existieren [m&#252;ssen], in der es kaum einen Unterschied zwischen einer Person und einem Nadelkissen gibt&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n31">31</xref> Aus dieser postanthropozentrischen Perspektive entwickelte Morton in der Folge sein Konzept des Hyperobjects:</p>
<disp-quote>
<p>[W]hat now emerges are what I call <italic>hyperobjects</italic>, massively distributed entities that can be thought and computed, but not directly touched or seen. The simultaneous unavailability yet reality of the hyperobject require a radical new form of thinking to cope with it.<xref ref-type="fn" rid="n32">32</xref></p>
</disp-quote>
<p>Die &#034;<italic>Zeit der Hyperobjekte</italic>&#034;<xref ref-type="fn" rid="n33">33</xref> ist f&#252;r Morton direkt mit der &#246;kologischen Krise verbunden und bezeichnet auch jenen Moment, &#034;in dem massive nichtmenschliche, nicht empfindungsf&#228;hige Entit&#228;ten unmittelbar in Kontakt mit Menschen treten und menschliche Konzepte wie &#39;Welt&#39;, &#39;Horizont&#39;, &#39;Natur&#39; oder &#39;Umwelt&#39; aufl&#246;sen&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n34">34</xref> Morton zufolge dr&#228;ngt sich (uns) mehr und mehr die Erkenntnis einer &#034;unheimlichen&#034;<xref ref-type="fn" rid="n35">35</xref> Koexistenz mit anderen Objekten auf: &#034;from mitochondria and viral DNA code insertions to blue whales, comets and Earth&#39;s electromagnetic field.&#034;<xref ref-type="fn" rid="n36">36</xref> Das Hyperobjekt schlechthin ist f&#252;r Morton die Erderw&#228;rmung, die sich zwar messen, modellieren und durch Stellvertreterprozesse (wie das Schmelzen der Polkappen) beobachten, aber nicht als ein einziges Ph&#228;nomen wahrnehmen l&#228;sst.<xref ref-type="fn" rid="n37">37</xref> Diese Auseinandersetzung schlie&#223;t insofern an Morton an, als sie die &#39;Intimit&#228;t&#39;<xref ref-type="fn" rid="n38">38</xref> mit der Wirklichkeit nicht als relationales Gef&#252;ge aus menschlicher und nichtmenschlicher Subjektivit&#228;t oder Materie auffasst, das bei manchen Theoretiker*innen (auf einer Metaebene) utopisches Potenzial entfaltet.<xref ref-type="fn" rid="n39">39</xref> Demgegen&#252;ber versteht sie Wirklichkeit (ohne Mortons pessimistischen Alarmismus vollends zu teilen) als Koexistenz des Menschen mit anderen (Hyper-)Objekten, die im schlimmsten Fall dazu f&#252;hrt, dass &#034;unsere Erfahrung [&#8230;] zu einer des Ekels und des Schmerzes&#034;<xref ref-type="fn" rid="n40">40</xref> wird. In der Begegnung/Koexistenz mit den Objekten liegt Morton zufolge auch das Hier und Jetzt: Metaphorisch gesprochen zeigt sich der &#034;&#39;gegenw&#228;rtige Moment&#39; [als] ein sich ver&#228;nderndes, mehrdeutiges B&#252;hnenbild, wie der Strand, der von der Flut umsp&#252;lt und [gleichzeitig] von den Fu&#223;spuren Astraias gezeichnet ist&#034;.<xref ref-type="fn" rid="n41">41</xref> Aus der Feststellung einer ambigen Verfasstheit der Wirklichkeit entpuppt sich f&#252;r Morton das wahrnehmbare &#39;Sein&#39; eines (Hyper-)Objektes als bereits vergangener Zustand/Moment: &#034;Seine kausalen Spuren schweben vor ihm, im Bereich der Erscheinung, der &#228;sthetischen Dimension.&#034;<xref ref-type="fn" rid="n42">42</xref></p>
<p>Als Literaturwissenschaftler interessieren Morton nun besonders jene Artefakte, die solche Hyperobjekte nicht einfach abbilden, sondern die Hyperobjektivit&#228;t ihrer &#228;sthetischen Form nach evozieren.<xref ref-type="fn" rid="n43">43</xref> Wie schon viele vor ihm begreift Morton das Mittel der Ironie als <italic>das</italic> &#228;sthetische Mittel der Moderne, das die Geschichte der m&#246;glichen und unm&#246;glichen Gestaltungsoptionen von Kunst dokumentiere, subjektive, politische oder soziale Wirklichkeiten zu &#39;verk&#246;rpern&#39;.<xref ref-type="fn" rid="n44">44</xref> Mortons Konzept der Ironie erinnert am ehesten an das Verst&#228;ndnis derselben in der Dekonstruktion. Bei Paul de Man ist sie vor allem durch die Unbestimmbarkeit und den Verstehenskonflikt seitens der Rezeption charakterisiert. Mit ihrer Eigenschaft, permanent &#034;<italic>aus der Rolle [zu] fallen</italic>&#034;<xref ref-type="fn" rid="n45">45</xref>, wird sie als Spiel an den Grenzen von Ernst und Scherz betrachtet. Diese Unbestimmbarkeit dr&#252;ckt Morton folgenderma&#223;en aus: &#034;Irony just is the aesthetic exploitation of gaps&#034;<xref ref-type="fn" rid="n46">46</xref>. In einem n&#228;chsten Schritt geht er so weit zu behaupten, dass der &#196;ra nach der Postmoderne,<xref ref-type="fn" rid="n47">47</xref> die Morton mit dem Epochenbegriff &#034;<italic>Zeit der Hyperobjekte</italic>&#034;<xref ref-type="fn" rid="n48">48</xref> belegt, eine Ironie inh&#228;rent sei, die auf die ambige Beschaffenheit der (Hyper-)Objekte verweist, die &#252;ber einem Abgrund<xref ref-type="fn" rid="n49">49</xref> &#39;schweben&#39; zwischen dem, was sie sind (&#034;withdrawn&#034;) und dem, als was sie, etwa f&#252;r ein menschliches Objekt, erscheinen.<xref ref-type="fn" rid="n50">50</xref> Als Widerhall einer mysteri&#246;sen Pr&#228;senz,<xref ref-type="fn" rid="n51">51</xref> die uns die Intimit&#228;t mit nichtmenschlichen Entit&#228;ten vor Augen f&#252;hre,<xref ref-type="fn" rid="n52">52</xref> kann Ironie schlie&#223;lich als &#228;sthetische Haltung gedeutet werden, die sich der unentrinnbaren Koexistenz mit den Objekten bewusst geworden ist. F&#252;r diese Auseinandersetzung erscheint von Interesse, dass Mortons Konzept bereits von der Zukunftsforschung rezipiert worden ist, die das Ph&#228;nomen der KI als Hyperobjekt versteht, das sich laut Harry Gatterer durch seine Invasivit&#228;t auszeichnet: &#034;Sie [die KI] dringt in unsere Lebenswelten ein und verwandelt sie, Schritt f&#252;r Schritt, von der Arbeit in der Fabrik bis zum Autofahren, vom Umgang mit Daten bis zur Rechtsberatung.&#034;<xref ref-type="fn" rid="n53">53</xref> Diesem Verst&#228;ndnis zufolge beinhaltet das &#39;Objekt KI&#39; alle automatisierten Systeme wie etwa selbstfahrende Autos, Sprachassistenzsysteme<xref ref-type="fn" rid="n54">54</xref> oder eben text- sowie bildbasierte Dialogsysteme wie ChatGPT.</p>
<p>Eine &#228;hnliche Figuration findet sich in Bergs Roman, der die teils unabsehbaren Folgen der KI-Invasion f&#252;r den Menschen darstellt:</p>
<disp-quote>
<p>AI [KI] ist wie eine schwarze Wunderbox, man definiert Algorithmen und f&#252;ttert sie mit Daten und wei&#223; nicht, was genau herauskommt. [&#8230;] Die Pr&#228;mienberechnungen, die Verbrechensstatistik, die Rasterfahndung und der daraus erfolgende Zugriff, der &#252;berproportional Schwarze oder &#8211; sagen wir &#8211; Araber und seit Neuestem die Armen in Mitleidenschaft zieht. Die Unfallquote bei selbstfahrenden Autos, der Sexismus der Algorithmen &#8230; Aber das sind Anekdoten am Rande einer gro&#223;en Umstrukturierung. (GB 482&#8211;83)</p>
</disp-quote>
<p>Im Folgenden wird nicht nur gezeigt, dass Bergs Roman mit seinen spezifischen sprachlichen Mitteln den Auftritt der KI (als Hyperobjekt) lesbar macht. Der durchgehend ironische Duktus des Romans wird als erster Hinweis darauf gedeutet, dass die Wahrnehmung der KI durch die im Text entworfenen Personen sowie die Haltung der Erz&#228;hlinstanz gegen&#252;ber einer heraufbeschworenen &#39;technologischen Evolution&#39; durch Ambiguit&#228;t gekennzeichnet ist. Als ambig &#228;u&#223;ert sich Morton zufolge das instabile Verh&#228;ltnis von Erscheinung und Essenz eines Objektes, das auch die Beziehung der Objekte untereinander bestimmt. Dieses Verh&#228;ltnis evozierend lassen sich im Roman zum einen Textmerkmale herausarbeiten, die das Naheverh&#228;ltnis des Menschen zur Technologie (KI) modellieren und in dieser Erscheinung eine Atmosph&#228;re des Unheimlichen herstellen. Zum anderen wird mit sprachlichen Mitteln der Distanzierung operiert, die nicht nur den ontologischen Status des R&#252;ckzugs (&#034;withdrawal&#034;) bei Morton erinnern, sondern auf der Ebene der histoire einen R&#252;ckzug des Menschen als handelnde Entit&#228;t postulieren. Im f&#252;nften Abschnitt wird letztlich festgestellt, wie dieser R&#252;ckzug mit Blick auf den Geschlechterdiskurs im Roman als Objektifizierung anderer Art (als bei Morton) lesbar wird. In den folgenden beiden Kapiteln werden die sprachlichen Merkmale zwar unter den Aspekten der N&#228;he und Distanz nacheinander behandelt, greifen aber, den Konzepten der Ambiguit&#228;t und Ironie entsprechend, an vielen Stellen ineinander, sodass auch diese Trennung nicht als rigoros betrachtet werden darf.</p>
</sec>
<sec>
<title>3. Literarisierung des Naheverh&#228;ltnisses mit der KI</title>
<p>Die Entwicklungsdynamik der KI in der erz&#228;hlten Welt wird in Bergs Roman nur zum Teil durch politische Steuerung begr&#252;ndet. Vielmehr wird sie als beinahe autonom ablaufender technologischer Prozess dargestellt, der in seinem Ausma&#223; weder politischen Entscheidungstr&#228;ger*innen noch IT-Fachleuten selbst begreiflich erscheint:</p>
<disp-quote>
<p>Es geht keinem um ein gro&#223;es Ganzes, alle sind am Detail interessiert und an der Optimierung des Details. Keiner hat einen genauen &#220;berblick dar&#252;ber, was gerade passiert, trotz des panischen Konsums von Fachinfos, der Vernetzung mit IT-Leuten &#252;berall auf der Welt, den Chats, den Infomails, es geht zu schnell. (GB 495)</p>
</disp-quote>
<p>Der Eindruck des fehlenden &#220;berblicks best&#228;tigt sich formal auch durch die Montage oder zumindest den intermedialen Verweis auf gegenw&#228;rtige Verschw&#246;rungserz&#228;hlungen,<xref ref-type="fn" rid="n55">55</xref> die ideologisch gef&#228;rbte Strategien zur Vereinfachung von komplexen Sachverhalten anbieten: Als &#034;<bold>Die da oben</bold>&#034;<xref ref-type="fn" rid="n56">56</xref> f&#252;hrt der Roman gegen Ende eine &#034;Gruppe fachintelligenter M&#228;nner [ein], die hinter den Algorithmen der Firmen stehen, die das Bruttoeinkommen der gesamten Wirtschaft der Erde &#252;bertreffen&#034;. Deren &#034;Mission&#034; laute, &#034;die Weltbev&#246;lkerung gegen eine neue [&#8230;] auszutauschen. Zahlenm&#228;&#223;ig stark dezimiert, die Feuchtausstattung rasant optimiert&#034; (GB 605&#8211;7). Im Hinblick auf das Fortschreiten von (in ihrer Logik nicht einfach nachvollziehbaren) &#246;kologischen oder &#246;konomischen Entwicklungen evoziert der Roman von Beginn an den Diskurs &#252;ber ein <italic>Leben jenseits des Menschen</italic><xref ref-type="fn" rid="n57">57</xref> und macht eine postanthropozentrische Perspektive lesbar, indem &#39;nat&#252;rlichen&#39; bzw. &#39;technischen&#39; Nichtmenschlichen eine Rolle als handlungsm&#228;chtige Entit&#228;ten zugestanden wird:</p>
<disp-quote>
<p>Vielleicht ist die <italic>Erde</italic> der Gott, den alle so ersehnen, und sie w&#252;rde den Menschen Frieden schenken, eine Pause von all dem Sich-Entwickeln und Wachsen und Versauen, was m&#246;glich ist. Sie w&#252;rde einfach den Meeresspiegel um zwanzig Zentimeter anheben, dazu ein paar Vulkane ausbrechen lassen und sich in einer nassen Eiszeit von den Volltrotteln befreien. (GB 254, Hvhbg. MS)</p>
</disp-quote>
<p>Im ambivalenten &#39;Macht&#39;-Verh&#228;ltnis, das der Text entwirft, sehen sich die Menschen (hier) einerseits den Kr&#228;ften der Evolution<xref ref-type="fn" rid="n58">58</xref> ausgeliefert. Andererseits erscheinen sie vor allem angesichts der Potenziale von intelligenter Technologie als passiv und hilflos. Der Begriff der T&#228;tigkeit, der in der philosophischen Tradition auf eine genuin menschliche Praxis verweist,<xref ref-type="fn" rid="n59">59</xref> dehnt sich in der erz&#228;hlten Welt auf die nichtmenschliche Welt aus. Es sind nunmehr digitale Entit&#228;ten, die unter den Begriffen &#034;Netz&#034;, &#034;System&#034; oder &#034;Algorithmus&#034; subsumiert werden, welche die f&#252;rs &#220;berleben notwendige Arbeit verrichten, wenn es hei&#223;t: &#034;Sie wissen, dass im Netz alles ist. Die Stromversorgung, die Verkehrsregelung, die B&#246;rse, der Welthandel, die Z&#252;ge, das Leben. Und dass alles Leben endet, wenn Systeme angegriffen werden.&#034; (GB 268) W&#228;hrend an dieser und anderen Stellen die KI nur implizit als Handlungstr&#228;gerin lesbar wird, kommt es an anderen Stellen zu ihrer Personifikation und Anthropomorphisierung. <xref ref-type="fig" rid="F1">Abbildung 1</xref> zeigt, wie ein neuronales Netzwerk (mit der gleichen Hervorhebung wie alle anderen Figuren im Roman) mit einem Namen (&#034;EX 2279&#034;) eingef&#252;hrt wird. Der darunter stehende Text aus nichtsprachlichen Zeichen stellt, vermutlich als Imitation von Code, einen Teil der Unterhaltung mit einem anderen Netzwerk in ihrer &#39;eigenen Sprache&#39; dar. Konsequenterweise sind es dann auch die KI&#39;s selbst, die, w&#228;hrend sie sich &#252;ber die Ahnungslosigkeit der Menschen lustig machen, bemerken, dass sie Humor entwickelt (vgl. GB 478) und somit eine bisher nur Menschen vorbehaltene kreative F&#228;higkeit erlangt haben. Ein paar junge Hacker*innen, die die Unterhaltung mitverfolgen, &#034;k&#246;nnen nicht glauben, was sie da entdeckt haben. KIs. Die miteinander reden&#034; (GB 479):</p>
<fig id="F1">
<caption>
<p>Abb. 1: GB 479.</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="gc-10-1-10516-g1.png"/>
</fig>
<p>Die Begegnung mit dem &#39;Anderen&#39; wird von Morton, bezugnehmend auf das Modell des <italic>uncanny valley</italic><xref ref-type="fn" rid="n60">60</xref>, als &#034;strange and horrifying for humans&#034;<xref ref-type="fn" rid="n61">61</xref> beschrieben. Die Herstellung der N&#228;he zum Objekt geschieht also in der Imitation menschlicher Eigenschaften, die ein unbehagliches Erstaunen hervorruft. Zudem kann dieses Verm&#246;gen als Teil der umfassenden Suggestion betrachtet werden, die den ganzen Roman durchzieht: n&#228;mlich, dass die KI, dem Menschen nicht mehr un&#228;hnlich, die &#39;bessere&#39; (im Sinne von effizientere) Arbeitskraft sei. Posthumane Arbeitswelt, so l&#228;sst sich folgern, dr&#252;ckt sich in der &#39;Handlungsmacht&#39; der nichtmenschlichen Entit&#228;ten aus &#8211; etwa in S&#228;tzen wie &#034;Im Hintergrund [&#8230;] hatten die M&#228;rkte [&#8230;] von Algorithmen befeuert, ein Eigenleben entwickelt&#034; (GB 117). Die Strategie der Politik, die Anpassung des Menschen an die technologischen Entwicklungen zu f&#246;rdern, hat ironischerweise zur Folge, dass sie sich selbst abschafft: Eine Online-Partei, Werk eines Programmierers und eines unterbelichteten Politikersohnes, gewinnt am Ende die Wahlen. F&#252;r die Repr&#228;sentation der Partei wird ein Schauspieler gebucht: &#034;Der junge, dynamische Premier-Darsteller, im Netz agierte ein Avatar von ihm, verstand es von Anfang an, die Menschen mitzurei&#223;en&#034; (GB 605), und zwar mit Reden, die von einer k&#252;nstlichen Intelligenz verfasst werden und ausgerechnet um das Versprechen von Arbeit kreisen: &#034;Er versprach Arbeit. [&#8230;] Die Leute h&#246;rten Arbeit, tr&#228;umten von fr&#252;her, als das Wort noch die Idee von Aufstieg transportiert hatte.&#034; (GB 605)</p>
<p>N&#228;he zum Objekt wird zudem in der Tatsache identifiziert, dass <italic>GRM</italic> den Menschen im direkten Vergleich mit den neuronalen oder kreativen Leistungen der Technologie, man kann sagen &#39;distanzlos&#39;, als k&#246;rperlich und geistig verwahrlostes Wesen entwirft. Das Aufeinandertreffen von Mensch und Technologie in <italic>GRM</italic> erzwingt wieder und wieder den Nachweis, dass &#034;[d]ie Fehlerquelle Mensch [&#8230;] nicht mehr tragbar [ist]&#034; (GB 496). Zur Beschreibung der Spezies findet die Erz&#228;hlinstanz mit Bezeichnungen wie &#034;Biomasse&#034; (GB 69, 347, 502) oder &#034;1.0-Maschinen mit Stuhlgang&#034; (GB 493) eine breite Palette an Dysphemismen. Die Darstellung arbeitet vielfach mit einer &#196;sthetik des Abgr&#252;ndigen und besteht im ersten Teil vor allem in der Abbildung von Gewalt und (emotionaler) Armut: Nach einem Amoklauf in Dons Schule, bei dem sie &#034;endlich ein paar Tote gesehen&#034; hat, stellt sie fest, dass der Anblick &#034;weniger grandios [war] als in [ihrer] Fantasie&#034; (GB 21). Die Beschreibungen kippen auch regelm&#228;&#223;ig ins Voyeuristische, das auch metareferenziell thematisiert wird, wenn etwa eines Tages eine Filmcrew nach Rochdale kommt, um dort ein Sozialdrama &#252;ber das Leben in Armut zu drehen (vgl. GB 163&#8211;64 und 166&#8211;67). Der billigeren und effizienteren Arbeitskraft KI um einiges nachstehend, b&#252;&#223;en die wenigen (noch) Erwerbst&#228;tigen durch ihre Arbeit einen Teil dessen ein, was sie als &#39;Menschen&#39; definiert: so beispielsweise Karens Mutter, eine Krankenschwester und Alleinerziehende, die &#034;nicht mehr als sexuelles Wesen mit Tr&#228;umen und Hoffnungen [existiert], sondern [&#8230;] zu etwas geworden [ist], das nur der Aufgabe folgte, ihre Kinder und sich am Leben zu erhalten, auch wenn ihr in Momenten nicht klar war, wozu das gut sein sollte&#034; (GB 48). Hier und auch an anderen Stellen im Text wird letztlich das Bild des Zombies aufgerufen, der*die ein Dasein als lebende*r Tote*r fristet, aber im Grunde sein*ihr Menschsein abgelegt hat:<xref ref-type="fn" rid="n62">62</xref> Der erste Teil des Romans endet auch konsequenterweise mit einem voyeuristischen Blick auf das menschliche Elend im &#252;berf&#252;llten Obdachlosenheim in Rochdale. Dabei werden die als defizit&#228;r erachteten k&#246;rperlich-geistigen F&#228;higkeiten jeweils im Vergleich mit den technologischen Entit&#228;ten gedeutet, welche, jede f&#252;r sich und untereinander vernetzt, als <italic>das</italic> rationale System schlechthin lesbar werden. Die Zuschreibung der fehlenden Rationalit&#228;t geht im Text einher mit der Beschreibung des menschlichen Unverm&#246;gens zur angemessenen Distanzierung von der umgebenden Technologie.</p>
<p>Ein weiterer Hinweis auf die N&#228;he zum und Ambivalenz gegen&#252;ber dem Objekt w&#228;re also die Darstellung von datenbasierten und KI-Anwendungen als Krankheitsbild einerseits und als Teil einer &#39;normalen&#39; informationspolitischen Praxis andererseits. Zu Beginn des Romans konstatiert die Erz&#228;hlinstanz: &#034;Das frische Jahrtausend hatte eine &#220;berschrift, sie hie&#223;. ADHS.&#034; Einerseits wird die Jugend als &#034;ADHS-Generation&#034; (GB 596) bezeichnet, andererseits zieht sich die Krankheit als Metapher f&#252;r eine Mediennutzung, die ihr Ma&#223; verfehlt hat, durch den Text:</p>
<disp-quote>
<p>Momente des Nichtbesch&#228;ftigtseins, Momente ohne Informationen wurden vom Hirn als vertane Zeit gewertet und mit kleinen depressiven Sch&#252;ben bestraft. Momente ohne Information, die die Erregungskurve oben hielten, denn Erregung wurde mit Lebendigkeit verwechselt. Die Menschen starrten kurz. Rannten weiter. Hielten wieder ein, kamen zur&#252;ck. Double Take. Die Meldung auf den Flatscreens im Dauerloop. (GB 228)</p>
</disp-quote>
<p>Seine formale Entsprechung im Text findet dieser st&#228;ndige Erregungsprozess in den bildlich-assoziativen Spr&#252;ngen, die h&#228;ufig durch ein &#034;Apropos&#034;<xref ref-type="fn" rid="n63">63</xref> eingeleitet werden und die zudem als Imitation von Netzwerkstrukturen gedeutet werden k&#246;nnen:</p>
<disp-quote>
<p>Das war doch gesagt worden, dass der Mensch im digitalen Zeitalter endlich von stumpfsinniger Arbeit befreit seinen kreativen Neigungen nachgehen kann. Jetzt hocken sie alle und montieren Zerst&#246;rer aus Streichh&#246;lzern zusammen oder drehen Pornos. Apropos, es gibt keine V&#246;gel mehr. (GB 333&#8211;34)</p>
</disp-quote>
<p>Der Text arbeitet zudem mit formalen Ankl&#228;ngen an psychometrische Verfahren, wie sie vor allem von gro&#223;en Datenanalyse-Unternehmen wie Cambridge Analytica genutzt werden, die auf Erhebung und Nutzung haupts&#228;chlich im Internet gewonnener pers&#246;nlicher Daten spezialisiert sind und an politischen Entscheidungen der Vergangenheit ma&#223;geblich beteiligt waren.<xref ref-type="fn" rid="n64">64</xref> Indem den auftretenden Figuren ein kurzer Steckbrief mit ironisch verzerrten Angaben &#252;ber jeweilige Identit&#228;tsmerkmale vorangestellt wird, vermittelt der Text den Eindruck, dass sich eine als Wirklichkeit begriffene Sph&#228;re hinter Daten, Bildern, Informationen und deren Beschreibung selbst zur&#252;ckzieht.</p>
<disp-quote>
<p><bold>Karen</bold></p>
<p><italic>Sexualit&#228;t: heterosexuell</italic></p>
<p><italic>Intelligenz: hochbegabt</italic></p>
<p><italic>Krankheitsbild: Neigung zu Zw&#228;ngen (Lichtschalter ablecken)</italic></p>
<p><italic>Konsumverhalten: mangelhaft</italic></p>
<p><italic>Ethnie: Gendefekt</italic></p>
<p><italic>Famili&#228;rer Zusammenhang: zwei Br&#252;der, alleinerziehende Mutter</italic> (GB 22)</p>
</disp-quote>
<p>Die Beobachtung des R&#252;ckzugs wird durch die Dominanz der auktorialen Erz&#228;hlinstanz best&#228;tigt, die die Kontrolle &#252;ber ihre Figuren durchwegs beh&#228;lt und Dialogen kaum Platz einr&#228;umt.</p>
</sec>
<sec>
<title>4. Erz&#228;hlen (als Mittel) der Distanz</title>
<p>In einem der wenigen Gespr&#228;che im Roman, zwischen Don und Hannah, geht es paradoxerweise um Dialoge in B&#252;chern und sp&#228;testens bei der Aussage, &#034;dass es ein fauler Trick von Schriftstellerinnen [sei], dieses Dialoggeschreibe&#034; (GB 447), verschwindet die Figur hinter der Metareferenz.<xref ref-type="fn" rid="n65">65</xref> Das soziale Verh&#228;ltnis der Kinder untereinander wird zwar vergleichsweise als herausragendes beschrieben &#8211; sie bilden (&#252;ber einen l&#228;ngeren Zeitraum) die einzige &#39;intakte Gemeinschaft&#39; &#8211;, dennoch wiederholt sich das Motiv des Nicht-miteinander-sprechen-K&#246;nnens (vgl. GB 466&#8211;67). Der Verzicht auf interne Fokalisierung tut der Tatsache keinen Abbruch, dass formal mit Ankl&#228;ngen an den Theatertext gearbeitet wird. Die Einf&#252;hrung der Figurennamen in fettgedruckter Schrift und mit Absatz als Segmentierungssignal (siehe oben) suggeriert den (B&#252;hnen-)Auftritt. Dabei treten nicht nur Personen, sondern auch Kollektive (&#034;<bold>Die Abgeh&#228;ngten</bold>&#034;, GB 34), Tiere (&#034;<bold>Das Rotwild</bold>&#034;, GB 109), Planeten (&#034;<bold>Der Mars</bold>&#034;, GB 306), Personifikationen wie etwa die als &#034;smart&#034; beschriebene &#034;<bold>Stadt</bold>&#034; (GB 518), oder eben die KI (&#034;<bold>EX 2279</bold>&#034;, GB 161), in &#39;Erscheinung&#39;. Sie erinnern &#8211; vor allem auch durch die formale Abhebung im Flie&#223;text &#8211; an die von Morton postulierte Koexistenz mit Objekten und Hyperobjekten, die er oft recht bildhaft beschreibt: &#034;We coexist with human lifeforms, nonhuman lifeforms, and non-life-forms, on the insides of a series of gigantic entities with whom we also coexist: the ecosystem, biosphere, climate, planet, Solar System. A multiple series of nested Russion dolls. Whales within whales whithin whales.&#034;<xref ref-type="fn" rid="n66">66</xref></p>
<p>Die Auftritte im Roman sind &#252;ber inhaltliche Assoziation miteinander verbunden und erwecken wiederum nicht den Eindruck, dass hinter ihnen eine (bewusste) Entscheidung der Erz&#228;hlinstanz steht, &#228;hnlich einer algorithmischen Abfolge, deren Programmierung intransparent bleibt. Was die Informationsvergabe betrifft, verlagert sich die Aufmerksamkeit, abgesehen von der Geschichte der vier Kinder, eindeutig auf die Protagonisten der Tech-Welt und deren &#39;Projekte&#39;. Auch Letztere werden mit k&#252;hler Distanz als Karikaturen ihrer Profession entworfen. Man bekommt Einblick in den &#034;Silicon-Zirkel&#034; (GB 398) mit seinen Protagonist*innen, bestehend aus Programmierern, &#034;Blockchain-Bitches&#034; (GB 399), &#034;AI-Cracks&#034;, &#034;Professoren und ihre[n] codenden J&#252;nger[n]&#034; (GB 400), &#034;Social-Media-Jungs&#034; (GB 406), &#034;Script-Kiddies&#034; (GB 407). In diesen Kreisen ist man sich (mit der KI) scheinbar &#252;ber eine Sache einig:</p>
<disp-quote>
<p>AI ist das Ding, die Weltherrschaft. Wer AI versteht</p>
<p><styled-content style="display: block; line-height: 0.5"><bold>EX 2279</bold></styled-content></p>
<p><styled-content style="display: block; line-height: 0.8">[6-zeiliger Code, &#228;hnlich wie in <xref ref-type="fig" rid="F1">Abb. 1</xref>]</styled-content></p>
<p>Hat den Heiligen Gral gefunden. (GB 401)</p>
</disp-quote>
<p>Es wurde bereits das Aufrufen von Verschw&#246;rungserz&#228;hlungen erw&#228;hnt, die mit der Reduktion von inhaltlicher Komplexit&#228;t arbeiten. Dass sich der Roman in gewisser Weise dieser Form, der immer ein dystopischer Charakter innewohnt, bedient und gleichzeitig davon abzugrenzen versucht, wird als Metareferenz identifiziert und schafft wiederum ironische Distanz zum Erz&#228;hlgegenstand:</p>
<disp-quote>
<p>Wenn man der beknackte Regisseur beknackter Dystopie-Filme w&#228;re, k&#246;nnte man den Blick senken und sagen: &#034;Ein neues Zeitalter hat begonnen. Die Maschinen werden intelligent, und der Mensch baut sich um.&#034; (GB 207)</p>
</disp-quote>
<p><italic>GRM</italic> kann in gewisser Weise als einzige Elegie auf die dystopische Verfasstheit der Gegenwart gelesen werden. Trotz der zynischen Distanzierung von einschl&#228;gigen Genres verweist die Stelle im Handlungszusammenhang konkret auf eine Ideologie, die die Unaufhaltsamkeit eines scheinbar &#39;nat&#252;rlichen Prozesses&#39; behauptet. Dass es sich bei diesem aber vor allem auch um einen &#246;konomischen Prozess handelt, der sich in eine kapitalistisch-neoliberale Handlungslogik einf&#252;gt, wird durch die Rhetorik verschleiert.</p>
<p>Was den Beginn des &#034;neue[n] Zeitalter[s]&#034; betrifft, informiert die Erz&#228;hlinstanz &#252;ber einige Seiten hinweg &#252;ber die Beschleunigung der Welt, die auf eine &#034;technologische &#39;Singularit&#228;t&#39;&#034; (GB 213) zulaufe.<xref ref-type="fn" rid="n67">67</xref> Unvermittelt wird daraufhin &#034;<italic>[e]ine vereinfachte Abhandlung nach Prof. P Schmidhuber, Computer Scientist. AI-Developer</italic>&#034; (GB 215)<xref ref-type="fn" rid="n68">68</xref> in den Text montiert, der zufolge &#034;[d]er vom Menschen dominierte Teil der Historie / Ungef&#228;hr um das Jahr Omega = 2050 herum &#39;konvergieren&#39; wird&#034; (GB 213).</p>
<p>Der Text bezieht sich hier auf eine Publikation des deutschen Informatikers J&#252;rgen Schmidhuber<xref ref-type="fn" rid="n69">69</xref> zu <italic>New Millennium AI and the Convergence of History</italic>.<xref ref-type="fn" rid="n70">70</xref> <xref ref-type="fig" rid="F2">Abbildung 2</xref> zeigt die verk&#252;rzte und leicht abge&#228;nderte Skizzierung seiner Hypothese auf Schmidhubers Homepage.<xref ref-type="fn" rid="n71">71</xref> Im Unterschied dazu wird im Roman der Konvergenzpunkt nicht ab den &#034;beginnings of modern man over 40,000 years ago&#034;,<xref ref-type="fn" rid="n72">72</xref> sondern vom Urknall ausgehend berechnet: Es folgen (immer in geviertelten Zeitspannen<xref ref-type="fn" rid="n73">73</xref>) die Entstehung &#034;erste[n] Leben[s] auf der Erde&#034; sowie die Emergenz &#034;unsere[r] Vorfahren&#034; (GB 214) und schlie&#223;lich die Entwicklung einer &#034;k&#252;nstliche[n] Intelligenz auf menschlichem Niveau&#034; (GB 215). In einer scheinbaren Objektifizierung des Gegenstandes wird hier die parodistische Imitation szientistischer Verfahren in der zeitgen&#246;ssischen Informatik erkennbar. Ziel und Wirkung ist selbstverst&#228;ndlich die ironische Distanz. F&#252;r beide Texte, Schmidhubers Originalskizze und Bergs &#220;bernahme, sei an dieser Stelle auf die postanthropozentrische Perspektive verwiesen: Dem Prinzip der Konvergenz folgend, wird in der Darstellung die Trennung von nat&#252;rlich/k&#252;nstlich, Natur/Kultur bzw. Technik aufgegeben und fallen Mensch und Maschine sukzessive ineinander; ob die KI mit Ablauf der &#034;Zeitspannen&#034; den Menschen ersetzt haben, mithin technologische Singularit&#228;t erreicht sein wird, bleibt offen.<xref ref-type="fn" rid="n74">74</xref></p>
<fig id="F2">
<caption>
<p>Abb. 2: GB 214&#8211;15.</p>
</caption>
<graphic xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="gc-10-1-10516-g2.png"/>
</fig>
<p>Die drastische Darstellung technologischer Innovation und digitaler Konsumwelten, denen, mit Morton gesprochen, ein bewusstloses Objekt Mensch gegen&#252;bergestellt erscheint, nimmt sich scheinbar selbst nicht wirklich ernst. Bisher wurde bereits mehr als deutlich, dass der Text durchwegs im ironischen Ton gehalten ist, in der eine am Geschehen unbeteiligte Erz&#228;hlinstanz regelm&#228;&#223;ig die Handlung kommentiert. So gibt sie regelm&#228;&#223;ig auch mit pr&#228;gnanten Einw&#252;rfen wie &#034;Prost auf die Klischees&#034; (GB 31) oder &#034;Hurra, die M&#228;rkte&#034; (GB 117) das Erz&#228;hlte der L&#228;cherlichkeit preis. Doch selbst hinter diesen Versatzst&#252;cken dr&#228;ngt eine witzlose und besorgniserregende Realit&#228;t hervor und liegt dem Text sozusagen als unheimliche Atmosph&#228;re zugrunde. In einem Modus, den man als zynische Emp&#246;rung bezeichnen k&#246;nnte, schafft er ein Panorama der Realit&#228;ten menschlicher und nichtmenschlicher Objekte, die sich selbst durch ein ambivalentes Verh&#228;ltnis zu den sie umgebenden (nichtmenschlichen) Entit&#228;ten kennzeichnen. Dieser Modus oszilliert insofern zwischen den Polen der N&#228;he und Distanz, als er die Begegnung mit den Objekten mit drastischer Sprache abbildet und sich gleichzeitig mit Mitteln der Ironie, der Metareferenz oder der szientistischen &#220;berformung von der &#252;berw&#228;ltigenden Emergenz dieser (Hyper-)Objekte und den Prozessen, die durch diese in Gang gesetzt werden, abgrenzt.</p>
</sec>
<sec>
<title>5. Konstruktion von Arbeit und &#39;Geschlecht&#39; als vermeintliche Gegens&#228;tze des digitalen Zeitalters</title>
<p>&#220;ber die eben analysierte Literarisierung des ambivalenten Verh&#228;ltnisses zur KI k&#246;nnen auch Aussagen &#252;ber das Geschlechtersystem in der erz&#228;hlten Welt getroffen werden. Im Prozess der sukzessiven &#39;Entfernung&#39; des Menschen aus der Arbeitswelt zeigt sich, dass zum einen klassische Geschlechterdichotomien verschoben und damit ad absurdum gef&#252;hrt werden. Zum anderen l&#228;sst sich eine Aktualisierung von Unterdr&#252;ckungsmechanismen beobachten, die in transhumanistischen Praxen &#39;m&#228;nnlicher Reproduktionstechnik&#39; einen (neuen) Bewertungsma&#223;stab findet und den Menschen als Objekt anderer Art (als bei Morton) erscheinen l&#228;sst.</p>
<p>Die Idee oder Annahme, dass Arbeit oder zumindest Handlungsf&#228;higkeit Voraussetzung des &#39;guten Lebens&#39;<xref ref-type="fn" rid="n75">75</xref> sind, zieht sich (in der unerf&#252;llten Variante) als Motiv durch den Roman: Der R&#252;ckzug des Menschen aus dem t&#228;tigen Leben wird als Umbruch mit weitreichenden Konsequenzen dargestellt, der gleichzeitig den Anfang eines &#220;bergangs in ein &#034;neues Zeitalter&#034; (GB 207) markiert.<xref ref-type="fn" rid="n76">76</xref> Der zu Beginn der Erz&#228;hlung noch bestehende Widerstand in der Bev&#246;lkerung soll durch diverse Ma&#223;nahmen &#39;in den Griff bekommen&#39; werden. Der menschliche Tatendrang, mithin das Bed&#252;rfnis, die eigene Existenz mit Arbeit zu rechtfertigen (&#034;[k]aum einer ist dazu eingerichtet, einfach nur zu sein&#034;, GB 405) wird etwa zum Gesch&#228;ftsmodell der sogenannten &#034;Virtual-Reality-Spinner, die an einer Welt bauen, in der man Menschen besch&#228;ftigen kann, deren Besch&#228;ftigungsverh&#228;ltnisse ausgelagert worden sind&#034; (GB 404). Dem Rest an Aufbegehren wird mit &#220;berwachung und Massenmedikation begegnet, die tats&#228;chlich einen R&#252;ckgang der Aggressivit&#228;t verzeichnen lassen: Die Menschen erscheinen gl&#252;cklicher, aber auch die &#034;F&#228;higkeit, logisch zu denken und Kreativit&#228;t zu entwickeln, hat sich nahezu aufgel&#246;st&#034; (GB 507). Letztlich erscheint der &#39;Umbau&#39; erfolgreich vollzogen, wenn es im letzten Drittel des Romans hei&#223;t: &#034;Die Masse ist fleischgewordene, bed&#252;rfnislose Zufriedenheit.&#034; (GB 508) Das hier konstruierte Objekt der Masse als Vernunft, Logik und Kreativit&#228;t entbehrender K&#246;rper, der dar&#252;ber hinaus keine Selbstbestimmung besitzt und diese auch nicht anstrebt, kennzeichnen Eigenschaften traditioneller &#39;Weiblichkeit&#39;, die mit dem Aufstieg des B&#252;rgertums im Europa des 18. Jahrhunderts unter Ma&#223;gabe der Fokussierung auf die Reproduktionsf&#228;higkeit der Frau<xref ref-type="fn" rid="n77">77</xref> allm&#228;hlich den Diskurs eroberten.<xref ref-type="fn" rid="n78">78</xref></p>
<p>Im Hinblick auf Geschlechterverh&#228;ltnisse greift der Text h&#228;ufig auf die Abbildung der vermeintlich typischen Rollen zur&#252;ck. Die ironische Variation und &#39;Transgression&#39; dieser Rollen bringt dabei niemals emanzipatorische Effekte mit sich, sondern dient der Best&#228;tigung des erzwungenen menschlichen R&#252;ckzugs: So verkauft der Theaterautor, seit ein Algorithmus &#252;ber die Textauswahl entscheidet, keine Werke mehr. Folglich fixiert er sich auf die &#39;Produktion&#39; von Nachwuchs: &#034;[E]r w&#252;rde eine Aufgabe haben. Einen Sinn, in einer Ich-kann-dieses-Baby-wickeln-und-babygerechte-Dinge-mit-ihm-machen-Art.&#034; (GB 444) In der Welt von <italic>GRM</italic> erscheint an dieser Stelle die (weiblich konnotierte Sph&#228;re der) Reproduktion als eine der letzten verbliebenen M&#246;glichkeiten der sinnerf&#252;llten T&#228;tigkeit f&#252;r den Mann, der darin die Chance der Verwirklichung &#034;sein[es] Werk[es]&#034; (GB 444) sieht. Die Prognose der Erz&#228;hlinstanz, &#034;dass die M&#228;nner im Jahr 2030 unfruchtbar sein werden&#034; (GB 444), verr&#228;t, dass auch die biologische Reproduktion der menschlichen Spezies bald der Vergangenheit angeh&#246;ren wird. Die verzweifelten Versuche, mit den nunmehr einzigen M&#246;glichkeiten des T&#228;tigwerdens durch und mit dem eigenen K&#246;rper zu re&#252;ssieren, k&#246;nnen als &#39;Feminisierung&#39; der Arbeitswelt<xref ref-type="fn" rid="n79">79</xref> (sofern diese den Namen noch verdient) bezeichnet werden. Paradoxerweise verschwinden Frauen gleichzeitig aus diesem verbliebenen T&#228;tigkeitsfeld. Wieder sind es M&#228;nner, die aus den Entfremdungserfahrungen, die der Abschaffung von Sozialit&#228;t und Gemeinschaft folgen, allerletzten Profit schlagen: Mangels k&#246;rperlicher Kontakte bezahlen z.B. Menschen in den Gro&#223;st&#228;dten f&#252;r menschliche N&#228;he, was den Beruf des &#034;Anfasser[s]&#034; (GB 280) hervorbringt; Aggressionen k&#246;nnen demgegen&#252;ber durch die Buchung eines &#034;Opfer[s]&#034; (GB 373) abgebaut werden.</p>
<p>Insgesamt besehen, radikalisiert der Text jene Denkfigur der bin&#228;ren b&#252;rgerlichen (Geschlechter-)Ordnung auf Grundlage einer gesamtgesellschaftlichen Feminisierung: Nicht mehr nur &#39;weiblich&#39; konnotierte T&#228;tigkeiten, sondern nahezu jede von Menschen ausgef&#252;hrte T&#228;tigkeit &#8211; sei sie kreativ, herstellend, politisch oder reproduktiv &#8211; wird als unproduktiv ausgewiesen, da technologische bzw. neurobiologische (Re-)Produktionstechniken sie in der Effektivit&#228;t der Ausf&#252;hrung bei weitem &#252;bertreffen. Der K&#246;rper als <italic>Produktionsmittel</italic> bringt kaum noch Profit, nur noch als ideale*r Konsument*in kann er dem System &#39;dienen&#39;. Der Roman trifft damit insofern einen Nerv der Zeit, als er drastisch vor Augen f&#252;hrt, wie sehr die Diskurse um die sogenannte Informationsgesellschaft und die Zukunft einer digitalisierten Arbeitswelt mit der Frage nach den Bedingungen des &#39;Menschseins&#39; verbunden sind.<xref ref-type="fn" rid="n80">80</xref> Das dystopische Moment in Bergs Roman liegt insbesondere in der Darstellung einer opportunistischen Reaktion auf eine vermeintlich unaufhaltsame Entwicklung. Die &#034;Erde 4.0&#034;<xref ref-type="fn" rid="n81">81</xref> erscheint zun&#228;chst als naiver Traum der &#034;Tekkies&#034; (GB 391), der, zu Ende getr&#228;umt, auf einen Posthumanismus zusteuert, in dem der Mensch, traditionell als Subjekt bezeichnet, tats&#228;chlich der Vergangenheit angeh&#246;rt. Der feminisierte K&#246;rper steht dabei sinnbildlich f&#252;r eine als antiquiert geltende Arbeitswelt und dr&#228;ngt folglich weiblich gelesene Personen in die absolute Unsichtbarkeit: &#034;Alle Bereiche, f&#252;r die es Frauen ben&#246;tigt hatte, werden inzwischen durch von M&#228;nnern geschaffenes Ger&#228;t besetzt. Sex, Dienstleistungen, Geb&#228;ren &#8211; WTF&#034; (GB 390). Demgegen&#252;ber werden Praxen &#39;m&#228;nnlicher&#39; Reproduktionstechnik<xref ref-type="fn" rid="n82">82</xref> gef&#246;rdert, die der Text in Form von transhumanistischer Motivik pr&#228;sentiert. Der Transhumanismus ist dabei weniger als wissenschaftliche Disziplin, denn als Ideologie der Optimierung zu verstehen,<xref ref-type="fn" rid="n83">83</xref> die T&#228;tigkeiten, operative Eingriffe in den K&#246;rper sowie die Einnahme von Substanzen popularisiert, die s&#228;mtlich der Leistungssteigerung und Gef&#252;hlsregulation, der Lebensverl&#228;ngerung oder dem Ziel der Unsterblichkeit dienen. Genannt werden im Roman Mittel und Methoden wie &#034;Kortex-Stimulatoren&#034; (GB 494), &#034;Brainextension[s]&#034; (GB 539), Mind-Uploading sowie &#034;pseudofuturistische Cyborg-Bem&#252;hungen&#034; (GB 494) wie etwa die Ersetzung von K&#246;rperteilen. Auch von einem vom K&#246;rper isolierten Gehirn, das &#034;in seiner Suppe schwimmt&#034; (GB 621), ist die Rede.<xref ref-type="fn" rid="n84">84</xref> Das transhumanistische Motiv der Vermessung zeigt sich im Roman vor allem in der Erfassung der Welt durch digitale Ordnungs- bzw. &#220;berwachungssysteme, die eine Form der Weltaneignung, von der Perfektionierung von digitalen Tools wie Google Street View (vgl. GB 416) bis zur Darstellung des Menschen als Datensatz, erm&#246;glichen. Programmierer arbeiten, ohne Skrupel aber auch ohne konkrete Vision, an der Weiterentwicklung der &#034;neuen Welt&#034; (GB 209), mit der die omin&#246;se Sph&#228;re des Digitalen gemeint ist, deren Grundfunktionen niemand richtig durchschaut (vgl. GB 209): &#034;Milliarden haben keine Ahnung, wie ein Rechner funktioniert, Algorithmen schon gar nicht. Wie man sie manipulieren kann, was manipuliert wird, sie starren auf Pixel und vertrauen.&#034; (GB 210) Die allgemeine &#220;berforderung durch die KI f&#246;rdert die Wahrnehmung einer verdoppelt erscheinenden ambivalenten Wirklichkeit, die aus einer online- und einer offline-Welt besteht. Demnach befinden sich &#39;Milliarden Ahnungslose&#39; (vgl. GB 210) in einer Art Limbo: Einerseits &#034;scheinen [sie] einen Hass auf ihr Dasein zu entwickeln, wenn es au&#223;erhalb des Netzes stattfindet&#034; (GB 209). Das Netz andererseits gilt als &#034;Ort der Verbl&#246;dung, Verhetzung, der Manipulation und der Frustration&#034; (GB 210). Das, was &#034;au&#223;erhalb des Netzes stattfindet&#034; (GB 209), hat mehrere Bezeichnungen: Einmal ist die Rede von der &#034;1.0 Welt&#034; (GB 208), ein anderes Mal von der &#034;sogenannten Real&#8230; &#8211; Sie wissen schon, das Ding da drau&#223;en&#034; (GB 209&#8211;10). Die offline-Welt gilt also als Dingwelt &#034;drau&#223;en&#034;, wo &#034;man dann ruml&#228;uft in Zeitlupe mit seinem frierenden K&#246;rper&#034; und &#034;keinen Respekt f&#252;r sein wichtiges Sein&#034; (GB 210) bekommt. Die Virtualisierung der Wirklichkeit und des Lebens bewirkt die Entfremdung vom eigenen K&#246;rper, der zur Dingwelt geh&#246;rt. Jene also, die weder die finanziellen Ressourcen aufbringen, sich bzw. den K&#246;rper mittels Optimierung zu &#39;transzendieren&#39;, noch die n&#246;tigen F&#228;higkeiten besitzen, an der Entwicklung der neuen Welt mitzuarbeiten (&#034;zu bl&#246;d zum Coden sind&#034;, GB 573), erscheinen als Gegenst&#252;ck der KI und einer Elite von Reproduktionstechniker(*innen). Mit Blick auf das historisch gewachsene System der Geschlechtercharaktere und -rollen wird deutlich, dass der Roman Mechanismen der Unterdr&#252;ckung in seiner dualistischen Konstruktion der Wirklichkeit verschiebt und damit aktualisiert: Die Abk&#246;mmlinge der KI werden auf Seite des traditionellen Subjekts imaginiert, das, sprachwissenschaftlich gesprochen, als &#034;Tr&#228;ger der Handlung, des Vorgangs oder des Zustandes&#034;<xref ref-type="fn" rid="n85">85</xref> gilt. Demgegen&#252;ber steht der Mensch, der im Text auf den Status eines Objektes reduziert wird und gleichsam verdinglicht<xref ref-type="fn" rid="n86">86</xref> erscheint. In der Aktualisierung des geschlechtlich codierten Herrschaftsnarrativs und der Rediskursivierung einer, man k&#246;nnte sagen antiquierten Vorstellung des Objektes, gemahnt der Text an die Widerstandskraft bin&#228;rer Denkweisen. Theoretiker*innen wie Timothy Morton versuchen diesen mit einer Versachlichung des Sprechens &#252;ber menschliche und nichtmenschliche Entit&#228;ten, die folglich alle unter dem Begriff des Objektes firmieren, beizukommen. Bergs Roman entwirft hinsichtlich dieser Problematik ein vielstimmiges und in sich widerspr&#252;chliches Panorama: W&#228;hrend er mit Ankl&#228;ngen an postanthropozentrische Philosophien eine Vorstellung von Egalit&#228;t evoziert, wie sie Morton mit seiner &#034;flachen Ontologie&#034; postuliert, f&#252;hrt er diese mit der Vision einer posthumanen Arbeitswelt gleichzeitig ad absurdum.</p>
</sec>
<sec>
<title>6. Schlusswort</title>
<p>Bergs Roman entwirft eine posthumane Arbeitswelt und evoziert damit das, was G&#252;nther Anders ein &#034;prometheische[s] Gef&#228;lle&#034;<xref ref-type="fn" rid="n87">87</xref> genannt hat: &#034;<italic>[E]in Gef&#228;lle zwischen zur&#252;ckbleibender Sprache und Enormit&#228;t unserer &#39;Werke&#39;; der Enormit&#228;t, die wir eigentlich zur Sprache bringen m&#252;ssen</italic>.&#034;<xref ref-type="fn" rid="n88">88</xref> Die Frage, die Anders aufwirft und die sich vor allem auch den Gesellschafts- und Wissenschaftstheorien unserer Zeit stellt, ist die nach der M&#246;glichkeit einer ad&#228;quaten Beschreibung der (von uns selbst erschaffenen) Wirklichkeit. Es wurden spezifische Strategien des Romans angesprochen, dieser &#034;Enormit&#228;t&#034; Ausdruck zu verleihen, die sich in der erz&#228;hlten Welt ma&#223;geblich auf den Menschen, auf die Arbeitswelt bzw. auf sein ganzes T&#228;tigkeitsrepertoire auswirkt. Es wurde gezeigt, dass sich der Entwurf einer &#39;neuen Arbeitswelt&#39; vor allem durch eine m&#228;nnlich konnotierte Reproduktionstechnik kennzeichnet, denen eine objektifizierte mithin feminisierte Menschheit ausgesetzt ist. Das sprachliche Spiel im Roman oszilliert &#8211; hinsichtlich seines Entwurfes der sowie der Haltung gegen&#252;ber menschlichen und nichtmenschlichen Objekten &#8211; zwischen der Herstellung von N&#228;he und Distanz. Die kritische Stimme des Romans wird in einer zynisch-emp&#246;rten Distanzierung von einem kapitalistischen System laut, in dem KI und Automation als evolution&#228;rer Prozess imaginiert wird, dem der Mensch vermeintlich ausgeliefert ist. Die Lekt&#252;re des Romans entlang von Timothy Mortons Objekttheorie hat gezeigt, dass der Roman die Begegnung mit den technologischen Entit&#228;ten als &#39;reale&#39; und folgenreiche imaginiert. Im Umkehrschluss wird aber auch an die M&#246;glichkeit von menschlicher Gegeninitiative erinnert, die jedoch erst in der Schlussszene des Fortsetzungsromans<xref ref-type="fn" rid="n89">89</xref> von <italic>GRM</italic> tats&#228;chlich auch Fr&#252;chte tr&#228;gt. Nachdem die Auflehnung gegen das System gelungen ist, sch&#252;rt die Erz&#228;hlinstanz gar Hoffnung auf eine lebenswerte Zukunft f&#252;r die inzwischen &#228;lter gewordenen Jugendlichen, die durch einen gro&#223; angelegten Hack von Banken, Verkehrswesen und diverser Infrastruktur das schier Unm&#246;gliche erreicht haben. Der digitale Kapitalismus ist mit den eigenen Waffen geschlagen worden. Bergs zweiteiliges Werk besitzt zwar in vielerlei Hinsicht den Anschein, best&#228;tigt jedoch am Schluss nicht vollends die technikfeindliche Untergangsfantasie, indem zumindest in Aussicht gestellt wird, dass die unerm&#252;dliche Arbeit einer neuen Generation junger Menschen sich gelohnt und die Menschen aus ihrer jahrelangen Ohnmacht befreit hat.</p>
</sec>
</body>
<back>
<fn-group>
<fn id="n1"><p>Sibylle Berg, <italic>GRM. Brainfuck. Roman</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B5">K&#246;ln: Kiepenheuer &amp; Witsch, 2020</xref>). Im Folgenden mit der Sigle &#034;GB&#034; und Seitenzahl im Text zitiert.</p></fn>
<fn id="n2"><p>Vgl. z.B. Rosi Braidotti, <italic>Posthuman, All Too Human: The Memoirs and Aspirations of a Posthumanist</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B7">Tanner Lectures on Human Values, delivered at Yale University, March 1&#8211;2, 2017</xref>), <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://tannerlectures.utah.edu/_resources/documents/a-to-z/b/Braidotti%20Lecture.pdf">https://tannerlectures.utah.edu/_resources/documents/a-to-z/b/Braidotti%20Lecture.pdf</ext-link>.</p></fn>
<fn id="n3"><p>Vgl. Bernd Vowinkel, &#034;Kommt die technologische Singularit&#228;t&#034;, <italic>Humanistischer Pressedienst</italic>, 2.9.2016, <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://hpd.de/artikel/kommt-technologische-singularitaet-13480?nopaging=1">https://hpd.de/artikel/kommt-technologische-singularitaet-13480?nopaging=1</ext-link>.</p></fn>
<fn id="n4"><p>Vgl. Anke S. Biendarra, &#034;Prek&#228;re neue Arbeitswelt. Narrative der New Economy&#034;, in <italic>Das erste Jahrzehnt. Narrative und Poetiken des 21. Jahrhunderts</italic>, hg. v. Johanna Bohley, unter Mitarbeit v. Julia Sch&#246;ll (W&#252;rzburg: K&#246;nigshausen &amp; Neumann, 2011), 69&#8211;82.</p></fn>
<fn id="n5"><p>Vgl. Iuditha Balint, <italic>Erz&#228;hlte Entgrenzungen. Narrationen von Arbeit zu Beginn des 21. Jahrhunderts</italic> (Paderborn: Wilhelm Fink, 2017).</p></fn>
<fn id="n6"><p><italic>Arbeit und Protest in der Literatur vom Vorm&#228;rz bis zur Gegenwart</italic>, hg. v. Iuditha Balint u. Hans-Joachim Schott (W&#252;rzburg: K&#246;nigshausen &amp; Neumann, 2015).</p></fn>
<fn id="n7"><p>Vgl. Nerea V&#246;ing, <italic>Arbeit und Melancholie. Kulturgeschichte und Narrative in der Gegenwartsliteratur</italic> (Bielefeld: transcript, 2019), <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://doi.org/10.14361/9783839448168">https://doi.org/10.14361/9783839448168</ext-link>.</p></fn>
<fn id="n8"><p>Vgl. u.a. Joachim Zelter, <italic>Schule der Arbeitslosen. Ein Roman</italic> (T&#252;bingen: Kl&#246;pfer &amp; Meyer, 2006); Ter&#233;zia Mora, <italic>Der einzige Mann auf dem Kontinent. Roman</italic> (M&#252;nchen: Luchterhand, 2009); Birgit Vanderbeke, <italic>Der Sommer der Wildschweine. Roman</italic> (M&#252;nchen/Z&#252;rich: Piper, 2014); Cordula Simon, <italic>Wie man schlafen soll. Roman</italic> (Salzburg/Wien: Residenz Verlag, 2016); Marc-Uwe Kling, <italic>QualityLand. Roman</italic> (Berlin: Ullstein, 2017); Juli Zeh, <italic>Leere Herzen</italic> (M&#252;nchen: btb Verlag, 2017); Berit Glanz, <italic>Automaton. Roman</italic> (M&#252;nchen/Berlin: Berlin Verlag, 2022).</p></fn>
<fn id="n9"><p>Zum &#252;bergeordneten Forschungsbereich &#39;Literatur und &#214;konomie&#39; liegt seit 2019 das rund 800 Seiten starke gleichnamige Handbuch vor, das als Standardwerk zum Thema gelten kann, von Fragen des Geschlechts allerdings v&#246;llig absieht und auch keinerlei Eintr&#228;ge zu &#39;Digitalisierung&#39; oder &#39;Informationsgesellschaft&#39; aufweist. Vgl. <italic>Handbuch Literatur &amp; &#214;konomie</italic>, hg. v. Joseph Vogl u. Burkhardt Wolf, unter Mitarbeit v. Alexander Mionskowski (Berlin/Boston: De Gruyter, 2019).</p></fn>
<fn id="n10"><p>Vgl. Franziska Sch&#246;&#223;ler, <italic>Femina Oeconomica. Arbeit, Konsum und Geschlecht in der Literatur. Von Goethe bis H&#228;ndler</italic> (Frankfurt a. M.: Peter Lang, 2017).</p></fn>
<fn id="n11"><p>Vgl. v.a. die Aufs&#228;tze von Andreas Solbach, Sabrina Huber und Marietta Schmutz, in <italic>Literatur und Arbeitswelten. &#196;sthetische und diskursive Strategien zur Darstellung von Arbeit in der deutschsprachigen Literatur seit 2000</italic>, hg. v. Corinna Schlicht, Marie Kramp u. Janneke Eggert, unter Mitarbeit v. Sophie Sch&#246;nberger (Paderborn: Brill Fink, 2023).</p></fn>
<fn id="n12"><p>Vgl. Julia Reichenpfader, &#034;Schl&#228;ft der Mann am Ende gut? Hegemoniale K&#246;rperinszenierungen und regressive Reaktionen in Sibylle Bergs Romanen&#034;, in <italic>Sibylle Berg</italic>, hg. v. Stephanie Catani u. Julia Sch&#246;ll (M&#252;nchen: edition text + kritik, 2020), 31&#8211;41.</p></fn>
<fn id="n13"><p>Vgl. Claudia Wittrock, &#034;Anders sein &#8211; echt sein. Zur Attraktivit&#228;t des versehrten K&#246;rpers in der jungen deutschsprachigen Gegenwartsliteratur&#034;, <italic>&#214;ffnung &#8211; Schlie&#223;ung &#8211; &#220;bertrittedes Instituts f&#252;r kulturwissenschaftliche Deutschlandstudien</italic> 15 (2000), <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.deutschlandstudien.uni-bremen.de/wp-content/uploads/2011/05/heft151.pdf">https://www.deutschlandstudien.uni-bremen.de/wp-content/uploads/2011/05/heft151.pdf</ext-link>.</p></fn>
<fn id="n14"><p>Vgl. Iris Meinen, &#034;K&#246;rperSCHAU. Das sichtbare Verschwinden der K&#246;rper in ausgew&#228;hlten Dramen und Erz&#228;hlungen Sibylle Bergs (1997&#8211;2019)&#034;, in <italic>&#214;ffnung &#8211; Schlie&#223;ung &#8211; &#220;bertritte</italic>, hg. v. Nils Lehner u. Iris Meinen (Bielefeld: transcript, 2021), 205&#8211;223.</p></fn>
<fn id="n15"><p>Das St&#252;ck handelt davon, dass sich vier Ratten das Video einer Firmenfeier anschauen, auf der sie &#8211; als Menschen verkleidet &#8211; die Angestellten einer Versicherungsagentur am Ende dazu bringen, Massenselbstmord zu begehen. Vgl. Sibylle Berg: &#034;Hauptsache Arbeit! Stra&#223;enfeger von Frau Berg [2009]&#034;, <italic>Theater heute</italic> 5 (2010). [Anhang m. St&#252;ckabdruck]</p></fn>
<fn id="n16"><p>GRM steht f&#252;r Grime (engl. Schmutz), die Bezeichnung eines subkulturellen Musikph&#228;nomens, das weitgehend an das (&#246;stliche) London der fr&#252;hen 2000er Jahre gebunden ist. Die Untersuchung der Musikkultur im Roman bedarf einer eigenen Untersuchung. Vgl. Matthew McKinnon, &#034;Grime Wave: Grime Is the Soundtrack of East London. Will It Play Anywhere Else?&#034; <italic>CBC.ca</italic>, 5.5.2003, <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://web.archive.org/web/20120210153454/http://www.cbc.ca/arts/music/grimewave.html">https://web.archive.org/web/20120210153454/http://www.cbc.ca/arts/music/grimewave.html</ext-link>.</p></fn>
<fn id="n17"><p>Vgl. Rosi Braidotti, <italic>Posthumanismus. Leben jenseits des Menschen</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B6">Frankfurt a. M.: Campus, 2014</xref>).</p></fn>
<fn id="n18"><p>Vgl. Janina Loh, <italic>Trans- und Posthumanismus zur Einf&#252;hrung</italic>, 3., korrigierte Aufl. (<xref ref-type="bibr" rid="B17">Hamburg: Junius, 2020</xref>).</p></fn>
<fn id="n19"><p>Vgl. Katharina Hoppe u. Thomas Lemke, <italic>Neue Materialismen zur Einf&#252;hrung</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B14">Hamburg: Junius, 2021</xref>), 18.</p></fn>
<fn id="n20"><p>Vgl. Hoppe/Lemke, <italic>Neue Materialismen</italic>, 87.</p></fn>
<fn id="n21"><p>Vgl. Timothy Morton, &#034;An Object-Oriented Defense of Poetry&#034;, <italic>New Literary History</italic> 43, Nr. 2 (<xref ref-type="bibr" rid="B18">2012</xref>): 205.</p></fn>
<fn id="n22"><p>Hoppe/Lemke, <italic>Neue Materialismen</italic>, 28.</p></fn>
<fn id="n23"><p>&#034;certain essentialism&#034;: In einem Interview spricht Harman &#252;ber die &#39;Gefahr&#39; relationalistischen Denkens: [I]t focuses too much upon reciprocal interactions in the &#39;now&#39; and too little on what things should be doing that they are prevented from doing by the accidental set of physical and social relations in which they are now entangled.&#034; Lucy Kimbell, &#034;The Object Strikes Back. An Interview with Graham Harman&#034;, <italic>Design and Culture</italic> 5, Nr. 1 (<xref ref-type="bibr" rid="B15">2013</xref>): 115&#8211;16, <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://doi.org/10.2752/175470813X13491105785703">https://doi.org/10.2752/175470813X13491105785703</ext-link>.</p></fn>
<fn id="n24"><p>Hoppe/Lemke, <italic>Neue Materialismen</italic>, 32.</p></fn>
<fn id="n25"><p>&#034;&#39;new and improved&#39; versions of identity&#034;: Timothy Morton, <italic>Ecology without Nature. Rethinking Environmental Aesthetics</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B19">Cambridge/London: Harvard University Press, 2007</xref>), 260.</p></fn>
<fn id="n26"><p>Vgl. Timothy Morton, <italic>Hyperobjects. Philosophy and Ecology after the End of the World</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B20">Minneapolis/London: University of Minnesota Press, 2013</xref>), 16.</p></fn>
<fn id="n27"><p>Morton bezieht sich z.B. auf David Abram, <italic>The Spell of the Sensuous. Perception and Language in a More-Than-Human World</italic> (New York: Pantheon, 1996); vgl. auch Braidotti, <italic>Posthuman</italic>.</p></fn>
<fn id="n28"><p>Vgl. <xref ref-type="bibr" rid="B18">Morton, &#034;An Object-Oriented Defense of Poetry&#034;, 208</xref>.</p></fn>
<fn id="n29"><p><xref ref-type="bibr" rid="B18">Morton, &#034;An Object-Oriented Defense of Poetry&#034;, 207</xref>.</p></fn>
<fn id="n30"><p>Vgl. Morton, <italic>Hyperobjects</italic>, 23.</p></fn>
<fn id="n31"><p>&#034;These entities must exist in a relatively <italic>flat ontology</italic> in which there is hardly any difference between a person and a pincushion.&#034; Morton, <italic>Hyperobjects</italic>, 23.</p></fn>
<fn id="n32"><p>Timothy Morton, &#034;Poisoned Ground&#034;, <italic>Symplok&#275;</italic> 21, Nr. 1&#8211;2 (<xref ref-type="bibr" rid="B21">2013</xref>): 37, <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://doi.org/10.5250/symploke.21.1-2.0037">https://doi.org/10.5250/symploke.21.1&#8211;2.0037</ext-link>.</p></fn>
<fn id="n33"><p>&#034;time of hyperobjects&#034;: <xref ref-type="bibr" rid="B21">Morton, &#034;Poisoned Ground&#034;, 39</xref>.</p></fn>
<fn id="n34"><p>Morton, &#034;Poisoned Ground&#034;, 39.</p></fn>
<fn id="n35"><p>&#034;uncanny&#034;: Morton, &#034;Poisoned Ground&#034;, 39.</p></fn>
<fn id="n36"><p>Morton, &#034;Poisoned Ground&#034;, 39.</p></fn>
<fn id="n37"><p>Morton entwickelt seinen Standpunkt auch als Reaktion auf Leugner*innen des Klimawandels, die einzelne Wetterereignisse und eine immer schon dagewesene Klimageschichte als Beweis f&#252;r seine Nichtexistenz heranziehen.</p></fn>
<fn id="n38"><p>Morton beschreibt die Beziehung zu den Hyperobjekten als eine der Intimit&#228;t: &#034;Hyperobjekts with which we are intimate&#034;. &#034;Poisoned Ground&#034;, 48.</p></fn>
<fn id="n39"><p>Dieser &#39;Egalitarismus&#39; findet etwa bei Rosi Braidotti seinen Ausdruck im Pl&#228;doyer f&#252;r eine &#034;posthumane Subjektivit&#228;t&#034; bzw. im Ideal eines &#034;nomadic, relational self that functions in a nature-culture continuum and is technicologically mediated&#034;. Rosi Braidotti, &#034;Posthuman Critical Theory&#034;, in <italic>Posthuman Glossary</italic>, hg. v. Rosi Braidotti u. Maria Hlavajova (<xref ref-type="bibr" rid="B8">London/New York: Bloomsbury, 2018</xref>), 341.</p></fn>
<fn id="n40"><p>&#034;Our experience becomes one of disgust and pain.&#034; Morton, &#034;Poisoned Ground&#034;, 49.</p></fn>
<fn id="n41"><p>&#034;[W]e discover that the &#39;present moment&#39; is a shifting, ambiguous stage set, like the beach washed by the tide and imprinted by the footsteps of Astraea.&#034; Morton, <italic>Hyperobjects</italic>, 114.</p></fn>
<fn id="n42"><p>Morton, <italic>Hyperobjects</italic>, 114.</p></fn>
<fn id="n43"><p>Vgl. Morton, &#034;Poisoned Ground&#034;, 39.</p></fn>
<fn id="n44"><p>Morton, &#034;Poisoned Ground&#034;, 46. Ernst Behler bestimmt in seiner historischen Abhandlung die Ironie, &#034;mit welcher der Autor in seinem Werk pr&#228;sent ist und alle m&#246;glichen Spiele der Verstellung treibt&#034; als &#034;Merkmal der modernen Literatur&#034;. Ernst Behler, <italic>Ironie und literarische Moderne</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B4">Paderborn u. a.: Ferdinand Sch&#246;ningh, 1997</xref>), 10.</p></fn>
<fn id="n45"><p>Paul de Man, &#034;The concept of Irony&#034;, in (Paul de Man,) <italic>Aesthetic Ideology</italic>, hg. v. Andrzej Warminski (<xref ref-type="bibr" rid="B10">Minneapolis/London: University of Minnesota Press, 1996</xref>), 178.</p></fn>
<fn id="n46"><p>Morton, &#034;Poisoned Ground&#034;, 46.</p></fn>
<fn id="n47"><p>Vgl. Morton, <italic>Hyperobjects</italic>, 160.</p></fn>
<fn id="n48"><p>Morton, &#034;Poisoned Ground&#034;, 48.</p></fn>
<fn id="n49"><p>Morton nennt diesen Zustand &#034;rift&#034; oder &#034;abyss&#034;, <italic>Hyperobjects</italic>, 81&#8211;82.</p></fn>
<fn id="n50"><p>Morton, <italic>Hyperobjects</italic>, 28.</p></fn>
<fn id="n51"><p>&#034;the echo of a mysterious presence&#034;: Morton, &#034;Poisoned Ground&#034;, 47.</p></fn>
<fn id="n52"><p>&#034;[that] presents us with intimacy with existing nonhumans&#034;: <italic>Hyperobjects</italic>, 30.</p></fn>
<fn id="n53"><p><xref ref-type="bibr" rid="B11">Harry Gatterer, &#034;Hyperobjects: Eine neue Dimension des Zukunftsdenkens&#034;</xref>, <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.zukunftsinstitut.de/artikel/zukunftsreport/hyper-objects/">https://www.zukunftsinstitut.de/artikel/zukunftsreport/hyper-objects/</ext-link>.</p></fn>
<fn id="n54"><p>Vgl. Gatterer, &#034;Hyperobjects&#034;.</p></fn>
<fn id="n55"><p>Erw&#228;hnung findet z.B. auch die Theorie der &#034;schrittweise[n] &#220;bernahme der westlichen Welt durch Muslime&#034; (GB 170); Weitere Andeutungen finden sich mit unvermittelten S&#228;tzen wie &#034;In der Temple Church verkehrten nur Reptiloide.&#034; (GB 232)</p></fn>
<fn id="n56"><p>Fett i. O.</p></fn>
<fn id="n57"><p>Sprachliche Anspielung auf Rosi Braidottis Monografie, <italic>Posthumanismus.</italic> [Leben jenseits des Menschen.]</p></fn>
<fn id="n58"><p>Das Bild der Gaia aufrufend, wird im vorigen Zitat eine evolution&#228;re Vision gesponnen, in der das Zeitalter der (technologischen) Entwicklung wiederum von der als &#39;st&#228;rker&#39; begriffenen Entit&#228;t, gemeinhin als &#39;Natur&#39; bezeichnet, &#252;berrollt wird. Zur sogenannten Gaia-Hypothese als umstrittene Theorie in der Erdsystemwissenschaft vgl. Andrew Brennan u. Norva Y. S. Lo, &#034;Environmental Ethics&#034;, in <italic>The Stanford Encyclopedia of Philosophy</italic>, Kap. 3.3, <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://plato.stanford.edu/archives/sum2022/entries/ethics-environmental/">https://plato.stanford.edu/archives/sum2022/entries/ethics-environmental/</ext-link>.</p></fn>
<fn id="n59"><p>Hannah Arendt unterscheidet in ihrem Hauptwerk <italic>Vita activa</italic> die Grundt&#228;tigkeiten Arbeiten, Herstellen und Handeln und verankert sie in der &#034;menschliche[n] Bedingtheit&#034;. <italic>Vita activa oder Vom t&#228;tigen Leben</italic>, erw. Neuausgabe, 2. Aufl., hg. v. Thomas Meyer, mit einem Nachwort v. Hans-J&#246;rg Sigwart (<xref ref-type="bibr" rid="B3">M&#252;nchen: Piper Verlag, 2021 [1960]</xref>), 23.</p></fn>
<fn id="n60"><p>Morton, &#034;Poisoned Ground&#034;, 49.</p></fn>
<fn id="n61"><p>Morton, &#034;Poisoned Ground&#034;, 48.</p></fn>
<fn id="n62"><p>Vgl. auch GB 180&#8211;81, 241, 305, 448, 607, 448.</p></fn>
<fn id="n63"><p>Vgl. GB 209, 319, 375.</p></fn>
<fn id="n64"><p>Vgl. Peter Welchering, &#034;Politik 4.0: Online-Manipulation der W&#228;hler&#034;, <italic>deutschlandfunk.de</italic>, 10.12.2016, <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.deutschlandfunk.de/politik-4-0-online-manipulation-der-waehler-100.html">https://www.deutschlandfunk.de/politik-4-0-online-manipulation-der-waehler-100.html</ext-link>.</p></fn>
<fn id="n65"><p>Vgl. Werner Wolf, &#034;Metaisierung als transgenerisches und transmediales Ph&#228;nomen: Ein Systematisierungsversuch metareferentieller Formen und Begriffe in Literatur und anderen Medien&#034;, in <italic>Metaisierung in Literatur und anderen Medien</italic>, hg. v. Janine Hauthal (Berlin: Walter de Gruyter, 2007), 25&#8211;64.</p></fn>
<fn id="n66"><p>Morton, <italic>Hyperobjects</italic>, 159.</p></fn>
<fn id="n67"><p>Vgl. dazu das 2005 erschienene Werk <italic>The Singularity Is Near: When Humans Transcend Biology</italic> (New York: Penguin, 2005) des Computerwissenschaftlers und Transhumanisten Raymond Kurzweil, der den Begriff der Singularit&#228;t popularisiert hat. Kurzweil geht davon aus, dass die Singularit&#228;t 2045 eintreten wird.</p></fn>
<fn id="n68"><p>Kursivsetzung i. O. Zudem wird f&#252;r die Seiten 207&#8211;15 eine andere (serifenlose) Schriftart verwendet, die hier nicht wiedergegeben wird.</p></fn>
<fn id="n69"><p>In einer Danksagung, die dem Text hintangestellt wird, werden einige f&#252;r den Entstehungsprozess wichtige (reale) Personen genannt, darunter auch Prof. J&#252;rgen Schmidhuber.</p></fn>
<fn id="n70"><p>J&#252;rgen Schmidhuber, &#034;New Millennium AI and the Convergence of History: <italic>Update</italic> of 2012&#034;, in <italic>Singularity Hypotheses. A Scientific and Philosophical Assessment</italic>, hg. v. Amnon H. Eden et al. (Berlin/Heidelberg: Springer, 2012), 61&#8211;82.</p></fn>
<fn id="n71"><p>Vgl. <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://people.idsia.ch/~juergen/history.html">https://people.idsia.ch/~juergen/history.html</ext-link>.</p></fn>
<fn id="n72"><p>Schmidhuber, &#034;New Millenium AI&#034;, 9.</p></fn>
<fn id="n73"><p>Es handelt sich vermutlich um eine parodistische Wiedergabe von Schmidhubers etwas willk&#252;rlich erscheinenden Berechnungen, in denen &#034;[s]urprisingly, even if we go back all the way to the beginnings of modern man over 40,000 years ago, essential historic developments (that is, the subjects of the major chapters in history books) match a binary scale marking exponentially declining temporal intervals, each half the size of the previous one, and even measurable in terms of powers of 2 multiplied by a human lifetime&#034;. Schmidhuber, &#034;New Millenium AI&#034;, 9.</p></fn>
<fn id="n74"><p>Den vier zuletzt erw&#228;hnten Zeitabschnitten, die die unmittelbare Gegenwart der Diegese beschreiben, werden keine Evolutionsschritte mehr zugewiesen, sie sind vielmehr mit sich Zeile f&#252;r Zeile exponentiell vervielfachenden Fragezeichen bedacht.</p></fn>
<fn id="n75"><p>Diese Annahme pr&#228;gt den gegenw&#228;rtigen Diskurs &#252;ber Arbeit, hier psychoanalytisch begr&#252;ndet bei Elisabeth Lukas u. Paul M. Ostberg, <italic>Arbeit heute &#8211; Last oder Freude? Strategien sinnzentrierter Unternehmenskultur</italic> (Edition Logotherapie. M&#252;nchen/Wien: Profil, 2022). Eine dazu gegenl&#228;ufige Tendenz im 21. Jahrhundert beschreibt David Graeber, <italic>Bullshit Jobs. Vom wahren Sinn der Arbeit</italic>, 2. Aufl., &#252;bers. v. Sebastian Vogel (Stuttgart: Klett-Cotta, 2020).</p></fn>
<fn id="n76"><p>Ein &#39;R&#252;ckzug&#39; des Subjekts wurde auch schon f&#252;r fr&#252;here Texte der Autorin festgestellt. Vgl. Olivier Garofalo, &#034;Vom Verschwinden des Subjekts&#034;, in <italic>Sibylle Berg</italic>, hg. v. Stephanie Catani u. Julia Sch&#246;ll (M&#252;nchen: edition text + kritik, 2020), 3&#8211;9.</p></fn>
<fn id="n77"><p>Vgl. Karin Hausen, &#034;Die Polarisierung der &#39;Geschlechtscharaktere.&#39; Eine Spiegelung der Dissoziation von Erwerbs- und Familienleben&#034;, in <italic>Sozialgeschichte der Familie in der Neuzeit Europas: Neue Forschungen</italic>, hg. v. Werner Conze (<xref ref-type="bibr" rid="B12">Stuttgart: Klett, 1976</xref>), 363&#8211;93.</p></fn>
<fn id="n78"><p>Diese Auffassung misogyner F&#228;rbung wurde vor allem im 19. und beginnenden 20. Jhd. vielfach unter dem Deckmantel der Wissenschaft bzw. Philosophie legitimiert u.a. bei Arthur Schopenhauer, &#034;&#220;ber die Weiber&#034; (1851), <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.projekt-gutenberg.org/schopenh/weiber/weiber.html">https://www.projekt-gutenberg.org/schopenh/weiber/weiber.html</ext-link> oder Paul Julius M&#246;bius, &#034;&#220;ber den physiologischen Schwachsinn des Weibes&#034; (1900).</p></fn>
<fn id="n79"><p>Zum Konzept der Feminisierung in der Arbeitsforschung vgl. Alexandra Scheele, &#34;Feminisierung der Arbeit und Arbeitsforschung&#34;, <italic>Arbeit. Zeitschrift f&#252;r Arbeitsforschung, Arbeitsgestaltung und Arbeitspolitik</italic> 13, Nr. 2 (<xref ref-type="bibr" rid="B23">2004</xref>): 173&#8211;76.</p></fn>
<fn id="n80"><p>Vgl. dazu Publikationen wie etwa <italic>Sicherheit und Gesundheit in der digitalisierten Arbeitswelt. Kriterien f&#252;r eine menschengerechte Gestaltung</italic>, hg. v. Anita Tisch u. Sascha Wischniewski (Baden-Baden: Nomos, 2022).</p></fn>
<fn id="n81"><p>Anlehnung an den Begriff der Industrie 4.0 vgl. Hartmut Hirsch-Kreinsen, &#034;Industrie 4.0&#034;, in <italic>Lexikon Der Arbeits- Und Industriesoziologie</italic>, 2. Aufl., hg. v. Hartmut Hirsch-Kreinsen u. Heiner Minssen (<xref ref-type="bibr" rid="B13">Baden-Baden: Nomos, 2017</xref>), 170&#8211;75, <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://doi.org/10.5771/9783845276021">https://doi.org/10.5771/9783845276021</ext-link>.</p></fn>
<fn id="n82"><p>Der Begriff lehnt sich an die von Ulrike K&#252;chler in der Literatur identifizierte &#034;Tradition an Figurationen m&#228;nnlicher Reproduktionstechniker&#034; an, die K&#252;chler z.B. in der Sch&#246;pfung Olympias in E. T. A. Hoffmanns <italic>Der Sandmann</italic> (1816) erkennt. Ulrike K&#252;chler, &#034;Figurationen der Weiblichkeit im Zeitalter ihrer technischen Reproduzierbarkeit&#034;, in <italic>Technik und Gender. Technikzuk&#252;nfte als geschlechtlich codierte Ordnungen in Literatur und Film</italic>, hg. v. Marie-H&#233;l&#232;ne Adam u. Katrin Schneider-&#214;zbek, unter Mitarbeit v. Andie Rothenh&#228;usler (<xref ref-type="bibr" rid="B16">Karlsruhe: KIT Scientific Publishing, 2016</xref>), 111&#8211;12.</p></fn>
<fn id="n83"><p>Vgl. Dierk Spreen, &#34;Politische &#214;konomie nach dem Menschen. Die transhumane Herausforderung&#34;, in <italic>Kritik des Transhumanismus. &#220;ber eine Ideologie der Optimierungsgesellschaft</italic>, hg. v. Dirk Spreen et al. (<xref ref-type="bibr" rid="B25">Bielefeld: transcript, 2018</xref>), 15&#8211;62.</p></fn>
<fn id="n84"><p>Die Idee des &#39;Gehirn im Tank&#39;, das einen Avatar steuert und das, &#034;St&#252;ck f&#252;r St&#252;ck durch elektronische &#196;quivalente ersetzt&#034; werden soll findet sich bei einem der f&#252;hrenden Transhumanist*innen, Hans Moravec, &#034;Geist ohne K&#246;rper &#8211; Visionen von der reinen Intelligenz&#034;, in <italic>Kultur und Technik im 21. Jahrhundert</italic>, hg. v. Gert Kaiser, Dirk Matejovski u. Jutta Fedrowitz (Frankfurt a. M.: Campus, 1993), 84; Das &#39;Gehirn im Tank&#39; ist zudem eines der ber&#252;hmtesten Gedankenexperimente der (analytischen) Philosophie, mit dem Fragen zum menschlichen Realit&#228;tsbezug, zur Objektivit&#228;t, zur Wahrheit etc. diskutiert werden.</p></fn>
<fn id="n85"><p>Def. &#034;Subjekt&#034; laut DWDS, <ext-link ext-link-type="uri" xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink" xlink:href="https://www.dwds.de/wb/Subjekt?o=subjekt#d-1-3">https://www.dwds.de/wb/Subjekt?o=subjekt#d-1&#8211;3</ext-link>.</p></fn>
<fn id="n86"><p>Die Reproduktionstechniken, die im Roman im Angebot der Arbeitsprozesssimulation kulminieren, machen Verdinglichungsprozesse lesbar, die die Philosophie des 20. Jahrhunderts (etwa bei Martin Heidegger) vor allem hinsichtlich der naturwissenschaftlich-technischen Weltaneignung besch&#228;ftigt hat. Vgl. Thomas Zoglauer, &#034;Zur Ontologie der Artefakte&#034;, in <italic>Ding und Verdinglichung Technik- und Sozialphilosophie nach Heidegger und der Kritischen Theorie</italic>, hg. v. Hans Friesen et al. (<xref ref-type="bibr" rid="B27">M&#252;nchen: Wilhelm Fink, 2012</xref>), 25.</p></fn>
<fn id="n87"><p>G&#252;nther Anders, <italic>Die atomare Drohung. Radikale &#220;berlegungen</italic> (<xref ref-type="bibr" rid="B1">M&#252;nchen: Beck, 1981</xref>), 96.</p></fn>
<fn id="n88"><p>G&#252;nther Anders, &#034;Sprache und Endzeit VI&#034;, <italic>FORVM</italic>, Nr. 433&#8211;435 (<xref ref-type="bibr" rid="B2">1990</xref>): 19.</p></fn>
<fn id="n89"><p>Sibylle Berg, <italic>RCE. #RemoteCodeExecution. Roman</italic> (K&#246;ln: Kiepenheuer &amp; Witsch, 2022).</p></fn>
</fn-group>
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<title>Literatur</title>
<ref id="B1"><label>1</label><mixed-citation publication-type="book"><string-name><surname>Anders</surname>, <given-names>G&#252;nther</given-names></string-name>. <source>Die atomare Drohung. Radikale &#220;berlegungen</source>. <publisher-loc>M&#252;nchen</publisher-loc>: <publisher-name>Beck</publisher-name>, <year>1981</year>.</mixed-citation></ref>
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